Donnerstag, 9. Februar 2023

Urbane Landhausküche: Tarte Tatin von der Möhre mit Piment d’espelette und Ziegenfrischkäse-Honig-Thymian-Dip (vegetarisch)


Und wieder war es ein Foto auf Instagram, das mich zu einem kulinarischen Bastelnachmittag anregte. Diesmal ging es um eine Tarte Tatin von der Möhre, eine Idee, die mich sofort begeisterte. Anstelle der karamellisierten Äpfel, die beim klassischen, mit dem Teig oben auf den Früchten gebackenen und dann gestürzten Kuchen der Geschwister Tatin Verwendung finden, waren es hier karamellisierte Möhren, was dem Ganzen ein großartige pikante Note gab.

Darüber hinaus war es aber die optisch gelungene Präsentation, die mich inspirierte. Erstens war das Ganze eckig anstatt rund, wie man es bei einer Tarte vermuten sollte. Und statt ganze kleine Möhren zu verwenden oder dickere in runde Scheiben geschnittene, waren hier dicke Möhren zu länglichen dünnen Planken aufgeschnitten und auf der Seite stehend angeordnet, so dass sie fertig gebacken und gestürzt die blättrige Struktur des als Teigboden fungierenden, aufgegangen Blätterteigs widerspiegelten. Also: Herausforderung angenommen. 

Zutaten: Möhren, Zwiebel, Zucker, Honig, Blätterteig, Piment d'espelette

Teiggrundlage sollten handelsübliche Tiefkühlblätterteigplatten sein, die eine Seitenlänge von 13 Zentimeter haben. Um der ganzen Sache die nötige Form zu geben, wär es schön wäre es gewesen, wenn ich einen Dessertrahmen in dieser Größe gehabt hätte. Aber ich musste mich mit einem runden Eisenpfännchen von 16 Zentimeter Durchmesser begnügen. Also schnitt ich die aufgetauten Teigplatten auf 10 Zentimeter zurecht, sodass ich ohne anzuecken in die Pfanne passten.

In gleichmäßige Planken geschnittene Möhren

Ich hatte mir mehrere dicke, gerade gewachsenen Möhren besorgt, die ich zu quadratischen, ca. 1,5 Zentimeter dicken Bohlen von ebenfalls 10 Zentimetern Länge zurecht schnitt. Diese Bohlen schnitt wiederum sorgfältig in 2 Millimeter dicke Planken. Damit die optische Wirkung des Ganzen erhalten blieb, entschloss ich mich, diese Planken nicht direkt in der Pfanne zu karamellisieren, sondern kurz zu blanchieren und das Karamell separat herzustellen. Das geschah, indem ich in relativ viel Butter eine fein geschnittene Zwiebel weich dünstete und dazu noch Honig und Zucker gab und mit Pfeffer und Salz würzte. Für eine feine Schärfe sorgte Piment d’espelette, das Chili-Pulver aus dem Baskenland.

Eckige Tarte im runden Pfännchen, bevor der Blätterteig drüber kam.

Mein Pfännchen präparierte ich so, indem ich ein Stück Backpapier rund zuschnitt, dass es den Boden bedeckte. Darauf verstrich ich etwas Honig, und gab Thymianblätter und etwas Salz darauf. Hierauf konnte ich nun eng nebeneinander die blanchierten Möhrenplanken festkleben und seitwärts mit zwei langen Möhrenverschnittstücken stabilisieren. Darauf gab ich die gedünsteten Zwiebeln und goss die überschüssige Butter langsam darüber, damit sie zwischen die Planken sickern konnte. Zum Schluss legte ich zwei Platten Blätterteigplatten darüber und backte das Ganze ca. 20 Minuten, bis der Blätterteig aufgegangen und schön gebräunt war. Stürzen ließ sich das Ganze dann recht einfach, denn wegen des Backpapiers blieb nichts kleben. Die Stabilsierungsstützen an den Seiten konnte ich problemlos wegnehmen (und aufessen).

Dazu machte ich noch einen Dip aus Ziegenfrischkäse, Honig und Thymian und hatte damit einen chicen, leckeren Snack. Mehr als eine Portion hatte ich allerdings nicht fertig gebracht, denn es waren gar nicht genug Möhren da. Was ich unterschätzt hatte: beim Zurechtschneiden blieb eine Menge Verschnitt übrig. Doch den verputzte ich einfach roh zwischendurch.


Rezept: Tarte Tatin von der Möhre
1 Portion

2 TK-Blätterteigplatten, 13 cm im Quadrat
3 dicke Möhren, 13 cm lang
1 kleine Zwiebel
Honig
Zucker
50 g Butter
Piment d’espelette oder Paprikapulver edelsüß
Salz, Pfeffer

Blätterteigplatten auftauen.
Möhren zu quadratischen Balken von 1,5 Zentimeter schneiden.
Blätterteig und Möhrenbalken auf eine für die Form (kleine Pfanne) passende Länge schneiden.
Zwiebel in feine Streifen schneiden.

Möhrenbalken in gleichmäßige, 2 Millimeter dicke Planken schneiden und 2-3 Minuten in kochendem Salzwasser blanchieren. Unter kaltem Wasser abschrecken.

Ein Stück Backpapier zurechtschneiden, dass es den Boden der Form bedeckt. Das Papier dünn mit Honig bestreichen und etwas salzen und mit Piment d‘espelette bestreuen Die Möhrenplanken mit den schmalen Seiten dicht an dicht darauf setzen und etwas festkleben, damit sie nicht umfallen. Seiten eventuell mit Möhrenverschnitt abstützen.

Butter in einer zweiten Pfanne auslassen und die Zwiebeln darin weich dünsten. Honig, wenig Zucker und etwas Salz dazugeben und alles karamellisieren lassen. Die Zwiebelstreifen auf den Möhrenplanken verteilen, überschüssige Karamellbutter langsam darüber gießen, damit sie zwischen die Planken sickern kann. Mit Piment d’espelette bestreuen. Alles mit zwei aufgetauten Blätterteigplatten belegen und nach Packungsvorschrift 20 Minuten im auf 210 Grad vorgeheizten Ofen backen, bis der Teig aufgegangen und braun geworden ist.

Aus dem Ofen nehmen, etwas warten und auf einen Teller stürzen. Backpapier von der Oberfläche abziehen, Stabilisierungsstützen an den Seiten entfernen.

Für den Dip:
2 EL Ziegenfrischkäse
1 TL Honig
1 TL Rapsöl
Thymian
Pfeffer, Salz

Ziegenfrischkäse, Honig und Rapsöl miteinander verrühren, mit Thymian, Pfeffer und Salz würzen.

Weitere Tarte-Tatin-Rezepte auf Genussbereit
Tarte Tatin mit Birnen klick hier
Tartelette Tatin von der Roscoffzwiebel klick hier
Tarte Tatin Surprise nach Yotam Ottolenghi klick hier
Tarte Tatin Surpise frei nach Yotam Ottolenghi mit Tomaten, Kartoffeln und Spargel klick hier

1 Kommentar:

  1. Satanarchäolügenialkohöllisch sensationell. Kolossal kunstvoll. Wow.

    AntwortenLöschen