Dienstag, 18. April 2017

Dortmund, Duisburg, Essen: Kochquintett 2017 startet im Mai

Die erste Kochquintett-Pressekonferenz 2017
fand vor Ostern im Essener Jagdhaus Schellenberg statt.

Als vor drei Jahren das erste Kochquintett in Dortmund startete, mutete das wie eine kleine charmante Gastro-Aktion an, die im Sog des mittlerweile ins Gigantische gewachsene Menue-Karussells ihr eigenes Fahrwasser finden wollte. Während die Idee des Menue-Karussells ist, die gastronomisch schwierigen Monate Februar und März anzukurbeln, nahm sich das Kochquintett u.a. die ebenfalls schwierige Ferienzeit im Sommer vor. Doch während das Menue-Karussell die Gäste mit insgesamt über 100 Restaurants innerhalb von zwei Monaten vor die Qual der Wahl stellt, geht es beim Kochquintett gemütlicher zu. Von Mai bis September hat pro Monat nur jeweils einer der teilnehmenden Köche ein Angebotsmenü auf der Karte. So hat auch der interessierte Gast mit normalem Appetit Gelegenheit, alle fünf Menüs innerhalb von fünf Monaten zu probieren.

Doch wenn Kochquintett-Fans Lust haben, können sie auch öfter essen gehen. Bereits 2015 gab es auch in Duisburg ein Kochquintett, letztes Jahr war dann auch Essen dbei. In diesem Jahr sind sogar noch die westfälischen Metropolen Münster und Bielefeld dazugekommen.

Noch etwas frisch im April: Das Essener Kochquintett Sven Heinroth, Fabian Uerpmann, Knut Hannappel und Marc Wimper auf der Terrasse vom Jagdhaus Schellenberg über dem Baldeneysee.

Doch konzentrieren wir uns auf das Ruhrgebiet. In allen drei Städten hat es 2017 Änderungen in der Besetzung gegeben. So schied in Essen das Zwei-Sterne-Restaurant Résidence, das Anfang des Jahres geschlossen hat, aus und fand mit dem Jagdhaus Schellenberg und seinem Küchenchef Marc Wimper einen würdigen Nachfolger. Ebenfalls hat das Casino Zollverein mit Fabian Uerpmann einen neuen Küchenchef. In Dortmund ersetzte das Cielo mit Pascal Sürig am Herd das Il Gambero. In Duisburg sind anstelle des Rheinhausener Eichwäldchens und des Inside in der Spielbank die Küppersmühle aus dem Innenhafen und das Achterrath‘s in Neukirchen-Vluyn dabei.

In allen drei Städten haben in den letzten Wochen schon vorab Gemeinschaftsmenüs und –veranstaltungen stattgefunden, darunter die gelungene Foodmeile De Luxe im MINI-Autohaus in Essen. Zum Abschluss der Saison wird es ebenfalls Gemeinschaftsveranstaltungen der jeweiligen Kochquintett-Mitglieder geben.

Hier die Programme der jeweiligen Kochquintette:

Dortmunder Kochquintett: Pascal Sürig, Sebastian Felsing, Johannes Teuber, Michael Dyllong und Thomas Rödel (Foto: Dein Kochquintett)


Dortmund
Mai: Rödel’s Kochlokal mit Thomas Rödel
Juni: Cielo mit Pascal Sürig
Juli: Palmgarden mit Michael Dyllong
August: Emil mit Sebastian Felsing
September: Vivre mit Johannes Teuber
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Duisburger Kochquintett: Tim Lellau, Roger Achterrath, Nico Bodean, Thomas Tramp und Günter Rönner  (Foto: Dein Kochquintett)


Duisburg
Mai: Achterath’s Restaurant (Neukirchen-Vluyn) mit Roger Achterrath
Juni: Akazienhof mit Günter Rönner
Juli: Küppersmühle mit Thomas Tramp
August: Lellau’s in der Fein-Restauration Schumachers mit Tim Lellau
September: Villa Patrizia mit Mimo Tichi und Nico Bodean
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Essen
Mai: Jagdhaus Schellenberg mit Marc Wimper
Juni: Restaurant Hannappel mit Knut Hannappel
Juli: Parkhaus Hügel mit Michael Hau
August: Restaurant Mumm mit Sven Heinroth
September: Casino Zollverein mit Fabian Uerpmann
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Montag, 17. April 2017

Osteressen: Mit Ricotta affumicata überbackene Spargel-Brokkoletti-Schinken-Rollen, Saltimbocca alla romana und hausgemachte Kartoffelchips

Eigentlich erlebt man an der Gemüsetheke im Biomarkt nur wenige Überraschungen, aber am Ostersamstag entdeckte ich dort ein seltsames Gemüse, das mit Brokkoletti ausgezeichnet war. Auf den ersten Blick hielt ich es für eine Art neugezüchteten grünen Spargel. Nur hatten die Stangen auch Blätter und die Spitzen sahen aus wie kleine, lila Brokkoli-Röschen. Später forschte ich im Internet nach, und Brokkoletti wurde da gleichgesetzt mit Cima di rapa, der italienischen Variante von Rübstiel bzw. Stielmus, wie wir im Ruhrgebiet sagen.

Ostersträußchen aus Brokkoletti und Spargel

Mein Brokkoletti hatte jedoch nicht die großen Blätter, die ich auf den Fotos fand, überzeugte aber einem intensiven Brokkoli-Geschmack – und gemeinsam mit grünem und weißem Spargel konnte man daraus hübsche Ostersträußchen binden.

Geräucherter Ricotta

Die zweite Überraschung erlebte ich im Biomarkt beim Käsehändler meines Vertrauens. Karsten hatte einige Reste von Ricotta affumicata, sprich geräuchertem Ricotta, die ihm für den Verkauf zu trocken geworden waren, und so gab er mir diese süditalienische Köstlichkeit einfach so mit. Ich beschloss, den Brokkoletti damit zu überbacken. Allerdings durfte ich dabei nicht erwarten, dass der Ricotta schmelzen würde. Der Frischkäse hat nämlich kaum Fett. Er besteht aus der Molke, die beim Mozzarella-Machen übrig bleibt, und erhält seine Festigkeit, weil bei der Herstellung das Milcheiweiß durch Erhitzung und Zugabe von Säure gerinnt.

Und da ich noch Spargel vom Karfreitagsessen (klick hier) übrig hatte, entstand die Idee für folgendes frugale Ostermahl aus der urbanen Landhausküche des Genießers.


Rezept: Mit Ricotta affumicata überbackene Spargel-Brokkoletti-Schinken-Rollen, Saltimbocca alla romana, und hausgemachte Kartoffelchips

Spargel-Brokkoletti-Schinken-Rollen
pro Rolle
2 dünne Stangen weißen Spargel
2 dünne Stangen grünen Spargel
1 Stange Brokkoletti
1 große Scheibe luftgetrockneter Schinken
1 EL zerkrümelter Ricotta affumicata
Salz, Zucker
Zitronensaft
Rapsöl

Weißen Spargel schälen. Weißen und grünen Spargel und Brokkoletti-Stangen auf die gleiche Länge bringen, dabei harte Spargelenden abschneiden.
Wasser mit Salz, Zucker und Zitronensaft zum Kochen bringen. Brokkoletti-Stangen darin 3 Minuten bissfest blanchieren. Herausnehmen und eiskalt abbrausen, damit sei die lila Farbe behalten. Im gleichen Wasser Spargel bissfest garen.
Schinkenscheibe auf ein Brett legen. Je zwei weiße und grüne Stangen Spargel und eine Stange Brokkoletti legen. Mit Ricotta-Krümeln bestreuen und mit dem Schinken umwickeln.
Rollen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und mit weitern Ricotta-Krümeln bestreuen.

Kartoffelchips
Festkochende Kartoffeln
Pfeffer, Salz, Zitronensaft
Rapsöl
Ricottakrümel

Kartoffeln schälen und mit einem Gemüsehobel in hauchdünne Scheiben hobeln. Feuchtigkeit mit Küchenkrepp abzupfen. Kartoffelscheiben um die Spargel-Brokkoletti-Schinken-Rollen auf dem Backblech verteilen. Pfeffern, salzen und mit Zitronensaft beträufeln un mit Ricotta-Krümeln bestreuen.
Blech in den auf 200 Grad vorgeheizten Ofen schieben und alles etwas fünf Minuten backen lassen, bis die Kartoffeln und der Schinken angebräunt und knusprig sind.

Zum Rezept für Saltimbocca alla romana klick hier.


 

Freitag, 14. April 2017

Karfreitagsessen: Goldforelle in Lacryma Christi auf einer Dornenkrone von grünem Spargel

Es war eine Straßenumfrage im Radio, die mich bewog, in mein diesjähriges Karfreitagsessen allerlei christliche Symbole einzubauen. Nicht einer der Befragten wusste, was an Karfreitag und Ostern eigentlich gefeiert wird, und so juckte es mir in den Fingern, beim Kochen ein wenig wider den Stachel des aktuellen Zeitgeistes zu löcken und einem aus der Mode gekommenen gewissen kulinarischen Mystizismus zu frönen. Dabei kam ich auf Forelle in Rotwein.

