Sonntag, 30. Juni 2013

Björn Freitags Menü bei "Schermbeck genießen 2013": Der Stern von Schermbeck



Das Schermbecker Tor zum Schlaraffenland

13 Grad und Dauerregen: Der Blick aus dem Fenster ließ die Lust des Genießers am Freitagnachmittag schwinden, zur Eröffnung der Gourmetmeile „Schermbeck genießen“ 50 km über überfüllte Ruhrgebietsautobahnen zu schleichen, mochte der Fernseh- und Sternekoch Björn Freitag nun anwesend sein oder nicht. Am gestrigen Samstag war es dann etwas anderes. Die Sonne lachte vom immer blauer werdenden Himmel, das Thermometer zeigte über zwanzig Grad und es machte richtigen Spaß, durch den ländlichen Norden des Ruhrgebiets zu cruisen, dahin, wo sich das Münsterland mit dem Niederrheinischen vermählt. Als der Genießer gegen 19 Uhr schließlich ankam, war Björn Freitag leider nicht zugegen.

Schermbeck genießen: ein kulinarischer Hexenkessel

Verlieh das vielbesuchte Schermbecker Sommerfest mit seinen Verkaufsständen dem Zentrum des hübschen Städtchens schon trubeligen Jahrmarktscharakter, so war der Platz vor dem Rathaus mit der Gourmetmeile ein wahrer Hexenkessel. Das klar umgrenzte Areal platzte gegen 19 Uhr aus allen Nähten, die Schlangen vor den 12 Gastro- und Getränkeständen waren so lang, wie es der Genießer selten auf so einer Veranstaltung gesehen hat. Erstmals war mit Björn Freitag ein Sternekoch dabei. Damit schließt „Schermbeck genießen“ zur Königin der Gourmetmeilen „Essen verwöhnt“ auf, die immerhin drei aktuelle Sterneköche/innen aus dem Ruhrgebiet aufbieten kann. Auf der Dortmunder „GourmeDo“ gibt es zwar mehrere ehemalige Sterneköche, aber der einzige aktuelle muss von auswärts eingeflogen werden.

So mag man es nördlich des Currywurstäquators:
"Currywurst Deluxe" von Scharun

Die Frage, die sich der Genießer stellte, war natürlich, ob Björn Freitag mit seinem Angebot auch in Essen reüssieren könnte, oder ob er sich in der Schembecker Umgebung eher rustikal geben würde. Denn der Emscherschnellweg A42, so die Erfahrung des Genießers, ist so etwas wie der „Currywurstäquator“ des Ruhrgebiets. Nördlich davon sind die die Portionen der Gourmetmeilen weitaus üppiger und volkstümlicher als im Einzugsbereich des traditionsreichen Ruhrschnellwegs A40 im südlichen Ruhrgebiet - was Gebratenes, was Grünes, fertig. Und in der Tat, die Schermbecker Gäste schwelgten geradezu in der „Currywurst Deluxe“ der Bottroper Metzgerei Scharun, während sie manch spitze Bemerkung wie „Ob davon ein erwachsener Mann satt wird?“ losließen, als sie sahen, dass der Genießer Björn Freitags „Sauerbraten vom Hällischen Schweinfilet“ nicht nur aufaß, sondern vorher auch noch fotografierte. Um es vorweg zu nehmen, der Sauerbraten und das „Ingwer-Mais-Süppchen“ hätten auch nach Essen gepasst.

 Am Samstag mussten die Schermbecker
mit Björn Freitag auf dem Buchcover vorlieb nehmen.

Hier alle Gerichte von Björn Freitag in Wort und Bild:

Ingwer-Mais-Süppchen mit Sesam-Poularden Spieß (4 Euro). Ein wahrer Preis-Leistungs-Hit, der dem der Gaumen mit pikanter Süße schmeichelte. Da störte es nicht, das die Poulardenstücken am Spieß schneller kalt wurden, als man sie essen konnte.

Garnelen mit Limonenblatt-Marinade und Burrata mit Mangonaise (8 Euro). Sollte es sich bei den Garnelen um eine besondere Qualität handeln, so verbargen sie es mit viel Understatement hinter der fahlen Blässe des Nur-Gekocht-Seins. Von den geschmacksspendenden Beigaben hätte man sich mehr gewünscht als das winzige Dekor. Das schwächste Gericht.

