Sonntag, 5. Dezember 2010

Vorgestern bei der Freundin des guten Geschmacks: Heldinnen am Herd

Gelungen, es ist gelungen: Mme. Mardermann
und die Freundin des guten Geschmacks

Gesagt hatten sie vorher natürlich nix, die Mädels: Plötzlich flatterte dem Genießer eine Einladung zum Essen ins Haus – die Freundin des guten Geschmacks und Mme. Mardermann wollten zusammen kochen. FdgG-Schwager Heinz hatte nämlich im Sauerland einen Bock geschossen, und Rehrücken und –keule harrten nun auf fachkundige Zubereitung und Verzehr. Also packte der Genießer die letzte Magnum-Flasche 1996 Remelluri, die noch im Keller hatte, in den Rucksack, und startete die Bus-Expedition in den verschneiten Bochumer Norden. Unterwegs wollte er noch Monsieur Mardermann aufgabeln, aber den armen Mann hatte die Grippe erwischt, so dass er das Bett hüten musste und nicht im Bus auftauchte. Also blieb dem Genießer und Herrn Geschmacksache nicht anderes übrig, als allein das zu verspeisen, was die Damen in weiblicher Eintracht (sowas gibt’s!) zubereitet hatten.

Fröhliches Muschelschrubben

Die beiden hatten sich seit dem Nachmittag beim Einkaufen und in der Küche bewegt, wie es sich für Heldinnen am Herd gebührt: sicher, kompetent & hingebungsvoll. Für die Vorspeise wurden ein ganzer Haufen spanischer Pfahlmuscheln geputzt und von den franseligen Byssusbärten befreit, damit sie sich schließlich in einem Sud aus Gemüse, Kräutern, Speck und ebenfalls spanischem Weißwein dem aromatischen Genuss öffnen konnten. Getrunken wurde dazu eine Riesling-Scheurebe-Cuvé vom Weingut Hiestand in Rheinhessen, die Mme. Mardermann als Köchinnenwein schon tapfer vorverkostet hatte.

Herr Geschmacksache schneidet auf

Und dann der Hauptgang: Die noch leicht blutig gegarte Rehkeule war herrlich mürbe und hatte die krümelige Saftigekeit von frischem Marzipan, genauso wie der wunderbar rosa-farbene Rehrücken, der wie von selbst auf der Zunge zerging. Der altersmilde Remelluri vom höchsten Weingut in der Rioja ergänzte mit sanften Vanilletönen. Nicht zu vergessen die Beilagen - mit altem Balsamico verfeinerte Linsen und Ravioli, die mit einer köstlichen Kartoffel-Kräuter-Paste gefüllt waren. Schließlich sollten die Kohlehydrate nicht zu kurz kommen. Zum Nachtisch gab es Blauschimmelkäse mit Madeira-Weinen in verschiedenen Süße-Graden und die legendären Knusperwaffeln, die Herr Geschmacksache eigenhändig auf einem antiken Waffeleisen gebacken hatte. Das feine Abendmahl endete schließlich in einer Gedenkminute für den kränkelnden Monsieur Mardermann, der ihn leider nicht miterleben durfte, und fürsorgliche Frauenhände packten noch einige Doggybags, damit er sich später an den Resten laben könne.

Fachkundiges Begießen

Rehkeule und -rücken an schwerem Silber

Rehrücken rosa

Rehkeule mit Balsamico-Linsen und
Ravioli mit Kartoffelfüllung

Spanische Pfahlmuschel

Edle Weinauswahl

Dass der Abend auch noch ein richtiges Abenteuer wurde, dafür sorgte schließlich der Bochumer Personennahverkehr. Wie Mme. Mardermann und der Genießer Opfer einer nachmitternächtlichen Verschwörung von Bus-Fahrplan und Taxizentrale wurden, der sie nur mit höchstem Durchhaltevermögen im nächtlichen Hordel trotzen konnten, erzählen wir aber lieber ein anderes Mal.

Ob's schmeckt?

