Donnerstag, 12. August 2010

Bochum kulinarisch: Känguru und Currywurst



Petrus hatte ein Einsehen:
Heitere Atmosphäre auf dem Boulevard

Bekanntlich ist der Genießer Anhänger der seltsamen Verschwörungstheorie, dass die deutsche Wurst-Industrie in schöner Eintracht mit der Speerspitze der deutschen Feinschmeckerschaft, nämlich den Fußballstadien- und Rock-Festival-Besuchern sowie verschiedenen TV-Kommissaren, ausgerechnet die Currywurst zum Nationalgericht des Ruhrgebiets erkoren haben. Nun ja, für Bochum hat das eine gewisse Berechtigung. Von hier kommt immerhin de kultige Dönninghaus-Wurst mit der Currysauce vom Bratwursthäuschen.

Currywurst vom Känguru beim Strätlingshof

Auf der Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“, die gestern eröffnet wurde, geht man mit diesem heimatlichen, kulinarischen Pop-Mythos geradezu postmodern um. So kombiniert z.B. der „Kümmel Kopp“ die Currywurst mit Garnelen zu einem Spießchen (das hatte der Genießer schon letztes Jahr probiert), während der „Strätlingshof“ eine Currywurst vom Känguru im Angebot hat. Gourmetmeilenbesuchern, die vor soviel Exotik auf der Zunge Angst haben, kann der Genießer beruhigen. Die Down-Under-Variante der BO-Spezialität schmeckt auch nicht viel anders als sonst. Hauptgeschmackslieferant ist nicht das Fleisch, sondern die Sauce.

Helmut Wicherek, OB Dr. Ottilie Scholz, Heinz Bruns
 und Hugo Fiege eröffnen "Bochum kulinarisch"

Am Morgen hatte es ja schon so ausgesehen, als ob die diesjährige Eröffnung von „Bochum kulinarisch“ genauso verregnet werden würde wie im letzten Jahr, doch Petrus schickte rechtzeitig zum Nachmittag die Sonne nach Bochum. Mit mächtigem Töpfeklappern zog die traditionelle Köcheparade vom Rathaus zum Massenbergboulevard, allerdings fast eine halbe Stunde früh. Der antike Fiege-Lieferwagen sorgte für Heimat-Flair, der mobile Kult-Koch François Cambuse für Komik, Bochums OB Dr. Ottilie Scholz für eine kurze, launige Eröffnungsrede. Eine lockere und heitere Atmosphäre breitete sich schnell am Massenbergboulevard aus.

16 Gastronomen geben „Bochum kulinarisch“ ein eigenständiges Profil, das sich zwischen dem glamourösen „Essen verwöhnt“ und dem westfälisch-sittlichen „Dortmund à la carte“ in der Gourmetmeilen-Landschaft des Ruhrgebiets bestens positionieren kann. In der Regel wird Bochum – dank des Bermudadreiecks – mit Jugend- und Szenegastronomie in Verbindung gebracht. Die Bochumer Spitzen- und Traditionshäuser, die an „Bochum kulinarisch“ teilnehmen, zeigen jedoch, dass die solide Gastro-Landschaft der Stadt wesentlich mehr zu bieten hat.

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Am ersten Abend schaffte es der Genießer, bei vier Ständen vorbei zu schauen. Ach – warum sind die Portionen nur so groß? So wurde aus dem geplanten Naschen immer ein Satt-Essen. Weniger wäre hier vielfach mehr gewesen. Z.B. der „Italienische Sauerbraten mit Ratatouille und Gnocchi“ (1) beim „Kümmel Kopp“. Zwei Stücke Fleisch lagen auf dem Teller: das Endstück löffelweich und sauer wie es sich gehört, das zweite Mittelstück eher zäh und laff. Die Känguru-Currywurst vom „Strätlingshof“ wurde schon erwähnt. Als Slowfoodie interessierte den Genießer natürlich die Küche der „Gesellschaft Harmonie“. Küchenchef „Herr B.“ (bürgerlicher Name Daniel Birkener) präsentierte einen schön in der Folie gegarten Seehecht mit Fenchel und Orange (2) sowie „Pulled Porc“, eine Schweinenuss mit Kohlrabi, Kräutercème und BBQ-Sauce (3). Letztere war allerdings so sauer, dass alle anderen Aromen überdeckt wurden. An den mit grobem Senf und Rotweinschalotten gefüllten Minirouladen vom US-Rind an getrüffeltem Kartoffelpüree (4) durfte der Genießer bei einem Kollegen mitnaschen. Das Trüffelöl schmeckte man kräftig heraus.

„Bochum kulinarisch“ geht noch bis zum 15. August. Öffnungszeiten und das Programm finden Sie hier.

Tradition: Die Köcheparade mit François Cambuse

Kommentare:

  1. Der Stand von Herrn B. gefällt mir besonders und der Seehecht mit Fenchel und Orange wird am Abend 3..2..1..meins.

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  2. Herr.B ist der beste Stand gewesen

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