Montag, 1. September 2014

Aus dem Archiv: Oekey - Kulinarische Mission: Ente

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Das Restaurant gibt es nicht mehr. Das Haus ist abgerissen.


Wer in den letzten Jahren die alljährliche Eröffnung von „Bochum kulinarisch“ miterlebt hat, kennt Helmut Wicherek, jenen jovialen älteren Herrn, der als echter Bochumer Honoratior so gern gemeinsam mit OB Dr. Ottilie Scholz die Gourmetmeile eröffnete. Noch imposanter als Wichereks buschiger Schnauzbart sind die breiten Revers seiner dunklen Kochjacke, auf denen unzählige Anstecker in Entenform blinken wie die Orden auf der Brust eines Schützenkönigs. Die Ente ist schließlich die kulinarische Mission im Hotel-Restaurant Oekey, das Wicherek und seine Frau Else seit nunmehr 27 Jahren führen. Nach Art des Hauses mit Honig-Limettensauce, halbiert und gegrillt, ist sie ein Klassiker auf „Bochum kulinarisch“. Mit Tagesgemüse und Kroketten kostet die Portion im Restaurant 16,20 Euro oder mittwochs, beim Entenmenü, 15,50 Euro.

Im Lauf der Zeit hat sich das Haus an der Universitätsstraße zu einer Art guten Stube für die Anwohner der Wohngebiete zwischen Innenstadt und Ruhr-Uni entwickelt. Als ich für den Testbesuch den 70-er-Jahre-Bau an einem Mittwochabend betrat und von der Chefin an einen Platz neben der Vitrine mit den putzigen Hummelfiguren geführt wurde, fühlte ich mich in eine Welt von familiärer Behaglichkeit versetzt. Zahlreiche ältere Stammgäste wurden vom Chef persönlich begrüßt. An größeren Tafeln fanden gleich zwei Familienfeiern statt, und der Oberkellner bekam einmal mehr eine Digitalkamera in die Hand gedrückt, um ein Gruppenbild der Gesellschaften zu machen.

Gutbürgerliche Gerichte sind es, die bei Oekey ganz traditionell, aber mit guten Zutaten angeboten werden. Es gibt Iberico-Schwein, als Duett von Filet-Medaillons und geschmorten Bäckchen mit mediterranem Gemüse und Fenchel Kartoffel-Krapfen (19,40 Euro), Kotelett vom Duroc-Schwein mit Schmorgemüse, Kräuterkartoffeln und Jus (18,90 Euro) oder Filetsteak vom Angusrind mit Gorgonzolasauce, gebratenen Pilzen, Rösti und buntem Salatteller (23,60 Euro), und immer gibt es eine passende Weinempfehlung dazu.

Doch mir ging es ja um die Ente. Die populäre süß-saure Version „Haus Oekey“ kannte ich ja schon von „Bochum kulinarisch“, Entensülze oder Entenbratwurst waren mir als Gerichte zu klein, also entschied ich mich für „Ente „Provençale“. Bis auf den Keulenknochen war die halbe Ente komplett ausgelöst, so dass das Essen mit Messer und Gabel keine Probleme machte. Die Haut war knusprig, das Fleisch saftig und wies neben dem typischen Entengeschmack auch die Aromen der provenzalischen Kräuter auf, mit denen es gewürzt war. Dazu gab es stilecht eine Ratatouille aus geschmorten Paprika, Tomaten und Zucchini, sowie ein Kartoffelgratin – für 16,20 eine tadellose Mahlzeit. Dazu hatte ich mir einen südfranzösischen Wein gewünscht. Ich bekam ein Glas Merlot, der mehr als passabel war (0,25-l-Karaffe 5 Euro).
Als Vorspeise hatte ich eine kalte Gurkencrèmesuppe mit Nordseekrabben und Creme Fraîche (4,60 Euro) bestellt, die ganz unprätentiös in einer gängigen Suppentasse serviert wurde, schön erfrischend war und ordentlich Einlage enthielt. Zum Nachtisch gab’s Walnusseis mit heißen Brombeeren (5,50 Euro). Kurz und gut: Ich hatte gut und nicht zu teuer gegessen.
-kopf

44799 Bochum-Wiemelhausen, Auf dem Alten Kamp 10

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