Diesmal war es sogar ein Filmchen, das mich dazu inspirierte, dieses Gericht nachzukochen. Immerhin hat ein britischer Food-Influencer namens Max Jarmey mit seiner „Stuffed Aubergine“ über 44.000 Likes auf Instagram ergattert, eine Zahl, von der der von allgemeiner Kochfaulheit geplagte Genießer nur träumen kann.
Ziegenfrischkäse, confierte Knoblauchzehen,
Basilikum, Parmesan, Zitronensaft
Nun ja, das Rezept ist ja auch wirklich klasse. Zwei Saucen oder Dips werden dafür gebraucht. Als Füllung für die Aubergine schlägt Max Jarmey eine Knoblauch-Ricotta-Zubereitung vor, bei der mir sofort klar war, dass ich das italienische Molke-Produkt durch meinen geliebten Ziegenfrischkäse ersetzen wollte, womit ich mich, wie ich später herausbekam, durchaus einer klassischen französischen Zubereitung für gefüllte Auberginen näherte. Was mich sofort ansprach, waren die confierten Knoblauchzehen, mit denen die Füllung aromatisiert wurde. Das hatte ich noch nie gemacht, und so bedeckte ich geschälte Zehen einer Knoblauchzwiebel mit bestem Olivenöl, stellte sie bei 160 Grad in den Ofen und ließ sie eine Stunde lang sanft sieden, bis sie butterweich und mild waren. Mit der Gabel zerdrückt, wurden sie unter den Ziegenfrischkäse gehoben – es entstand ein ganz wunderbarer Dip.
Basilikum, Petersilie, Cornichon, Knoblauch,
Sardellen, Kapern, Senf, Essig
Bei der grünen Salsa, deren Hauptbestandteile Basilikum und Petersilie waren, wollte ich ganz einfach ein Pesto nehmen, vielleicht sogar eines mit Bärlauch, der zur Zeit ja Saison hat. Doch als ich las, dass im Originalrezept statt der üblichen Nüsse oder Pinienkerne Gewürzgurken, sprich Cornichons unter die Kräuter gemixt werden, war meine Neugierde geweckt. So eine Grillsaucen-Idee kann eigentlich nur in der englischen bzw. in der Ruhrgebietsküche entstehen und musste einfach ausprobiert werden.
Die Erstellung der beiden Saucen war eigentlich ein Klacks. Was mich an den Rand meiner Fähigkeiten brachte, war das Grillen der Auberginen. Im Originalrezept wird die Füllung ja nicht einfach in eine ausgehöhlte Aubergine gefüllt, sondern dünne Scheiben, die mit einem dekorativen Branding versehen und mit der Füllung bestrichen sind, zu einer Rolle geformt, die jedem Sushi-Meister zu Ehre gereichen würde. Und der bin ich leider nicht.
Schon allein die Aubergine in gleichmäßig dünne Scheiben zu schneiden, war eine Herausforderung. Sie dann noch in der Grillpfanne so zu grillen, dass sie ein schickes Muster bekommen, aber nicht zu sehr durchgebraten waren, dazu gehörte eine Erfahrung, die man nicht so einfach aus dem Ärmel schüttelt. Und dann musstre ich sie auch noch geschickt aufrollen, was ich mit Hilfe von Klarsichtfolie bewerkstelligen musste, weil keine der kleinen Matten zur Verfügung hatte, mit denen die Sushi-Meister die Maki-Rollen formen. Beim ersten Mal tat ich es von der falschen, langen Seite der Aubergine; beim zweiten Mal probierte ich es von der schmalen Seite, und dann ging es.
Erster Versuch, falsch gerollt
So funktionierte der zweite Versuch, der ein lurchartiges Gebilde hervorbrachte, in dem organischen Umfeld auf meinem Balkon, in dem ich meine Teller immer fotografiere, durchaus wie ein Stück Konzeptkunst.
Egal wie es aussah, schmecken tat es ganz wunderbar. Alles zusammen ergab eine kräftige, mediterrane Aromenkombination, in der die süßsaure Gewürzgurke, die ich eigentlich eher im Baltischen verorte, einen ganz selbstverständlichen Platz fand. Dazu schmeckte natürlich ein kräftiger Rotwein wie mein ebenfalls heißgeliebter süditalienischer Negroamaro.
Rezept: Aubergine mit Ziegenfrischkäse-Knoblauch-Füllung auf grüner Salsa (vegetarisch)
Füllung:
Confierte Zehen von einer Zwiebel Knoblauch
Olivenöl
Ziegenfrischkäse oder Ricotta
Saft einer Zitrone
Geriebener Parmesan
Pfeffer, Salz
Zum Confieren eine Knoblauchzwiebel in Zehen zerlegen und diese schälen. In eine kleine ofenfeste Form geben und mit Olivenöl bedecken und bei 160 Grad im vorgeheizten Ofen ca. 1 Stunde confieren, bis die Zehen butterweich sind. Aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.
Ziegenfrischkäse in eine Schüssel geben und mit ein wenig Öl vom Confieren glattrühren. Den geriebenen Parmesan unterheben. Die confierten Knoblauchzehen dazugeben, mit einer Gabel zerdrücken und unterrühren. Mit Zitronensaft, Pfeffer und Salz abschmecken.
Grüne Sauce:
1 Bund Petersilie
1 Bund Basilikum
2 Sardellen
2 TL Kapern
1 Cornichon
2 Zehen Knoblauch
1 TL Dijon Senf
1 EL Essig
Pfeffer, Salz, Zucker
Petersilien- und Basilikumblätter von den dicken Stängeln zupfen. Cornichon und Knoblauchzehen in kleine Stücke schneiden. Mit den Sardellen und den Kapern in ein hohes Gefäß geben und mit dem Mixstab pürieren. Mit Dijon Senf, Essig, Pfeffer, Salz und Zucker abschmecken.
Aubergine:
1 große oder 2 kleine Auberginen
Öl vom confierten Knoblauch
Pfeffer, Salz
Aubergine in 5 Millimeter dicke Scheiben schneiden. Mit dem Öl vom confierten Knoblauch einstreichen, pfeffern und salzen. Ein Grillpfanne erhitzen, ebenfalls mit dem Knoblauchöl einstreichen und die Auberginenscheiben darin auf jeder Seite 3 Mten grillen, so dass der Länge nach ein schönes Branding entsteht, die Scheiben aber nicht durchgegart sind. Gegrillte Auberginenscheiben auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Ein genügend großes Stück Frischhaltefolie auf dem Tisch ausbreiten und die gegrillten Auberginenscheiben nebeneinander leicht überlappend auslegen, so dass sie eine lückenlose Fläche ergeben. Dabei darauf achten, dass die schönen Grillstreifen unten sind. In der Mitte nicht zu dick mit der Ziegenfrischkäsefüllung bestreichen. Mit Hilfe der Folie die Auberginenscheiben zu einer Rolle formen, die quer gestreift sein soll.
Folie entfernen, Auberginenrolle in eine gefettet Form setzten und zehn Minuten im 180 Grad heißen Ofen fertig garen.
Anrichten:
Mit der Salsa einen Spiegel auf einem Teller verteilen und die gegarte Auberginenrolle darauf anrichten.