Mittwoch, 14. Oktober 2015

Aus dem Archiv: Trattoria Da Ruben - Glückliches Wiemelhausen

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2016".

Ein Haar in der Suppe zu finden ist so eine Sache, anders ist es jedoch, wenn es sich dabei um Capellini (ital. ‚Härchen‘) handelt, jene ultradünnen Spaghetti, die in drei Minuten gar sind und trotzdem bissfest bleiben. In der italienischen Küche werden sie in der Tat gern als Suppeneinlage verwendet, doch Violeta Mariana Pereyra setzt sie als Basis für ein exklusives Trüffelgericht ein.

Die gebürtige Rumänin betreibt seit etwa fünf Jahren mit ihrem Mann Ruben die Trattoria Da Ruben auf der Königsallee kurz vor der Auffahrt auf den Orviedo- bzw. Sheffieldring. In dem schmucken kleinen Restaurant sind die klassischen Rollen anders verteilt als in der Gastronomie gewohnt. Die Frau steht in der Küche, und der Mann macht den Service. Und der besteht anscheinend Hauptsächlich in der Betreuung der Stammkundschaft aus dem umliegenden Stadtteil Wiemelhausen. Viele der Leute, die regelmäßig kommen, haben ihre Stammplätze, andere kommen vorbei, um bei einem Bierchen auf ihre Pizza zum Mitnehmen warten. Zwischen 6,20 Euro und 8,50 Euro kosten die Teile, die durch ihren recht knusprigen Teig bestechen. Die Grundversorgung der Bevölkerung ist schließlich eine der vornehmsten Aufgaben eines Vorstadt-Italieners.

Die umfangreiche Speisekarte und die Tafeln mit den Tagesangeboten bergen aber so manche Spezialität, so wie eben die Cappelini mit Trüffeln, die ich als Vorspeise bestelle. Ruben hobelt den Edelpilz an der Theke über den Teller und präsentiert mir am Tisch die Funktion der Pfeffermühle, ich hätte es aus Showgründen andersherum gemacht. Die Nudeln sind ähnlich wie eine klassische Carbonara mit geschlagenem Ei angemacht und somit eine ideale Grundlage für die Trüffel. Allerdings muss man sich beim Essen sputen, damit die dünnen Nudeln nicht verklumpen. Alles in allem ist das für 11,90 Euro ein edles Gericht, zu dem der Nero d’Avola (0,2-l-Glas 3,80 Euro) herrlich mundet.

Und er schmeckt auch zum Hauptgang gut: Ossobuco alla milanese (16,90 Euro). Die Kalbshaxenscheibe ist in Weißwein mit Wurzelgemüsen und Tomate löffelweich geschmort, in der Röhre des Knochens glitzert verführerisch das Mark, das noch einmal einen besonderen Geschmack abgibt. Und ganz stilecht ist der Teller mit Gremolata bestreut, ein Würzmischung aus abgeriebener Zitronenschale, Petersilie, Knoblauch und Sardellen. Mit Kartoffeln und Gemüse als Beilagen ist das Ossobuco ein Glücklichmacher. Zum guten Schluss gab es dann noch eine mit Rosmarin aromatisierte Pannacotta (4,90 Euro) zum Nachtisch. Die normale war aus.

Ich glaube, die Wiemelhausener können mit der Trattoria Da Ruben ganz glücklich sein.

-kopf


44799 Bochum, Königsallee 169
Fon 02 34. 3 38 20 60
Di-So17.30-22 Uhr, Mo geschlossen
https://da-ruben.de/

Dienstag, 13. Oktober 2015

Auf dem Balkon: Saltimbocca alla romana mit rotem Mangold


Neulich fiel mir der rote Mangold an der Gemüsetheke im Supermarkt auf. Für dieses Gericht blanchierte ich ihn für 5 Minuten in Salzwasser und würzte ihn dann mit Pfeffer, Salz und Muskat.
Zum Rezept von Saltimbocca alla romana bitte hier klicken.
Dazu gab es Rosmarinkartoffeln.

Dekorativ und lecker: Roter Mangold

Aus dem Archiv: Elsässer Stube - Erste Sahne

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2016".

Update 2026: Das Restaurant steht seit Januar 2026 unter der neuen Leitung von Jamal El Addouti.
 
