Donnerstag, 16. November 2017

Neu in Essen-Kettwig: Das edle türkische Restaurant „Liman“



Eleganter Gastraum: Wintergarten im "Liman"

Wer vom Südufer der Ruhr in „Kettwig Vor der Brücke“, wo heute das „Cowboystyle Steakhouse“ für den kulinarischen american way of life sorgt, über das Kettwiger Stauwehr fährt, wird auf der anderen Flussseite an der Uferpromenade des schmucken Essener Stadtteils seit eh und je von dem bügeleisenartigen Wintergarten einer eleganten Gastronomielocation empfangen. Ganz früher war hier mal ein Ableger des einstigen „Rigoletto“, einem Italiener, der sein Stammhaus ein paar Kilometer weiter unter der himmelhohen Mintarder Brücke an der Mendener Straße hatte. Dann versorgte hier jahrzehntelange das „Kemer“ die Kundschaft mit bodenständiger türkischer Küche.


Hakan Tartuk und sein Küchenchef Oktay Akyay

Seit vier Monaten residiert hier nun das „Liman“, zu Deutsch „Hafen“. Mit seinem edlen Ambiente zeigt der Laden, wie ein türkisches Restaurant heute aussehen kann. Der aus Duisburg stammende Betreiber Hakan Tartuk hat sein Gastronomiehandwerk in italienischen Restaurants gelernt und dann mit einem Partner „The Bosporus“ in Düsseldorf geführt. Dort ist er nun ausgestiegen, führt im „Liman“ jedoch den eleganten Stil der Landeshauptstadt weiter.

Stein im Brett ist dabei sein Küchenchef Oktay Akyay, den er aus Düsseldorf mitgebracht hat und der dort aufgrund seiner Kopfbedeckung den Spitznamen „Pirat“ erworben hat. Der Pirat macht eine kreative Küche auf dem Boden der osmanischen Tradition, die nichts mit der der niedrigpreisigen Imbisskultur zu tun hat, mit der die türkische Küche hierzulande identifiziert wird. Vielmehr orientiert er sich an dem feinen kulinarischen Erbe des Sultanspalastes des einstigen Weltreichs, verbunden mit der mediterranen Weltoffenheit der modernen Hotels an der Mittelmeerküste. Seine Geschmacks- und Zutatenkombinationen wie Lachs und pastırma, dem luftgetrockneten Rinderdörrfleisch aus dem Kaukasus, oder das eher arabisch anmutende Lamm mit Datteln und Walnüssen sind kultverdächtig. Seine Saucenmalereien sehen aus wie an der Düsseldorfer Kunstakademie gelernt, aber Achtung: anders als die manischen Actionpaintings auf den Tellern der 1990-er Jahren bestehen seine filgranen Kunstwerke nicht aus gaumenschmeichelndem süßsaurem Balsamico, sondern sind scharfe Chili- oder Tomatenreduktionen – die machen Appetit.

Kreative türkische Küche:
Mit pastırma umhüllter Lachs samt Tellerbemalung

Und auch handwerklich steht die Küche auf der Höhe der Zeit. Oktopus und Lamm zergehen auf der Zunge. (Bei dem geronnenen Fischeiweiß beim Lachs, das auf dem Foto zu sehen ist, wollen wir mal ein Auge zudrücken.) Einen ähnlichen Küchenansatz findet man im Ruhrgebiet etwa beim „Tablo“ oder in Ansätzen auch beim „Gurme“ in Bochum.


Unter diesen Voraussetzungen gestaltete sich der kleine Presseabend, den der Genießer mit einigen Kollegen im „Liman“ erleben durfte, zu einer wunderbaren kulinarischen Reise zu den türkischen Gestaden. Hier die Speisen in Wort und Bild.

