Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Das Restaurant steht seit 2016 unter neuer Leitung.
Nachdem im Frühjahr 2014 bereits das Gerüst vor dem freigelegten Fachwerk wenig einladend wirkte, war das Alte Brauhaus Rietkötter in den Sommerferien wegen einer tiefgreifenden Fassadensanierung einige Zeit sogar ganz geschlossen. Doch jetzt können Udo Rogge und seine Frau Sabine aufatmen, ihr denkmalgeschütztes Juwel aus dem 18. Jahrhundert ist schöner denn je.
Innen hat sich dabei nichts geändert, wozu auch. Das historisch-biedermeierliche Ambiente des ältesten Hauses in der Bochumer Innenstadt ist von eleganter Leichtigkeit, die humoristischen Wandbemalungen sind zum Teil mit Plexiglasscheiben geschützt wie die antiken Fresken in mittelalterlichen Kirchen. Diese gediegene Gemütlichkeit wird von den unterschiedlichsten Gästen geschätzt, wie ich bei einem Besuch am späten Sonntagnachmittag bemerken konnte. Neben mir tafelte eine Familie mit Kindern und Großeltern, den Hinterraum bevölkerte schon bald ein Trüppchen junger japanischer Studenten, die mit ihren Manga-Blicken die deutsche Atmosphäre genossen.
Bei der lokalen Tradition des Hauses ist es klar, dass das Angebot sich gutbürgerlich und regional gibt. Auf dem Tresen lockt der Bierbrand von Moritz Fiege oder der Kräuterlikör „Bochumer Grubenfeuer“ von Meyerhof, auf der Speisekarte werden regionale Erzeuger wie Sondermann beim Ziegenkäse, Bauer Kammesheidt beim Lammfleisch oder Bauer Schönewald bei den Kartoffeln ausdrücklich hervorgehoben. Letzteren ist sogar eine eigene kleine „Erdäpfel“-Karte gewidmet. Die gelben Knollen werden z.B. mit Matjes (13,90 Euro), Schweinefiletspitzen (18,90 Euro) oder Roastbeefscheiben (21,90 Euro) serviert.
Gutbürgerlich sind denn auch die Gerichte, die Udo Rogge auf den Tisch bringt, und dabei wird auch vor deftigen Schmorbraten nicht Halt gemacht. Leider war der Westfälischer Sauerbraten mit Altbier-Rübenkrautsauce, hausgemachtem Apfelrotkohl und Kartoffelklößen (21,90 Euro) alle, und so wich ich fürs Testessen auf die geschmorten Bäckchen vom Iberico-Schwein mit Petersilien-Püree und Marktgemüse (23,90 Euro) aus. Das Gemüse war schön knackig und das Fleisch löffelweich wie es sich gehört. Allerdings fand ich es etwas sehr salzig, was daran gelegen haben mag, dass die Bäckchen ursprünglich gepökelt und geräuchert waren. Als Weinbegleitung hatte man mir einen kräftigen Rioja empfohlen, doch ich entschied mich für einen leichteren badischen Rotwein, den Zwulcher vom Öko-Weingut Gretzmeier (0,2-l-Glas 6,95 Euro), mit dem ich das Salz prima wegspülen konnte.
Als Vorspeise gab es einen Ausflug ins Mediterrane, der heutzutage bei der deutschen Küche unbedingt dazu gehört, eine andalusische Tomatensuppe (7,90 Euro). Sie war deftig-sämig, so dass man die Tomatenbestandteile noch erkennen konnte. Als Beilage gab es dazu kross angebratene Gambas und scharfe Chorizo-Scheiben – klasse.
Zum Nachtisch gönnte ich mir schließlich einen Rietkötter-Klassiker, den hausgemachten Apfelstrudel mit Bourbon-Vanilleeis und –sauce (7,95 Euro – dass auf der Annoncentafel vorm Haus und im Internet „Bonbon-Vanille“ steht, vergessen wir mal). Mit einem Tässchen entkoffeinierten Kaffee (2,20 Euro) war die warme Blätterteigspezialität ein würdiger Abschluss für das bodenständige Menü.
-kopf
44787 Bochum-City, Große Beckstraße 7
Fon 02 34. 54 60 50 51
tägl. 12-23 Uhr
https://www.brauhaus-rietkoetter.de/
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