Das Restaurant ist umgezogen und befindet sich jetzt (2024) in der Wiescher Straße in Herne.

Im Jahr 2016 betreibt die Familie Kroll seit 30 Jahren die Elässer Stube in einem historischen Fachwerkhaus an der Kreuzkirche in Herne. Von Anfang an gehört das Haus zu den beliebtesten Restaurants im Ruhrgebiet. „In Deutschland isst man viel und schlecht, in Frankreich wenig und gut. Im Elsass aber isst man viel und gut“, beschrieb eine Kochbuchautorin einmal die Küche der deutsch-französischen Grenzregion, die also nicht von ungefähr für die Menschen im Ruhrgebiet wie ein Offenbarung sein muss. Die Elsässer Sauerkrautplatte Choucroute Alsacienne mit Kassler, Schweinebauch und Würstchen erinnert ein wenig an den hiesigen, wesentlich kargeren Grünkohl mit Mettwurst und ist hier der Hauptgang des 3-gängigen Rustikalen Elsässer Menüs (19,90 Euro). Der berühmte Elsässer Flammkuchen (7,90) steht als Vorspeise ebenfalls auf der Karte. Nur die berühmte Quiche Lorraine kann ich nicht finden.

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit des vielbesuchten Restaurants ist sicherlich das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis. Wo bekommt man schon das ganz große Kino eines 5-gängigen Schlemmer-Menüs für 33,90 Euro, ein Preis, der mir die Auswahl meines Test-Essens ziemlich leicht macht? Als die Gänge nach und nach auf meinem Tisch Revue passieren und mit Behagen in meinem Bauch verschwinden, merke ich rasch, warum hier so scharf kalkuliert werden kann. Alles ist äußerst professionell durchkonfektioniert und perfekt vorbereitet, die Salatgarnitur ist bei den verschiedenen Gängen z.B. immer identisch.

Dass alles so gut schmeckt, liegt sicherlich an der Sahne, die bei den Saucen eines jeden Ganges zum Einsatz kommt und die die Kulinarik des Elsass mit der des Ruhrgebiets ideal verbindet. So wird die saftige Rehterrine des ersten Ganges von einer fruchtigen Preiselbeersahne begleitet, in Gang zwei die Jakobsmuscheln auf schwarzen Tagliatelle von einer sanften Safran-Chili-Sahne. Der dritte Gang ist ein Passionsfruchtsorbet, das mit dem Aperitif La Belle Sandrine übergossen ist und die Geschmacksnerven entspannt. Sahne ist da nicht drin, sondern Armagnac.

Beim vierten Gang, einem ebenfalls schön saftig gebratenen Fasanenbrustfilet im Speckmantel mit Rosenkohl, taucht die Sahne beim dazugehörigen Kartoffelgratin auf – und natürlich als Rosmarinsahne, die eine aromatische Sauce abgibt. Dazu schmeckt natürlich ein Elsässer Riesling (0,2-l-Glas 4,60 Euro), der es mühelos mit den deftigen Speisen aufnimmt.

Zu guter Letzt genieße ich noch als fünften Gang das Dessert, eine hübsche Variation aus Schoko-Mousse und (Sahne?-)Parfait. Erst später, als ich die Elsässer Stube verlassen habe, bemerke ich, dass ich ja eigentlich den zur Auswahl stehenden Munsterkäse mit Honig als Nachtisch haben wollte. Das hat die Bedienung bei dem großen Gästetrubel im Haus wohl vergessen, und ich angesichts der üppigen Speisefolge auch. Macht nichts. Dann probiere ich diese Elsässer Spezialität das nächste Mal.
-kopf

Wiescherstraße 156, 44625 Herne
Fon 02323. 1 05 80
Mi-Fr: 17 - 23 Uhr, Sa 16 - 23 Uhr,So 12 -21.30 Uhr, Mo,Di geschlossen
https://elsaesser-stube.de/

Montag, 12. Oktober 2015

Aus dem Archiv: Zum Hackstück - Im honigfarbenen Labyrinth

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2016".

