Sonntag, 15. Januar 2012

Selbst is(s)t der Mann: Geröstete Paprika




Als Slowfoodie und Kochblogger legt man ja Wert darauf, möglichst viel selbst zu machen. Dennoch gibt es einige Produkte der Lebensmittelindustrie, die einem ans Herz gewachsen sind und die man nicht missen möchte. So gehört in die legendäre Tomatensauce des Genießers nicht nur Ananasmarmelade (vorzugsweise die von Rewe), sondern auch geröstete Paprika. Die gibt es ja in homöopathisch kleinen Gläsern zu Apothekenpreisen als Antipasti-Spezialität in rauen Mengen, aber ich nehme die 500-Gramm-Gläser der Firma Iska, die in der Regel bei den normalen Gemüsekonserven stehen. Die kosten um die 1,50 Euro, die Paprika sind schön weich, so dass sie schnell zerkochen, aber vor allem mit einer Zehe Koblauch in einer milden, süß-sauren Lake eingelegt, die der Sauce noch einen extra Pfiff gibt. Die Lake besteht laut Aufschrift nur aus Wasser, Essig und Zucker. Ob irgendwelche Konservierungsstoffe unter der Deklarierungspflicht drin sind, will ich gar nicht wissen – allerdings halten sich die angebrochenen Gläser im Kühlschrank wochenlang.

Entdeckt hatte ich die Gläser vor langer Zeit bei Rewe, doch nachdem ich sie zweimal gekauft hatte, waren sie aus dem Sortiment verschwunden. So musste ich immer nach Real fahren, doch da sind die Dinger nur ganz sporadisch im Programm. Mir scheint, sie sind jetzt völlig aussortiert. (Übrigens genauso wie die San-Marzano-Tomaten von „Mutti“ für 1,79 Euro , über die ich mich immer so gefreut habe. Ich hatte sowieso das Gefühl, das ich der einzige bin, der in dem Riesenladen an der A40 die Dosenvorräte der letzten beiden Jahrgänge im Lauf der Zeit aufgekauft hat. Naja, kein Wunder, wenn darunter gleich große Tomatendosen für 39 Cents stehen.)

Ob dahinter nun die Sortimentspolitik der Supermärkte oder die mangelnde Nachfrage der trägen Kundschaft, die einfach keine leckeren oder guten Produkte kaufen will, steht, sei einmal dahin gestellt. Für den Genießer kann das nur bedeuten: Selbst is(s)t der Mann. Also kramte er das schöne alte Step-by-step-Kochbuch „Antipasti – Italienische Vorspeisen und kleine Gerichte“ aus dem Jahr 1991 hervor, das er einmal auf dem Flohmarkt erstanden hatte, und machte sich aus 600 Gramm frischen Paprika ein Gläschen von 360 Gramm zubereiteten. Für die Lake hielt er sich genau ans Rezept. Sie war so lecker, dass er den Überschuss kurzerhand direkt aus dem Topf schlürfte.


Rezept: Geröstete Paprika
(Peperoni alla fiamma in agrodolce)


600 g Rote oder gelbe Paprika oder mehr
Für die Lake (reicht für 1 kg geputzte Paprika):
0,4 l Wasser
8 EL Zitronensaft
15 g Salz, 1 TL Zucker
4 Lorbeerblätter
8 schwarze Pfefferkörner
1-2 Knoblauchzehen
Olivenöl

Paprika waschen. Backofen auf 250 Grad vorheizen. Backblech mit Backpapier belgen, Parika daruf legen und im Ofen solange rösten, bis die Haut Blasen wirft und schwarz wird. Herausnehmen und die Haut abziehen. Nicht zu lange im Ofen lassen, damit die Paprika bei der Verarbeitung nicht zerfallen. Paprika halbieren, Stiel und Kerne entfernen und in breite Streifen schneiden.
Für die Lake Salz und Zucker in Wasser und Zitronensaft auflösen und kurz aufkochen. Abkühlen lassen.
Paprikastreifen aufrecht in ein Einmachglas schichten, dazwischen halbierte Knoblauchzehen, Pfefferkörner und Lorbeerblätter verteilen. Mit Lake auffüllen, bis alles bedeckt ist. Dabei aufpassen, dass keine Blasen entstehen. Mit einer Olivenöl-Schicht abschließen. Glas verschließen.