 Vorspeisenplatte

 Pikante Gemüse:
Antep Ezme, Enginar Salatas
ı

Zucchinipuffer, Cacık



Oktopus butterzart

Mit pastırma umhüllter Lachs  auf Fenchel und Spinat

 Hurmalı Kuzu Dolma
Lammrücken gefüllt mit Datteln und Walnüssen
an Garnatapfelsauce

Milchdessert

Türkischer Süßwein zum Dessert

 Rakı

Mokka

Immer auf Trab: der Pirat

Liman, Promenadenweg 1,45219 Essen-Kettwig. Tel. 02054/4410. Di 17-22 Uhr, Mi-So 12-22 Uhr, Mo Ruhetag. www. liman-restaurant .de

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 17. - 23.11.2017



bis 31.12.2017
Ausstellung
Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß
Dortmund, Brauerei-Museum
Infos hier 

bis 14.1.2018
Ausstellung
Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum
Waltrop, LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Infos hier


bis 30.11.207
Kochquintett Kreis Vest
Menü im November
Bullerkotte, Marl-Polsum
Infos hier

bis 19.11.2017
Genussmesse
NRW - Das Beste aus der Region
im Rahmen der Messe "Mode, Heim, Handwerk"
Essen, Messe
Infos hier 









Kunstausstellung
Heimat
Bilder von Christian Nienhaus
18.11., 19 Uhr Vernissge Flying Menü mit Berthold Bühler und Knut Hannappel
19.11., 11 Uhr Flying Trüffel Menü mit Jeannette Schnitzler
Essen, FrischeParadies
Infos hier

18.11.2017
Präsentation des Weinguts von Hövel, Konz an der Saar
11-18 Uhr
Essen, Philharmonie, Conference Center

18.11.2017
Tag der offenen Tür
Bochum, Kochschule Kochmomente
Infos auf Facebook 
17.11. - 21.11.2017

Wein-, Bier- und Spirituosen-Events im Ruhrgebiet 2017. Klick hier
Wochen- und Feierabendmärkte im Ruhrgebiet. Klick hier
 

Mittwoch, 15. November 2017

Herbstvergnügen: Gebratener Fenchel und Rosenkohl │ marinierte Orangenfilets und Walnüsse │ Salsiccia al Finocchio



Eigentlich ein Resteessen. Ich hatte noch eine Handvoll Rosenkohl, eine Fenchelknolle und ein paar Frühlingszwiebeln im Gemüsekorb. Im Kühlschrank warteten drei kleine Salsicce auf den Verzehr. Also ans Werk, es konnte nur lecker werden. Bei einer Salsiccia holte ich das Brät aus der Pelle, um es wie Speck weiter zu verwenden. Die beiden anderen verwandelten sich beim Braten in eine; sie waren schludrig abgebunden. Aber was soll’s.

Gemüse, Obst und Nüsse

Salsiccia mit Fenchel

Gewürze für die Orangen-Marinade mit Vermouth

Rezept: Gebratener Fenchel und Rosenkohl │ marinierte Orangenfilets und Walnüsse │ Salsiccia al Finocchio

3 kleine Salsicce al Finocchio

10 Rosenkohl-Röschen
1 Fenchelknolle mir Grün
4-5 kleine Frühlingszwiebeln
1 gehackte Knoblauchzehe
1 gehacktes Stück Ingwer
Olivenöl
Salz, Pfeffer, Zucker
geriebene Muskatnuss
Gewürzmischung: 1 TL Pfefferkörnern, 1 TL Koriandersaat, 1 TL Piment, 1 TL Fenchelsamen und ½ TL Zimt in eine Gewürzmühle geben.

1 Orange
4 -5 Walnusskerne
0.1 l Glas Vermouth
2-3 EL brauner Zucker
1 Sternanis
1 Stange Zimt
1 TL Fenchelsamen
1 TL Macisblüte

Orange schälen und filetieren, Walnusskerne zerbröckeln. 0,1 l Vermouth, die gleiche Menge Wasser, Zucker, Sternanis, Zimt, Fenchelsamen und Macisblüte aufsetzen und köcheln lassen, bis sich der Zucker aufgelöste hat und alles ein wenig dicklich wird. Abseihen. Wenn der Sirup abgekühlt ist, die Orangenfilets und die Walnusskerne hineingeben und marinieren lassen.

Rosenkohl und Fenchel putzen, Fenchelgrün sicherstellen. 3-4 7 Millimeter dicke Scheiben aus der Mitte des Fenchels schneiden und beiseite tun.
Rosenkohl und Fenchelreste in heißem Salzwasser 4 Minuten blanchieren und abgießen. Blanchierten Rosenkohl halbieren und die Fenchelrest in Stücke schneiden. Das Weiße der Frühlingszwiebeln in Röllchen schneiden, Knoblauch und Fenchel hacken.
Eine Salsiccia aufschneiden und das Brät aus der Pelle puhlen. In etwas Olivenöl das Fett ausbraten, ein Prise Zucker darin karamellisieren. Frühlingszwiebelröllchen, gehackten Knoblauch und Ingwer dazugeben und kurz mitbraten. Dann die halbierten Rosenköhlchen und die Fenchelreste dazugeben und kräftig braten, bis das Gemüse schön braun ist. Mit der Gewürzmischung, Pfeffer, Salz und etwas geriebenem Muskat würzen.

