Montag, 5. August 2013

Aus dem Archiv: Landhaus Sassenhof - Wie im Urlaub!

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2014".

Der noble Mülheimer Uhlenhorst wird bestimmt durch zahlreiche gepflegte Ein- und Mehrfamilienhäuser, und das Landhaus Sassenhof sieht aus wie eine der größten und stattlichsten dieser gutbürgerlichen Wohnstätten. Das villenähnliche Haupthaus und dazugehörige Gästehäuser beherbergen ein Hotel und Restaurant, das in dritter Generation von der Familie Sassenhof geführt wird. Gemütlichkeit und Familiarität sind hier angesagt, und auf der schönen Terrasse fühlte ich mich beim sommerlichen Testbesuch an die Österreich-Urlaube meiner Kindheit erinnert. Zwischen den aufgespannten Sonnenschirmen blinzelte die Sonne, an Nebentischen klapperte das Geschirr, und manchmal wehte der Wind ein wenig von dem Zigarrenrauch herüber, den ein Herr ein paar Tische weiter produzierte. Dass es das noch gibt, herrlich!

Und auch die Speisekarte spiegelt die solide Eleganz, die das Landhaus Sassenhof verbreitet. Natürlich findet man darauf das Mülheimer Heimatgericht wieder, den Kartoffel-Endivienstampf mit gebratener Blutwurst, hier ergänzt durch Röstzwiebeln und Rübenkraut (12,50 Euro). Mich entzücken, neben zahlreichen italienisch inspirierten Gerichten, das halbe Dutzend französischer Weinbergschnecken mit Knoblauch-Kräutersauce überbacken (6,50 Euro), ein Gericht, das bis in 80er Jahre hinein in deutschen Restaurants als Inbegriff der französischen Küche galt. Ich bestelle die Spezialität, und tatsächlich blubbern sechs Schnecken in den Ausbuchtungen von einem diesen typischen braunen Steingut-Pfännchen, die ich aus jener Zeit kenne, und dessen Glasur zahlreiche feine Risse hat, die auf jahrelangen Gebrauch schließen lassen. Es sind übrigens echte französische Schnecken, die ich da mit Genuss verzehre, und nicht jene afrikanischen Achatschnecken, die dieses Gericht bei Feinschmeckern in letzter Zeit in Misskredit brachten.

An Hauptgängen hält die Küche zahlreiche Fleischgerichte vom irischen Weide- oder argentinischen Angusrind bereit, das Schweinefleisch stammt vom Fläminger Landschwein. Ich entscheide mich heut aber für Fisch, Schollen haben schließlich im Frühsommer Saison. Ich bekomme den Plattfisch schön filetiert und tadellos in Butter gebraten, genauso wie die frischen Petersilienkartoffeln, die es dazu gibt. Zusammen mit dem bunten Salat ist das ein klassisches Gericht wie aus der guten alten Zeit. Den Abschluss des Menüs macht dann ein erfrischend fruchtiges Erdbeersorbet (3,20 Euro), das mir die Kellnerin empfohlen hat und das nicht auf der Karte steht.

-kopf


www.landhaus-sassenhof.de
45478 Mülheim-Speldorf
Schellhockerbruch 21
02 08. 99 91 80
Küchenzeiten Di-Sa ab 12-14 und 18-21 Uhr, So 12-20.30 Uhr
Ruhetag:Montag

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