Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015"
Das Restaurant gibt es nicht mehr.
Nachmittags gegen fünf, wenn die Büros in der Bochumer Innenstadt Feierabend machen und sich alles noch einmal zum Shoppen trifft, geht es auch in der Trattoria San Marco rund. Zahlreiche Stammgäste kommen auf eine Pizza, einen Teller Pasta oder auch ein bistecca herein, trinken einen Prosecco oder Espresso und werden vor allen Dingen mit einem bacino begrüßt. Der vertraute Umgang mit den Gästen kommt nicht von ungefähr. Die Familie Mansutti gründete die Trattoria San Marco immerhin schon 1998, als ihre gleichnamige Eisdiele schräg gegenüber bereits seit 26 Jahren existierte. Auch wenn die Besitzverhältnisse ab und an wechselten, der familiäre Geist ist nach wie vor überall zu spüren.
So komme ich mir durchaus ein bisschen fremd vor, als ich beim Testbesuch noch ein Plätzchen ergattere, von dem ich zwar durchs Schaufenster einen schönen Blick auf das muntere Treiben auf der Huestraße habe, aber mit dem Rücken zum Gastraum sitze, wo anscheinend der Teufel los ist. Luisa, die resolute Oberkellnerin, legt mir die Karte hin, und ich finde eine große Auswahl an Pizze, deren Spezial-Exemplare mit Namen berühmter italienischer Persönlichkeiten versehen sind: „Leonardo da Vinci (13,50 Euro) ist mit Paprika, Parmaschinken, Gorgonzola, Tomatenscheiben, Mozzarella, Rucola und frisch gehobeltem Parmesan belegt, „Galileo Galilei“ (12 Euro) mit Paprika, Parmaschinken, Gorgonzola, Tomatenscheiben, Mozzarella, Rucola und ebenfalls frisch gehobeltem Parmesan.
Die Fleischgerichte sind nicht übel. Im Augenwinkel sehe ich, wie einer schlanken Shopping-Queen, die von allerlei eleganten Einkaufstüten umgeben ist, das Rinderfilet mit feinen Kräutern (23,50 Euro) gebracht wird. Mindestens vier Finger dick, außen knusprig-braun, innen von idealem rosa, läuft beim Anschneiden der Bratensaft nur so heraus. Super.
Leider finde ich in der Speisekarte nicht die Tagesempfehlungen, die beim Eintreten mit einem halben Auge auf einer Tafel überflogen hatte. Pflichtgemäß memoriert Luisa die Gerichte, und ich hake bei „Burrata auf Linsengemüse“ (8,50 Euro) ein. Das ist die Vorspeise, die ich mir wünsche. Burrata ist ein Säckchen mit aus Mozzarella, das mit einer Vorstufe dieses Frischkäses gefüllt, und ein herrlich buttriges Vergnügen. Vielleicht hätte sie hier ein wenig frischer sein können. Das Linsengemüse ist gut gesalzen und, ich vermute, mit Aceto balsamico kräftig süßsauer abgeschmeckt.
Als Hauptgang wähle ich einen Klassiker, „Fegato alla Veneziana“ (16,50 Euro). Die Kalbsleber ist mit Zwiebeln und Salbei schön zart geschmort, als Beilage gibt es Gnocchi, die sich bestens dazu eignen, die Sauce aufzutunken. Doch auch hier verdeckt etwas zu viel Salz das schöne Aroma des Salbeis. Wenn so etwas passiert, heißt es, sei der Koch verliebt. Also das gönne ich ihm das von Herzen und esse problemlos meinen Teller leer. Ein Glas Chianti Classico (0,2 l 5,70 Euro) und eine Zitronen-Panna-Cotta zum Nachtisch (4 Euro) stimmen mich schließlich milde.
Mittlerweile hat auch die figurbewusste Dame am Nebentisch die Hälfte ihres Rinderfilets geschafft. Kurzerhand bittet sie, den Rest zum Mitnehmen einzupacken und geht erst einmal vor die Tür, um an den Outdoor-Tischen einen Espresso zu trinken und eine zu rauchen.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.