Als Wein fiel mir beim Stichwort Karfreitag als erstes der Lacryma Christi ein, die „Tränen Christi“, ein schon seit römischen Zeiten gekelterter Wein von den Hängen des Vesuvs, den es in allen Weinfarben, also auch passend zu den Leiden Christi in blutrot gibt. Ein weiteres christliches Symbol aus archaischer Zeit ist der Fisch, und so war die Idee geboren, beides gemeinsam zuzubereiten.

Rotwein von den Hängen des Vesuvs

Forelle in Rotwein, wie vor einem Jahr im Kochkurs schon ausprobiert, ist allerdings ein spanisches Gericht aus der Rioja. Weil Spanien aber ein nicht weniger katholisches Land ist als Italien, forschte ich dort ein wenig nach einem ähnlich symbolisch aufgeladenen Wein. Und tatsächlich fand ich einen „Lacrimus Rex“. Doch als ich das Etikett sah, dachte ich, jetzt wird’s wirklich Zeit, vom Glauben abzufallen. Das „Rex“ bezieht sich nämlich nicht, wie ich zuerst dachte, auf das Königtum Christi, sondern auf den Tyrannosaurus Rex. Es ist nichts weiter als der Marketingversuch, die Kinder von Glam Rock und Jurassic Park zum Weintrinken zu animieren. Irgendwie scheint sich der Kreis mit der Radioumfrage zu schließen. Mit christlichen Assoziationen lässt sich wohl kein Blumentopf mehr verdienen.

Blutstropfen und Tränen: Granatapfelkerne und Pistazien

Also blieb ich für mein Projekt beim Lacryma Christi. Einmal auf mystischen Pilgerpfaden wandelnd, kam ich jedoch in Fahrt. Warum das Ganze nicht in eine Dornenkrone betten, wie man sie Jesus bei der Kreuzigung aufs Haupt stülpte? Die ließe sich mit grünem Spargel doch äußerst lecker nachbilden. Und die Blutstropfen und Tränen, die er vergoss, durch Granatapfelkerne und Pistazien.

Heraus kam dabei folgendes modifizierte Rezept, das geschmacklich nichts mit den Leiden des Herrn zu tun hat und sicherlich auch Atheisten und anderen Hedonisten ganz einfach als urbane Landhausküche schmeckt - nicht zuletzt wegen der hübschen Goldforellen, die ich an der Fischtheke entdeckte.

Rezept: Goldforelle in Lacryma Christi auf einer Dornenkrone von grünem Spargel │ Champignons │ Pistazien │ Granatapfelkerne │ Kardamom │ Estragon
Für 2 Portionen

2 Goldforellen (o.a. Forellen)
1 Granatapfel
30 g geschälte Pistazien
½ Tropeazwiebel (rote Zwiebel)
1 Zehe Knoblauch
3 Kapseln Kardamom
1 Bündchen Estragon
Pfeffer, Salz, Olivenöl, evt. etwas Butter
8 Champignons
1/8 l Lacryma Christi (Rotwein)
1/8 l Spargelkochwasser
1 TL gekörnte Brühe
Olivenöl
700 g grüner Spargel
Zitronensaft
Zucker, Salz

Granatapfelkerne auslösen. Pistazien fein hacken. Zwiebel und Knoblauch fein würfeln. Champignons in Scheiben schneiden.
Forellen ggf. ausnehmen und waschen, trockentupfen. Kardamomkapseln aufbrechen, Körnen fein im Mörser zerstoßen.
Grünen Spargel in mit Zitronensaft, Zucker und Salz gewürztem Wasser bissfest kochen.
Zwiebel in Oliven glasig dünsten. Knoblauch dazu geben, kurz mitbraten. Estragon hacken, zusammen mit Pistazien, Kardamom und Granatapfelkernen dazugeben. Einige Pistazien und Granatapfelkerne zurückbehalten. Alles ein paar Minuten durchbraten, pfeffern und salzen. Eventuell mit etwas Butter andicken.
Forellen innen salzen und pfeffern, mit der Pistazien- Granatapfelkern-Masse füllen. Etwas Füllung zurückbehalten.
Backofen auf 180 Grad vorheizen.
Ein kleine Bratreine mit Olivenöl ausstreichen, mit Champignonscheiben auslegen. Die Forellen dazu geben, mit etwas Olivenöl beträufeln und für fünf Minuten in den heißen Ofen geben.
1/8 l Spargelwasser erneut zum Kochen bringen, mit gekörnter Brühe würzen. Forellen aus dem Ofen nehmen, mit dem heißen Spargelwasser und etwa 1/8 l Rotwein übergießen. Erneut in den Ofen geben und ca. 5 bis 10 Minuten garen lassen, je nach Größe der Forellen.
Fertige Forellen aus dem Ofen nehmen, mit den Champignonscheiben aus dem Sud heben und warm stellen. Sud durch ein Sieb in einen Topf geben und um die Hälfte einkochen lassen. Mit etwas Olivenöl aufmixen und binden, zurückbehaltenen Füllung dazu geben.
Zum Anrichten auf einem großen Teller aus den gegarten Spargelstangen eine Krone formen, mit den Chapmpignonscheiben auslegen. Forellen ganz oder filetiert darauflegen. Mit Sauce beträufeln und mit Granatapfelkernen und Pistazien garnieren.

