Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016".
„Established 1999“ lese ich irgendwo, und das zeigt an, dass das Steakhaus Rodizio im automobilen Gewerbegebiet an der Rosemeyerstraße aus einer Zeit stammt, als die schon fast esoterischen Fleischsorten Wagyu oder US-Beef vom 800-Grad-Grill noch nicht als Gipfel der Steakqualität angesehen wurden, sondern das argentinische Rindfleisch. Sicher, auf einer Sonderkarte werden auch Steaks aus den Luxus-Sorten angeboten und kosten fast das Doppelte von den Gerichten der normalen Karte. Hauptattraktion des Ladens ist jedoch wie eh und je der namensgebende Rodizio, ein Spießbraten nach argentinischer Art, der hier als eine ganz besondere All-you-can-eat-Variante zelebriert wird. Die Serviceleute laufen mit großen Spießen durch den Saal, an denen verschiedene Fleischsorten über offenem Feuer gebraten wurden und schneiden einem davon so viel und so oft auf den Teller, wie man haben will. Auch die Beilagen werden in großen Schüsseln gebracht und direkt am Platz aufgetragen. Der ganze Spaß kostet 26 Euro pro Person, und so kann man sich hier ohne Reue einen ganzen Abend lang der Fleischeslust hingeben. Und das tun eine ganze Menge Leute. Das Rodizio scheint immer gut besucht.
Als rasender Restaurantkritiker will man aber nicht immer so viel Zeit investieren, und so suche ich unter den Steak- und Tellerpositionen auf der umfangreichen Speisekarte nach einem Gericht, an dem ich die Grillkunst der Küche überprüfen kann. Ich werde im Steak Teller fündig, bestehend aus 350 Gramm Rumpsteak, Entrecôte, Filet und Hüftsteak sowie einer Folienkartoffel (28,90 Euro). Als Vitaminbeilage ergänze ich das ganze durch einen Salatteller (5 Euro). Nun, die Folienkartoffel ist super, und der Salat schmeckt mir, weil ich ihn am Büffet selbst zusammengestellt habe und kein Koch dafür verantwortlich ist.
Das Fleisch ist klasse. Zart, saftig und dennoch mit Biss, innen von einem kräftigen medium Rosa. Allerdings gelingt es mir nicht, die verschiedenen Fleischsorten zu unterscheiden. Das Rumpsteak ist genauso zart wie das Filet, oder umgekehrt gesehen, das Filet genauso bissfest wie das Rumpsteak. Doch geschmälert wird der Genuss dadurch kaum. Mit Heinz-Ketchup und einer BBQ-Sauce schmeckt alles so, wie es schmecken muss, zumal der argentinische Merlot, der mir dazu in einem hohen Bordeaux-Glas dazu serviert wird, gar nicht übel ist.
Eigentlich bin ich schon ziemlich satt, doch als Nachtisch muss ein Banana Spezial, eine panierte Banane mit Zimt und Bourbon-Vanilleeis, einfach sein, als Reminiszenz an selige Kindheitstage. „Ein super Konzept, der Laden“, denke ich, als ich gut gesättigt und steifbeinig wie ein Gaucho auf dem großen vollbesetzten Parkplatz vorm Haus nach meinem Wagen suche.
-kopf
44139 Dortmund, Rosemeyerstraße 2-4
Fon 02 31. 1 06 37 35
Mo-So 12-22.30 Uhr
https://www.steakhouse-rodizio.com/
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