Sauerbraten vom Hällischen Schweinefilet mit Sellerie-Püree und Rote Beete Relish (9 Euro). Eine Probierportion, für die die Leute zu recht Schlange standen. Das Fleisch butterzart und herzhaft sauer, die Gemüsezubereitungen kräftig und eine schöne Ergänzung. Wem’s zu wenig war, der konnte sich ja am „Pferdesauerbraten mit Rotkohl und Klößchen“ bei Haus Kleinalstede satt essen (vergl. hier).

Björn’s Dessert-Variationen: Nougatkuchen, Erdnusscupcake, Schokoladentrüffel, Karamell-Fleur de Sel-Mousse, Kürbiskern-macaron und Himbeer-Estragon-Praline (6 Euro). Ein Kirmess-buntes Potpourrie, das so schmeckte wie es aussah.


„Schermbeck genießen 2013“ läuft noch heute, 30. Juni 2013, von 11 bis 20 Uhr. Infos über alle Stände hier.

Freitag, 28. Juni 2013

Privatbrauerei Moritz Fiege: Neue Abfüllanlage



Hugo (li.) und Jürgen (re.) Fiege präsentieren mit
Chefabfüller Dieter Eichfeld (mi.) die neue Anlage.

Das Bekenntnis zur Regionalität ist wichtigster Bestandteil des Markenkerns der Privatbrauerei Moritz Fiege. Seit 135 Jahren existiert das Bochumer Familienunternehmen und stellte 1926 erstmals im Ruhrgebiet ein Bier nach Pilsener Brauart her. Heute ist das herbe Fiege Pils prägend für die kulinarische Landschaft im Mittleren Ruhrgebiet, und Moritz Fiege ist eine der letzten unabhängigen Brauereien in der Region, die das traditionelle Bierland Ruhrgebiet noch aufzuweisen hat.

 Bis 100.000 Flaschen können täglich abgefüllt werden.

Wie gut Fiege in der Region verankert ist, konnte der Genießer gestern erleben, als Hugo und Jürgen Fiege mit Chefabfüller Dirk Eichfeld in der Brauerei an der Bochumer Scharnhorststraße eine neue Abfüllanlage vorstellten. Dreißig Jahre lang hatte die alte ihren Dienst getan, doch jetzt war endlich eine neue fällig. Und auch da dachte man regional. Das neue System „Innofill DRS-ZMS Kurzrohrfüller“ stammt von der Dortmunder Firma KHS, besticht durch den geringen Energie- und Medienverbrauch bei Heißwasser, Strom und Kohlendioxid (CO2) und gewährleistet, dass das Bier haltbarer ist, weil weniger Sauerstoff in die Flaschen kommt. Besonders wichtig: Es ist auf den klassischen Bügelverschuss der Flaschen abgestellt, der seit 2002 wieder zum Markenzeichen von Fiege geworden ist, und sorgt für weniger Bierschwund. Immerhin werden in Stoßzeiten bis zu 100.000 Flaschen pro Tag abgefüllt.

Erfolgreiche Neueinführung:
Radler alkoholfrei

1,35 Millionen Euro haben sich Hugo und Jürgen Fiege die neue Anlage kosten lassen – ein Zeichen dafür, dass sie bei allen Turbulenzen auf dem Biermarkt gelassen in die Zukunft sehen. Mit ihren Neueinführungen Bernstein und Radler alkoholfrei sehen sie sich auf gutem Weg. Herzstück ist und bleibt aber das Pils. „Das macht 70 Prozent unserer Produktion aus“, so Hugo Fiege.

 Markenzeichen Bügelverschluss

 Neue Maschinen, weniger Bierschwund

Fiege ist Mitglied bei den "Freien Brauern"


Donnerstag, 27. Juni 2013

Gourmetmeile „Schermbeck genießen 2013“ startet morgen mit TV-Koch Björn Freitag



Hier ein Test mit Bildern von Björn Freitags Menü. Klick hier.

Ausgerechnet die Gourmetmeile in Schermbeck, einer kleinen Gemeinde im nordwestlichen Zipfel des Ruhrgebiets, bietet eine Sensation, die ansonsten nur die „Königin der Gourmetmeilen“ in Essen auf die Reihe bekommt. Bei „Schermbeck genießen“ gibt es in diesem Jahr erstmalig einen leibhaftigen Sternekoch aus dem Ruhrgebiet. Björn Freitag vom „Goldenen Anker“ in Dorsten, mit hervorragenden Fernsehsendungen auch Haus- und Hof-Koch des WDR, präsentiert an der Weseler Straße vor dem Schermbecker Rathaus von Freitag, 18. Juni, bis Sonntag, 30. Juni 2013 Ingwer-Mais-Süppchen mit Sesam-Poularden-Spieß (4 Euro), Garnelen mit Limonenblatt-Marinade und Burrata mit Mangonaise (8 Euro), Sauerbraten vom Hällischen Schweinefilet mit Sellerie-Püree und Rote Beete Relish (9 Euro) und Björn`s Dessert-Variationen (Nougatkuchen, Erdnusscupcake, Schokoladentrüffel, Karamell-Fleur de, Sel-Mousse, Kürbiskern Macaron und Himbeer-Estragon Praline, 6 Euro). Preiswerter kann man Sterneküche wahrlich nirgendwo genießen.

Natürlich ist Björn Freitag nicht allein. Mit von der Partie sind noch acht weitere Gastronomen aus dem nordwestlichen Ruhrgebiet: Brauhaus Bottich, GG ́s indische Spezialitäten, Trattoria Uliveto, Spezialitäten Scharun, Haus Kleinalstede, Marienthaler Gasthof, Konditorei Bleil, Schneeweißchen und Rosenrot. Und auch das Rahmenprogramm kann sich sehen lassen. Samstagabend, 29. Juni 2013, gibt es auf dem nahen Unteren Mühlenteich ein mittlerweile Tradition gewordenes Feuerwerk.

Schermbeck genießen 2013. 28. – 30. Juni 2013. Schermbeck, Weseler Str. (am Rathaus). Infos hier.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Topfgucker aktuell: Orangerie im Stadtpark Bochum schließt



Da wurde die Geschichte des Genießers über Michael Hau von der „Orangerie im Stadtpark Bochum“ in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „Revier für Genießer“ zum Schwanengesang. Wie die WAZ jetzt berichtet, macht das traditionsreiche Haus im September samt der dazugehörenden „Bodega La Escalera“ zu. Als der Genießer sein Interview mit Michael Hau vor etwa zwei Monaten führte und später auch noch am Menü mit Weinen des südafrikanischen Winzers Miles Mossop teilnahm, war davon noch keine Rede. Die Schließung ist für die kulinarische Kultur in Bochum ein zweiter herber Verlust, da auch Haus „Nachbar“ Daniel „Herr B.“ Birkner in diesem Sommer Bochum verlässt. Schaun wir mal, wie es mit der Gourmetgastronomie in Bochum weitergeht. Die verhalten Art von Michael Hau, seine Küche zu präsentieren, hatte für die von der Event-Gastronomie im Bermudadreieck geprägten Bochumer anscheinend doch nicht den nötigen Reiz.

Zum Bericht in der WAZ geht es hier.

