Freitag, 10. April 2020

Karfreitagsessen: Uova in purgatorio – Eier im Fegefeuer nach Genießerart

Eigentlich wollte ich ja schon immer Shakshuka machen, jenes so in Mode gekommene israelische Nationalgericht, bei dem Eier in einer süßpikanten Tomaten-Paprika-Sauce pochiert werden. Karfreitag schien mir dafür ein idealer Tag zu sein, spielen die dramatischen Ereignisse der Passion Christi schließlich in Jerusalem.

Beim Suchen nach einem Rezept stieß ich auf die katholische Variante des Ganzen. Uova in purgatorio, Eier im Fegefeuer, heißt das nur etwas anders gewürzte Gericht in Neapel und Umgebung – eine Bezeichnung, die in ihrer Dramatik viel besser zu meiner gegenwärtigen Situation in der Corona-Krise passt. Ich muss nämlich nicht nur die allgemeine Kontaktsperre einhalten, sondern bin vom Gesundheitsamt zusätzlich zu einer „Freiwilligen Isolation“ bis kurz nach Ostern verdonnert worden. Bei einem seit Monaten festgelegten Routine-Besuch beim Kardiologen, der mir übrigens beste Gesundheit attestierte, kam ich mit einem Arzt in Kontakt, der später positiv auf Covid-19 getestet wurde. Wie alle seine Patienten muss ich nun zwei Wochen lang in verschärfte Quarantäne, obwohl ich keinerlei Symptome aufweise. Immerhin, einkaufen darf ich noch.


Nun denn. Umso mehr freute ich mich, dass ich mir die „Freiwillge Isolation“ durch die „Eier im Fegefeuer“ versüßen durfte. Die Tomaten-Gemüse-Sauce basiert sinnigerweise auf einem Ansatz „alla puttanesca“, also „nach Hurenart“. Zur Feier des Karfreitags, an dem es traditionellerweise Fisch gibt, kamen zu den üblichen Sardellen natürlich auch meine heißgeliebten Ölsardinen dazu, diesmal in Form von portugiesischen Jahrgangssardinen aus 2016. Um den Jerusalem-Effekt zu bekommen, würzte ich zusätzlich mit Kreuzkümmel, und weil Jesus beim letzten Abendmahl sein letztes Brot geteilt hat, tat ich (wie beim meinem Brotgulasch klick hier) noch ein paar Brocken hart gewordenes Brot dazu. Das machte die Eier im Fegefeuer schließlich zu einer vollwertigen Mahlzeit.

Fürs nötige Feuer sorgte ein Fläschchen
ausgereifter Salice Salentino Riserva aus dem Jahr 2011.


Rezept: Uova in purgatorio – Eier im Fegefeuer nach Genießerart
Reicht für 4 Portionen

2-4 Eier
1 Dose Ölsardinen
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
70 g Aubergine in Würfeln
70 g Paprika in Würfeln
70 g Zucchini in Würfeln
100 g ssüße Cherry- oder gehackte getrocknete Tomaten
10 schwarze Oliven ohne Stein
10 Kapernäpfel
2 Dosen geschälte Tomaten à 400 g
Rotwein
Je 1 Zweig Thymian, Rosmarin, Oregano, Petersilie
1 Lorbeerblatt
½ TL Chiliflocken
1 Msp Kreuzkümmel
1 Msp Curry
1 TL Ananasmarmelade
1 TL Colatura oder Fischsauce
3-4 Scheiben altbackenes Brot in Brocken
Pfeffer, Salz, Zucker, Olivenöl


Inhalt einer Dose Ölsardinen samt Öl in eine Pfanne geben und anbraten. 1 Sardine für die Garnitur zurück behalten, längs halbieren, Gräte entfernen.
Zwiebel in dünne Ringe schneiden und zur Sardine geben. Weich dünsten. Etwas Zucker darüber streuen. Nacheinander Paprika-, Zucchini- und Auberginenwürfel dazugeben und ebenfalls anbraten. Knoblauch in dünne Scheiben schneiden, dazu geben und ebenfalls anbraten. Oliven und Kapernäpfel dazugeben.
Zwei 400-g-Dosen geschälte Tomaten und die zu einem Sträußchen zusammengebundenen Kräuterzweige dazugeben. Mit Chiliflocken, Colatura, 1 TL Ananasmarmelade, Curry, Kreuzkümmel und Salz würzen. Deckel auflegen und einkochen lassen. Nach einigen Minuten die Brocken altbackenes Brot dazu geben und weiter einkochen lassen, bis alles gebunden ist..
In die die Sauce mit einem Löffel Kuhlen drücken. Eiere nacheinander in eine Schöpfkelle aufschlagen und jeweils ein Ei in eine Kuhle geben. Deckel auflegen und alles bei sanfter Hitze köcheln lassen, bis die Eier gestockt sind.

Zum Servieren mit den zurück behaltenen Sardinenfilets garnieren und mit abgezuupften Oreganoblättchen und ein paar Chiliflocken garnieren.



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