Unterdessen die Fenchelscheiben mit Öleinstreichen, mit Pfeffer, Salz und Zucker würzen. In einer Grillpfanne die restlichen beiden Salsiscce braten. Nach einiger Zeit die Fenchelscheiben dazu geben und auf beiden Seiten mitbraten, bis sie braun und weich sind.

Zum Anrichten die Fenchelscheiben auf einen Teller geben, den Rosenkohl und mit den Salsicce, den marinierten Orangenfilets und Walnusskernen darauf geben. Mit etwas Sirup beträufeln und mit ein paar frischen Frühlingszwiebelröllchen und dem Fenchelgrün garnieren.





FrischeParadies Essen: Kunstausstellung „Heimat“ von Christian Nienhaus



Das FrischeParadies am Essener Großmarkt mausert sich immer mehr zum kulturellen Treffpunkt für kulinarisch Interessierte. Nachdem der Feinkost-Supermarkt vor zwei Monaten um ein Bistro erweitert wurde (klick hier), findet am kommenden Wochenende erstmals eine Kunstausstellung in der Markthalle statt. Vom 17. Bis zum 21.11.2017 zeigt der Gelsenkirchener Künstler Christian Nienhaus unter dem Titel „Heimat“ großformatige Gemälde.

Am Samstag, den 18.11., gibt es ab 19 Uhr ein „Vernissge Flying Menü“ (99 Euro), für das der Grandseigneur der Sterneküche im Ruhrgebiet Berthold Bühler und der Essener Spitzenkoch Knut Hannappel gewonnen werden können. Am Sonntag, den 19.11.2017, überrascht Jeannette Schnitztler ab 11 Uhr mit einem „art meets kitchen“-Brunch um den Trüffel (59 Euro).

Karten gibt es an der Kasse im FrischParadies und im Internet bei Christian Nienhaus (klick hier). Das Kontingent ist begrenzt.

 2013 gestaltete Christian Nienhaus Weinetiketten
für die Kult(ur)-Weinmesse der Essener Weinhandlung Rolf Kaspar.


Dienstag, 14. November 2017

Guide Michelin 2018: So viele Sternrestaurants wie lange nicht mehr im Ruhrgebiet. Neu: Laurushaus Kettwig und Ratsstuben Haltern.



Jetzt wieder mit Stern:
Erika Bergheim im Restaurant Laurushaus

Herzlichen Glückwunsch: Zum zweiten Mal hat Erika Bergheim für das Schlosshotel Hugenpoet in Essen Kettwig einen Michelinstern erkocht. Das erste Mal war es für das NERO von 2009 bis 2013, und jetzt nach der Umorganisation von Schloss Hugenpoet für das Restaurant Laurushaus.

Und ein zweites neues Sternerestaurant gibt es: Die Ratssuben im Ratshotel in Haltern am See. Auch hier einen herzlichen Glückwunsch.

Trotz des Abgangs der Kettwiger Résidence Ende 2016 hat jetzt das Ruhrgebiet so viele Sternerestaurants wie lang nicht mehr.

Hier die komplette Liste:

Rosin, Dorsten, 2 Sterne
Am Kamin, Mülheim, 1 Stern
Goldener Anker, Dorsten: 1 Stern
Haus Stemberg, Velbert, 1 Stern
Landhaus Köpp, Xanten, 1 Stern
Laurushaus im Schlosshotel Hugenpoet, Essen, 1 Stern
Palmgarden, Dortmund, 1 Stern
Ratsstuben, Haltern, 1 Stern
Schote, Essen, 1 Stern

