Montag, 7. September 2015

Aus dem Archiv: Gut Kump - Kommt gut

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016"

Vor einiger Zeit, als Gut Kump am Westfalen Gourmetfestival teilnahm, hatte ich schon Lust bekommen, das Hotel-Restaurant im gleichnamigen Stadtteil von Hamm zu besuchen. Jetzt ist es endlich soweit. Das Herrenhaus des stattlichen Anwesens, das heute Gästezimmer beherbergt, strahlt auf den westfälischen Rasenflächen wie eine der Villen der weißen Stadt Heiligendamm an der Ostsee und ist umgeben von zahlreichen historischen Wirtschaftsgebäuden im Fachwerkstil, die heute den verschiedensten gastronomischen Zwecken dienen. Ein gediegenes Heiratsparadies. Das macht auch Lust aufs Essen.

Denn die Küche der Eventlocation setzt nicht unbedingt auf Massenkompabilität, sondern auf ein gehobenes Gourmet-Feeling. Sicher, auf der Karte finden sich auch ein Riesen-Burger mit hausgemachter BBQ-Sauce (15 Euro), der besonders von den Hotelgästen gern gegessen wird, oder ein Original Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat (21 Euro), doch die meisten Gerichte sind modern ausgerichtet mit asiatischem und mediterranem Einschlag.



Gruß aus der Küche
Roastbeef auf Melone

Tonkatsu vom Hirsch

Nach dem Grundsatz, dass in einem guten Restaurant alles schmeckt, was auf den Tisch kommt, bestelle ich nur Sachen, von denen ich noch nicht gehört habe. Schon der Gruß aus der Küche, der die spannende Wartezeit aufs Essen verkürzt, macht Spaß: ein dünne Scheibe Roastbeef auf Melonenstückchen, erfrischend und pikant zugleich. Und dann kommt die Vorspeise, Tonkatsu vom Hirsch, mit Algensalat, eingelegtem Kohl und Teriyakisauce (10,90 Euro). Japanischer Ingwer auch noch dabei. Bei dem eingelegten Kohl handelte es sich wohl um Kim-Chi, die koreanische Nationalspeise, aber was ist Tonkatsu? Ganz einfach, die japanische Variante des Schnitzels. Hier ist eine Tranche Hirschfleisch in Panko, dem japanischen Paniermehl, schön dunkel und knusprig gebraten und schmeckt mit den exotischen Beilagen einfach fantastisch.

Coba auf Graupenrisotto

Als Hauptgericht bestelle ich Cobia Lion, und die Bedienung klärt mich auf, dass es sich dabei nicht um eine exotische Löwenart, sondern um einen Fisch handelt. Als das Gericht serviert wird, entdecke ich, dass es sich schlichtweg um einen Druckfehler handelt. Es muss Loin heißen, wie man die Filets bei edlen Fischen auch nennt. Cobia ist eine Barschart aus dem indischen Ozean, die sich durch ein festes, wohlschmeckendes Fleisch auszeichnet. Die Zubereitung auf Gut Kump ist großartig. Auf den Punkt gebraten, thront das Fischfilet auf einem Graupenrisotto, ist mit Pfifferlingen und Parmesanstreifen sowie einem luxuriösen Champagnerschäumchen garniert. Ein schöner, wohlkomponierter Hauptgang, zu dem das Viertel Grauburgunder (4,40 Euro) super schmeckt.

Semifreddo von der Blutorange

Beim Dessert stolpere ich über das Wort Curd, mit dem garantiert nicht der deutsche Schauspieler mit Nachnamen Jürgens gemeint ist, der von Brigitte Bardot als normannischer Kleiderschrank bezeichnet wurde. Nein, ein Curd ist eine Fruchtcrème, die in diesem Fall auf Blutorangen basiert und zu einer großen Kugel Blutorangen-Semifreddo mit Cassis und Zartbitter-Schokoladen–Gelee (9,50 Euro) gereicht wird. Ein würdiger Abschluss meines kleinen Menüs.

Nach dem Essen mache ich noch einen kleinen Verdauungsspaziergang durch die weitläufige Anlage von Gut Kump und freue mich über den gelungenen Ausflug.

-kopf

59069 Hamm-Kump, Kumper Landstraße 5
0 23 85. 92 12 60
Di-Sa 17.30-21.30 Uhr. So, Mo geschlossen.
https://www.gut-kump.de/restaurant.html

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