Slow Food Essen: Ein Tag beim Rhönlamm




In der „Arche des Geschmacks“, einem Projekt der Internationalen Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt, schützt Slow Food weltweit über 1000 regional wertvoller Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen.  Ein Passagier der Arche ist das Rhönschaf.
Als Napoleon bei seinem Rückzug 1813 in der Rhön von dessen Fleisch zu essen bekam, war er davon so begeistert, dass er den Import von Schlachttieren durch Wanderherden von der Rhön bis nach Paris veranlasste. Bis zu 80.000 Rhönschafe wurden so jährlich nach Frankreich getrieben. Das Fleisch der Tiere war so begehrt, dass diese wohlklingende Namen wie „mouton de la reine“ (königliches Schaf), was die hohe Qualität dokumentieren sollte, bekamen.
Rhönschafe leben nicht in Massentierhaltung, sie brauchen Zeit und Platz für ihre Entwicklung. So kam es, dass es 1975 nur noch 300 Tiere in Westdeutschland gab. 1991 wurde das Rhönschaf zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ erklärt. Seitdem gibt es viele Anstrengungen, Rhönschafe zu retten.
In Velbert, am Rand von Essen-Werden, wird diese seltene Rasse auf dem Hof von Hof von B. u. D. Baßmann gezüchtet. Am 2. Juli 2013 besucht Slow Food Essen die Züchter. Anschließend gibt es im Restaurant „Schnitzlers“ in Essen-Byfang unter dem Motto „Essen, was man retten will“ ein Menü von Jeannette Schnitzler mit dem wohlschmeckenden Fleisch.
Besuch des Hofes von B. u. D. Baßmann, Zum Jungfernholz 10, 42549 Velbert. 2. Juli 2013, 17 Uhr. Infos und Anmeldung hier.
Menu rund um das Rhön-Lamm. „Schnitzlers – Restaurant & Catering“, Nöckersberg 65, 45257 Essen-Byfang, 2. juli 2013, 19 Uhr. Infos und Anmeldung hier.


Dienstag, 25. Juni 2013

Themenabend beim „Aromafänger“ in Bochum: Alte Getreidesorten



Gemeinsam mit Slow Food Bochum veranstaltet der „Aromafanger“ in Bochum-Langendreer am 2. Juli 2013 den Themenabend „Alte Getreidesorten“. Dabei besteht die Möglichkeit, längst vergessene Getreidesorten wie Emmer, Schwarzhafer, Chevallier-, Imperial- und Nacktgersten kennen zu lernen. Verkostet werden verschiedene Brote und ein exklusives Bier sowie eine Auswahl an Whiskeys und Bränden, sorgsam hergestellt aus den längst in Vergessenheit geratenen Getreidesorten. Dazu gibt es frisch aufgeschnittenen Schinken vom Bentheimer Schwein aus regionaler Zucht.

Wir alle kennen Gerste, Hafer, Roggen und Weizen - Grundstoffe für eine Vielzahl von Nahrungs- und Genussmittelprodukten. Im Rahmen der zunehmenden Industrialisierung der Lebensmittelherstellung wurden viele Getreidearten strategisch "vereinheitlicht", um die Effizienz im Anbau zu optimieren. Das Ergebnis: Bewährte, robuste und durchaus inhaltsreiche Getreidesorten verschwanden aus dem Bewusstsein der Landwirte, Bäcker und Brenner. Um dagegen anzugehen, produzieren ausgewählte Hersteller m Rahmen des Forschungsauftrages der Landwirtschaftskammer NRW hochwertige und moderne Produkte aus speziell dafür angebauten Getreidesorten. Im Rahmen des Themenabends berichtet Ulrich Schulze von der Landwirtschaftkammer NRW in Münster über diese Aktion und versucht Antworten auf die Frage zu geben, welche Chancen durch größere Agrobiodiversität sich für den Verbraucher bieten.

Themenabend im AROMAFÄNGER
Alte Bahnhofstr. 174, Bochum-Langendreer
Dienstag, den 02. Juli 2013, 19 Uhr
Teilnehmerzahl begrenzt auf 12 Personen
Teilnahmegebühr: € 20,- (Mitglieder Slow Food und Mitglieder des Freundeskreises AROMAFÄNGER zahlen 18 Euro)
Anmeldeschluss: 27. Juni 2013 
Anmeldung hier

Sonntag, 23. Juni 2013

Im Zeitschriftenhandel: Die Sommerausgabe 2013 von „Revier für Genießer“



Seit Freitag, 21. Juni 2013, ist die neue Ausgabe des Ruhrgebietsmagazins „Revier für Genießer“ im Zeitschriftenhandel erhältlich. Auf 100 Seiten lacht da die kulinarische Sonne vom blauen Himmel über der Ruhr. U. a. bekommt man Tipps, wo man das Grillen lernen kann (in der Kochwerkstatt Ruhrgebiet in Herten), wo man veganes Eis bekommt (beim Kugelpudel in Bochum) und wo man Beach Partys feiern kann (eigentlich überall). Die Titelgeschichte geht über das neue Haustier der Ruhris, die Biene. Und natürlich gibt es ein großes Köcheporträt vom Genießer: über Michael Hau von der Orangerie in Bochum.

