Freitag, 15. April 2011

Wein: Probieren geht über Studieren




Auch wenn von der eigenen Geschmacksfähigkeit überzeugte Weinkenner jetzt Widerspruch einlegen werden. Eine Erfahrung, die der Genießer auf verschiedensten Weinproben gemacht hat, ist die, dass der Wein, der ihm am besten schmeckte, meist der teurere Wein war. Das soll nicht heißen, dass nicht ein Wein für 6,50 Euro gegenüber einem zu 9,50 Euro die Nase vorn haben kann. Sondern in der Regel ist es so, dass je aufwendiger ein Wein produziert wird, er ein wesentlich differenzierteres Geschmacksbild abgibt, aber diese Produktion eben auch teurer ist und so der Wein in einer anderen Preisklasse landet. Es ist es meist so, dass ein handwerklich hergestellter Wein in der der 7,50-Euro-Klasse gegenüber einem Massenwein um die 3 Euro unschlagbar ist, die Auslese aus reiferen Trauben oder von einer speziellen Lage um die 15 Euro wiederum neue Dimensionen eröffnet, während dann die Super-Cuvée um die 25 Euro das alles noch einmal toppt. Um das zu entdecken ist natürlich Voraussetzung, dass man hat als Konsument überhaupt die nötige Lust hat, sich überhaupt mit den geschmacklichen Verästelungen eines Weines auseinanderzusetzen.

Axel Biesler im Gespräch mit dem Weindeuter

Das nötige Wissen dazu vermittelte das Weinseminar „Baukasten für die Sinne“, das der Weinjournalist Axel Biesler am letzten Freitag mit der Weinhandlung Rolf Kaspar in Essen veranstaltete. Der Weindeuter hat hier sehr schön darüber geschrieben. Die Faustformel des Genießers wurde dabei kräftig in Frage gestellt, denn bei drei blind verkosteten Weißweinen kam ausgerechnet der teuerste bei den Probenteilnehmern am wenigstens an. „Der Calvus Mons Riesling 2008 von Sven Leiner / Pfalz, ein biodynamisch angebauter und spontanvergorener Wein für 16€ landete auf dem letzten Platz. Der befand sich allerdings auch in einer eigenartigen Verfassung: Hochfarben, in der Nase Ananas mit Honig, überreif wirkend, im Mund dann doch recht bitter, im Ganzen eher unausgewogen. Dagegen fand ein ganz einfacher Massenriesling für 2,50 € aus Rheinhessen (Weinkellerei St. Michael / Pfalz) viel Zuspruch ("sehr trinkbar"," lecker"), ebenso der Einstiegsriesling No. 9 von Tina Pfaffmann für 6 €“, schreibt der Weindeuter.

Von seiner Faustformel wird der Genießer dennoch nicht abgehen, zeigte des Test doch nur, dass für des Erschmecken der Qualität eines Weines vielerlei Voraussetzungen gelten, nicht nur allein der Preis. Allein der Umkehrschluss, dass, wenn ich nur einen teuren Wein kaufe, ich auch einen guten bzw. leckeren bekomme, stimmt noch lange nicht. Ohne Probieren kommt man eben nicht aus.

Übrigens: Eine gute Gelegenheit, seine Geschmacksnerven zu schulen, bietet sich Weinfreunden im Ruhrgebiet von heute bis Sonntag, den 17. April. Da findet nämlich in der einmaligen Atmosphäre der Jahrhunderthalle in Bochum die Weinmesse Rheinland-Pfalz statt. Hier trifft man Weinproduzenten jenseits der Glamourwelt der bekannten Spitzenwinzer, die zu wesentlich solideren Preisen nicht weniger hervorragende Weine anbieten. Bei über 300 ausgeschenkten Weinen kommt hier jeder auf seinen Geschmack. Einen Bericht von der letzten Weinmesse finden Sie hier.

Läuft bis zum 17. April: Weinmesse Rheinland-Pfalz in der Jahrhunderthalle Bochum

1 Kommentar:

  1. Ich wirke so mächtig gegen den Biesler, das muß an deiner Kamera liegen...

    Ansonsten stimmt natürlich die "Faustformel", in jedem Segment gibt es allerdings immer wieder Weine, die aromatisch quasi über sich und ihre (Preis)klasse hinausragen. Aktuelles Beispiel in meinem aktuellen Post:
    http://weindeuter.blogspot.com/2011/04/eigentlich-geht-weintrinken-ganz.html?showComment=1302885741629#c8806788156541079071

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