Sonntag, 11. November 2018

Gault&Millau 2019: Landhaus Köpp in Xanten und Haus Stemberg in Velbert die besten Restaurants im Ruhrgebiet



In diesen Tagen erscheint der der Restaurantführer Gault Millau für das Jahr 2019. In der neuen Ausgabe werden 1026 Adressen beschrieben und bewertet. Eine Übersicht des Bereiches von 16-19 Punkten finden Sie auf der Internetseite „Gourmetwelten“ (klick hier).

Demnach ist mit 19,5 von 20 Punkten Tim Raue (Berlin) das beste Restaurant in Deutschland. Ihm folgen mit 19 Punkten Hotel Bareiss im Schwarzwald (Baiersbronn), Restaurant Haerlin im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten (Hamburg), Falco (Leipzig) und Steinheuers Restaurant „Zur Alten Post“ (Bad Neuenahr-Ahrweiler).

Die bestplatzierten Restaurants im Ruhrgebiet sind mit 17 Punkten das Landhaus Köpp in Xanten. (Hier ein - allerdings nicht mehr ganz aktueller - Genussbereit-Bericht.) Und Haus Stemberg in Velbert (Genussbereit-Bericht hier).

Mit 16 Punkten wurden im Ruhrgebiet ausgezeichnet: Rosin (Dorsten) Palmgarden (Dortmund, Genussbereit-Bericht hier), Hannappel (Essen), La Grappa (Essen, Genussbereit-Bericht hier), Kurlbaum ( Moers) und Am Kamin (Mülheim an der Ruhr, Genussbereit-Bericht hier). Der ebenfalls mit 16 Punkten ausgezeichnete Akazienhof (Duisburg) musste seine Pforten schon wieder schließen.
(Angaben ohne Gewähr.)

Gault Millau 2019, 768 Seiten, ZS Verlag München, 39.99 Euro

Freitag, 9. November 2018

Essen: Erika Bergheim ist Köchin des Jahres 2019 im Schlemmer Atlas



Erika Bergheim wurde auf der Gala des Busche-Verlages in Berlin ausgezeichnet.
Foto: BrauerPhotos / G.Nitschke

Die Essener Spitzenköchin Erika Bergheim wurde vom Restaurantführer Schlemmer Atlas zur „Köchin des Jahres 2019 gewählt. “Seit 1997 arbeitet die 57-Jährige ununterbrochen im Schlosshotel Hugenpoet in Essen Kettwig. Als Küchenchefin erkochte sie 2009 für das damalige Hotelrestaurant NERO einen Michelinstern, und wiederholte das 2017 für das Nachfolgerestaurant Laurushaus.

Der Schlemmer Atlas begründet seine Wahl u.a. folgendermaßen: „Mit ihrer offenen, unaufgeregten Art versteht es Erika Bergheim auch, Menschen und Kontraste zu vereinen. Davon profitiert ihre Küche, ihr Team und die Atmosphäre im Restaurant. Dort werden edle Produkte aus aller Welt mit Regionaltypischem vereint - schließlich ist Erika Bergheim auch offizielle Genuss-Botschafterin des Ruhrgebiets.“

Genussbereit gratuliert!

Donnerstag, 8. November 2018

Novemberessen: Pizzoccheri nach Genießerart



Eigentlich werden die Pizzoccheri im südschweizerischen Puschlav-Tal mit Wirsing gegessen, doch als der Genießer in der Gemüseabteilung vom Biomarkt stand, lagen da nur Riesenköpfe, so dass er auf Rosenkohl umschwenkte. Den gab es lose, und so konnte ich mich genau mit der haushaltsüblichen Menge eindecken, die ich als genügsamer Esser (hört, hört!) auch tatsächlich verkrafte.

Zutaten: Rosenkohl, Kartoffeln, Nudelteig aus
Buchweizenmehl, Fontona-Käse

Das einfache Traditionsgericht ist sowieso eine recht nahrhafte Sache und eignet sich deshalb gut für kalte Herbst- oder Wintertage, wenn es sowas heutzutage überhaupt noch gibt. Die Abwesenheit von Speck, eigentlich ein Hauptbestandteil solch bergbäuerlicher Gerichte, zeigt, dass es seinen Ursprung in einer wirklichen Arme-Leute-Küche hat. Das teuerste war der Käse, den ich verwendete: Fontina, ein zartschmelzender Bergkäse aus dem norditalienischen Aostatal und etwas geriebenen Trentingrana, eine Parmesanvariante aus Südtirol.