Revier für Genießer. Sommer 2013. 100 S. Klartext Verlag. Im Zeitschriften- und Buchhandel oder im Internet hier.


Samstag, 22. Juni 2013

Weinfest „Vinolución“ in der Bochumer Rotunde noch bis Sonntag



Der Genießer übt die Vinolucion.

Warm Up vor der Rotunde

Woran mag’s gelegen haben, am morbiden Charme der Location oder an der Auswahl der handverlesenen Gäste? Als die beiden Wein-Che-Guevaras Oliver Sopalla von der Herner Agentur „Go Between“ und Peter Bothmann vom Wuppertale „Boda Weinhaus“ gestern in der Rotunde die „Vinoluciòn“ ausriefen, machte die Warm-Up-Feier des dreitägigen Weinfestes eher den Eindruck einer studentischen Erstsemesterparty als die eines revolutionäres Aktes. Nur langsam tröpfelten die Leute ein, doch als alle sich brav auf der Gästeliste hatten abhaken lassen, tat der Wein seiner Wirkung. Die Stimmung wurde immer lockerer.

Die Vinolución wird ausgerufen.

Dass es langsam auch Zeit wurde, sich im Bermudadreieck dem Wein hinzugeben, hat der Genießer an anderer Stelle schon ausgeführt (klick hier), und er würde sich freuen, dass die Veranstaltung bei den etablierten Gastro-Giganten im Bochumer Kneipenviertel entsprechende Wirkung zeigt. Die Revolutionsmetaphorik des Weinfestes liegt jenseits aller Marketingberechnung im Trend der Aufbruchsstimmung bei den jungen deutschen Winzern.

 Beim Einschenken: Veranstalter Peter Bothmann

Veranstalter Oliver Sopalla mit Bochumer Kulturmanagern

 Weinhändler Peter Bothmann hat jedenfalls seinen Weinverstand spielen lassen und extra für die „Vinolución“ 13 Weingüter akquiriert, die das jugendliche Konzept der Veranstaltung präzise illustrieren, noch unbekannt und jung, zielgruppenaffin, qualitäts- und modebewusst, (noch) preiswert und auf dem Sprung. Umrahmt von einem Party-Programm, präsentieren die Winemaker ihre Produkte heute und morgen (22. und 23. Juni 2013) in der Rotunde des Katholikenbahnhofs, und beim sozialen von Eintritt von 6 Euro lässt sich ein Verkostungsreigen starten, der in der Tat viel Spaß macht. Und kaufen kann man seine Lieblingsweine vor Ort sowieso.

Neulich bei Stuart Pigott im Fernsehen, heute im Gespräch
mit dem Genießer: Winzerin Eva Vollmer

Bochumer Junge: Andreas Rips von der Domaine Bosc-Long

Fotokunst von Alexandra Breitenstein

Morbide Location 

Ästhetik der Vinolución

Die Vinolución geht noch bis Sonntag, den 23. Juni 2013. Rotunde des Katholikentagsbahnhofs. Bochum, Konrad-Adenauer-Platz 3 (Bermudadreieck), tägl. ab 12 Uhr. Alle Infos zu den Winzern und zu den Partys hier.  

Hier geht es zu einer Fotoshow über die "Vinolucioòn" vom Weindeuter. Klick.

Freitag, 21. Juni 2013

Essen verwöhnt 2013: Nach dem Gewitterguss präsentierte sich die Gourmetmeile wieder als uneingeschränkte Königin



Königliche Tresen-Deko beim Schlosshotel Hugenpoet

Mann, war das ein Unwetter, das gestern Nachmittag das Ruhrgebiet heimsuchte. Besonders Bochum und Herne waren von herabstürzenden Wassermassen betroffen, wie man sie eigentlich nur aus Ostdeutschland kennt, und auch die 25 Gastronomen der Gourmetmeile in Essen mussten mutig dem Wolkenbruch trotzen. Schon bald machte bei „Essen genießen“ ein Spruch auf Facebook die Runde: „Keep Calm and Eat!“