Was viele alteingesessene Traditions-Gasthäuser der Region miteinander verbindet, sind die zahlreichen Wintergärten, Gaststuben und Festsäle, die als Ausdruck der wirtschaftswunderlichen Prosperität des letzten halben Jahrhunderts nach und nach an die historischen Stammhäuser jahresringgleich angebaut wurden. Zum Hackstück macht da keine Ausnahme. Betritt man das Restaurant der Hotel-Anlage im idyllischen Hattingen-Niederstüter, wird man an einer Rezeption von einer charmanten Dame in Empfang genommen. Hat man seinen überraschenden Wunsch geäußert, etwas essen zu wollen, bewaffnet sie sich mit einem Stabfeuerzeug und führt einen durch labyrinthische Gänge an Küche und reservierten oder gutbesuchten Gasträumen vorbei in eine Art Wintergarten, wo man sich endlich gemütlich niederlassen darf. Nun erschließt sich auch der Zweck des Feuerzeugs. Die Dame zündet damit die Kerze auf dem Tisch an, und das, obwohl durch die großen Fenster die spätnachmittägliche Sonne den mit hellem Holz vertäfelten Raum in ein appetitanregendes honigfarbenes Licht taucht.

„In der Region zu Hause“, lautet das Motto, unter dem Severine und Harald Hugenbruch ihre publikumsnahe Küche anbieten. Auf der soliden Speisekarte dokumentiert sich das in gebratenen Blutwursttalern auf Rahmwirsing, Westfälischer Kartoffelsuppe, in Fleischgerichten wie dem Ratsherren-Teller, der Medaillons von Schweinefilet, Rumpsteak und Putenbrustfilet mit buntem Gemüse und Bratkartoffeln (19,90 Euro) vereinigt. Auch die Aktionen des Hauses sind sehr beliebt, allen voran die „Schnitzeljagd“ mit acht verschiedenen Schnitzelzubereitungen zu je 14,90 Euro und das freitägliche Tisch-Fisch-Büffet, bei dem es u.a. für 22 Euro Gambas ohne Ende gibt.

Als Vorspeise bestelle ich einen Latte Macchiato von Pfifferlingen (7,50 Euro), weil sich das so witzig liest. Tatsächlich ist das braune Pilzsüppchen in einem hohen Glas recht elegant mit weißem Portweinschaum geschichtet und sieht tatsächlich aus wie die Kaffeespezialität und mit frittiertem Rucola garniert. Die Pfifferlinge sind deutlich zu schmecken und werden von dem dunklen Portweinaromen erdig kontrastiert. Spannend ist nur, dass der Suppenlöffel gerade so in das Glas passt, man aber kaum etwas darauf bekommt. Also werde ich unkonventionell und trinke die Suppe einfach aus.

Auch das Filet vom Bachsaibling (22,90 Euro), das ich mir als Hauptgang gönne, ist gar nicht übel, doch ist es etwas lieblos auf dem Teller angerichtet. Der gekräuterte Champagnerschaum ähnelt eher einem üppigen Buttersößchen, der mediterrane Blattspinat ist etwas langfaserig, und die hausgemachten Tagliatelle im Extraschälchen trocknen ein wenig vor sich hin, bis ich sie endlich in die Sauce bugsiere. Geschmacklich ist aber nichts auszusetzen, gemeinsam mit einem trockenem fruchtigen Riesling (0,2-l-Glas 8 Euro) ist der Fisch sogar ein Genuss.

Zum Menü-Abschluss wähle ich eine kleine Lösung, die diesem Fall aus einer einzigen Riesenkugel Stracciatella-Eis (3 Euro) besteht. Dessert-Fans mögen das für zu wenig halten, ich aber bin froh, dass mir eine Nachtisch-Variante jenseits der wagenradgroßen Teller angeboten wird, wie man sie anderswo findet.
-kopf
45527 Hattingen, Hackstückstraße 123
Fon 0 23 24. 9 06 60
https://www.hackstueck-hattingen.de/restaurant/

Sonntag, 11. Oktober 2015

Aus dem Archiv: Krans im Katzenstein - Fine Dining in der Ruhrgebietshütte

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2016".
Das Restaurant wird 2025 unter neuer Leitung als "Landhaus Krans" wieder eröffnet.


Ein Ausflug ins Bochum-Hattinger Outback lohnt sich immer, denn die Landschaft südlich der Ruhr hat einen Urlaubscharme, den man eigentlich nur jenseits des Weißwurstäquators vermuten würde. Die Auffahrt zum Krans im Katzenstein über die Almen des Hammertals hat zuweilen alpinen Charakter, und zwischen Weiden und Wäldern liegt das heimelige Gasthaus mit holzvertäfelter Alter Wirtschaft und lichtdurchflutetem modernem Wintergarten wie eine Hütte in den Alpen oder die Fermes Auberges auf den einsamen Höhen des Elsass.

Dabei sind wir mitten im Ruhrgebiet. So wird donnerstags und freitags auf der Terrasse gegrillt, und welche Garmethode käme den eingeborenen VfL-, BVB- und Schalke-Fans näher als das Fleischbrutzeln über offenem Feuer? Und auf der Speisekarte finden sich z.B. die deftigen Antipasti Ruhrgebiet - gebeizter Orangenlachs auf Reibekuchen, Blutwurst in der Zwiebelkruste und Kartoffelsuppe für 9,80 Euro. Doch der Krans-Wirt Micha Schläfke hat sich viel mehr vorgenommen als dem Ruhri nur das zu geben, was er gerne isst. Er will ihn auch ins Fine Dining einführen.

Dazu finden sich zwei vielgängige Degustationsmenüs auf der Karte, die zehngängige „Unendliche Geschichte“ und das neungängige „Land und Meer“. Mit 33 bzw. 35 Euro sind diese Genuss-Marathons auch noch äußerst gastfreundlich kalkuliert und so lasse ich mich nur allzu gern dazu hinreißen, das zu essen, was auf den Tisch kommt. Zumal mir dazu ein Merlot der „Edition B“ empfohlen wird, ein butterweicher Gaumenschmeichler, den der Essener Getränkegroßhändler Rainer Bierwirth und Organisator der Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ exklusiv für die Gastro-Betriebe im Vertrieb hat, die er bei der Gestaltung der Weinkarte berät.

Die neun Gänge des Menüs „Land und Meer“ werden jeweils im Dreierpack serviert. Doch bevor die Abteilung „Meer“ dran ist, gibt es erst einmal Brot mit, natürlich, drei leckeren Aufstrichen: Aioli, grobes Meersalz und Bruschetta-Tomaten. Dann folgt der Fischgang, bestehend aus einem allerliebsten Reibekuchen mit Orangenlachs (genau, der aus den Ruhrgebiets-Antipasti), Scampi mit Knoblauch und Chili (chön charf) und als Höhepunkt ein saftig gebratenes Seeteufel-Medaillon mit Limone und rosa Pfeffer. All das ist so appetitanregend zubereitet, dass man keine Angst haben muss, die nächsten drei Gänge nicht zu schaffen.

Dafür sammeln sich drei verschiedene Fleischsorten auf einem Teller. Das Rind vermählt sich als feines Filet Mignon mit etwas sehr rustikalen Basilikum-Tomaten, eine Maishähnchen-Brustfilet sonnt sich mit gerösteten Cashewkernen auf einem Currysaucen-Spiegel, und ein kleines Wiener (Kalbs-)Schnitzel kommt mit frischen Pfifferlingen als zarte Versuchung daher.

Ob das Päuschen, das mir die fürsorgliche Bedienung vor dem Nachtisch verordnen will, wirklich notwendig ist, sei einmal dahingestellt. Aber das Süßigkeiten-Trio aus Crème brulée, Vanilleeis mit Kürbiskernöl und Apfel-Crumble mit Walnüssen geht noch mühelos hinein und steigert sogar noch das Wohlbefinden, das sich nach dem abwechslungsreichen Essen mit äußerst solidem Preis-Leistungsverhältnis fast zwangsläufig einstellt.
-kopf

45527 Hattingen, Im Katzenstein 12

Aus dem Archiv: Gasthaus Weiß - Von Salatbasteleien und Birnenkartoffeln

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2016".