Montag, 13. November 2017

Genießers Kochkurs: Burger hausgemacht



Herbstburger under construction

Selten hatte der Genießer so viel Lampenfieber vor einem Kochkurs wie am letzten Freitag. Erstens war der Kurs – nach dem Erfolg des ersten vor einem Jahr (klick hier) - mit 16 Teilnehmern ausgebucht, die er im Alleingang bändigen musste, und zweitens konnte der Kurs nicht in der vertrauten Küche im Kulturzentrum der VHS Herne stattfinden. Die wird aus Brandschutzgründen z.Zt. renoviert, und so musste der Kurs in die mir fremde Lehrküche in der Schule an der Viktor-Reuter-Straße ausweichen. Und dann sollten vier verschiedene Burger aus Rind- bzw. Schweinefleisch, Pulled Pork und Fisch hergestellt werden, von denen jeder Teilnehmer mindestens einen zum Probieren bekommen sollte – also 4 x 16, sprich 64 Stück plus vier für den Kursleiter, der schließlich auch Hunger hatte. Ein Theaterregisseur hätte angesichts dieser Kantinenleistung längst seine Künstlermähne geschüttelt und ausgerufen: „Unter diesen Bedingungen kann ich nicht arbeiten!“

Klassischer Burger
mit Ketchup, Mayonnaise und Salat
Patty aus Bürgermeisterstück vom Bio-Weiderind
und Tafelspitz vom US-Beef
Bun aus Kartoffelteig mit Haferflocken. 

 Herbstburger
mit Rotkohl und Apfeltatar
Patty aus Schulter vom Bunten Bentheimer
und Bauch vom Duroc-Schwein
Bun aus Kürbisteig mit Kürbiskernen

 Pulled Pork Burger
mit Ketchup und Mayonnaise 
Patty aus Nacken vom Bunten Bentheimer 
Bun aus Hefeteig mit Sesam

Fischburger
mit Mayonnaise und Salat
Patty aus Seelachsfilet 
Bun aus Hefeteig mit Sesam

Doch dann verlief alles ganz entspannt und harmonisch. Die Teilnehmerschar entpuppte sich als ganz wunderbare Truppe. Von Liebespärchen Anfang zwanzig, über Väter mit Söhnen und Mütter mit Töchtern bis hin zu Rentnern um die siebzig waren alle Generationen vertreten. Routinierte Hobbyköche arbeiteten mit Anfängern Hand in Hand. Besonders erfrischend war es, junge Mädchen beim Durchdrehen zu erleben, allerdings nicht als vegane Lady-Gaga-Imitation, sondern beim handfesten Umgang mit rohem Rindfleisch, ganz ohne modische Berührungsängste. Der Burger als generationsübergreifendende, gesellschaftliche Sinnstiftungs-Mahlzeit: wer hätte das gedacht.

  Generationen-Treff beim Burger-Machen:
Die Jugend dreht durch...

 ...die Senioren schälen Kartoffeln.

Dabei ist für den Genießer der Burger keineswegs ein besonders bewundernswertes kulinarische Produkt. Vielmehr halte ich ihn für eine gastronomische Erscheinung, die die respektlose Behandlung von Fleisch in der modernen Konsumgesellschaft symbolisiert. Das Hackfleisch ist durch das Durchdrehen bis zur Unkenntlichkeit entstellt, die Herkunft aus der Wegwerfküche des Fast Foods für den unsäglichen Ressourcenverbrauch in der Massenrinderhaltung verantwortlich. Symptomatisch war die Frage eines Teilnehmers, als ich erklärte, welch teure Fleischsorten ich gekauft hatte: „Ist das nicht zu schade?“

Ganz im Gegenteil. Was rechtfertigt, mit dem Burger einen Kochkurs zu bestreiten, ist die Tatsache, dass man ihn mit exzellentem, nachhaltig produziertem Fleisch zubereitet und so zu einem Homemade Burger adelt, sozusagen zum Sonntagsbraten unter den Burgern, den man aber auch nur zur besonderen Gelegenheiten isst.

Im Uhrzeigersinn:
Bürgermeisterstück, Bauch vom Duroc-Schwein,
Schulter und Nacken vom Bunten Bentheimer. 
Nicht im Bild: Tafelspitz vom US-Beef und Seelachsfilet

Also hatte der Genießer die edlen Fleischvorräte im Mittleren Ruhrgebiet aufgekauft: Für den Klassischen Burger (klick hier) nach der Burger-Bibel „Burger Unser“ Tafelspitz vom US-Beef und ein Bürgermeisterstück vom niederheinischen Bio-Rind, für den farbenfrohen Herbstburger aus dem Kochblog „Maltes Kitchen“ Schulter vom westfälischen Bunten Bentheimer und Bauch vom Thüringer Duroc-Schwein. Für unseren Burger mit Pulled Pork in 90 Minuten nach dem You-Tube-Kanal „Ehrliches Essen“ kam der Bio-Nacken ebenfalls vom Bunten Bentheimer zum Einsatz. Daneben wirkte das Seelachsfilet für den Fischburger aus dem Blog „Cahama“ geradezu profan, lieferte aber ein super Ergebnis.