Zutaten für den Teig: Buchweizenmehl, Dinkelmehl, Ei, Wasser, Salz 

Pizzoccheri sind Nudeln aus Buchweizenmehl, unter das zur besseren Bindung noch etwas Weißmehl, in diesem Fall aus Dinkel, gemischt wird. Die Pizzocheri werden gemeinsam mit Kartoffeln und Kohl gekocht, mit Salbei-Knoblauch-Zwiebel-Butter und dem Käse verfeinert. Eine urgesunde Sache: Die Nudeln aus dem Pseudogetreide Buchweizen und der alten Getreidesorte Dinkel sind leicht verdaulich und sorgen mit den Kartoffeln für die Kohlehydrate-Basis, der Kohl für die Vitamine und Käse und Butter für das nötige Fett, um alles bei der Verdauung aufzuschließen. Darüber hinaus schmeckte es ganz wunderbar und erinnerte mich an den Rosenkohlauflauf, der seit Studententagen zu meinen Klassikern gehört (klick hier).

Nudeln fertig zum Kochen

Dazu trank ich den letzten Rest des Barolo Sorano von Ascheri aus dem Jahr 2000 (klick hier). Der Flasche war mittlerweile seit vier Tagen offen. Der Wein hatte also eine Menge Luft bekommen, und die mittlerweile oxidativ-ätherischen Aromen verbreiteten eine ganz eigene, wunderbare Magie.

Rezept: Pizzoccheri nach Genießerart
4 Portionen 

100 g Buchweizenmehl
50 g Dinkelmehl
1 Ei
etwas Wasser
Salz
4 festkochende Kartoffeln, z.B. Laura
500 g Rosenkohl
1-2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
10 Salbeiblätter
125 g Butter
2-3 EL Parmesan, z.B. Trentingrana (nach Belieben)
100 g Fontina

Aus Buchweizen- und Dinkelmehl, etwas Salz und dem Ei einen elastischen Teig kneten. Ggf. etwas Wasser dazu geben. In Frischhaltefolie wickeln und ruhen lassen.
Kartoffeln schälen und in 1 cm große Würfel schneiden. Rosenkohl putzen und die Röschen halbieren.
Den Teig 2 mm dick ausrollen und in 0,5 cm breite Bandnudeln schneiden.
In einem großen Topf 3 Liter gut gesalzenes Wasser zum Kochen bringen. Die Kartoffelwürfel hineingeben und 5 Minuten kochen lassen. Dann den Rosenkohl dazu geben und ebenfalls 5 Minuten kochen lassen. Schließlich die Pizzoccheri dazugeben und alles noch einmal 10 Minuten kochen lassen.
In der Zwischenzeit ein bis zwei Zwiebeln schälen und in dünne Ringe schneiden. Knoblauch ebenfalls schälen und in Scheiben schneiden.125 g Butter in einer großen Pfanne auslassen und Zwiebeln und Knoblauch darin goldgelb braten. Salbeiblätter vorsichtig frittieren, einige zum Garnieren frisch zurückbehalten. Die gebratenen Zwiebelringe aus der Butter fischen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Wenn, Kartoffeln, Nudeln und Rosenkohl gar sind, abgießen und in die Pfanne mit der Butter geben, mit geriebenem Parmesan bestreuen und bei milder Hitze etwas braten lassen. In dünne Streifen geschnittenen Fontina darüber streuen, Deckel auf legen und die den Käse schmelzen lassen. Auf vorgewärmte Teller geben, mit den gebratenen Zwiebeln und Rosmarinblättern garnieren.

 Portion ohne extra Zwiebeln


Sonntag, 4. November 2018

Novemberküche: Wenn die Morcheln Trauer tragen oder Maronengnocchi mit Herbsttrompeten, Steinpilzen und einem alten Barolo



Gnocchi aus Maronen und Kartoffeln mit exquisiter Pilzbeilage

Morilles de la mort, Morcheln des Todes, nennen die Franzosen die Herbsttrompeten, dabei gehören die schwarzen Pilze doch zur Familie der Pfifferlingsverwandten und werden auch Toten-Trichterling genannt - sagt zumindest Wikipedia.

