Provokant: Olivenöl-Experte Dr. Christian Gertz
Wie der Genießer im neuen Slow Food Magazin berichtet, veranstaltete schon vor ein paar Wochen das Slow Food Convivium Essen einen viel besuchten Informationsabend über Olivenöl. Zu Gast war Chemiedirektor Dr. Christian Gertz, der Leiter des Chemischen Untersuchungsamtes in Hagen und Träger der Wilhelm-Normann-Medaille, einer Art „Nobelpreis“ für Fettwissenschaftler. Das große Hobby des 62-Jährigen ist jedoch das Olivenöl. Er ist Mitglied des „Deutschen Olivenöl Panels“, das native Olivenöle auf ihre Güteklasse hin sensorisch zu analysieren.
Der Genießer verkostet Olivenöl. (Foto: Jürgen Brinkmann)
Dem Genießer imponierte besonders die unverblümte Direktheit, mit der Gertz kein Blatt vor den Mund nahm. Obwohl Gertz und seine Co-Sensoriker auch für die Stiftung Warentest, sieht er deren Gütesiegel-Vergabe mehr als skeptisch. „Ein gutes Olivenöl ist unter 10 Euro pro halbem Liter nicht zu haben“, sagte er.
Probieren geht über studieren: Slowfoodies beim Test (Foto: Jürgen Brinkmann)
Eine weitere Aussage war genauso provokativ: „Bio-Olivenöle sind rausgeschmissenes Geld.“ Pestizide oder chemische Dünger kämen auch im konventionellen Olivenanbau nicht zum Einsatz, so dass es kaum einen Unterschied gäbe. Schadstoffe können höchsten über das Fruchtfleisch in die Olive gelangen, wenn die Bäume etwa zu nah an Industrieanlagen oder Autobahnen stehen. Diesem Risiko unterliegen Bio-Pflanzen jedoch genauso wie konventionelle. Auch könnten häufig die Bio-Oliven nicht so schnell wie nötig in den Ölmühlen verarbeitet werden, und das würde sich negativ auf die Qualität auswirken. In den Tests schneiden deshalb Bio-Öle häufig eher schlecht ab.
Olivenöl von Jordan
Diese Behauptungen fand der Genießer jetzt bestätigt. Auf der „Kult(ur)-Weinmesse“ der Essener Weinhandlung Rolf Kaspar gestern auf Zollverein hatte auch der renommierte Olivenölhersteller Jordan einen stand, der in Griechenland produziert. Neben konventionellem Öl hat Jordan auch ein teureres Bio-Öl im Angebot. Unverblümt wurde den Kunden mitgeteilz, das dies aber das gleiche Produkt sei, nur teurer. „Wir produzieren seit eh und je biologisch“, erklärte der Kundenbetreuer, „und haben nur einen Teil der Olivenhaine zertifizieren lassen.“ Denn: „Wir wollen unser Olivenöl nicht teurer verkaufen als unbedingt nötig. Aber die Nachfrage nach Bio-Öl ist halt da.“
(Für Fans: „Gestern bei Mama“ fällt heute aus. Der Genießer war gestern auf der Weinmesse und konnte deshalb nicht kochen.)












ach, was ist denn das für ein Schwachsinn! Der Typ hat wohl noch nie Olivenbäume von nahem gesehen!
AntwortenLöschenOlivenbäume sind stark anfällig für Infektionen und Viren, Pilze und auch Insekten! Und, gerade die Olivenhaine in Marokko, Tunesien, Spanien oder Griechenland, die auf Masse produzieren, benuzten da gerne die chemische Keule!
es stimmt allerings, dass qualitativ gutes europ. Olivenöl rund 20€/ kg kostet
Wenigstens ist jetzt klar. dass auch sogenannte Experten durch Nichtwissen glänzen können. Olivenbäume sind in der Vergangenheit gespritzt und behandelt worden und werden es auch heutzutage (Olivenfliege etc.).
AntwortenLöschenZwar stimmt es, dass es einen Anteil an ungespritzten Olivenbäumen gerade von kleinen bäuerlichen Betrieben gibt, die durchaus als bio durchgehen könnten, allerdings ist beispielsweise auf Anraten von Chemiekonzernen früher beispielsweise in Griechenland durch die Regierung eine verpflichtende chemische Behandlung angeordnet worden. Einige Bauern haben die staatlichen Spritzteams allerdings auch mit Gewalt von ihren Feldern vertrieben.