Am späten Nachmittag war der Spuk vorbei. Auf der Kettwiger Straße in Essen herrschten angenehme Temperaturen, die Luft war weich und mild, und dann kamen mit der Sonne auch die Gäste wieder heraus. Der Genießer schlenderte über die Meile, traf immer wieder Freunde und Bekannte (danke für die kulinarischen Tipps, Perik!) und erlebt ein Feeling von Genuss und Ungezwungenheit wie schon lange nicht mehr. Zahlreiche Gerichte wurden getestet, und beim analytischen Schmecken erwies sich Kollege Christian B. als geschmackssicherer Sekundant – kein Wunder, er ist Slow-Food-Mitglied, Gemüsekonfektionär von Beruf und Gern-Esser aus Passion. Fazit unserer Teststrecke: Auf keiner Gourmetmeile im Ruhrgebiet (und wohl auch sonstwo) gibt es so hochwertige Gourmetküche für kleines Geld wie auf „Essen verwöhnt“, der „Königin der Gourmetmeilen“.

Vorm Essener Dom:  Regen vorbei, Meile voll

Die Auswahl der Gerichte, die wir vertilgten, war rein zufällig. Einige Stände kamen sogar zweimal dran, aber für „Essen verwöhnt 2013“ gilt natürlich wie immer die Devise: Andere Restaurants haben auch gute Köche. „Essen verwöhnt 2013“ geht ja noch bis Sonntag, den 23. Juni 2013, und da bleibt noch viel Zeit, auch andere Läden zu entdecken.

 Hannappel: Roulade von der Meerforelle mit Gurke, Kefir und Bronzefenchel (6 Euro). 
Zusammen mit seinen Küchenchef Michael Scheil führt Meisterkoch Knut Hannappel seit über einem halben Jahr auch das Bistro „Essenz“ in Rüttenscheid, und mit diesem Gericht erweisen sich die beiden als Meister der urbanen Küche: dezent in Würze und Säure, extravagant in der Produktauswahl. Die Meerforelle gehört zu den Lachsen und ist die Urform auch der Süßwasser-Forellen, der Bronzefenchel brachte einen sanften Anis-Ton.

 Hannappel: Jakobsmuschel mit Mandeln, Mandelmilch und Garnelenravioli (9 Euro).
Mandeln scheinen in diesem Jahr eine kleine Trendzutat auf „Essen verwöhnt“ zu sein. Die Jakobsmuscheln waren natürlich tadellos gebraten, und es war auch kein Problem, das Gericht ohne Olivenöl herzustellen. Auf „Essen verwöhnt“ wird eben wirklich an den Ständen frisch gekocht.

Lucente: Bäckchen vom irischen Weideochsen in altem Balsamico tradizionale geschmort an mediterranem Kartoffelpüree (10 Euro).
Was für eine kulinarische Lustorgie: das Fleisch löffelweich, die Sauce ein wahrhafte Gaumenkitzel in Süß-Sauer und das Kartoffelpüree zum Hineinlegen. Cefani Ibraimi übertrifft sich dieses Jahr am Herd.

GOP: Argentinisches Roastbeef am Stück gegart unter der Tomaten-Kräuter-Kruste an Petersilien-Pastinaken-Püree und Rotwein-Schalotten (9 Euro).
 Tim Hülsewiesches Roastbeef bot eine Teller-Equlibristik, wie man es von einem Varieté-Koch erwarten konnte. Klasse Fleisch, großartige Rotwein-Schalotten und eine große Show fürs Auge.

Schlosshotel Hugenpoet: Kalbstafelspitz mit Espresso gegart, Bulgur und Mizuna (6 Euro).
Stern-Köchin Erika Bergheim bringt Eleganz und Raffinesse auf den Teller. Hier wurde nicht mit Wasser gekocht, sondern gleich mit Kaffee, und man merkt es sogar, wenn man mit der Zunge ins Fleisch hört! Was auf dem Bild wie Rucola aussieht, ist Mizuna, eine japanische Wasserpflanze.

Schlosshotel Hugenpoet: Lachs und Garnelen Dim Sum aus dem Dampf mit Pak Choi, Rettich und Birne (9 Euro).
Was optisch so elegant daherkam, erwies sich geschmacklich als exzentrische Herausforderung. Lachs und Birne wirkten so asiatisch überparfümiert, dass es selbst Japan-Kenner Christian B. irritierte. Schade.