 Goldforellen


Einige Reste als Tapa-Portion

Donnerstag, 6. April 2017

Urbane Landhausküche: Spargelröllchen revisited – Bisonschinken, weiße Spargelspitzen, Tscheremscha, Bärlauchblüten und Balsamico-Mayonnaise auf gelbem Radicchio.


Mein Gott, Spargelröllchen – die gehörten bis in die goldenen 70-er Jahre auf jedes kalte Büffet. Spargelstangen aus dem Glas, eingewickelt in mit Mayonnaise bestrichene Scheiben Kochschinken. Als ich dann 1990 kurz nach dem Mauerfall das erste Mal in die noch existierende DDR fuhr, lernte ich in einem Dresdener Restaurant die sozialistische Variante dieses Klassikers kennen: Blattsaftschinkentütchen. Das waren zu Tütchen geformte Scheiben (oder Blätter) Saftschinken, die mit einem Spargel-Mayonnaise-Salat gefüllt waren. Soweit die Erinnerung.

Butterzarter Bisonschinken aus Witten

Die Spargelröllchen einer Revision zu unterziehen kam mir in den Sinn, als ich heute Morgen etwas von dem fabelhaften Bisonschinken kaufte, den Mirco Wohlfahrt von der Wittener Metzgerei Emil Kern gerade im Angebot hatte. Irgendwo zwischen Rauchfleisch und Bresaola angesiedelt, zerschmolz das hauchdünn aufgeschnittene Wildrindfleisch geradezu auf der Zunge. Wie wäre es, zarte Spargelspitzen – selbstverständlich aus dem Glas - darin einzuwickeln?

Aus dem Glas: Spargelspitzen, selbst eingelegte Barlauchblüten, russischer Bärlauch Tscheremscha

Darüber hinaus hatte ich schon vor einiger Zeit in der russischen Spezialitätenabteilung eines Supermarktes eine Glas Tscheremscha gekauft, süßsauer eingelegte, relativ dicke Stengel einer besonderen russischen Bärlauchart. Zusammen mit den wenigen Bärlauchblüten, die letztens beim Pesto-Machen übrig blieben und die ich ebenfalls süßsauer eingelegt hatte, ließen sie sich sicher mit den Spargelröllchen kombinieren.

Die obligatorische Mayonnaise wurde noch mit edlem Balsamico abgeschmeckt, und das Ganze noch mit geriebenem Parmesan, gehackten Pinienkernen und Rucolaspitzen verfeinert. Auf einem Blatt gelbem Radicchio angrichtet, würden diese Spargelröllchen revisited auf jedem Tapas-Büffet einen Ehrenplatz einnehmen.

Rezept: Spargelröllchen revisited

Pro Röllchen:
1 Scheibe Bisonschinken
1 weiße dünne Spargelspitze (aus dem Glas oder frisch)
1 Stengel Tscheremscha (aus dem Glas)

Für die Balsamico-Mayonnaise:
1 EL Mayonnaise, gern selbst gemacht
½ TL Balsamico
etwas Zucker

Zur Garnitur:
geriebener Parmesan
einige Spitzen Rucola
2 TL gehackte, geröstete Pinienkerne
eingelegte Bärlauchblüten
größere Blätter vom gelben Radicchio

Für die Balsamico-Mayonnaise Mayonnaise mit Balsamico verrühren und mit Zucker abschmecken.
Spargelspitzen und Tscheremscha in Olivenöl leicht anbraten, Bisonschinkenscheiben mit der Mayonnaise hauchdünn bestreichen. Je eine Stange Spargel und einen Stengel Tscheremscha darausflegen und einwickeln.

Radicchioblatt auf eine Espresso-Untertasse legen, die Spargelröllchen darauf anrichten. Mit ein paar Tropfen Mayonnaise, geriebenem Parmesan, gehackten Pinienkernen, Rucolaspitzen und Bärlauchblüten garnieren.



Mittwoch, 5. April 2017

25 Jahre Hackbarth’s in Oberhausen. Das Geburtstagsmenü.

 Renoviert: das "Bibliothekszimmer". Im Glas: Hackbarth's Grauburgunder

In diesem Jahr können Jörg Hackbarth und seine Frau Uschi Geisinger das 25-jährige Jubiläum ihres Restaurants vor den Toren des Oberhausener Einkaufszentrums Centro feiern. Als die beiden im Jahr 1992 hier anfingen, waren die Kollegen skeptisch. Von der Neuen Mitte Oberhausens war noch nicht viel zu sehen. Das Centro gab’s noch nicht, bis auf den Gasometer war die traditionsreiche Gutehoffnungshütte abgerissen und bildete ein riesiges Brachland, das auf Neuerschließung wartete. Und dennoch war die Standortwahl goldrichtig. Heute sind Centro und Gasometer Wahrzeichen der strukturgewandelten Metropole Ruhr, und das Restaurant Hackbarth’s eine die wichtigsten kulinarischen Adressen im rheinischen Ruhrgebiet.

Jörg Hackbarth und und seine Frau Uschi Geisinger. (Foto: Restaurant)

Dass die Gäste Jörg Hackbarth so unverdrossen die Treue halten, liegt nicht zuletzt an seiner unprätentiösen, zeitlosen und mitunter volkstümlichen Frischeküche. Als der Genießer heute zum Gratulieren vorbeikam, konnte er gleich das Geburtstagsmenü probieren, das seit dem 1. April bis Ende des Jahres auf der Karte steht: 15 verschiedene Degustationshäppchen in 3 Gängen plus Sorbet-Intermezzo und Dessert. Der Spaß kostet 59,50 Euro, wovon 5 Euro als Spende an das Friedensdorf Oberhausen gehen.

1. Gang
Reh-Terrine mit Pumpernickel, Trauben und feinen Bohnen
Gebackene Entenpraline mit Apfel und Roter Beete
Bison-Rücken rosa gebraten mit Potatoe Skins, Rucola und Spicy Mayo
Espresso von Garten-Kräutern mit Koriander-Croutons

2. Gang
Hausgemachte Zander-Maultasche in Schalotten-Kräuterschmelze, Schnittlauch-Schaum
Gelierte Bouillabaisse mit Safran und Knoblauch
Scampi-Strudel mit geschmorter Birne und Hummerschaum

Sorbet-Intermezzo
Limonen-Sorbet mit gebackenem Salbei
Geeister Smoothie von Rosa Passionsfrüchten mit Brombeer-Crunch, Basilikum & Kaffee

3. Gang
Perlhuhn-Supreme mit Sellerie & Trüffel
Ochsenbacke in Portwein auf Gemüse-Risotto
Nuggets vom Iberico Pata-Negra-Schwein mit Pommes Pont Neuf
Im Glas: Primitivo die Manduria von Conte di Campiano

Dessert
Tiramisu von Amarettini, Bio-Joghurt und Himbeeren
Limonen-Mousse mit Macadamia und Grubensalz
Gebackene Zartbitter-Schokolade mit Aprikose und Vanille

Hackbarth‘s, Im Lipperfeld 44, Oberhausen. www.hackbarths. de 

Farbenfrohes Ambiente

Die rote Tür als Markenzeichen auf dem Etikett der eigenen Weinedition...


... und im Original.

Weiteres:
Aus dem Archiv: 25 Jahre Hackbarth's (klick hier)

Montag, 3. April 2017

Urbane Landhausküche: Spitzkohl │ Pul Biber │ Merguez │ Kartoffelchips von der Linda

Gestern kam ich dazu, eine Gericht, das ich in den Anfangszeiten dieses Blogs unter „Gestern bei Mama“ gepostet hatte, noch einmal zu machen: geschmorten Spitzkohl mit Bratwurst. Aber ich bereitete ihn ein wenig anders zu, so dass er jetzt auch in die Kategorie „Urbane Landhausküche“ passt.

 Weniger Wurst, mehr Garnitur: Spitzkohl zusätzl. mit gerösteten
Haselnussspilttern und gerösteten Paprika

Statt der normalen Schweinebratwurst nahm ich diesmal Merguez. Diese Wurst aus Rind- und Lammfleisch stammte vom Nachfolger von Metzger Gläser im Bio-Kauf und schmeckte auch ganz gut, allein sie war nicht mehr so deftig maghrebinisch-mediterran gewürzt. Und statt des Kartoffelpürees gab es diesmal hausgemachte Kartoffelchips von der Linda. Alle Bestandteile des Gerichts würzte ich diesmal mit der türkischen Paprika-Zubereitung Pul Biber.

Dazu hätte ein kräftiger südfranzösischer Rosé gepasst. Doch ich setzte diesmal auf alkoholfrei und zog den gleichfarbigen Rhabarbernektar von Dalbeck vor, eine regionale Süßmosterei aus Heiligenhaus.

Rezept: Geschmorter Spitzkohl Klick hier.

Zusätzlich würzte ich den Spitzkohl mit Pul Biber und garnierte ihn mit zerstoßenen und gerösteten Haselnüssen und gerösteten Paprika (Rezept hier).


Rezept: Hausgemachte Kartoffelchips von der Linda

200 g Linda oder andere festkochende Kartoffeln
Olivenöl
Zitronensaft
1 Knoblauchzehe
Pfeffer, Salz
Pul Biber

Die Kartoffeln waschen, schälen und mit einem Gemüsehobel in 2 Millimeter dünne Scheiben schneiden, mit Küchenkrepp die Feuchtigkeit abtupfen.
Scheiben auf ein mit Backpapier belegtes Blech verteilen, so dass sie sich kaum überlappen. Mit ganz wenig Olivenöl und Zitronensaft beträufeln, pfeffern, salzen und in die oberste Schien des auf 250 Grad vorgeheizten Backofen schieben. Ca. 10 Minuten backen, dabei aufpassen, dass nicht verbrennen.
Knoblauch fein hacken. Wenn die Chips fast fertig sind, Temperatur abschalten. Chips mit feingehacktem Knoblauch und Pul Biber bestreuen und noch einmal kurz in den Ofen geben.

 Mit Püree vor acht Jahren.

Samstag, 1. April 2017

Dortmund: 40 Jahre Mövenpick Wein und Wine and Taste Festival. Eine besinnliche Bestandsaufnahme.

Im Glas bei Mövenpick: Riesling Herrenberg von Molitor

Am diesem ersten April-Wochenende des Jahres 2017 haben die Weinfreunde des Ruhrgebiets Gelegenheit, sich auf zwei Großveranstaltungen in Dortmund auszuleben. Während Mövenpick Wein im Gewerbegebiet Indu-Park an der A40 seinen 40. Geburtstag feiert, findet im industriekulturellen Ambiente des Depots in der Nordstadt das Wine and Taste Festival statt.

Selfie mit Gläsern: Der Genießer unterwegs mit den Weinfreunden von früher.

Natürlich zog es den Genießer bereits gestern nach Mövenpick. Hier im Indu Park hatten er und ein paar Freunde vor über 20 Jahren ihre Initiationserlebnisse in Sachen Wein. Der Laden hieß allerdings noch Weinland Keiler und imponierte durch seinen Lagerhallencharme. Zwischen den himmelhohen Regalen voller Euro-Paletten mit Weinkisten kam man sich beim Probieren wie ein Mitglied des Wein-Business vor. Richtig teure Weine von sagen wir mal 50 Mark lagen da einträchtig neben solchen für 9 Mark 50, die uns aber auch nicht gerade billig vorkamen. Selfies von sich selbst beim Weintrinken machte man noch nicht, es gab weder digitale Fotografie noch Netzwerke, in denen man sie veröffentlichen konnte. Die großen Weinproben im Obergeschoss waren legendär. Bei Bordeaux-Verkostungen standen an die hundert Flaschen offen da, darunter sogar mehrere Jahrgänge von Spitzenerzeugern wie Mouton Rothschild oder Petrus. Und Weinland Keiler war als Österreich-Spezialist bekannt.

Nach der Übernahme durch den Schweizer Mövenpick-Konzern ist der Lagerhallencharme längst gewichen. Heute ist der Mövenpick Weinkeller eine Verkaufsfiliale von urbanem Chic, die eher in eine Innenstadt-Lage mit Laufkundschaft gehört als in eine Gewerbegebiet. Das Sortiment ist nicht mehr so ausufernd, sondern von straffer Hand aus der Konzernzentrale zusammengestellt. Was aber den Hauptunterschied ausmacht: Früher standen bei den Weinproben meterlange Schlangen mit Einkaufswagen, vollgestapelt mit Weinkisten, an der Kasse – nicht zuletzt deshalb, weil man nicht mit Kreditkarte zahlen konnte, damit die Preise nicht durch die anfallenden Gebühren belastet wurden. Heute verlassen die Gäste der nach wie vor gut besuchten Weinproben den Laden eher mit zwei, drei Flaschen, die sie in nachhaltigen Papiertüten hinaustragen. Richtig gekauft wird wohl eher im Internet. (Das ist natürlich überspitzt. Es gibt natürlich auch noch Kunden, denen die vollgepackten Einkaufswagen von freundlichen Mitarbeitern bis an den Kofferraum des Autos auf dem Parkplatz geschoben werden.)

Aber die Weinjugend von heute hat ihre Initiationserlebnisse dann wohl eher auf Veranstaltungen wie dem Wine and Taste Festival. Das Ganze ist genauso ein marketingtechnisch durchdachter Teil einer Veranstaltungstournee, aber Marketing ist heute ja unbestrittener Bestandteil der Jugendkultur. Austragungsort ist mit dem Depot eine Halle, die für ihre Kulturveranstaltungen bekannt ist, aber auch eine bewährte Gastronomie. Richtig anders ist sie als der Mövenpick-Geburtstag aber nicht. Die eingeladenen Winzer bieten Probeschlucke an, an Delikatessenständen gibt es gute Sachen zu essen. Kein Wunder, dass man sich hier wohlfühlt.

Ob es der Genießer noch schafft, das Wine and Taste Festival zu besuchen? Wohl kaum, denn die Auswirkungen des gestrigen Besuch des Mövenpick-Geburtstags liegen ihm noch in den Knochen (das Alter, das Alter…). Aber vielleicht findet er bald irgendwo einen Post von jemandem, der da war. Den kann er dann verlinken. Das ist ja fast so gut, als wäre er dabei gewesen.

40 Jahre Mövenpick Wein. Noch heute, 1.4.2017, Wein und Food Markt im Mövenpick Weinkeller Dortmund. Klick hier
Wine and Taste Festival. 1. und 2.4.2017, Depot, Dortmund. Klick hier.

Freitag, 31. März 2017

Neu an der A40: Toby’s BBQ Authentic American Smokehouse

Geschlossen. Im Mai 2020 eröffnen hier die "Gyroshelden".

Endlich ordentliches Essen an der A40: Pulled Pork Slider von Toby's

Man mag es kaum für möglich halten: An der A40, der Verkehrsschlagader des Ruhrgebiets, gibt es für den hungrigen Revier-Cruiser zwischen Dortmund und Moers (und sogar weiter bis Venlo) nur an zwei Stellen so etwas wie Nahrung: an der Abfahrt Dückerweg in Wattenscheid mit ihrem Doppelpack McDonald’s und Burger King und seit drei jahren zwischen Bochum und Dortmund die Raststätte Beverbach, erkennbar an dem an ein Klettergerüst erinnernden Förderturm, der nicht weiß, ob er den Doppelbock von Zollverein oder den des Bochumer Bergbaumuseums imitieren soll.


Das ist seit heute anders. An der Star-Tankstelle am Autobahnkreuz Bochum West hat eine Burger-Gastronomie eröffnet, die die meisten hochdekorierten Läden dieser Art in der Umgebung in die Schranken weisen wird: Toby’s BBQ Authentic American Smokehouse. Eher klein und unprätentiös kommt der Laden daher, ohne aufgesetzte Ami-Folklore und dennoch von authentischer Diner-Atmosphäre. Hier dreht sich alles um die Produkte: Pulled Pork, Spare Ribs und Brisketts aus dem Smoker. Natürlich gibt es auch Cole Slaw und Baked Beans, French Fries und die im Ruhrgebiet unausweichliche Currywurst samt exquisten Saucen.

Tobias "Toby" Dannappel (rechts) mit Oliver von BBQ Wiesel

Dass das alles wirklich authentisch daherkommt, dafür hat Toby gesorgt. Toby, das ist Tobias Dannappel, der bereits mit der Grillakademie in Wattenscheid-Höntrop seine BBQ-Kompetenz unter Beweis gestellt hat. Gemeinsam mit anderen Grillfreunden wie den Deutschen Vize-Grillmeistern von BBQ Wiesel hat er den Laden konzipiert.Es wird bestimmt bald Ableger geben.

Die fantastische XL-Combo

Zur Eröffnung gab’s die XL-Combo mit Pulled Pork Slider (Burger), Spare Ribs, Brisket (Rinderbrust), French fries (Pommes), Coleslaw (Krautsalat) und Redneck Beans (Gebackene Bohnen). Während der Genießer von der Zartheit der Rinderbrust schier begeistert war, imponierte dem mitprobierenden Grillfachmann Tom besonders der breite rote Rand des Brisket, der von 24 Stunden im Smoker zeugte. Auch das Fleisch der wohlgewürzten Spareribs war phänomenal. Mann musste an ihnen nicht herumnagen wie Roger Rabbit an einem Maiskolben, sondern konnte sie vom Knochen lutschen wie ein Eis vom Stiel. Und dabei behielten sie die Konsistenz. Der Pulled Pork Slider enthielt schöne Stücke Schweinefleisch, und die Beilagen waren klasse.