Herbsttrompeten

Der Genießer findet ja, dass sie sich wunderbar als Feiertagsessen für die Trauertage im November eigenen (vergl. hier und hier). Denn trotz der schwarzen Farbe schmecken sie schließlich wunderbar. Und so milderte eine Art Geröstel aus Herbsttrompeten und frischen Steinpilzen die diesjährigen Besuche der Familiengräber in Mülheim-Heißen ab. Die Unterlage dazu lieferten Maronengnocchi, Klößchen halb und halb aus Kartoffeln, Kastanien und Dinkelmehl. Das Rezept dafür hatte ich in einer TV-Sendung entdeckt.

Voll in der Kraft und morbide zugleich.
Barolo Sorano von Ascheri aus dem Jahr 2000.

Zu dem novemberlichen, waldbodenartigen Geschmack des Ganzen passte natürlich ein Barolo. Im Keller lagerte noch ein Sorano von Ascheri aus dem Jahr 2000 als ein Überbleibsel der guten alten Zeit, und der war jetzt an der Reihe. Gekauft hatte ich ihn vor 15 Jahren in der Lebensmittelabteilung von Karstadt im Rhein-Ruhr-Zentrum, zu den damaligen Lebzeiten aller eine Lieblingseinkaufsquelle meiner Familie und später dann eine wunderbare Aufmunterung für mich im Anschluss an die Friedhofsbesuche. Fleisch- und Fischtheke waren exquisit, und die Weinabteilung mit ihren kostbaren Kreszenzen hatte es mir besonders angetan. Jetzt den Barolo zu öffnen war eine Trauerarbeit der besonderen Art. Nicht nur, dass die Lebensmittelabteilung im Rahmen des Niedergangs des Karstadt-Konzerns immer schlechter wurde – sie ist seit letztem Jahr ganz verschwunden. Heute ist an gleicher Stelle ausgerechnet ein Aldi – kein Grund mehr, das Rhein-Ruhr-Zentrum zu besuchen.


Rezept: Maronengnocchi mit Herbsttrompeten, Steinpilzen

Maronengnocchi:
400 g mehlig kochende Kartoffeln
200 g vorgegarte Maronen aus der Packung
100 ml Mandelmilch
50 g Hartweizengrieß
50 g Dinkelmehl, Typ 1050
½ TL Salz
geriebene Muskatnuss
weißer Pfeffer
gemahlenes Piment
gesalzenes Wasser zum Kochen


Die Kartoffeln schälen schälen und in Salzwasser gar kochen. weich dämpfen oder kochen. Maronen in Mandelmich ebenfalls weich kochen. Maronen pürieren und zu den Kartoffeln geben. Beides mit dem Stampfer zerstampfen, Grieß und Mehl dazugeben, eventuell noch etwas Mandelmich dazu eben. Mit gerieben Muskatnuss, weißem Pfeffer und gemahlenen Piment würzen. Alles zu einem festen Teig verkneten.
Auf einem bemehlten Backbrett aus dem Teig drei Zentimeter dicke Rollen formen und in ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Zu kleinen eiförmigen Gnocchi formen und mit der Gabel Rillen hineindrücken.
Genügend Wasser zum Kochen bringen, salzen. Die Gnocchi hineingeben und garen lassen, bis sie an die Oberfläche aufsteigen. Mit einem Schaumlöffel herausheben und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Warmhalten oder vor dem Servieren etwas anbraten.


Herbsttrompeten-Steinpilz-Beilage
200 g Herbsttrompeten
100 g Steinpilze
50 g Guanciale oder durchwachsenen Speck
Schweineschmalz
1 Zwiebel
1-2 Koblauchzehen
1-2 Zweige Estragon
100 ml Rotwein
1 Ei
geriebene Muskatnuss
weißer Pfeffer
gemahlener Koriandersamen
Fontina Käse, gerieben oder in kleine Stücke geschnitten

Pilze putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. Speck und Zwiebel würfeln, Knoblauch schälen. Schmalz in einer Pfanne erhitzen, Knoblauchzehen, Speck- und Zwiebelwürfel dazugeben und anbraten. Pilze und Estragon dazugeben ebenfalls mitbraten. Mit Rotwein ablöschen, etwas salzen und bei geschlossener Pfanne 15 Minuten durchgaren.Knoblauchzehen entfernen.
Ei mit Pfeffer, Koriandersamen und Muskat verquirlen. Käsestückchen unterrühren.
Wenn die Pilze fertig sind, etwas abkühlen lassen. Eiermasse drüber geben und verrühren.


