Dienstag, 25. März 2014

Kult(ur)-Weinmesse 2014: Abstecher in den Stadtgarten Steele




Für vier Stunden Veranstaltung eine eigene Website – Thilo Marquaß von der Essener Weinhandlung „Rolf Kaspar“ wundert sich immer über sich selbst, wenn er an seine „Kult(ur)-Weinmesse“ denkt. Aber der Enthusiasmus, mit der er seine alljährliche Hausmesse betreibt, lohnt sich immer wieder. Nachdem sie zwischenzeitlich auf Zollverein im hohen Essener Norden stattfand, ist sie jetzt in den nahen Osten der Stadt zurückgekehrt, und zwar in den Stadtgarten Steele, der einem Schloss Sanssoucis gleich in einem schöne Park hoch über dem Ruhrtal thront.

Stadtgarten Steele

 Dass die Veranstaltung nur vier Stunden dauert, hat seinen Grund. Länger haben die Winzer kaum Zeit, um vor der großen Messe ProWein in Düsseldorf einen Abstecher nach Essen zu machen. Aber genau ihre Anwesenheit für diesen Riesenevent in der Region birgt die Chance, über 30 Spitzenwinzer nach Essen zu bekommen. Für die kulturelle Erfrischung des Abends sorgte die Malerin Andrea Agner, die live auf der Bühne des Kuppelsaals ein Ruhrgebiets-gemälde fertig stellte.

Kulturelle Erfrischung im Kuppelsaal: Malerin Andrea Agner

Auch der Genießer machte am Samstagabend einen Abstecher in den Stadtgarten Steele, konnte in der Kürze der Zeit aber beileibe nicht alle Aussteller mit einem Besuch beglücken. Hier also eine kleine Auswahl aus dem großen Angebot.

Sein Winzerhandwerk hat Junior Georg Diehl (Bild) u.a. bei Wittmann und später bei Van Volxem gelernt, im Familienweingut, dem der Gault-Millau „keinerlei Schwächen“ für „lächerlich kleines Geld“ attestiert, produziert auf eigenen Weinbergen eigene Weine. Unter den mitgebrachten Beispielen vom Weingut Borell-Diehl aus Hainburg in der Pfalz stach ein rosafarbener Schwarzriesling-Sekt etxra trocken heraus. Den Genießer aber überzeugte der 2011 Merlot „B“ Qualitätswein trocken durch seine weiche Eleganz.

Etwas abseits stand Guillaume Perraud (bild) von der Domaine Coudoulis da, dabei hätten seine Côtes-du-Rhône-Weine aus Lirac die volle Aufmerksamkeit verdient. Lirac liegt auf der westlichen Seite der Rhône gegenüber von Châteauneuf-du-Pape. Der normale 2010 Côtes du Rhône, der 2013 Lirac Red und die 2011 Lirac Red Cuvée Hommage als Spitzenwein verbanden in unterschiedlicher Zusammensetzung die Kraft der südfranzösischen Rebsorten Grenache und Syrah, Mourvèdre und Cinsault mit einer schönen trinkbaren Leichtigkeit und Eleganz.

Sichtlich Spaß hatte Peter Schnitzler (Bildmitte) von Schnitzler’s Restaurant in Essen-Byfang an den Weinen der Bodegas Ercavio. Ursprünglich betrieben Margarita Madrigal (links) und Alexandra Schmedes (rechts) zusammen mit Gonzalo Rodruguz eine önologische Beratungsfirma, bis sie sich im größten spanischen Anbaugebiet La Mancha die Bodegas Ercavio zulegten. Hier widmen sie sich hauptsächlich dem Tempranillo, dessen typischen Eigenschaften in den Basisweinen 2013 Tempranillo Joven und 2012 Tempranillo Roble sowie der 2012 Reserva Limitada schön herausgearbeitet wurden. Die Spitzenweine der Bodega, der 2010 El Senorito und der in der Rioja produzierte 2010 La Bunea Vid, erwiesen sich als tiefgründige, moderne Spanier.

Der Favorit des Genießers auf der diesjährigen Kult(ur)-Weinmesse war jedoch das Weinwerk El Lagarto, das ihm von Björn Steinemann von Pompaelo Wines mit den Worten „Das ist ein Verrückter wie wir“ empfohlen wurde. Der gebürtige Wuppertaler und ursprüngliche Makler Jörg Zieske hat im an der spanisch-portugiesischen Grenze ein Weingut gegr4ündet, in dem er in hoher handwerklicher Qualität aus Trauben von gepachteten Weinbergen im Duero-Tal kleine Mengen von Wein produziert. Verkauft werden die Raritäten unter anderem in seinem Feinkostgeschäft in Sprockhövel.
Die Rotweine, beginnend beim Einstiegswein Ruby Luby (7,95 Euro) über den Picu (9,50 Euro) und Weinwerk I. Roble (11,95 Euro), waren von vielschichtiger Tiefe aus Fruchtigkeit, Kräuter- und Schokloadennoten, der 2010 Weinwerk TeGe edicion limitada (29,95 Euro), ein Spitzenwein aus der örtlichen Tempranillo-Varietät Tinta de Toro und Garnacha mit enormen Potential, der 27 Monate in französischer Eiche in 500-Liter- und Barrique-Fässern gereift ist.


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