Siehe auch hier bei der Freundin des guten Geschmacks
Siehe auch hier beim Kochplattenteller

Samstag, 4. Dezember 2010

Ruhrgebietsküche: Dreierlei von der Blutwurst auf buntem Linsensalat von Nelson Müller

Gestern kochte bei „Lanz kocht“ Nelson Müller, des Ruhrgebiets liebster Fernsehkoch, „Dreierlei von der Blutwurst auf buntem Linsensalat“ als sein Lieblingsgericht. Zwar hat er, wie er im Gespräch mit Moderator Markus Lanz gestand, die Blutwurst bei seinem Cousin, einem Metzger in Franken, und die Linsen auf der Schwäbischen Alb kennen gelernt, doch wurde er nicht müde darauf huinzuweisen, dass das auch typisch fürs Ruhrgebiet ist. Und wirklich, seine gourmetmäßig aufgepimpte Version des rustikalen Schlachtfestmahls kann auch gut als ein Beitrag zur Neuen Ruhrgebietsküche durchgehen.

Zum Rezept geht es hier.

Freitag, 3. Dezember 2010

Ruhrgebietsküche: Marokkanisch-spanisches Restaurant „Mediterran“ in Herne

Das Restaurant ist geschlossen.

Geschmortes aus dem Tajine-Topf

Wie seine Einwohner hat das Ruhrgebiet bekanntlich ein großes Herz. Blickt man auf die Landkarte, sieht man leicht oben links von der Mitte eine der Herzkammern des Städtekonglomerats, das sich so gern Metropole Ruhr nennt: Herne. Im zweiten Weltkrieg hatte die Stadt das Glück, vom Bombenhagel der Alliierten weitgehend verschont geblieben zu sein, und so stehen dort bis in die Vororte hinein noch viele schöne alte Häuser aus den Gründerjahren des Ruhrgebiets. Dazwischen gibt es allerlei Bausünden aus der Nachkriegszeit von grässlich bis großartig. Eine, die eher als großartig bezeichnet werden kann, ist die Weiterbildungsakademie des Landes NRW, die auf dem Gelände der ehem. Zeche Mont-Cenis in Sodingen gebaut wurde. Ein gelungener Leuchtturm für den Strukturwandel im Ruhrgebiet.

Accedine und Ismahan Lobah

Der Strukturwandel gehört mittlerweile genauso zur Tradition des Ruhrgebiets wie Kohle und Stahl. Abzulesen ist das an der Gaststätte in der Kantstr. 26 nicht weit von der Akademie. Einst war das hier ein Bergmannskneipe, dann jahrelang ein Grieche, und seit Mai 2008 das „Mediterran“. Die Betreiber, das Ehepaar Accedine und Ismahan Lobah, sind Wirtsleute, wie sie seit jeher typisch sind fürs Ruhrgebiet: herzlich, offen, sprachgewandt. Eine schöne Kneipe ist das „Mediterran“ übrigens auch. Im gemütlichen Thekenraum lässt sich prima das Feierabend-Bier trinken – auch ohne groß dabei zu essen.

Für die Küche des Hauses greift Accedine auf die seines Heimatlandes Marokko zurück, hat sie aber geschickt den kulinarischen Vorlieben im Ruhrgebiet angepasst – eine gelungene Symbiose aus der eigenen Tradition und den Urlaubserfahrungen seiner Kunden im westlichen Mittelmeer. Am Anfang bot er auch Couscous an, doch das kam bei den Sodinger Bergmannsenkeln nicht so an; stattdessen steht jetzt eine Parade von schönen Schnitzelvariationen auf der Karte. Spezialität sind die Tajine-Gerichte, Fleischspezialitäten, die im traditionellen marokkanischen Tontopf löffelweich geschmort werden. Üppig sind die spanischen Tapas, die Accedine anbietet, verführerisch die Aioli, die es als Entrée zum Fladenbrot gibt. Der Genießer war mit zwei weiteren Slowfoodies bei einem Besuch neulich jedenfalls begeistert.

Tapas: Datteln im Speckmantel, Gambas vom Grill

Tapas: Hähnchenbeust im Schinkenmantel,
Merguez-Würstchen, Fleischbällchen in Tomatensauce

Tajine: Lamm mit Backpflaumen

Tajine: Hähnchen

Mediterran. Kantstr. 27. Herne-Sodingen. Infos hier

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Kulinarische Veranstaltungen im Dezember

Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Info-Spalte rechts.

bis 16.1.2011
Roncalli's Panem et circensis
Dinner Varieté
Essen, Spiegelzelt am Jagdhaus Schellenberg

2.12.2010
Köchevereinigung "ReVier"
Das ReVier-Stahl-Menü
Mario Kalweit präsentiert ein Menü zur Ausstellungseröffnung von Sebastian Wien mit einer Weinauswahl von Julius Meimberg
Dortmund, La Cuisine Mario Kalweit