Auch wenn es beim Bioanbau ebenso wie beim konventionellen Anbau gute und schlechte Ware, auch begründet aus der Herkunft und Olivensorte, gibt, so kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, dass grundsätzlich das Bio-Olivenöl weitaus intensivere und im Geschmack nachhaltigere Nuancen aufweist.
Vielfach ist es so, dass der qualitative Unterschied der Herkunftsregionen auch das Preisgefälle bestimmt, während Griechenland, das eine hohe Qualität (z.Bsp. Koroneikiolive) aufweisen kann, ein Überangebot existiert. Viele Biobetriebe, da ist ganz recht zu geben, müssen (!) ihre Ware als konventionell verkaufen, weil sie keine Abnehmer finden.
Diesen Umstand machen sich seit Jahrzehnten auch italienische und neuerdings spanische Einkäufer zunutze und kaufen das griechische Olivenöl, um es mit ihrem eigenen zu strecken und so eine bessere Qualität zu erzielen.
Der Preis für "konventionelles" Bio-Olivenöl liegt in Griechenland übrigens um die 4 Euro - der Rest ist die Gewinnmarge der Zwischen- und Endhandelsfirmen. Und ja, die Qualität ist Spitzenklasse ;-)
Sehr gute Kommentare hier! Herr Brinkmann hat recht, wenn es um den Preis geht. Es stimmt auch, dass Bio-Olivenöl beim Gehalt an freien Fettsäuren einen schlechteren Wert haben kann (Betonung auf kann), wenn es ein massiven Befall der Olivenfliege gab und (im Vergleich mit konventionellem Anbau) eben keine Pestizide eingesetzt wurden. Was Herr Brinkmann leider außer acht lässt, ist die umgebende Landwirtschaft. Eine Bio-Zertifizierung gibt es nur, wenn die Werte stimmen. Die umgebende Landwirtschaft (Orangen, Gemüse etc.) kann im konventionellen Bereich zu einer hohen Pestizidbelastung des Olivenöls führen. Daher: Bio-Olivenöl kaufen oder konventionelles Olivenöl direkt beim Importeuer beziehen und sich die Analysen zeigen lassen.
AntwortenLöschenBeim Preis von Bio-Olivenöl bitte auch bedenken, dass der Bio-Anbau in jedem Fall teurer ist. Gewinner des Wettbewerbs Premio-Biol-Greece 2008 war übrigens die Ölmühle Renieri aus Finiki (Lakonia, Peloponnes). Deren Olivenöle gibts auf www.lakonikos.de
Olivenöl ist selten ein Grundnahrungsmittel. Es ist eher ein wichtiges Zusatznahrungsmittel, was den Geschmack stark beeinflussen kann. Der Geschmack ist stärker von den Frische, als von der Frage Bio oder nicht abhängig. Daher verwundert es mich, dass dieses Problem so wenig angesprochen wird. Frisch gepreßtes Olivenöl schmeckt scharf und grasig und ist nicht Jedermanns Geschmack. Für mich ist jedoch der Geschmack der wichtigste Punkt.
AntwortenLöschen@Julius_3
AntwortenLöschenDie Schärfe des Olivenöles ist aber auch abhängig vom Reifegrad der Oliven. Zu früh gepflückte Oliven haben einen stärkeren und länger anhaltenden Schärfegrad, der nur durch längere Lagerung verschwindet.
Nebenbei, daraus übrigens zu folgern, wie dies vielfach getan wird, dass nur frisches Olivenöl gut sei, stimmt nicht. Gutes Olivenöl kann über zwei Jahre gelagert werden ohne, dass eine große qualitative Einbuße damit einhergeht. Am besten ist natürlich das Öl der letzten Ernte ;-)
Was Bio-Olivenöl von der konventionellen Massenware unterscheidet ist die Kenntnis der BäuerInnen über ihre Bäume, das genaue Wissen wann ihr überschaubarer Bestand, der auch im besten Falle anders beschnitten wird, den richtigen Reifegrad entwickelt (das ist ein relativ kurzer Zeitraum). Das daraus gewonnene Olivenöl ist reichhaltiger und besser im Geschmack; das allerdings können heutzutage fast nur Biobetriebe, den anderen kommt es meist nur auf die Masse an.