Servieren
Gnocchi auf einen angewärmten Teller geben und mit den Pilzen übergießen.

 Maronengnocchi vor dem Garen

Erholung...

...nach dem Friedhofsbesuch.


Freitag, 26. Oktober 2018

Kochbücher Ruhrgebietsküche, Teil 15: Original Ruhrpott



Barbara Boudon, Stephanie Streit-Boudon: Original Ruhrpott / The Best Food of the Ruhr Area. 96 Seiten. Hädecke Verlag. ISBN 978-3-7750-0784-9. 9,95 Euro


Ein wenig schmunzeln musste ich ja doch, als ich erst jetzt das bereits im Frühjahr im Hädecke Verlag erschienene Kochbuch „Original Ruhrpott“ aufschlug. Es ist zweisprachig gehalten, den Seiten auf Deutsch steht eine englische Version gegenüber. Dass erinnerte mich an die die Diskussionen in der Arbeitsgruppe Kulinarik der Kulturhauptstadt 2010 vor zehn Jahren, als gefordert wurde, dass im Festjahr die Restaurants Im Ruhrgebiet für die zu erwartenden Touristenströme ihre Speisekarten auch auf Englisch parat halten sollten. Dass eine kulturelle Auseinandersetzung mit der Ruhrgebietsküche eine wesentlich nachhaltigere Bedeutung für die regionale Identität haben würde, dämmerte den Kulturhauptstadtmachern damals nur langsam. Kulinarik war für sie, wie im Ruhrgebiet üblich, eine Sache der Versorgung und nicht der Kultur.

Die Dortmunderinnen Barbara Boudon und ihre Tochter Stephanie Streit-Boudon, die Autorinnen von „Original Ruhrpott“, sehen das zum Glück etwas anders. Stephanie Streit-Boudon betreibt das Kochblog „La Boudon’s Pot Culinaire“ (klick hier). In ihrem persönlich gehaltenen Einführungstext geht Barbara Boudon auf die Problematik der Ruhrgebietsküche ein, als wesentlichen Aspekt sieht sie die Internationalität der Zuwanderungsregion.

Illustriert wird das durch 29 Rezepte, meist Klassiker wie Taubensuppe, Schlapperkaps, Fisch in Senfsauce oder Herrencrème, professionell formuliert und einfach nachzukochen. Es mag eine verkaufsfördernde Entscheidung des Verlags gewesen seine, als erstes Rezeptfoto die populäre Currywurst mit Pommes Schranke zu bringen. Der erste Rezepttext hingegen ist Erbsensuppe, die ich viel typischer für’s Ruhrgebiet halte, das Buchcover ziert Pfefferpotthast, das westfälische Dortmunder Nationalgericht. Nebeneffekt der Zweisprachigkeit des schmalen Bändchens, das sich gut als Mitbringsel eignet: Durch die englische Fassung wirkt es doppelt so dick.

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 26.10. - 1.11.2018



Am Wochenende ist die letzte Gelegenheit, im Rahmen des Restaurant-Karussells die Menü-Angebote von zahlreichen Restaurants in Essen und dem westlichen Ruhrgebiet wahrzunehmen.
Doch das Wochenende wird auch von zwei Festivals geprägt. Kirmesmäßig geht es in der zweiten Runde des diesjährigen Niederrehinischen Muschel- und Backfischfestets im Duisburger Innenhafen zu. In die erlesenen Höhen der Destilierkunst führt die Spirituosenmessen Aquavitae in der Stadthalle Mülheim.

14.9. - 28.10.2018
Restaurant-Karussell Herbst
Essen u.a. Städte

26.10. - 28.10.2018
Niederrheinsches Muschel- und Backfischfest
Duisburg, Innenhafen

27.10. - 28.10.2018
Spirituosenmesse
Aquavitae
Mülheim, Stadthalle
Infos hier

31.10. - 4.11.2018
Street, Food and Music Festival
Duisburg, König-Heinrich-Platz

Wochen- und Feierabendmärkte im Ruhrgebiet. Klick hier

Sonntag, 21. Oktober 2018

Neu in Essen-Werden: Chefs & Butchers



Fast ein Familienbetrieb: Stefan Burchhardt mit Schwester Bettina Möller
und  Michael Scheil. Auf dem großen Foto Michael Scheils Lebensgefährtin Nida al Barin.

