Freitag, 29. August 2025

Gourmetmeilen 2025: „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein gestartet

Gelöste Stimmung auf Zollverein 

Eröffnung der „Gourmeile Metropole Ruhr“ durch den scheidenden Zollverein-Vorstand Hans-Peter Noll, Bürgermeisterin Julia Jacob und Meilen-Chef Rainer Bierwirth


Fünfzehn Jahre ist es es her, seit die erste „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein stattfand, gedacht als „einmalige Veranstaltung zur Kulturhauptstadt 2010“, wie Rainer Bierwirth, als Vorstand des Gastronomenvereins „Essen...genießen e.V.“ Initiator der Aktion, bei seiner gestrigen Eröffnungrede betonte. Doch mittlerweile hat sich das kulinarische Fest vor der gewltigen Kulisse des Welterbes Zollvererein feste Größe im Reigen der Gourmetmeilen im Ruhrgebiet etabliert, mit viel Ausstrahlungskraft über den städtischen Standort hinaus. Zugegeben, mittlerweile fehlen einige der schillernden Teilnehmer aus dem Michelin-Sterne- und TV-Bereich, die die Veranstaltung zu Anfang zierten, aber immerhin sind noch 13 Gastronomien aus Essen und Mülheim und einige weitere Standbetreiber am Start. Nach wie vor sieht das Konzept vor, dass es bei jedem Anbieter zum „normalen“ Angebot je ein „Gourmetgericht“ und ein „Bergmannsgericht gibt, mit denen die gesmate Bandbreite der Küche im Ruhrgbiet abgebildet wird.




Bei der gestrigen Eröffnung hatten die Gastronomen und auch wir Glück. Wir, das waren der Genießer und die Pott-Gourmette (d.i. Silke von der Facebook-Seite „Mein kulinarisches Dortmund“ mit bürgerlichem Namen), hatten zwischen den heftigen Regenschauern am Nachmittag und am späteren Abend genug Zeit, um bei wunderbar lauen Temperaturen einen ersten Einblick in das umfangreiche Angebot zu gewinnen. Einiges konnten wir beim offziellen Eröfnungsempfang probieren, weitere Gerichte genehmigten wir uns danach in entspanterer Atmosphäre.


Grauburgunder vom Slow-Food-Weingut Höfflin
bei Gummersbach



Gourmetmeile Metropole Ruhr
Essen, Zollverein, 28.8.2025





Walkmühlen Restaurant
3 Frische Irische Felsenaustern 
mit Schwarzbrot und frischer Zitrone, 8 Euro 
und
Wachtel-Eier mit schwarzem Kaviar
6 halbe Wachtel-Eier mit 10g Premium-Stör-Kaviar, 15 Euro 
Nachdem Rino mit seinem „La Grappa“ auf Zollverein nicht mehr vertreten ist, hat das Walkmühlen Restaurant aus Mülheim die Versorgung der Gäste mit den Luxusgütern Austern und Kaviar übernommen. Die Austern waren von guter Qualität und im Vergleich zu anderen Gourmetmeilen sehr erschwinglich. Die Wachtel-Eier mit dem Kaviar waren allerliebst, die Frischkäsecrème dazu erfrischend, und über allem thronte ein Blini, wohl als Hinweis auf die ukrainische Herkunft von Walkmühlen-Betreiber Sergiy Sirik. Nur die marmeladensüße Balsamico-Crème als Deko war entbehrlich.



Da Vinci
Zuppa di Fagioli
Italienischer Bohneneintopf mit Salsiccia Picante, 10 Euro
Die cucina povera Italiens trifft sich ja gerne mit der Arbeiterküche des Ruhrgebiets, und so ist es einleuchtend, diese Bohnensuppe als Bergmannsgereicht zu servieren. Statt Mettwurst war halt Salsisccia drin. Eine schöne Kräuternote, seis Thymian oder Bohnenkraut, hätte der Sache auch noch Pfiff gegeben.




Bliss
Pakoras
Indische Gemüserösti | Tomaten-Kokoscrème | saure Zwiebel, 7 Euro

Eine klasse Idee, den guten alten Reibekuchen indisch zu interpretieren. Leider war das Gemüseküchlein etwas sehr flüssig und mit Curry bzw. Kurkuma eindimensonal überwürzt.



Trattoria Trüffel
Pesce Spada alla Griglia
Gegrillter Schwertfisch mit frischen Kräutern auf Salat, 14 Euro

Ich hätte mir gwünscht, dass der edle Schwertfisch estwas liebvoller auf den Teller gebracht worden wäre. Etwas zu trocken gebraten, bekam er seine Würze fast ausschließlich von dem Knoblauch aus der Kräuterzubereitung.




Trattoria Trüffel
Coniglio con Verdure
Geschmorte Kaninchenkeule mit Sommergemüse, 13 Euro

Ich glaube, das erste Mal habe ich dieses Gericht vor vierzehn Jahre am Stand der Trattoria Trüffel gegessen, die damals noch von Diego Palermo geführt wurde. Und für die aktuelle Version seiner Nachfolger kann ich den Text von damals nur wiederholen (klick hier): „Was wäre die Ruhrgebietsküche ohne die Küche der eingewanderten Italiener! Und das Kaninchen gehört in Italien genauso traditionell auf den Speiseplan wie der Stallhase bei den hiesigen Bergleuten mit ihren Arbeitergärten. Deswegen sind die zart und saftig geschmorten Kaninchenkeulen gleichermaßen typisch für Italien wie fürs Ruhrgebiet.“



Hofbräu im Königshof
„Omas“ Rinderroulade
gefüllt mit Speck, Zwiebeln und gekörntem Senf, mit Soße, gedünstetem Wurzelgemüse und Kartoffel – Selleriestampf, 14 Euro
Momentan tut sich Lars noch schwer, von seinem „Löwen“ am Kopstadtplatz ins „Hofbräu im Königshof“ am Willy-Brandt-Platz gegenüber dem Essener Hauptbhanhof zu ziehen. Aber es dauert nicht mehr lang, bis die bayerische Gastlichkeit in der Ruhrgebietsmetropole Essen komplett auf ein neues Level gehoben wird. Dass die Rinderroulade als „Gourmet-“ und nicht als „Bergmannsgericht“ angekündigt wird, mag irritieren, denn sie ist eine Spezialität, die Einwanderer aus Schlesien mit ins Ruhrgebiet gebracht haben. Aber letzten Endes ist es egal, denn so etwas Fanatstisches bekommt man auf der Gourmetmeile wohl kein zweites Mal. Das Fleisch löffelweich und saftig, die Sauce zum Reinlegen, die Beilagen schön schlotzig. Soulfood vom Feinsten.



Gummersbach
Valrhona küsst Birne
Mousse au chocolat von der Jivara Valrhona, Birnensorbet, 8 Euro
Ein Dessert wie aus Bilderbuch, wobei das Birnensorbeit von keinem Trend-Eismacher besser gemacht werden könnte.

Gourmetmeile Metropole Ruhr geht noch bis zum 31 August. Essen, Zollverein. Fr ab 16 Uhr, Sa & So ab 12 Uhr. Alle Infos hier.

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