Patties aus Rindfleisch, Fisch, Pulled Pork (gegart) und Schweinefleisch

Natürlich drehten wir das Fleisch für die Patties selbst durch, genauso, wie wird uns die Buns selbst buken. Dazu griffen wir auf ein Rezept zurück, bei dem der Teig nur vierzig Minuten gehen muss und das sich schon beim letzten Kurs bestens bewährt hatte. Als Varianten stellten wir für den Klassischen Burger einen Teig her, dem wir noch etwas Kartoffelstampf untermischten, und für den Herbstburger einen Teig, zu dem noch etwas Kürbispüree kam. Auf die Zeit des Gehens hatte das keinen Einfluss.(Zum Rezept für die Buns klick hier.)

 Buns mit Kürbis und Kartoffeln und Haferflocken

Das Kürbispüree, für das ein kleiner Hokkaidokürbis im Ofen für eine Stunde gegart wurde (was der Genießer aus Zeitgründen schon zu Hause gemacht hatte), machte Probleme. Das Püree hatte noch zu viel Flüssigkeit und hätte noch bei niedriger Temperatur völlig trocken gedörrt werden müssen. So wurde der Teig kletschig, so dass keine Buns geformt werden konnten. Doch die Teilnehmer hatten eine gute Idee. Sie strichen den Teig auf ein Backblech, buken ihn und schnitten ihn nachträglich in printenartige Stücke. Das war vielleicht nicht ganz burgerlike, tat dem wunderbaren Geschmack aber keinen Abbruch.

Ein ähnliches Problem trat beim Pulled Pork auf. Normalerweise wird dafür ein Schweinenackenbraten am Stück im Smoker über Stunden gegart, bis es faserig ist und mit zwei Gabeln gepullt, d.h. zerzupft werden kann. You-Tuber Marco behauptet in einem Video (klick hier) vollmundig, das würde mit Nackensteaks im Backofen auch in 90 Minuten klappen, also ideal für unser Zeitfenster. Wir hielten uns an seine Vorgaben, doch unser Buntes Bentheimer war zu charaktervoll, um sich zerrupfen zu lassen. Es war herrlich, zart und saftig, nur das Pullen ging nicht. Also schnitten wir es in dünne Tranchen und belegten damit unsere Burgerbrötchen.

Im Gegensatz zum Burgerkurs im letzten Jahr gelangen die Fischburger mit einem etwas modifizierten Rezept diesmal ganz ausgezeichnet. Gerieten die Fischfrikadellen, auch aufgrund der Fischsorten, damals zu flüssig, war die Konsistenz jetzt ideal.

Zutatenprodukte: Ketchup, Rotkohlsalat, Kartoffelwedges u.a.

Alle sonstigen Zutaten und Beilagen stellten wir natürlich ebenfalls selbst her: einen fruchtig-scharfen Ketchup nach einem Rezept von Katrin Manzke von der Manufaktur „Im Glas“ in Bochum-Dahlhausen (klick hier), Mayonnaise und als Sättigungsbeilage (jawoll!) Kartoffelwedges. Das vorgeschlagene Mayonnaisen-Rezept mit Olivenöl schmeckte den Teilnehmern nicht, also machten sie kurzerhand eine mit Rapsöl nach eigenen Vorstellungen. Die übrig gebliebene Schmorflüssigkeit des Pulled Pork wurde zu einer schönen BBQ-Sauce eingekocht. Dazu kamen noch fertig eingelegte Gurkenscheiben und ein paar Salatblätter.

Fazit: Der Kochkurs endete mit einem einzigartigen Burger-Schmaus!

Und hier noch einmal die Links zu den Rezepten :

Teig für die Buns: klick hier
Ketchup: klick hier
Mayonnaise: klick hier 
Kartoffelwedges: klick hier

Klassischer Burger aus Rindfleisch: klick hier
Herbstburger aus Schweinefleisch: klick hier
Pulled Pork Burger: klick hier
Fischburger: klick hier

Impessionen

16 Kursteilnehmer legen los.

Wer ist schneller?
 