Lange Zeit war das Straße Im Löwental am Essen-Werdener Bahnhof ein eher schwieriger Gastronomie-Standort, nachdem zuvor Traditionskneipen wie der „Dicke Engel“ und andere dort ihre Pforten schlossen. Verschiedene Versuche, dort gehobene Gastronomie wieder anzusiedeln, scheiterten (klick hier). Erst als im Frühjahr dort das charmante Dolcinella eröffnete (klick hier), ging es gastronomisch mit der Stichstraße wieder aufwärts.

Jetzt ist ein zweites Highlight dazugekommen. Anfang Oktober eröffnete „Chefs & Butchers“, ein Restaurant, das in kürzester Zeit, so hat der Genießer den Eindruck, wie eine Bombe einschlug.

Cooles Loft-Design

In den Betreibern trifft sich geballte gastronomisch-kulinarische Kompetenz. Der namensgebende „Chef“ ist Michael Scheil, langjähriger Sous Chef bei Knut Hannappel, der „Butcher“ Stefan Burchhardt, der mit seiner Schwester Bettina Möller in der Werdener Altstadt die Traditionsfleischerei Bremen betreibt (und verwandt ist mit der der gleichnamigen Fleischerei in Essen-Rellinghausen klick hier.). Über zwei Jahre lang ließen sie die obere Etage der alten Halle eines ehemaligen Fliesenbetriebs umbauen, mit Unterstützung der Essener Innenarchitekturbüros Stadthaus. Ursprünglich sollte es nur eine Event-Location werden, aber dann kristallisierte sich immer mehr die Idee für ein À-la-Carte-Restaurant heraus. „Schließlich waren wir heiß wie Pommesfett“, grinst Michael Scheil.

Vorn geht's zu Ruhr...

...hinten zur S-Bahn.

Herausgekommen ist dann ein elegantes Loft in dezenten Grautönen, mit Showküche, Fleischreifeschrank und Weinkühlschrank. Durch die großen, neu durchgebrochenen Fenster blickt man hinten über den kleinen Raucher-Balkon auf die S-Bahnstrecke Düsseldorf-Villa Hügel, vorn über einen Tennisplatz auf die Ruhr, die aber hinter der Uferbewachsung verschwindet.

Bei aller Coolness der Einrichtung: „Wir sehen das hier als Wohnzimmer“, meint Michael Scheil. Und das Konzept scheint aufzugehen. Schon am frühen Abend füllt sich das Lokal, junge Familien mit Babys und Kleinkinder sind dabei, Paare, eine Gruppe, die sich zum Familienfest an einer langen Tafel trifft, und sogar Gastronomie-Kollegen aus der Umgebung.

Michael Scheil und Küchenchef Matthäus Brol

Michael Scheils Küche, die er mit seinem Küchenchef Matthäus Brol und seinen Kollegen realisiert, trifft anscheinend genau die Bedürfnisse. Angerichtet sind die Teller ästhetisch perfekt und könnten in jedem Sternerestaurant auf den Tisch kommen, aber die Gerichte sind ein Spagat zwischen experimenteller Küche und Hausmannskost der Spitzenklasse. „Ich möchte gerne meine Stopfleber machen, aber auch einen Sauerbraten“, erklärt Michael Scheil. Im Mittelpunkt stehen immer erstklassige Produkte. Beim Fleisch kann er sich da auf die Kompetenz von Partner Stefan Burchhardt verlassen, Schweinefleisch stammt etwa direkt aus der Nachbarschaft vom Kettwiger Freilandschwein, Rindfleisch reift im restauranteigenen Dryager. Fisch kauft er „direkt vom Kutter“, Gemüse möglichst direkt beim Produzenten.


Entsprechend fantastisch war das kleine Menü, das ich verkosten durfte. Dazu wurde ein extra für Chefs & Butchers abgefüllte trockener Grauburgunder und die katalanische Cuvée Dimoni Vermell der Bodega Ferré Catasús ausgeschenkt – mit dem Hinweis, die Weinkarte sei noch im Aufbau begriffen. Und der Kaffee war natürlich ein echter Tonino Lamborghini.