7.12.2010
Slow Food Dortmund
Gemeinsames Essen
Dortmund, Overkamp
Anmeldung und Info unter welkoborsky.dorstfeld@gmx.de


8.12.2010
Slow Food Essen
Schneckentisch
Thema: "Terra Madre"
Essen, Zollverein, kochBar-essBar, 19.30 Uhr
Anmeldung und Info hier

10.12.2010
Weinhandlung Rolf Kaspar
Weinseminar mit Axel Biesler
Quo vadis, Südafrika?
Essen, Essener Hof

11.12.2010
Slow Food Essen
Slow Cooker
Kochclub
Es wird ein 3-Gänge-Menü mit Wild gekocht.
Essen, kochBar-essBar auf Zollverein, 16 Uhr
Anmeldung und Info hier

11.12.2010
Weinprobe Festtagsweine
Essen, Weinzeche

12.12.2010
Sneak Preview
5-Gang-Überraschungsmenü mit Bewertungsmöglichkeit
Dortmund, Florians
Anmeldung hier

31.12.2010
Silvester-Gala-Menü
Dortmund, Turmrestaurant Florians

31.12.2010
Silvester-Gourmet-Menü
Bochum, Orangerie im Stadtpark
http://www.stadtpark.gastronomie.de/

31.12.2010
Märchenhaftes Silvestermenü
Bochum, Restaurant Sutherland im Renaissance Bochum Hotel www.restaurantsutherland.de/

Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Info-Spalte rechts.

Dienstag, 30. November 2010

Ruhrgebietsküche: Rheinisches Muschelessen mit westfälischem Pumpernickel

Enthält unbezahlte WERBUNG
Schon immer war im rheinischen Ruhrgebiet die Miesmuschel eine Spezialität. Die geografische Nähe zur holländischen Nordseeküste machte es möglich, dass die köstliche Meeresfrucht zur „Auster des kleinen Mannes“ avancierte - zumindest in den Monaten mit einem „r“ im Namen, also vom herbstlich-kühlen September über die Wintermonate bis zum immer noch kühlen März. Nur in Herbst und Winter war es möglich, die leicht verderbliche Ware beim Transport frisch zu halten. Trotzdem kam es immer wieder vor, dass verdorbene Muscheln das Mahl vermiesten – es stank dann fürchterlich, wenn sie mit im Kochtopf landeten. Heute, im Zeitalter der ununterbrochenen Kühlketten, ist das glücklicherweise alles kein Problem mehr.

Die Bergleute mochten die Miesmuschel vielleicht auch deshalb so gern, weil sie mit ihrer schwarzen Schale an die Eierkohlen erinnerte, zu denen die Anthrazit-Kohle, die sie förderten, geformt wurde. Gegessen wurden – und werden – sie meist in der Kneipe oder bei Herren-Abenden, wenn Vattern auch am Herd den Herrn im Haus markieren wollte. Denn Kochkunst wird nicht viel verlangt, um sie zuzubereiten. Sie müssen nur mit mehr oder weniger Sud aufgegekocht werden – und schmecken wunderbar! (Dass Spanier und Italiener die Miesmuscheln als Gastarbeiterküche mit neuen Geschmacksvariationen als Tapas oder Nudelsaucenn-Bestandteil ebenfalls ins Ruhrgebiet brachten, machte sie nur umso beliebter.)

Am Wochenende überkam den Genießer der Appetit auf Miesmuscheln. Er bereitete sie klassisch auf rheinische Art, in einem Sud aus Suppengrün und Rheinwein. Dazu holte er eine Flasche 2007 Jodocus von Toni Jost in Bacharach aus dem Keller hervor, den Einstiegsriesling des Weinguts, der sich mit seinem fruchtig-angenehmen Süß-Säure-Spiel bestens als Muschelwein eignete.
Traditionell wird zum Rheinischen Muschelessen gebuttertes Schwarzbrot serviert. Als reviertypischer Grenzgänger nahm der Genießer westfälischen Pumpernickel und bestrich ihn mit schneeweißer Nierstaler Ziegenbutter aus Kempen am Niederrhein, die er bei Real im westfälischen Wattenscheid entdeckt hatte.