Die Wedges kommen aufs Blech.

Ob das was wird?

Und hier etwas Rotkohl, und da etwas Rotkohl.

Keine Berührungsängste mit dem Fleisch.

Immer rein in den Fleischwolf.



Freitag, 10. November 2017

Palmgarden Dortmund: Dialog mit Dyllong



Ruhrkiesel

Dialog mit Dyllong: Unter diesem Motto hat der Dortmunder Sternekoch Michael Dyllong eine Handvoll Journalisten in das Restaurant Palmgarden in der Spielbank Hohensyburg geladen. Gemeinsam mit Marco Lippert von den „Westdeutschen Spielbanken“ stellte er anlässlich des grundlegenden Umbaus des Restaurants das neue Konzept des Hauses. Nicht nur das Ambiente des Palmgarden wurde auf die Hohe der Zeit gebracht (siehe den Post vom 10.9.2017, klick hier). Der Restaurantbereich wurde komplett vom Spielbankbereich getrennt und das neue Zweitrestaurant SYGHT eingerichtet. Im Palmgarden gibt es eine Art Separee für Gruppen, die seit jeher offene Küche durch einen Chef’s Table erweitert, von dem aus die Gäste das Treiben der Köche beobachten können.

Pressesprecher Marco Lippert von den Westdeutschen Spielbanken
und Sternekoch Michael  Dyllong


Und auch die Menü-Gestaltung wurde überarbeitet. Um seine Sterneküche so erschwinglich wie möglich zu halten, bietet Michael Dyllong nur noch ein knapp kalkuliertes Menü an, zu dem sich der Gast gewisse teure Zutaten auf Wunsch dazu bestellen kann. Ein Konzept, das bislang gut aufgegangen ist.

Für die eingeladenen gab Michael Dyllong natürlich sein Bestes. Das fünfgängige Menü war, wie es das neue Konzept vorsieht, einer kulinarischen Reise auf der Ruhr unter dem Motto Aromatic Flavour nachempfunden. Des gab Foie Gras in verschiedenen Aggregatzuständen, u.a. als Bircher Müsli mit Granny Smith, Joghurt und Haferflockenkrokant ( gleich ein fulminanter erster Gang), dann mit Avocado, Zitrus und Gurke zu einer grünen Raupe verkleideten Taschenkrebs (war wie ein lustiger Kindergeburtstag), Steinbutt ganz in monochromem Weiß, ein geradezu klassisch daherkommendes Rehfilet, das einfach schmecken musste, und zum Dessert eine Rote-Beete-Kreation mit Buttermilch. Drumherum wurden wir mit allerlei Kleinigkeiten und Grüßen aus der Küche verwöhnt: dekonstruierten und wiederaufgebauten Austern und Miesmuscheln, Beef auf einem Rinderknochen serviert, Süßigkeiten, die alles andere als süß waren, sondern nur delikat.

Über dieses wunderbare Menü hinaus gefiel dem Genießer besonders, dass der Abend so etwas wie eine Veteranen-Treff der Stadtillustrierten-Szene im Ruhrgebiet war. Fünf der acht eingeladenen Gäste hatten ihre journalistischen Anfänge in den 1980-er und 90-er Jahren bei so legendären Szene-Zeitschriften wie MRARBO, Prinz u.a. gemacht und als Musik-, Film- oder sonstige Kritiker den Gonzo-Journalismus im Ruhrgebiet in die Gänge gebracht. Diese Zeitschriften sind allerdings längst Geschichte. Und was machen die Medienrevoluzzer von einst? Sie frönen der edlen Kunst der Feinschmeckerei.
 

Gruß aus der Küche

Ruhrkiesel: Basilikumcrème umhüllt von
mit Sepia gefärbeter Kakaobutter




Gruß aus der Küche: Auster

Gruß aus der Küche: Miesmuschel

Gruß aus der Küche: Beef auf Rindsknochen

Foie Gras...

... "Bircher Müsli": Granny Smith, Joghurt, Haferflockenknusper...

...Crème Brulée

Taschenkrebs...

...Avocado, Zitrus, Gurke

Steinbutt...

...Ooops! weiß

Reh: Schwarzwurzel, Rosenkohl, Birne

(Zum Reh)

Rote Beete: Buttermilch, Ingwer, Kokos

Sweets

Sweets

Sweets

Sweets