Ein gefaltetes Küchentuch in einen genügend großen Topf legen und das Glas darauf stellen. Mit Wasser auffüllen, dass das Glas dreiviertel bedeckt ist. Es darf nicht mit dem Metall des Topfes in Berührung kommen oder bei mehreren Gläsern mit dem Nachbarglas. Ca. 35 Minuten kochen. Im Wasser abkühlen lassen.
Im angebrochenen Glas Paprika immer wieder mit Olivenöl bedecken und kühl aufbewahren.

Kommentare:

  1. Danke für das Rezept! Hört sich sehr gut an. Ich ärgere mich auch immer über die astronomischen Preise für geröstete Paprika im Supermarkt. Aber immer wenn ich dann geröstete Paprika brauche, habe ich gerade keine Zeit, welche frisch zu rösten. Da wäre so ein selbstgemachtes Gläschen dann gerade recht...

    Dass man ein Küchentuch in den Topf legt beim Sterilisieren der Gläser, habe ich noch nie gelesen und bisher auch noch nie gemacht. Machst Du das, damit die Gläser nicht platzen, oder welchen Hintergrund hat das?

    Und noch eine Frage: Wie lange sind deine gerösteten Paprika circa haltbar?

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

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  2. Das mit dem Tuch stand so im Rezept, und es geht darum, dass die Glaser nicht kaputt gehen. Ist wohl eine alte italienische Hausfrauen-Merhode.
    Wenn die Gläser ordentlich sterilisert sind, halten sie sich ein paar Wochen. (Auf dem Foto ist leider das Gummi gebrochen, deswegen stelle ich das Glas in den Kühlschrank und werde es schnell verbrauchen.) Geöffnet werden die Paprika schnell schimmelig. Deswegen mache ich nur kleine Gläser, und auch nicht so viele auf einmal.

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  3. Das ist nicht nur eine alte italienische Hausfrauen Methode. Das mache ich so und das machte meine Großmutter schon so ;-)
    Spanische Hausfrauen bedecken die gerösteten Paprikaschoten nach dem Herausnehmen aus dem Backofen noch 5 Minuten mit einem feuchten Tuch. Dann lässt sich die Haut leichter abziehen. Ein feines Rezept:-)

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  4. warum darf das Glas den Topf nicht berühren?

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  5. Hallo Genießer,

    ich koch sie nicht ein, sondern lasse sie immer nur ein oder zwei Tage ziehen - sie sind dann meist, wie am letzten Wochenende schnell aufgegesen...

    Allerdings nach dem Abziehen und in Streifen schneiden, verfahre ich etwas anders als Du, ich lege eine Lage in einer Auflaufform aus, dann streue ich ein wenig Hexenkräutersalz drüber,dazu ein paar dünn geschnittene Plättchen Knobi, wenn zur Hand ein paar Tropfen frischen Zitronensaft, auf jeden Fall etwas vom guten hochwertigen Olivenöl und dann kommt die nächste Schicht etc. Ist eine Paprika verarbeitet, entferne ich vorsichtig die kleinen Kerne aus dem eigenen Saft der Paprika und gieße diesen dann drüber. Mit Wasser verdünnt wird bei mir nicht mehr. Auskühlen lassen und dann zugedeckt für einen oder zwei Tage in den Kühlschrank.

    Diejenigen Deutschen, die sich über den Knoblauch aufregen, langen meist noch mal nach. Plötzlich wird nur noch genossen...

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  6. @ Torsten: Eine super Methode. Das Problem mit dem schnell Wegessen kenne ich auch. Mir geht's aber darum, immer einen Vorrat für meine Tomatensauce im Kühlschrank zu haben - die ist nämlich meine "Eiserne Ration". Spaghetti, Pelati, Kräuter, getrocknete Chilis, Anansmarmelade, Koblauch, geröstete Paprika im Glas und Pamesan müssen einfach immer im Haus sein, für den unaufwendigen, kleinen und großen Hunger.

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    1. Na gut, wenn sie für dich quasi Grundnahrungsmittel sind... - dann sehe ich ein, dass man sie auch selber einkocht.

      Ich bring mir manchmal paar Gläser als Notration aus Spanien mit, da gibt es auch Erzeuger, die sie fast wie selbstgemacht hinbekommen, aber was es hier bei uns normal so gibt, ist selten ein anständiger Kompromiss.

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