Montag, 23. August 2010

Acqua alta am Sonntag: Süßer Bellini




Klassisch wird der Cocktail Bellini, wie er in „Harry’s Bar“ in Venedig erfunden wurde, mit Prosecco zubereitet, aber es wird auch häufig Champagner genommen. Die wahren Spezialisten nehmen aber Fragolino, einen Frizzante aus dem Veneto, der aus der in der Europäischen Union weitgehend verbotenen Rebsorte Uva fragola gekeltert wird und ein starkes Erdbeeraroma aufweist. All das hatte der Genießer gestern nicht zur Hand, und so goss er kurzerhand das pürierte Fruchtfleisch vom weißen Weinbergspfirsich mit dem wunderbaren Moscato D’Asti von Michele Chiarlo auf, der schon neulich zur pikanten Pfirsichsalsa zum Zitronenrisotto gepasst hatte – und fertig war der betörende Cocktail.

Dieser süße Bellini war der Nachtisch zu einem unkomplizierten Menü, das gegen das acqua alta auf dem Balkon ankämpfen sollte, das in diesem August durch sturzbachähnliche Wolkenbrüche anscheinend zur sonntäglichen Tradition wird. Als Vorspeise gab es etwas, was genauso betörend schmeckte und so simpel zuzubereiten war wie der Bellini: eine vollreife Charentais-Melone mit Parma-Schinken.


Hauptgang war ein dickes Rinderkotelett von Metzger Gläser, das für zwei reichte. Der deftige Rindsgeschmack wurde von einer leicht salzigen Sardellenbutter unterstützt und überzeugte; allein das Fleisch war recht kernig am Zahn (was wohl die Strafe fürs unkonzentrierte Braten war). Aber so passte immerhin der 1998er Remelluri fantastisch dazu, ein in die Jahre gekommener spanischer Hagestolz aus Rioja, der aber noch von zäher Kraft beseelt war.

Nicht weniger perfekt ergänzten die "Pomodori alla siciliana" nach einem Rezept der Volksküche das Rindfleisch – und zwar nicht nur, weil der Genießer dafür Tomaten der Sorte Cœur de bœuf verwendete. Von den Tomaten schnitt er eine Kappe ab und holte das Fruchtfleisch heraus, das er klein hackte. Für die Füllung briet er in einer Pfanne Zwiebelwürfel mit Sardellen an, tat das Fruchtfleisch der Tomaten und feingehackten Knoblauch dazu und schmorte alles, bis die Flüssigkeit verdampft war. Nach einer Zeit tat er noch gehackte Oliven, Kapern und Petersilie dazu. In einer zweiten Pfanne röstete der Genießer Semmelbrösel in etwas Olivenöl an, bis es schön braun war, mischte geriebenen Parmesan dazu und hob das unter die Füllung. Dann füllte er damit die Tomaten, setzte die Kappe auf und gab sie für 20 Minuten bei 180 Grad in den Backofen.

Kommentare:

  1. herrlich, herrlich: warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah, fragt man sich da. Weindeuter is back...

    AntwortenLöschen
  2. Da wäre ich gerne mal Gästin. Sieht köstlich aus.

    AntwortenLöschen
  3. Herzlichen Glückwunsch für diese köstliche Erfahrung. Es war eine gute Wahl!

    AntwortenLöschen