Die tropischen Temperaturen von weit über 30 Grad hinderten den Genießer nicht daran, sich dem flirrenden Asphalt der A40 hinzugeben und zur Eröffnung von „Dortmund à la carte“ zu düsen. Schließlich war das in diesem Jahr ein Pflichttermin. Aber nicht etwa, weil mit Alexander Kalouti ein neuer Oberbürgermeister beim traditionellen Fassanstich den Hammer schwang, sondern weil „Dortmund à la carte“, die unverwüstliche „Mutter aller Gourmetmeilen“, nach der Absage der „Gourmedo“ (klick hier) die einzig übrig gebliebene Veranstaltung dieser Art in Dortmund ist. Dass die auf schmalem wirtschaftlichen Grat balancierende „Gourmedo“ letztendlich keine Solidarität erfuhr, sondern zerschossen wurde, verstehen viele Genussfreunde in der Stadt bis heute nicht. Seit jeher standen beide Veranstaltungen in zickiger Konkurrenz zueinander, wobei die „Gourmedo“ den kulinarischen Anspruch plakativ hoch hielt, das traditionell volkstümlichere „Dortmund à la carte“ aber ganz schön aufholte. Für die Gäste war das natürlich äußerst komfortabel, und der kulinarische Standort Dortmund konnte eigentlich nur gewinnen. Es gab keine andere Stadt weit und breit mit zwei Veranstaltungen dieses Kalibers.
Nun denn. Auf den schattigen Terrassen der zwölf Pop-Up-Restaurants (mit Bedienung!) und einiger weiterer Teilnehmer (alle Infos hier) war es gestern Nachmittag eigentlich ganz erträglich – wie es an der vorhergesagten 40-Grad-Grenze der nächsten Tage sein wird, kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich hatte mich mit Silke von der Facebook-Gruppe „Mein kulinarisches Dortmund“ (klick hier) verabredet, ein Stückchen „Gourmedo“ auf „Dortmund à la carte“ zu suchen. Den Veranstaltern war es nämlich gelungen, mit dem „SchwarzGold“ das letzte verbliebene Dortmunder Sternerestaurant als Teilnehmer für ihre Gourmetmeile zu gewinnen, und die Auszeichnung war gerade am Tag zuvor für dieses Jahr bestätigt worden. Pierre Breckerling und sein Team hatten ein dreigängiges Menü im Angebot, und so bestand die einmalige Gelegenheit, einmal für schlappe 60 Euro auf dem extravaganten Sterne-Niveau des „SchwarzGold“ zu schlemmen. Weil sich auch einige weitere Facebook-Gruppenmitglieder eingefunden hatten, kamen mir auch eine paar weitere Gerichte vom „SchwarzGold“ vor die Linse.
Nach Oberbürgermeister Kaloutis durchaus gelungenem Fassanstich wäre es logisch gewesen, den zweiten Neuzugang von „Dortmund à la carte“ aufzusuchen, das „Landhaus Hesse“ aus Herdecke. Aber was ist bei 35 Gard schon logisch. Statt sich der Experimentierfreude zu ergeben, landete die ganze Gesellschaft im bewährten „Rodenberg 1770“. Hier gab es die obligatorischen Austern mit Cremant, an sizilianische Granità erinnernde Lillet-Slushis und allerlei köstliches Meeresgetier.
Und langsam stieg der Urlaubsatmosphären-Level aus dem Hansaplatz sukzessive an. Doch bevor der Geräusche-Pegel Ballermann-Niveau erreichte, suchte der Genießer das Weite. Zwar verpasste er auch dieses Jahr wieder das Feuerwerk am späteren Abend, aber wer will, kann sich ja Silkes Posts auf „Mein kulinarisches Dortmund“ ansehen (klick hier).
Der „Gourmedo“ auf „Dortmund à la carte“-Nachmittag
24.6.2026
SchwarzGold
3 Gang Menü
60 Euro
Brot von der Naturbackstube Kreis
mit Rohmilchbutter und Brot Miso
Die Naturbackstube Kreis ist die Kultbäckerei in Dortmund.
Lachsforelle von Torsten Pistole
mit Aprikose, Garum und Karotte
„Hardcore Food“ nennt Torsten Pistole sein Feinkostgeschäft in Badbergen in der Nähe von Osnabrück. Wie das japanische Miso beim Brot vorweg sorgt hier Garum, die auf die alten Römer zurückgehende Sauce aus fermentiertem Fisch, für die Umami-Würze.
Für die leckere Sauce hätte man sich einen Löffel gewüncht.
Golden Coin vom Vogelsberger Wagyu
mit Bergkäse, Mais und Japaleno
Zum Burger gwolft, hat das edle Wagyu-Rindfleisch auf Gourmetmeilen eine Art Inflation erlebt. Hier gibt es ein wunderbar zart geschmortes Stück Schulter des hessischen Erzeuger Vogelsberger.
Auch hier hätte ein Löffel für die Sauce die Zeit im kulinarischen Himmel verlängert.
Himbeere vom Gärtnerhof Röllingsen
mit Perilla, weißer Schoki und Mandel
Perilla ist eine auch Shiso genannte Würzpflanze.
Mit dem Gärtnerhof Röllingsen in Soest haben wir bei der Himbeere wieder einen regionalen Erzeuger.
SchwarzGold
Hanse Garnele
mit Peperoni, Pistazie und Erbse
15, 90 Euro
Die in Geschmack und Konsistenz perfekten Hanse Garnelen stammen aus einer modernen Aquakultur in Norddeutschland.
SchwarzGold
Special des Tages
Australische Wintertrüffel, Fritten, Gruyère, Bratensauce
14,50 Euro
Naja, auch so kann Sterneküche von der Optik her aussehen. Aber alle, die davon genascht hatten, brachen in schieres Entzücken aus.
Rodenberg 1770
Tuna Tataki
kurz angebratener Thunfisch auf Algensalat, verfeinert mit einer Unagi Sauce und Pepper Drops
17,90 Euro
Eigentlich wird Unagi Sauce zu Aal gegessen, aber auch zum tadellos gebratenen Thunmfisch schmeckte sie herrlich.
Tuna Tataki
kurz angebratener Thunfisch auf Algensalat, verfeinert mit einer Unagi Sauce und Pepper Drops
17,90 Euro
Eigentlich wird Unagi Sauce zu Aal gegessen, aber auch zum tadellos gebratenen Thunmfisch schmeckte sie herrlich.
Rodenberg 1770
Garnelenpfännchen Mediterran
mit Kräutern und knusprigem französischen Baguette
14,90 Euro
Die Garnelen waren zwar nicht so exklusiv wie die im „SchwarzGold“, aber von großartiger Konsistenz und beschworen Strand-Feeling auf.
Garnelenpfännchen Mediterran
mit Kräutern und knusprigem französischen Baguette
14,90 Euro
Die Garnelen waren zwar nicht so exklusiv wie die im „SchwarzGold“, aber von großartiger Konsistenz und beschworen Strand-Feeling auf.
Eiskalt: Lillet Slushi
Dortmund à la carte gent noch bis zum 28. Juni 2026. Alle Infos und Speisekarten (mit Preisen!) klick hier
Alle Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2026 klick hier
















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen