Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016"
Die Gastronomie gibt es nicht mehr. Seit 2018 befindet sich in dem Gebäude die Biergaststätte "Hopfen & Salz".
Es ist schon bewundernswert, wie die Familie Eisenbarth es schafft, eine traditionsreiche Ausflugsgastronomie, die in der Kaiserzeit auf dem Höhepunkt der Industrialisierung des Ruhrgebiets konzipiert wurde, als Eventgastronomie ins 21. Jahrhundert zu führen. Auch nach einem Jahrhundert beeindruckt der tadellos in Schuss gehaltene Bau am Lütgendortmunder Volksgarten. Innen herrscht gutbürgerliche Gemütlichkeit, außen lockt ein großer Außenbereich mit verschiedenen Abteilungen von einer eleganten Terrasse über einen mit klassischen Bänken ausgestatteten Biergarten bis hin zu einem Kinderspielplatz. Dass solch ein Prachtbau nur mit einem konsequenten Konzept zu betreiben ist, liegt auf der Hand. So ist die Eisenbarth Gastronomie fürs allgemeine Publikum nur freitags bis sonntags geöffnet, unter der Woche finden in den verschiedenen Räumlichkeiten Veranstaltungen und Familienfeiern statt.
Auch das Bewirtungskonzept wird konsequent durchgezogen. Gern hätte ich an einem warmen Freitagabend auf der wenig besetzten Terrasse gegessen, doch da hätte ich nur in Selbstbedienung verschiedene Flammkuchen (zwischen 6 und 7 Euro) oder die unumgängliche Currywurst (mit Eisenbarths Spezialsauce 2,50 Euro) bekommen. Also musste ich mich in den gutbesuchten holzvertäfelten Kneipenraum setzen, um mir von der gutbürgerlichen Speisekarte ein kleines Menü auszuwählen. Die Saisonkarte war der Jahreszeit gemäß vom Pfifferling geprägt. Doch ich suchte etwas Zeitloses und wurde im Klassischen Sauerbraten mit geschmelzten Thüringer Knödeln (11,60 Euro) fündig. Selbst eingelegt sei der Braten, verriet mir die Bedienung, und stamme vom Rindertafelspitz. Tatsächlich war er angenehm süßsauer und einigermaßen zart. Die Pumpernickel-Honig-Sauce hätte etwas sämiger sein können. Der Johannisbeer-Rotkohl war ziemlich grob geraspelt, was mich nicht störte, weil er trotzdem weich war. Bei Mama wäre das aber nicht durchgegangen. Dazu schmeckte ein Alsterwasser (3,30 Euro) richtig prima.
Zuvor gab es der Jahreszeit gemäß eine geeiste getrüffelte Kartoffelsuppe (3,60 Euro). Mit dem Serranoschinken-Chip als Einlage eine leckere Sache. Doch der Chip war recht groß und mit dem Löffel nicht zu zerteilen, so dass man ihn auf einen Schlapp zu sich nehmen musste und so den größten Teil der Suppe ohne diese salzbetonte Geschmackserweiterung auslöffeln musste. Der Nachtisch war dann wieder klassisch, eine große Portion Rote Grütze mit Beerenfrüchten (4,40 Euro).
Als ich das Gasthaus verließ, war es immer sommerlich warm und ich warf sehnsüchtig einen letzten Blick auf die immer noch wenig besetzten Lehnstühle der schönen Terrasse.
-kopf
44388 Dortmund-Lütgendortmund, Volksgartenstraße 61
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen