Sonntag, 13. Dezember 2009

Von Eichelschwein, Spätburgunder, Barolo und Barbaresco




Der Genießer in seiner Küche

Am Samstag war es soweit: Das Eichelschwein, dass der Genießer im August bei essengenuss bestellt hatte, war angekommen. In einem Eichenwald bei Iphofen am Main werden ungefähr 200 Schwäbisch-Hällische Schweine unter idealen Bedingung gemästet. Sie laufen durch den Wald und fressen das, was sie finden – einzigartig in Deutschland. Und von diesem herrlichen Fleisch bekam der Genießer einen Rücken und vier Bäckchen.
Der Genießer nutzte die Gelegenheit zu einem viergängigen, verspäteten herbstlichen Geburtstagsmenü, zu dem er die vier Weinfreunde einlud, mit denen er im Herbst an der Ahr wandern war. Dass es bei den Ahr-Wandervögeln nicht ohne entsprechendem Wein-Zuspruch abgehen konnte, war klar, also wurde der Keller geplündert und einige schöne Spätburgunder, Nebbiolos und Barberas hervorgezaubert. Dazu wurde der Film gezeigt, den der Weindeuter bei der Wanderung gemacht hatte.
Doch der Reihe nach.


Hier erstmal das Menü: Als Gruß aus der Küche gab es mit Mandelsplittern gefüllte Datteln im Speckmantel und Minimäxchen vom Wachtelei. Das eigentliche Menü begann dann mit einer Kastaniensuppe nach Genießer-Art, schön warm und sahnig-süß. Die Eichelschweinbäckchen schmorte der Genießer löffelweich und steckte sie dann in die Ravioli. Die mit der Schmorflüssigkeit beträufelten Nudeln krönte er mit ein paar Parmesanspänen und ein paar Trüffelscheiben. Leider war der schwarze Trüffel vom Bochumer Wochenmarkt nicht besonders. Den Schweinerücken bereitete der Genießer nach einem Rezept von Lorenza de‘ Medici zu, mit Knoblauch, Rosmarin und Fenchelsamen. Ganz langsam briet er das Prachtstück über Stunden bei niedriger Temperatur. Dazu gab es Lorbeerkartoffeln und einen Winterlichen Salat. Als Nachtisch gab es etwas Raffiniertes. Die traditionelle Rotweinbirne gab es mit Auberginen in Schokoladensauce als Beigabe – eigentlich ein sommerliches Dessert, das in Neapel zum Ferragosto-Fest im August gegessen wird.


Hier die Weine:
Zum Kochen verwendete der Genießer einen 1999er Barolo Mandorla, den er vor Jahren für 7,79 Euro im Supermarkt erstanden hatte. Er hatte sich gar nicht übel entwickelt. Zum Ahr-Film gab es natürlich Spätburgunder von der Ahr: einen 2004er von Adeneuer und einen 2005er von Meyer-Näkel, als Einstiegsqualitätenen Prachtexemplare ihrer Art. Dann gings ins Piemont, wie es sich für das herbstliche Menü so gehörte. Der 2003 Barbera d’Ast „Ri“ von der Azienda Busch stand mit seinen 14 Prozent voll im Saft. Dann ging es an den Nebbiolo. Der 1999er Barbaresco Asij von Ceretto zeigte leider schon maderisierte Töne, schmeckte aber zum Essen ganz gut. Der 1999er Barolo von den Marchesi di Barolo war ein gelungener Klassiker. Der Gipfel jedoch war der 1998er Barbaresco Bricco Asili, ebenfalls von Ceretto: auf der Höhe und reich an aromatischen Dimensionen.
Zum Nachtisch gönnte wir uns noch einen sizilianischen Süßwein: einen 2006er Moscato die Noto von Planeta.

Kommentare:

  1. Das ist mal ein tolles Geburtstagsmenue, war das etwa ein runder? Schön aufeinander abgestimmt, dazu die guten Weine, Kompliment!

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  2. so, mit einiger verspätung, aber ungetrübter hochachtung vor dem vollbrachten, meine zutiefst empfundene bewunderung!so'n eichelschweinchen würd' ich auch gerne mal probieren...an welchem stand hast du die trüffel gekauft, es scheint da mindestens einen scharlatan zu geben, vor dem gewarnt werden muß.....
    ach ja, die frau von medici find ich auch gut, die scheint zu wissen, was sie tut- deine lorbeerkartoffeln finde ich super, deine fotos dito und , was soll's? an dieser stelle: alles gute für's noch ganz junge lebensjahr!!!

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  3. Die meisten Fotos hat ein bekannter Flaschenfotograf namens Weindeuter gemacht...

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