Rezept: Rheinisches Muschelessen

2 kg Miesmuscheln
2 Zwiebeln
1 Stück Sellerie
2 Lorbeerblätter
1 Stange Porree
2 Möhren
½ l Wasser
½ l Weißwein
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Butter

Muscheln abbrausen und ev. die Bärte entfernen. Gemüse und Zwiebeln nicht zu groß würfeln und in der Butter in einem genügend großen Topf anschwitzen. Wein, Wasser und Lorbeerblätter dazugeben, leicht salzen und alles etwas köcheln lassen. Muscheln dazu geben, Deckel auflegen und etwa 10 Minuten kochen lassen. Je besser der Wein, desto besser das Ergebnis. Topf dabei ab und zu rütteln.
Die garen Muscheln haben sich alle geöffnet. Noch geschlossene Muscheln entfernen und wegwerfen.
Mit einer Schöpfkelle eine ordentliche Portion Muscheln samt Sud und Gemüse in einem tiefen Teller servieren und kräftig aus der Mühle pfeffern. Die Muscheln werden mit der Hand gegessen, wobei man eine Muschelschale als Zange benutzt. Sind alle Muscheln verputzt, löffelt man den Sud aus und isst das Schwarzbrot dazu.

Montag, 29. November 2010

Kulinarische Auszeichnung für TV-Journalist Stefan Quante

Die GAD Gastronomische Akademie Deutschlands e. V. ist eine ideelle und unabhängige Vereinigung von Fachleuten aus der Gastrobranche und verleiht als Förderin der Tafelkultur, Kochkunst, Kultur und Geschichte der Gastronomie in unregelmäßigen Abständen den Carl-Friedrich-von-Rumohr-Ring für besondere Verdienste in diesen Bereichen. Der Ring erinnert an den großen deutschen Kunsthistoriker, Schriftsteller, Zeichner und Maler, Agrarhistoriker und Gastrosophen Carl Friedrich von Rumohr (1785 bis 1843). Prominente Ausgezeichnete sind u.a. der Weinkritiker Hugh Johnson, der TV-Koch Johann Lafer und der französische Spitzenwinzer Pierre Lurton.

Freuen sich über die Auszeichnung: Stefan Quante und seine Frau Ute (Foto: P. Figge / GAD)

Letzten Freitag wurde in der ehrwürdigen Kulisse von Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig der 18. Carl-Friedrich-von-Rumohr-Ring an den WDR-Journalisten Stefan Quante verliehen. Laudatorin Sandra Maischberger würdigte den 51-Jährigen und seine Arbeiten für die WDR-Reihen „À la Carte“ und „Kulinarische Reportagen“: „In Fragen der Gastronomie findet man im Fernsehen keinen kompetenteren und leidenschaftlicheren Reporter, als Stefan Quante.“

Der Genießer gratuliert herzlich zu der noblen Auszeichnung und erinnert sich gern an die journalistischen Anfänge Stefan Quantes beim seligen MARABO MAGAZIN vor über dreißig Jahren - besonders an seine großartige Rezension des damals gerade in die Kinos gekommenen Meisterwerks „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola und gemeinsamen Super-8-Filmereien bei den Germanisten an der Ruhr-Uni Bochum.

Sonntag, 28. November 2010

Gestern bei Mama: Hühnerfrikassee mit Risibisi und winterlichem Salat

Gestern habe ich für Mama Hühnerfrikassee gemacht. Das hat es früher gelegentlich bei uns gegeben, war aber, wie ich mich erinnere, nicht unbedingt einer von Mamas Favoriten - ich nehme an, weil die standardmäßige Beilage dazu Reis ist.

Gestern war es eigentlich ein Resteessen. Von der Hühnerbrühe, die ich letztes Wochenende für das Wammerl à la Schuhbeck gekocht hatte, war würziges, zartes und saftiges Bio-Hühnerfleisch übrig geblieben, das unbedingt weiter verwendet werden wollte – ideal für ein Hühnerfrikassee. Allerdings gab es keine Brühe mehr, uns so kaufte ich bei Metzger Gläser noch eine Hähnchenbrust mit Haut und Knochen. Frau Hirtz gab mir noch zwei Hähnchen-Karkassen samt Hälsen dazu, und so war für den frischen Brühennachschub bestens gesorgt. (Die ganze Sache war allerdings eine Milchmädchenrechnung: Bio-Hähnchenbrust samt Karkassen kosteten zusammen 7 Euro, ein komplettes, allerdings tiefgefrorenes Suppenhuhn hätte nur 4,50 Euro gekostet…).

