Freitag, 13. August 2010

Bochum kulinarisch II: Die heiße Schlacht am kalten Büffet



Massenbetrieb auf dem Massenbergboulevard

Das hätte der Genießer nicht gedacht, dass sich solche Massen zwischen den Gourmetzelten über den Massenbergboulevard schieben können! Die ganze Stadt musste gestern auf den Beinen gewesen sein, um „Bochum kulinarisch“ einen Besuch abzustatten. Und dabei gelang es den chicen Bochumer Damen und Mädchen sogar, bei aller Ruhrgebietsbehäbigkeit einen Hauch von Eleganz auf den Boulevard zu bringen. Beim Genießer stellte sich eine wohlige Ferienseligkeit ein, als er mit der Masse schwamm.

Angebot der Orangerie im Stadtpark

Doch die Besucherströme waren ungleichmäßig verteilt. Am Beginn der Meile (vom Hauptbahnhof gesehen) war es so voll, dass der Genießer darauf verzichtete, von der unkomplizierten spanischen Urlaubsküche des „Pablo“ zu probieren. Die Schlange am Stand war einfach zu lang und der Menschenpulk an den Tischen zu groß. Am anderen Ende der Meile ging es wesentlich ruhiger zu. Dabei befindet sich hier der Lieblingsstand des Genießers, die „Orangerie im Stadtpark“. Küchenchef Michael Hau hat sicherlich die ambitioniertesten und feinsten Gerichte der Meile in Angebot, jenseits des „viel macht glücklich“. Der Genießer konnte sich gestern fast durch die gesamte Karte schlemmen. Bei den hausgemachten Lammbratwürstchen mit Kartoffelknoblauchpüree (1) merkte man, dass sie handgemacht waren. Die Kalbsschwanz-Ravioli in Mangosauce mit Rotweinreduktion (2) waren so fein wie lecker. Das Ziegenkäsefondue mit Knoblauch, Rosmarin, Thymian und Trauben (3) wurde witzig in einer Tasse aus Brot serviert, neiget aber dazu, schnell kalt und damit zäh zu werden. Der warme Auflauf von dunkler Schokolade mit Vanilleschaum (4) war ein herzhaftes und überzeugendes Dessert.

Gnocchi mit Sommertrüffel vom Caruso

In vielerlei Dingen erinnerte „Bochum kulinarisch“ den Genießer an das Pendant „Essen verwöhnt“. War er dort überrascht gewesen, am Stand des „Lucente“ die Bochumer Dönninghaus-Curryurst zu entdecken, so musste er in Bochum darüber lächeln, zwei Klassiker aus Essen vorzufinden. Sind in Essen die Gnocchi in Trüffelsauce vom „La Grappa“ für jeden Besucher ein Muss, so versucht in Bochum, das „Caruso“ aus dem Bermudadreieck damit gleichzuziehen. Die üppigen Sommertrüffel-Späne, mit denen Kartoffel-Klößchen garniert waren, waren auch große Klasse, allein die Gnocchi hatten sich auf dem Teller in eine leicht zähe Masse verwandelt, denn sie waren kalt geworden, bis der Genießer endlich einen Platz zum Essen gefunden hatte.

Ochsenbäckchen vom Livingroom

Der „Livingroom“, als Ersatzladen für „Haus Borgböhmer“ dieses Jahr in Bochum einmalig dabei, präsentierte in Rotwein geschmorte Ochsenbäckchen mit Stampfkartoffeln und Wurzelgemüse. Damit trat er in Konkurrenz mit der „Résidence“ in Essen, deren verschiedene Bäckchen-Gerichte alljährlich der ungekrönte Renner bei „Essen verwöhnt“ sind. Gegen das Zwei-Sterne-Restaurant aus Kettwig kam der „Livingroom“ jedoch nicht an. Seine Ochsenbäckchen waren zwar löffelweich, doch der Sauce fehlte es jenseits gewisser brenzliger Röstaromen an Tiefe.

„Bochum kulinarisch“ geht noch bis zum 15. August. Öffnungszeiten und das Programm finden Sie hier.

Nicht probiert, nur fotografiert:
Rotbarbenfilet auf der Haut gebraten
mit Vinaigrette von Tomaten,
Taggiasca-Oliven und Basilikum

Einen weiteren Bericht über "Bochum kulinarisch"
gibt es in Ozekis Tageblatt.

Kommentare:

  1. Geniesser Geniesser, das schreit aber nach einer Diät in den nächsten Tagen.

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  2. Die Rotbarbe sieht aber ganz schön dunkel aus. *find*

    Du hast bestimmt den ganzen Tag extra nix gegessen, um auf der Meile zulangen zu können?

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