Casino Zollverein: Bauch vom Duroc-Schwein (Sous Vide gegart), Riesengarnele, weißes Bohnenpüree, Aprikosenkompott, grüne Mandeln (9 Euro).
Als Küchenchef des Casino Zollverein ist der Kölner Sternekoch Bernd Stollenwerk das erste Mal auf „Essen verwöhnt“, und mit diesem Gericht können die Meilen-Besucher das probieren, was Kritiker-Papst Jürgen Dollase in seinem FAZ-Artikel über das Casino so hoch lobte, den Bergmanns-Klassiker Bohnen und Speck in Gourmetkoch-Interpretation mit Edelfleisch in der Trendzubereitung. Echt lecker – und natürlich Mandeln dabei.

Résidence: Kartoffeltaschen mit Rinderbug gefüllt, Spargelragout, Tomate & Butter-Limonenschaum (6 Euro).
Es scheint als wäre die Gourmetmeile eine kleine Teststrecke für das Konzept des „Klassik Mittwochs“, das „Résidence“-Patron Berthold Bühler zurzeit im Séparée „Club B“ seines Sterne-Restaurants fährt. Die deftige gefüllte Kartoffelnudel wird mit einer edel-feinen Spargelzubereitung kombiniert, gewagt zwar, aber in handwerklicher Höchstform.

Résidence: Geeistes von Buttermilch, Erdbeeren und weißer Schokolade (5 Euro).
Smooth und köstlich wie der sanfte Latino-Pop von „Small is beautiful“, die gestern Abend auf der Bühne auf dem Kardinal-Hengsbach-Platz spielten. 

Weitere aktuelle Tests von "Essen verwöhnt 2013"
finden Sie hier.

Unterm Glüh-Birnbaum: Kettwiger Straße in Essen

Gut eingeschenkt: Man trinkt Rosé

"Essen verwöhnt 2013" findet auf der Kettwiger Straße in der Essener City statt und geht noch bis Sonntag, 23. Juni 2013. Infos hier.


Mittwoch, 19. Juni 2013

Eröffnungs-Test der Gourmetmeile „Essen verwöhnt 2013“: Zwei Sterne, zwei Neue und 33 Grad im Schatten




Zur großen Köcheparade, die traditionsgemäß zur Eröffnung der Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ stattfindet, musste man in den letzten beiden Jahren Regenschirme mitbringen. In diesem Jahr sorgten die Teilnehmer selbst für die nötige Feuchtigkeit, als sie im zackigen Gleichschritt die Kettwiger Straße vom Hauptbahnhof bis zum kulinarischen Parcours, der an der Lichtburg beginnt, heruntermarschierten.

Traditionell wird die Köcheparade von
Vertretern der Stadtspitze angeführt.

Angeführt vom Essener Bürgermeistertrio Reinhard Paß, Rudolf Jelinek und Franz-Josef Britz sowie Meilen-Macher Rainer Bierwirth, blieb der Tross aus 25 Gastronomen und ihren Mitarbeitern hin und wieder stehen, um auf Anweisung von "Essen genießen"-Fotografin Kerstin Kokoska anzuhalten und der „Königin der Gourmetmeilen“, wie die Essener Veranstaltung mittlerweile allgemein genannt wird, einen fröhlich-kulinarischen Gruß zu entbieten. Der Genießer konnte sich an diesem Ritual mittlerweile zum vierten Mal ergötzen, „Essen verwöhnt“ selbst findet 2013 zum 15. Mal statt.

Anschließend eröffneten Oberbürgermeister Paß und Rainer Bierwirth die Meile mit Begrüßungsreden auf der Bühne auf dem Kardinal-Hengsbach-Platz.