Wer Thomas Weiß auf der Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“, dem Kulinarischen Altstadt-Markt oder dem Panhas-Fest in Hattingen schon einmal live erlebt hat, weiß, was für ein Temperamentbolzen der Küchenchef sein kann. Zusammen mit seinem Bruder Uwe betreibt er das Gasthaus Weiß, eines der Aushängeschilder unter den traditionsreichen gastronomischen Familienbetrieben in Hattingen. Dorfgasthaus mit Kegelbahn, Ausflugsrestaurants für die Nachbarstädte , Wintergarten und Sommerterrasse – fast jeder Tag ist ein Aktionstag mit besonderen Angeboten und bringt Leben in den elegant eingerichtete Laden nicht weit von der Wuppertaler Straße, der Einflugschneise von Bochum nach Hattingen. Kulinarisch macht Thomas Weiß gern den Spagat zwischen westfälischer Bodenständigkeit und exotischen Zutaten. So stehen Oma Lenchens westfälische Kartoffelsuppe im Weckglas (8,50 Euro) einträchtig mit getrüffeltem Carpaccio vom Weiderind aus Namibia (11,20 Euro) auf der Speisekarte, auf „Bochum kulinarisch“ sind Tante Hertas Blaubeer-Pfannkuchen der jährlich Renner, wenn ihnen nicht gerade Weltläufiges wie Südafrikanisches Straußensteak den Rang abläuft.

Ich habe das Glück, an einem donnerstäglichen Schnitzeltag das Gasthaus zu besuchen und finde ein so gut wie ausgebuchtes Restaurant vor. 11 Euro kosten die üppigen Schnitzelvariationen, die hurtig ihren Weg in die hungrigen Mägen der Hattinger finden, doch ich studiere erst einmal die Tagesgerichte, die auf einer Extra-Tafel annonciert werden. Dort werde ich schließlich fündig. Das Wildschweinschnitzel für 18,50 Euro scheint mir eine gelungene Mischung aus Aktions- und Gourmetgericht zu sein und den Stil des Hauses genau zu treffen. Als Beilagen werden neben Mischpilzsauce, Preiselbeeren und Rahmrosenkohl auch Birnenkartoffeln versprochen, und damit ist die Fantasie angeregt. Handelt es sich dabei vielleicht um eine Variante von Himmel und Erde, bei der die Äpfel durch Birnen ersetzt wurden? Als der Teller schließlich kommt, wird das Rätsel gelöst. Es sind simple Kartoffelkroketten in Form kleiner Birnen, bei denen der Stiel durch eine Gewürznelke imitiert wird. Naja. Immerhin ist die verspielte Beilage eine nette Ergänzung der kleinen Blumenvase samt Inhalt, die als weitere Dekoration auf dem großen Teller steht. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Teil als eine Bastelarbeit aus verschiedenen Salat-Stängeln und einer essbaren Blüte, die in einem Stück ausgehöhlter Gurke stecken. Hübsch anzusehen, aber mit etwas Dressing angemacht hätte ich den Salat lieber gegessen. Fleisch und Beilagen schmecken übrigens prima. Lediglich die beiden Wildschweinschnitzel sind noch von etwas Fett und Sehnen durchzogen, die sich bei der kurzen Bratzeit wohl nicht aufgelöst haben.

Zuvor hat es als Vorspeise ein Apfel-Kürbis-Currysüppchen mit einer Schmalzstulle (6,20 Euro) gegeben, die ebenfalls von einer Salatvase begleitet wird, die ebenfalls ungegessen zurückgeht. Die Suppe ist wunderbar würzig-süß-pikant, und die getrockneten Apfelchips darauf von idealer Konsistenz, knusprig und dennoch saftig.

Der Nachtisch ist ein Glücklichmacher schlechthin, ein Säckchen aus Strudelteig, gefüllt mit Nougat und Schattenmorellen (7,90 Euro). Als ich alles aufgegessen habe, durchzieht mich ein sattes Wohlgefühl, das ich mit dem Rest Merlot, der noch im 0,2-l-Glas (5,90 Euro) ist, behaglich begieße.

-kopf


45529 Hattingen-Winz-Baak, In der Delle 4
Fon 0 23 24. 85 5 58
Do-Sa ab 16.30 Uhr, Küche ab 17.30-22 Uhr, So ab 10 Uhr, Küche 11.30-14 & 17.30-21 Uhr
Mo, Di, Mi geschlossen.
https://www.gasthaus-weiss-hattingen.de/

Samstag, 10. Oktober 2015

Herbstvergnügen: Da Mario in der Birschelmühle, Hattingen

Ein kleines Menü bei Mario in der Birschelmühle an der Hattinger Ruhrbrücke. Ein schönes Lokal mit gutem Essen.