Das Menü 


Amuse
Gurkensalat│hausgebeizter Lachs
Milde Gurke trifft würzigen Lachs

Thunfischtatar
Roter Spitzkohl│Miso│Avocado│Soja 14 Euro
Handwerkliche Perfektion durch eine durchsichtige Geleehaube

Butcher’s Blutwurst Spezial
Sellerie│Lauch│Rübenkraut 16 Euro 
Nach einem Hausrezept exklusiv hergestellte Blutwurst mit Wurzelgemüsen. Feine Regionalität

Zwischendurch
Kaffeeschaum│Sorbet

Butcher’s Rumpsteak
Handgeschnittene Pommes│Herbstrüffel 29 Euro 
Das hausgereifte Fleisch: super. Die handgeschnitzten Pommes: sensationell. Und erst die Trüffelmmayonnaise....

Dessert Grüner Apfel
Pistazie│Honig│Zitronen-Thymian 7 Euro
Genau: 7 Euro

Kaffee von Lamborghini 

 Da weiß man, was man isst.

Chefs & Butchers. Im Löwental 64, 45239 Essen-Werden. Tel. Tel: 0201/40870000. Mi, Do 17.30-22 Uhr, Fr, Sa 17.30-23 Uhr, So 13-20 Uhr. www.chefsandbutchers.de
www.fleischerei-bremen.de

Sonntag, 14. Oktober 2018

Slow Food Genussführer 2019/20 erschienen. Ein paar kritische Gedanken.



Der Blick ins Impressum lässt nicht nur den bewussten Feinschmecker, sondern auch einen notorischen Karl-May-Freund wie den Genießer jubilieren. Als Druckerei des Slow Food Genussführers wird dort nämlich die Friedrich Pustet GmbH und Co. KG angegeben, zu der auch ein gleichnamiger Verlag gehört. Dort erschien einst die schwer katholische Zeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild“, in der 1881 erstmals Karl Mays Reiseerzählung „Durch die Wüste“ abgedruckt wurde, ein Klassiker der Abenteuerliteratur.

Durch die Wüste, so kommt es einem auch vor, wenn man den 752 Seiten dicken Wälzer nach Restaurants aus dem Ruhrgebiet durchforstet. Von den insgesamt 598 aufgeführten Adressen in ganz Deutschland liegen nur ganze drei ins unserer 5 Millionen Einwohner umfassenden kulinarischen Diaspora: die Rôtisserie du Sommelier in Essen-Rüttenscheid, Lecker Werden in Essen Werden und die Mausefalle in Mülheim an der Ruhr.

Es ist schwer zu entscheiden, woran das liegt. Vieles spricht dafür, dass es in unserer Region wirklich nur sehr wenige Restaurants gibt, die die Slow-Food-Kriterien „gut, sauber und fair“ tatsächlich“ erfüllen. Was das genau bedeutet, wird im Genussführer auf anderthalb Seiten ausgeführt: mit frischen und saisonalen Lebensmitteln kochen, gutes Handwerk praktizieren und sich dazu den kulinarischen Produkten ihrer Region verbunden fühlen – und das auch noch zu fairen Preisen. Auf der anderen Seite mag es aber auch daran liegen, wie die Auswahl der Restaurants für den Genussführer zustande kommt. Recherchiert und getestet werden sie ehrenamtlich von den Slow-Food-Mitgliedern aus den Ortsgruppen des Vereins, Convivien genannt. Im Ruhrgebiet gibt es drei davon: Slow Food Essen, Slow Food Bochum und Slow Food Dortmund. Aktiv ist in diesem Zusammenhang aber nur Slow Food Essen. So wundert es nicht, dass die drei Restaurants im Genussführer genau in dessen Bereich liegen.

Eine weitere Frage ist, warum sich eigentlich so wenig Köche und Köchinnen im Ruhrgebiet von sich aus für Slow Food interessieren. Schließich ist Slow Food eine weltweit agierende Bewegung, die sich für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens einsetzt – eine Haltung, die jeder Gastronom teilen kann. So stellt de Genussführer u.a. die Slow Food Chef Alliance vor, den internationalen Zusammenschluss von Köchen, die sich dem Slow-Food-Gedanken verpflichtet fühlen. In Deutschland gehören allerdings nur ganze 26 Köchinnen und Köche dazu – aus dem Ruhrgebiet ist immerhin Patrick Jabs von Lecker Werden dabei. Ob es daran liegt, dass Slow Food für Köche und Gastronomen, die ja in erster Linie auch ökonomisch bestehen müssen, nicht wirklich den nötigen Support bringt, den sie brauchen? Die Slow-Food-Kriterien im täglichen Kampf um den Kunden durchzuhalten, erfordert schließlich mehr als nur eine tiefe Überzeugung.