Nachmittags gegen fünf, wenn die Büros in der Bochumer Innenstadt Feierabend machen und sich alles noch einmal zum Shoppen trifft, geht es auch in der Trattoria San Marco rund. Zahlreiche Stammgäste kommen auf eine Pizza, einen Teller Pasta oder auch ein bistecca herein, trinken einen Prosecco oder Espresso und werden vor allen Dingen mit einem bacino begrüßt. Der vertraute Umgang mit den Gästen kommt nicht von ungefähr. Die Familie Mansutti gründete die Trattoria San Marco immerhin schon 1998, als ihre gleichnamige Eisdiele schräg gegenüber bereits seit 26 Jahren existierte. Auch wenn die Besitzverhältnisse ab und an wechselten, der familiäre Geist ist nach wie vor überall zu spüren.
So komme ich mir durchaus ein bisschen fremd vor, als ich beim Testbesuch noch ein Plätzchen ergattere, von dem ich zwar durchs Schaufenster einen schönen Blick auf das muntere Treiben auf der Huestraße habe, aber mit dem Rücken zum Gastraum sitze, wo anscheinend der Teufel los ist. Luisa, die resolute Oberkellnerin, legt mir die Karte hin, und ich finde eine große Auswahl an Pizze, deren Spezial-Exemplare mit Namen berühmter italienischer Persönlichkeiten versehen sind: „Leonardo da Vinci (13,50 Euro) ist mit Paprika, Parmaschinken, Gorgonzola, Tomatenscheiben, Mozzarella, Rucola und frisch gehobeltem Parmesan belegt, „Galileo Galilei“ (12 Euro) mit Paprika, Parmaschinken, Gorgonzola, Tomatenscheiben, Mozzarella, Rucola und ebenfalls frisch gehobeltem Parmesan.
Die Fleischgerichte sind nicht übel. Im Augenwinkel sehe ich, wie einer schlanken Shopping-Queen, die von allerlei eleganten Einkaufstüten umgeben ist, das Rinderfilet mit feinen Kräutern (23,50 Euro) gebracht wird. Mindestens vier Finger dick, außen knusprig-braun, innen von idealem rosa, läuft beim Anschneiden der Bratensaft nur so heraus. Super.
Leider finde ich in der Speisekarte nicht die Tagesempfehlungen, die beim Eintreten mit einem halben Auge auf einer Tafel überflogen hatte. Pflichtgemäß memoriert Luisa die Gerichte, und ich hake bei „Burrata auf Linsengemüse“ (8,50 Euro) ein. Das ist die Vorspeise, die ich mir wünsche. Burrata ist ein Säckchen mit aus Mozzarella, das mit einer Vorstufe dieses Frischkäses gefüllt, und ein herrlich buttriges Vergnügen. Vielleicht hätte sie hier ein wenig frischer sein können. Das Linsengemüse ist gut gesalzen und, ich vermute, mit Aceto balsamico kräftig süßsauer abgeschmeckt.
Als Hauptgang wähle ich einen Klassiker, „Fegato alla Veneziana“ (16,50 Euro). Die Kalbsleber ist mit Zwiebeln und Salbei schön zart geschmort, als Beilage gibt es Gnocchi, die sich bestens dazu eignen, die Sauce aufzutunken. Doch auch hier verdeckt etwas zu viel Salz das schöne Aroma des Salbeis. Wenn so etwas passiert, heißt es, sei der Koch verliebt. Also das gönne ich ihm das von Herzen und esse problemlos meinen Teller leer. Ein Glas Chianti Classico (0,2 l 5,70 Euro) und eine Zitronen-Panna-Cotta zum Nachtisch (4 Euro) stimmen mich schließlich milde.
Mittlerweile hat auch die figurbewusste Dame am Nebentisch die Hälfte ihres Rinderfilets geschafft. Kurzerhand bittet sie, den Rest zum Mitnehmen einzupacken und geht erst einmal vor die Tür, um an den Outdoor-Tischen einen Espresso zu trinken und eine zu rauchen.
-kopf
Huestr. 5, 44787 Bochum
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