Brot mit Tapenade und Artischockencrème.
Im Glas ein Primitivo di Manduria.

Risotto mit frischen Steinpilzen.

Kaninchen auf ligurische Art
mit schwarzen Oliven und Pinienkernen.
Dazu Mangold und Rosmarinkartoffeln.
Bonnet mit Beeren.
Bonnet ist ein kuchenartiger Schokoladenpudding aus dem Piemont.



Donnerstag, 8. Oktober 2015

Aus dem Archiv: Da Mario in der Birschelmühle - Umami macht glücklich

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2016"
Das Restaurant ist in die Hattinger Innenstadt umgezogen. 


Die Birschelmühle an der Hattinger Ruhrbrücke ist ein einzigartiges Denkmal der Industriekultur im romantischen Tudorstil, das heute gastronomisch und als exklusive Wohnanlage genutzt wird. Ich bin freudig überrascht, als mich Sylwia, die Bedienung bei Mario, sofort in den wintergartenartigen Anbau des eleganten italienischen Restaurants führt, wo schon einige Gäste sitzen. Von dort hat man durch die großen Fenster eine schöne Aussicht auf die Bucht, die entstand, als die Ruhr hier vor mehr als 50 Jahren begradigt wurde.

Im Sommer ist die kleine Terrasse vor dem Eingang ein beliebtes Ausflugsziel für Radler und Spaziergänger, denn es gibt bei Mario nachmittags Kaffee und Kuchen, und der Aperol Sprizz kann es mit seinen Verwandten in Venedig getrost aufnehmen. Die Kleinigkeiten der warmen Küche sind ebenfalls nicht zu verachten. Ich erinnere ich mich gern an die Pizza Speciale mit Birnen, Tiroler Speck und roten Zwiebeln (12,50 Euro) als ein saftiges Pizza-Erlebnis auf dünnem, knusprigem Teig, das Zutaten kombiniert, wie man sie anderswo selten bekommt.

Überhaupt legt man bei Mario viel Wert auf gute und außergewöhnliche Zutaten. Das Angebot der Standardkarte ist ein durchdachter Streifzug durch die gehobene italienische Küche. So taucht die Birne z.B. auch als Beigabe zu Feldsalat mit Walnüssen und Balsamico auf. Carpaccio gibt es nicht nur vom Rind, sondern auch vom Seeteufel.

Die wahren Schmankerln findet man jedoch auf der Tageskarte, die als handgeschriebene Tafel auf einer Art Notenständer an den Tisch gebracht wird. Unter den fünf, sechs saisonbedingten Spezialitäten sticht mir sofort der Risotto mit frischen Steinpilzen ins Auge, der mit 22,50 Euro allerdings einen überaus stolzen Preis hat. Doch ich kann ihn auch als kleine Vorspeisen-Portion haben, die schließlich mit 15,50 Euro zu Buche schlägt. Da bleibt vom Ausgeh-Etat immer noch genug übrig, dass ich mir auch noch ein Hauptgericht und ein Dessert leisten kann.

Der Risotto ist tadellos, ein wenig schlotzig, der Reis noch mit etwas Biss. Brühe, Parmesankäse und natürlich die aromatischen Steinpilze haben beim langsamen Risotto-Kochen genau den Geschmack entwickelt, der unter dem japanischen Namen Umami als fünfte, die Sinne betörende Geschmacks-Richtung in die Sensorik eingegangen.

Der Hauptgang, ebenfalls von der Tageskarte, ist ein ebensolcher Glücklichmacher, Kaninchen auf ligurische Art (23,50 Euro). Das bedeutet, dass in der gebundenen Weißweinsauce schwarze Taggiasca-Oliven und Pinienkerne auftauchen. Pinienkerne hätten es ein paar mehr sein können, doch dafür finde ich noch einige Kapernfrüchte. Das Fleisch der beiden Kaninchen-Hinterläufe ist löffelweich bis an den Rand der Faserigkeit geschmort und fällt vom Knochen, wenn man es mit dem Besteck berührt. Auch die Sauce schmeckt wunderbar umami, dass ich froh bin, mit dem Beilagen-Mangold und den Rosmarinkartoffeln die Reste behaglich auftunken zu können.