Slow Food Genussführer 2019/20. 752 Seiten, Oekom Verlag München, 2018. ISBN-13: 978-3-96238-057-1. Preis: 28 Euro

Freitag, 12. Oktober 2018

Neu im Dortmunder Saarlandstraßenviertel: Bistecca



Prosecco im Bistecca

Bis Anfang des Jahres hieß das Lokal an der Chemnitzer Straße noch Rossini und war der Versuch u.a. von Gastronom David Jaha, im Dortmunder Saarlandstraßenviertel ein Edelrestaurant zu etablieren. Das Projekt endete im Januar 2018 mit einem Eklat. Da nützte es auch nichts, dass sich TV-Restaurantretter Frank Rosin mit seiner Sendung einmischte – genauso wenig wie das kurzzeitige Engagement von Dortmunds buntestem Küchenvogel David Kikillus.

Inhaber Sado Grjaija

Seit Ende September wagt der neue Inhaber Sado Grjaija in den gleichen Räumlichkeiten mit neuem Namen den Neuanfang. Sein Bistecca hat die äußerst elegante Inneneinrichtung übernommen.Die dunkelgrauen Wände unf glitzernden Kronleuchter verbreiten eine urbane Atmosphäre. Der Schriftzug „Bistecca“ ist in seiner klassischen Typographie zeitlos, die Filmstarbilder an den Wänden entführen den Gast in die Dolce-Vita-Zeit des 1950er und 60er Jahre.

Urbane Eleganz im  Saarlandstraßenviertel

Antipasti auf dem Teller fürs Rat Pack auf dem Foto

Die Küche gibt sich zwar fein, ist aber eher konventionell, wie der Genießer bei einem Presseessen vor zwei Wochen feststellen konnte. Sado Grjaria, der zuvor u.a. für das Ristorante La Toscana verantwortlich war, stammt aus der italienischen Minderheit im Kosovo und scheint so ein Gespür für den Appetit der Menschen im Ruhrgebiet zu haben. So hat er eine ganze Reihe von Steakspezialitäten auf der Karte – das dem Restaurant den Namen gebende Bistecca Fiorentina allerdings nicht. Das ist das berühmte T-Bone-Steak vom Chianinarind, einer seltenen Rinderasse aus der Toskana. „Das anzubieten wäre für uns hier viel zu teuer“, erklärt Sado.

Fürs Presseessen kamen also eine Reihe von unprätentiösen üppigen Portionen nach italienischen Rezepturen auf den Tisch. Klasse waren die Schnecken als Vorspeise, vorzüglich das leichte Tiramisu zum Dessert.

Das Menü 

Lumache alla Sado
Schnecken in Cognacsahnesauce mit Parmesan


Im Glas: Lugana Fossadel

 Antipasti-Platte für fünf Personen

Filet Stroganoff mit Penne 

 Seezunge und Garnele mit Spinat und: Erdbeersauce!

 Hausgemachtes Tiramisu

Espresso

Grappa als Digestif

Per sempre!

Bistecca, Chemnitzer Str. 98 Ecke Landgrafenstr. , 44139 Dortmund . Tel.: 0231/20654655. Tägl. 11-24 Uhr. Infos auf Facebook und auf Cityrestaurants


Donnerstag, 11. Oktober 2018

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 12.10. - 18.10.2018



14.9. - 28.10.2018
Restaurant-Karussell Herbst
Essen u.a. Städte

13.10.2018
Hopfen total
Offuzielle Eröffnung von Hopfen&Salz
Dortmund, Hopfen&Salz
Infos auf Facebook

13.10.2018
Garten- und Erntemarkt
Dortmund, Zeche Zollern

13.10.2018
Führung durch den Arbeitergarten
mit Verkostung Rosenkohl
Dortmund, Zeche Zollern

14.10. - 16.10.2018
GastroTage West
Branchentreff für Fachbesucher
Essen, Messe

Wochen- und Feierabendmärkte im Ruhrgebiet. Klick hier