Dienstag, 27. Juli 2010

Essen: „Vincent & Paul“ im Museum Folkwang



"Vincent & Paul": Sauvignon Blanc in der 1/4-Liter-Karaffe

Wer die Namen Vincent und Paul mit Gastronomie in Verbindung bringen will, muss nicht mehr allein an jenes Café in Arles denken, das Vincent van Gogh so ausdrucksstark in grellem Gelb-Blau-Kontrast auf einem seiner berühmtesten Gemälde widergegeben hat und wo er mit Paul Gauguin so manchen Absinth getrunken haben mag. Seit Anfang des Jahres beherbergt das Museum Folkwang in Essen ein Lokal, das mit seinem Namen „Vincent & Paul“ auf vertrautem Fuß mit den beiden Maler-Heroen der frühen Moderne steht – die Sammlung des Museums ist schließlich die Heimat einiger ihrer wichtigsten Werke.

Museum Folkwang vor der Eröffnung

Das Museum Folkwang ist seit der Eröffnung des neuen eleganten Erweiterungsbaus am 30. Januar unangefochten das Highlight der Kulturhauptstadt RUHR.2010, 336.000 Besucher sahen bislang die Ausstellung „Das schönste Museum der Welt“. Bereits drei Tage zuvor hatte das „Vincent & Paul“ eröffnet, ein Restaurant, das mittags und nachmittags die Kulturtouristen mit ansprechender Verpflegung versorgt, abends jedoch gehobene Gourmetküche anbietet. Die Verantwortung trägt der der extra aus München nach Essen gekommene Starkoch Frank Heppner, der seine Meriten u.a. bei Eckart Witzigmann in der „Aubergine“ und im fernen Osten, in Süd-Korea, auf den Philippinen und in Hong Kong, erworben hat.

Wie schwierig dieser konzeptionelle Spagat im Kulturhauptstadtjahr mit seinem Run auf das Museum Folkwang zu bewerkstelligen ist, konnte der Genießer letzte Woche am eigenen Leib erleben. Als er abends nach sechs, also zur Gourmetzeit, bei immer noch gut 30 Grad etwas hemdsärmelig gekleidet, mit bequemem Schuhwerk versehen und großer Fototasche behangen, die Terrasse des „Vincent & Paul“ betreten wollte, wurde er von der Service-Chefin angehalten, doch erst einmal einen Blick in Speisekarte zu werfen, damit er wisse, was ihm da blüht. Doch als ich der Dame die Gewissheit verschaffen konnte, dass mir klar sei, im welch einem Preisbereich das Lokal spiele, konnte ich im klimatisierten Gastraum Platz nehmen. Von dort aus ließ sich ungestört durch die Glasfront die Terrasse beobachten, auf der sich ein kunstbeflissenes Metropolen-Publikum traf, das der Genießer eher in Düsseldorf vermutet hätte.

Den nervösen Kellnern war die Hitze des Tages anzusehen. 80 Personen auf der Terrasse und zwei Gesellschaften mit fast 100 Personen in den Räumen des Museums seien zu bedienen, gab man dem Genießer Auskunft. Der Laden brummte, und da war es kein Wunder, dass so eine angespannte Atmosphäre herrschte.

Frank Heppner

Dem Essen war dieser Stress nicht anzumerken, handwerklich war es tadellos. Schon bei der Lektüre der Speisekarte wurde deutlich, dass Frank Heppner als „Begründer der euro-asiatischen Küche gilt“, wie es auf der Internetseite des Restaurants heißt. Der Genießer bestellte das Abendmenü (4 Gänge, 59 Euro), und bei den Geschmacksnuancen von Zitronengras, Ingwer und Kokosmilch, die ihm bislang eher aus den Besuchen in thailändischen Restaurants vertraut waren, musste er daran denken, dass Berthold Bühler vor über 15 Jahren in der Kettwiger „Résidence“ mit dem Zweitrestaurant „Benedikt“ den asiatischen Aromen huldigte.

Abendmenü
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken.)

Als Amuse gueulle (1) gab es ein feines Thunfischtatar, ergänzt durch ebenfalls sehr feine Steinpilz-Variationen in Form einer Mousse und eine Gelees. Diese Aromen wurden im ersten Gang wieder aufgenommen, einem Calamaresragout mit Steinpilzcarpaccio, Ingwer, Mango, Trauben und Zitronengras (2). Der Zwischengang war eine erquickende Erfrischung: eine Melonensüppchen, verfeinert mit Minze (3). Das leitet zum Hauptgang über, der gekonnt mit asiatischer und französischer Gourmetküche sowie regionalen Zutaten spielte: gegrilltes Filet vom St. Pierre an Garnelen-Gemüse-Sauté und Safran-Graupen (4). Zu dieser globalisierten Aromenkombination passte der offen ausgeschenkte 2009 Sauvignon blanc von Blankenhorn (1/4l 7,50 Euro) ausgezeichnet. Zum Dessert wurde schließlich eine Limonentarte mit einem Erdbeer-Shouter gereicht (5).

Als der Genießer das Lokal verließ, war die Anspannung von allen Mitarbeitern spürbar abgefallen und einer entspannten Fröhlichkeit gewichen. Charmant plaudernd verabschiedete sich die Servicechefin vom Genießer und äußerte sogar die Hoffnung, ihn bald wiederzusehen.

Kommentare:

  1. Es ist komisch ! Seit Monaten spreche ich bei Gelegenheit Bekannte und Kunden auf Ihre Erfahrungen im „Vincent und Paul „ an. Das Lokal war mir bei der Eröffnung des Museums aufgefallen. Es kommt im günstigsten Fall : „Da gehe ich nicht mehr hin „ Der von Ihnen geschilderte Eindruck ( unfreundliche, überforderte, arrogante Servicekräfte bei dann doch sehr gutem Essen ) zieht sich durch alle Gespräche. Ich gehe weiterhin mittags ins Wallberg und freue mich abends über Restaurants mit Top Service und gutem Essen. z.B. Villa Kunterbunt (www.essensfreude.de)

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  2. Das soll vielleicht ein Stückchen München sein... das kennen wir hier ja nicht... gehört bestimmt zum Konzept!

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