Cool in the kitchen

Ich bin gespannt, wann der nette kleine Laden seine eigene Autobahnausfahrt bekommt. Die bisherige, die Jahrzehntelang zur Tankstelle führte, ist bei der Neugestaltung des Autobahnkreuzes Bochum West wegrationalisiert worden. Deshalb muss man im Kreuz die A40 verlassen, Richtung Wattenscheid fahren und dann sofort rechts in die Darpestraße Richtung Zeche Carolinenglück einbiegen. Dann kommt Toby’s BBQ nach 300 Metern.

Toby’s BBQ Authentic American Smokehouse. Bochum, Darpestr. 41. Tgl. geöffnet 11-22 Uhr, Fr-Sa 23 Uhr. www.tobys. de

 Nighthawks am Nachmittag

Love Bug Burger

Donnerstag, 30. März 2017

Erster Feierabendmarkt in Essen auf dem Weberplatz eröffnet

Eher Umsonst-und-draußen-Vergnügen als Markt zum Einkaufen.

In verschiedener Hinsicht gleicht der der Webermarkt in Essen dem Springerplatz in Bochum, der seit 2013 mit dem Moltke Markt die überaus erfolgreiche Blaupause für die Feierabendemärkte im Ruhrgebiet ist. Beide Platze gehörten einst zu den größten Märkten der jeweiligen Stadt, beide Plätze liegen in innenstadtnahen oder innerstädtischen Wohngebieten, die nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges mit rascher Hand wiederaufgebaut wurden. Die gigantischen Industriebetriebe, zu denen sie einst gehörten, sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Doch während die Umgebung des Moltke Marktes in Bochum heute eher ruhig und kleinstädtisch wirkt, irritiert in Essen die direkte Reibung von City-Business und Wohnbebauung. Dennoch ist der Weberplatz ein hübscher Campo zu Füßen der mächtigen Kreuzeskirche, und der in einer Art Neo-Renaissance gehaltene Kolonadenbau des „Hauses der Begegnungen“ verbreitet sogar mediterranes Flair.

Softeis zu Füßen der Kreuzeskirche

Dass Essen die „Grüne Stadt Europas 2017“ ist, machte es möglich, dass die städtische EVV Verwertungs und Betriebs GmbH (EVB), die in Essen die Wochenmärkte betreibt, den Plan eines Feierabendmarktes auf dem Weberplatz realisieren konnte. „Genießen-Treffen-Verweilen“ lautet das Motto, und das ließ sich der Genießer nicht zweimal sagen und fuhr heute um 16 Uhr zur Eröffnung.

Immerhin: Fleisch, Fisch, Oliven, Blumen

Lichtblick I: Claudia vom Klosterberghof

 Lichtblick II: Brot von Welpino

Ums kurz zu machen: mit dem Genießen war es nicht weit her. Die wenigen Fressstände hatten Kirmes-Niveau, und an echten Marktständen gab es ganze sechs Stück: einen Fischstand, einen Fleischer, ein Olivenstand, einen Blumenstand. Imponieren konnten dem Genießer nur der Bäckerei-Stand von Welpino mit seinen italienischen Brot- und Käsespezialitäten und vor allem der Gemüsestand von Claudia El Bouamri, die regionale Produkte des Klosterberghofs der Franz-Sales-Werkstätten in der Bonnekamphöhe in der Nähe von Zollverein verkauft. Von den 20 Ständen, die die EVB in einem Zeitungsartikel vor einiger Zeit avisierte, ist das jedoch weit entfernt.

Essens OB Kufen eröffnet den Feierabendmarkt

Den Anspruch eines Feierabendmarktes, Berufstätigen den Einkauf von guten Lebensmitteln in angenehmer Marktatmosphäre zu ermöglichen, erfüllt das alles kaum. Die Eröffnung hatte eher den Charakter einer Umsonst-und-draußen-Veranstaltung für Müßiggänger und Feierabendfreunde aller Art. Aber wie der Name schon sagt, das ist das, was einen „Markt“ genau nicht ausmacht. Da muss es Waren geben, die umgeschlagen werden.


Genuss wie auf der Kirmes

Gegen Feierabend füllte sich der Platz

Feierabendmarkt auf dem Weberplatz. Jeden Do 16-20 Uhr, Essen Innenstadt Nord.
Zur Übersicht aller Wochen- und Abendmärkten im Ruhrgebiet klick hier.