Der Text erschien erstmalig in "Essen geht aus 2014".
Das Restaurant ist geschlossen.
Es ist typisch für den Strukturwandel im Ruhrgebiet, dass heutzutage in alten Fabrikgebäuden nicht mehr Produkte hergestellt werden, sondern gekocht und gegessen wird. Nachdem Enzo Errico seine „Fattoria“ aufgab, gab es ein „Da Enzo“ in der Alten Lederfabrik, da, wo heute „Kai’s Eataliano“ ist. Doch von da zog Enzo vor drei Jahren in die Alte Senffabrik, wo er bis heute geblieben ist. Wie Leder waren seine Gerichte auch früher nie, und Senf wird heute nur da eingesetzt, wo er auch angebracht ist, etwa beim „Marktsalat mit gebratener Entenbrust und italienischem Senfdressing“ (11,90 Euro).
Mein Testbesuch fand jedenfalls vor dieser Aktion statt, und so hielt ich mich einfach an die Speisekarte. Die umfasst ein kleines Pizza-Angebot von 7,50 bis 9 Euro sowie eine Reihe von schönen Pasta-Gerichten wie Linguini Estate mit frischem Basilikum, Sardellen, Oliven und Ricotta auf einem Carpaccio- Rand (9,50 Euro) oder Ravioli mit weißem Alba-Trüffel auf Parmesan und Parma Schinken (12,90 Euro). Für Fisch- und Fleischgerichte werden ausgezeichnete Zutaten wie schottischer Lachs, Iberico-Schwein oder Simmentaler Rind verwendet.
Fündig wurde ich aber auf der wechselnden Tageskarte. Bei den pikanten Penne mit sizilianischer Salsiccia und Brokkoli (9,50 Euro) hatten es mir besonders die Salsiccia angetan, in diesem Fall eine herzhafte, salamiartige Trockenwurst, die fein mit Fenchel gewürzt war. Der Brokkoli war kurz in der Pfanne angebraten und hatte einen sanften Biss, geschmolzene Tomaten brachten Saftigkeit dazu. Nicht ganz stilecht empfand ich den darüber gehobelten Parmesan, aber schmecken tat’s prima.
Den Hauptgang bestellte ich aus reiner Abenteuerlust, denn ich wusste nicht recht, was ich mir unter „Zackebarsch Wildefang Mediterran Tomaten-Pesto“ (18,90 Euro) vorstellen sollte. Serviert wurde mir ein knusprig auf der Haut gebratenes, gut gewürztes und saftiges Stück Fisch, das von Rosmarinkartoffeln, Brokkoli und grünen Bohne begleitet wurde und mit angedünsteten Tomaten- und roten Zwiebelwürfeln bestreut war, die mich an die Auflage der Bruschetta erinnerten, dich als Gruß aus der Küche gleich zu Anfang bekommen hatte. Ein klasse Gericht.
Das Dessert war dann so einfach wie lecker. Ein großes Stück Mokka-Halbgefrorenes mit einem großen Berg kaltem Kompott aus Pfirsich- und Erdbeerstücken war genau das richtige für einen lauen Sommerabend.
-kopf
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