Zu Risotto und Kaninchen passt der süditalienische Primitivo die Manduria (0,2-l-Glas 7,80 Euro) mit seiner dunklen Fruchtigkeit ganz hervorragend. Und auch die Aromen des Nachtischs spiegelt er ganz unkompliziert wider, so dass ich es problemlos verschmerzen kann, dass es keinen koffeinfreien Caffè gibt. Beim Dessert handelt sich um einen Bonnet (5,80 Euro), einen kuchenähnlichen Schokoladen-Pudding aus dem Piemont, mit frischen Beerenfrüchten und Vanillesauce.

-kopf

45525 Hattingen, Schleusenstr. 8

Dienstag, 6. Oktober 2015

Genießers Kochkurs: Der Pott kocht II

Hier ein Bild vom ersten Abend.

Fast eine Woche ist es her, dass der zweite Teil meines Ruhrgebiets-Kochkurs stattgefunden hat. Leider hatte ich meine Kamera vergessen (das Alter, das Alter…), und in meinem Fotoarchiv konnte ich keine Fotos von allen Gerichten finden. So müssen die Matjestürmchen, die Blutwurst-Apfeltaschen nach Nelson Müller und die Potthucke ohne Foto bleiben.
Nach den eher polnisch-schlesischen Gerichten des ersten Abends gab es diesmal den Clash der der (nieder-)rheinischen und der westfälischen Esskultur. Darüber hinaus wurde mit dem Schokoladenpudding nach Henriette Davidis dem historisch-kritischen Kochen und der Bierkultur im Revier ein Denkmal gesetzt.

Hier die Rezepte:

Fingerfood
Dreierlei Pumpernickeltrüffel aus der arte-Serie „Zu Gast in“ (Rezept hier), Blutwurst-Apfeltaschen nach Nelson Müller (Rezept hier), Matjes-Türmchen (Rezept hier).

Erster Gang
Muschelsuppe (Rezept hier). Weil das berühmte Rheinische Muschelessen zu dürftig erschien, griffen wir auf ein französisches Gericht zu, dass zusätzlich noch Speck, Crème fraîche und grüne Bohnen enthielt.

Hauptgang
Niederrheinischer Altbiergulasch (Rezept hier) mit westfälischer Potthucke (Rezept hier). Der westfälische Kartoffelkuchen eignet sich bestens als Saucenträger. Für die Sauce wurde ein Alt der Bochumer Brauerei Moritz Fiege genommen.

Dessert
Schokoladen-Pudding nach Henriette Davidis (Rezept hier) mit Vanille-Sauce nach Johann Lafer (Rezept hier).

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat es so gut geschmeckt, dass sie im Frühjahr bei weiteren Ruhrgebiets-Kochkursen mitmachen wollen. Geplant sind ein Abend über die mediterranen Wurzeln der Ruhrgebietsküche (vorr. 19. Mai 2016) und einer über das typische Kleinvieh der Region, den Täubchen und Kaninchen (vorr. 2. März 2016). Sobald man sich für die Kurse bei der VHS Herne anmelden kann, werde ich es bekannt geben.
Übrigens: In meinem Männerkochkurs am 9. Dezember 2015 sind noch ein paar Plätze frei. Es geht ums Flambieren, siehe hier und hier. Anmelden kann man sich hier.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Herbstvergnügen: Rinderfilet auf Steinpilzrisotto und Feldsalat mit Roter Bete


Hier geht's zu den Rezepten. Rinderfilet (klick hier), Steinpilzrisotto (klick hier). Feldsalat (klick hier). Der Wein dazu war war vor Jahren als Geschenk für einen notorischen Mallorca-Fahrer gedacht, doch dazu war es nicht gekommen. Also trank ich jetzt den AN/2 aus dem Jahr 2003 von der mallorquinischen Kult-Bodega Anima negra. Von der schwarzen Seele war nach all den Jahren nicht mehr viel zu merken. Stattdessen hatte ich einen eher hellen ziegelroten Wein im Glas, der an einen gereiften Burgunder erinnerte.