Die Brühe kochte ich bereits am Freitagabend, aber am Samstagmorgen hatte ich nicht die Zeit, um die Einkochorgie des begnadeten Hühnerfrikassee-Rezeptes von Arthurs Tochter nachzuinszenieren. Also musste in bewährter klassischer Hausfrauen-Mama-Manier eine einfache Mehlschwitze reichen. In einer Extra-Pfanne briet ich in Butter braune Champignons und Möhren an, die ich dann in etwas Hühnebrühe weich schmorte, die dabei kräftig reduzierte. Das tat ich später mit ins Frikassee.

Um nicht nur schnöden Reis als Beilage zu haben, machte ich Risibisi, den Stolz jeder Hausfrau in den 1950er Jahren. In dem Venedig-Kochbuch von Pino Agostini fand ich auch ein traditionelles Rezept. Ich hätte natürlich auch gern aus frischen Erbsenhülsen erst einmal eine Brühe gekocht, hatte jetzt im Spätherbst aber keine – geschweige denn die Zeit, noch eine zweite Brühe herzustellen. Also machte ich ein einfaches Risotto, in dem ich feine Zwiebelwürfelchen in Butter anschwitzte, eine Tasse Arborio-Reis darin anziehen ließ, mit einen Schuss Weißwein ablöschte und, nachdem der Wein verdampft war, nach und nach heiße Hühnerbrühe dazu goss und umrührte, bis der Reis nach ca. 18 Minuten gar war. Fünf Minuten vorher tat ich tiefgekühlte Erbsen dazu, am Ende verfeinerte ich alles mit einem ordentlichen Stich Butter und geriebenem Parmesan.
Damit die zweifelhafte Optik des Ganzen Gerichtes etwas Pep bekam, gab es noch etwas Feldsalat mit Roter Bete und Walnüssen dazu, die den nussigen Erbsengeschmack des Risibisi klasse ergänzten.

Mama und Schwester aßen mit Lust & Appetit. Ich selbst muss gestehen, dass ich, nachdem ich von all die schönen Zutaten beim Kochen schon einzeln exzessiv genascht hatte, vom Ergebnis etwas enttäuscht war. Diese Mehlschwitze fraß einfach zu viel Salz und Würze. Und hätte ich doch den Rat von Arthurs Tochter befolgt und Muskat dran getan.

Aufgesetzte Hühnerbrühe:
Das Suppengemüse ist unter dem Fleisch.

Rezept: Hühnerfrikassee

2 l Wasser
1 ½ Tl Salz
1 Suppenhuhn
1 Bund Suppengrün
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Stück Ingwer
3 Nelken, 2 Lorbeerblätter, 1 TL Pfefferkörner, getrocknete Steinpilze
1 Handvoll Champignons
2 Möhren
Butter
Puderzucker
3/8 l Hühnerbrühe
2 EL Butter
4 EL Mehl
3 EL Sahne
1 Eigelb
2 EL Zitronensaft
1 gute Prise Salz
1 Glas Weißwein
Muskat

Aus dem Huhn, dem Suppengrün und den Gewürzen zwei Stunden lang eine Brühe kochen, bis das Fleisch gar ist. Huhn herausnehmen, Brühe durch ein Sieb gießen. Die Haut vom Huhn abziehen, Fleisch von den Knochen lösen und in gleich große Stücke schneiden.
Champignons blättrig und Möhren in Scheiben schneiden. In einer Pfanne Puderzucker in etwas Butter karamellisieren lassen, Gemüse dazu geben, pfeffern und salzen und anbraten. Etwas Hühnerbrühe dazugeben und mit Deckel weich schmoren lassen.
Butter in einem Topf erhitzen, Mehl hinein streuen und unter umrühren anbraten. Geflügelbrühe dazu gießen, glattrühren und unter Rühren 10 Minuten kochen lassen. Mit Muskat abschmecken. Sahne mit einem Eigelb verquirlen, 2 EL von der heißen Sauce dazutun. Den Saucentopf vom Herd nehmen und die Eigelbsahne unterziehen. Die Sauce mit dem Zitronensaft und Salz abschmecken und Weißwein dazugeben. Die Fleischstücke und das Gemüse in die Sauce geben und wieder aufwärmen, aber nicht kochen lassen -wegen dem Eigelb.

Hier ein wenige aufwendiges Rezept für Risibisi mit Huhn. Klick hier

Samstag, 27. November 2010

Fernsehtipp: Thementag „Reine Geschmackssache“ auf 3sat am 28. November

Foto: 3sat

3sat beschäftigt sich morgen einen Tag lang mit den vielen Facetten des Essens und Trinkens. Unter dem Titel "Reine Geschmackssache" sind am Sonntag, den 28. November, ab 6.00 Uhr 24 Stunden lang Dokumentationen, Dokumentarfilme, Reportagen und Spielfilme zu sehen, die sich mit den leiblichen Genüssen beschäftigen.