Esutori te salutant:
Die Teilnehmer der Parade entbieten der
"Konigin der Gourmetmeilen" ihren kulinarischen Gruß

Statt sich an den Häppchen zu erfreuen, die anschließend verteilt wurden, machte sich der Genießer sofort daran, das Angebot zu testen, was bei den 33 Grad im Schatten eine beachtliche Herausforderung war. Vier Portionen und ein Dessert schaffte er. Um sich einen Querschnitt durch die gewohnt hohe Qualität des Angebots zu verschaffen, besuchte er die Stände der beiden Sternelokale „Résidence“ und „Schote“, die beiden Neuzugänge „Acquario“ und „Esszimmer“ (Zu den Hintergründen klick hier) und zum Abschluss die alte kulinarische Jeanette Schnitzler.


Vorspeise: Dreierlei von der Blutwurst mit marinierten Balsamicolinsen und Salbeijus (6 Euro) von der „Schote“. Fernsehkoch Nelson Müller war bei der Köcheparade nicht zusehen, doch an seinem Stand garnierte er unermüdlich mit seinen Kollegen von der Schote Teller aus. Das Gericht präsentierte die Blutwurst auf verschiedene Weise. Grob im Blätterteig, fein im Brotteig, und einfacch so als Scheibe gebarten. Balsamicolinsen, ein feines Schäaumchen und ein dunkler Jus brachten zum Deftigen eine feine aromatische vielfalt. Beim sozialen Preis von6 Euro für die Preziose wollte ich mir noch ein Glas Sekt gönnen, fiel aber bei der Bestellung auf die charmante Frage der Bedienung herein, ob’s denn ein Rosé sein dürfte, auf die ich spontan wie ich bin glatt mit „ja“ antwortete. Im Glas hatte ich dann einen exzellenten Schampus brut rosé mit dem schönen Namen „Gratiot Duligny“, der allerdings 8,50 Euro statt der erwarteten 4,50 Euro für den weißen Riesling-Sekt von Dr. Loosen kostete.


Pasta-Gang: Caramelle con Fungo Carboncello (7,50 Euro) vom „Acquario“. Die gefüllten Nudeln mit Kräuterseitlingen in einer leichten Tomaten-Sahne-Sauce kannte ich schon von der Pressekonferenz. Hier kamen sie als eine Portion zum Sattwerden auf den Teller und schmeckten genauso gut, sahen aber leider nicht mehr so elegant aus. Aber auf der Zunge…


Fisch-Gang: Variation vom Gelbflossen-Thunfisch mit Mango und Chili (6 Euro) vom „Esszimmer“. Wie das „Acquario“ ist Marc Wimper mit seinem „Esszimmer“ das erste Mal bei „Essen verwöhnt“. Bevor der Koch das „Löwntal“ in Essen-Werden umkrempelte, kochte er im Bochumer „Livingroom“. Sein Thunfischvariation war großartig und eine schöner Kontrapunkt zum Nelsons Müller Blutwurst. Gebraten und mit Sesam bestreut zerging der Fisch auf der Zunge, die beiden anmutenden Röllchen bracht Abwechslung.


Hauptgang: Barbarie-Entenbrust rosa gebraten mit Süßkartoffel-Karottengratin und Lauchgemüse (10 Euro) von der „Résidence“. Zum zweiten Mal sind die beiden Eri©ks Arnecke und Werner als Küchenchefs des Doppelstern-Restaurants „Résidence“ auf „Essen genießen“ dabei und beweisen, dass sie auch das Kochen für den Straßenverkauf beherrschen. Geradezu unprätentiös kam dieses Gericht auf den Teller. Die Entenbrust war natürlich tadellos gebraten, das Süßkartoffelgratin mit dem Karotteneinschub ein süßlicher Bringer, und das Lauchgemüse durch den Einsatz von Sprossen asiatisch gebrochen. Dazu ein spanischer Rosado von Artazuri für 3 Euro.


Dessert: Mousse vom hellen Nuss-Nougat (5 Euro) von „Schnitzlers“. Als ich die dicke Kugel sah, dachte ich zuerst, das sei etwas zu viel nach dem bisherigen üppigen Mal. Doch die Nougat-Mousse war so leicht aufgeschlagen, dass sie immer noch hineinging. Der besondere Pep: Sie war mit Schokoladensalz bestreut, das einen sehr schönen Kontrast zur sahnigen Süße des Nougats brachte.

„Essen verwöhnt“ findet in der Essener City auf der Kettwiger Straße statt und geht noch bis zum 23. Juni 2013. Infos hier.