„Der Mensch ist, was er isst", diese Weisheit gilt schon fast 500 Jahre. Der Alchemist und Philosoph Paracelsus wollte damit sagen, dass sich sowohl die gesellschaftliche und regionale Herkunft, wie auch die persönlichen Eigenschaften in dem äußern, was wir an Speisen bevorzugen. Denn Nahrungsaufnahme ist nicht nur biologische Notwendigkeit, sondern auch eine kulturelle Technik (Lévi-Strauss), die erlernt und weitergegeben wird und für unser Zusammenleben sehr wichtig ist.

Essen ist also weit mehr als den Mund aufzumachen und etwas Verdaubares reinzuschieben. Gemeinsames Essen fördert den Zusammenhalt, sei es in der Familie oder beim Geschäftsessen. Nicht ohne Grund wurden 1998, nach der Fusion von Daimler und Chrysler, in der Kantine in Stuttgart Doughnuts serviert, während man die Detroiter mit Maultaschen traktierte. Speisen ist eine "Kultur der Begegnung". Über das Essen lässt sich die Globalisierung verstehen und der Wohlstand ermessen, in dem wir leben – aber auch die Verschwendung brandmarken.

Um zu einer Übersicht der Sendungen zu kommen, klicken Sie bitte hier.

Freitag, 26. November 2010

"Gastmahl Italienisch“ von Slow Food im Ömmes Hof

Update: Das Restaurant wurde am 29.6.2025 geschlossen.

Bruschette zum Entrée

Klein aber fein verlief das Slow-Food-Gastmahl Italienisch im Ömmes Hof in Herne. Ob es an der Hektik der in diesen Tagen ausbrechenden Vorweihnachtsszeit lag, leider fanden nur 12 Slowfoodies und Freunde den Weg zum fünften Menü der Reihe über die Küche des Ruhrgebietes, die das Convivium Mittleres Ruhrgebiet im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 veranstaltet. Somit sind die fünf Säulen der Ruhrgebietsküche „abgegessen“. Mit den Stammessen Rheinisch und Westfälisch wurden die historischen Wurzeln aufgezeigt, mit den Gastmahlen Polnisch, Türkisch und Italienisch die Einflüsse, die die Arbeitsimmigranten mitgebracht haben.
Der Ömmes Hof in Herne ist eines jener typischen italienischen Restaurants, die die Gastro-Szene im Ruhrgebiet prägen. Sie nehmen seit den 60er Jahren jenen Platz ein, der früher traditionell von den Lokalen mit deutscher bürgerlicher besetzt war. Andersherum ist in den verbliebenen deutschen Restaurants der Einfluss der italienischen Küche unübersehbar, sowohl bei den Gerichten und vor allem in der Art des Kochens.

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Patron Albino Freda, der den Ömmes Hof seit 1988 betreibt und eigentlich aus Kampanien stammt, hatte für das Gastmahl ein herbstliches, wärmendes Menü zusammengestellt. Zum Entrée gab es verschiedene Bruschette, geröstete Brotscheiben mit Tomaten, Schinken und Auberginen. Den ersten Gang bildete ein Risotto mit Steinpilzen, wie er in der Gegend um Rom gern gegessen wird. Zum Hauptgang gab es eine Spezialität aus dem Piemont: ein Ossobuco, löffelweich geschmort mit einer Orangensauce und hausgemachten Gnocchi, den kleinen Kartoffelklößchen, die sich so herrlich als Saucenträger eignen. Zum Nachtisch gab es ganz klassisch Pannacotta mit Früchten.
Bemerkenswert waren die Weine, die der Ömmes Hof im Angebot hatte. Das Ossobuco wurde perfekt von Barbera d’Alba des Bioweinguts Punset aus dem Jahr 2004 begleitet. Eine Entdeckung war auch ein sizilianischer Weißwein, ebenfalls Bio, aus der Rebsorte Cataratto, die auch gern für die Wermut-Herstellung benutzt wird. Der trockene Wein aus dem Jahr 2006 vom Weingut Bagliesi changierte in den verschiedensten Gemüse- und Frucht-Aromen.

Fröhliche Gesichter im Ömmes Hof