Montag, 20. April 2020

Corona-Küche: Flammkuchen mit zweierlei Spargel, Prosciutto crudo, Ziegenfrischkäse, Estragon, Orange und Pesto

Als ich vor dem Wochenende nach zweiwöchiger Freiwilliger Corona-Isolation mal wieder im Supermarkt stand, wusste ich gar nicht s recht, was ich eigentlich hamstern sollte. Tatsächlich kaufte ich etwas, was ich noch nie gekauft hatte: eine Packung fertigen Flammkuchenteig.

Belegen wollte ich ihn mit Spargel. In der Gemüseabteilung gab es nämlich welchen von Hof Umberg in Kirchhellen. Auf Hof Umberg läutet alljährlich zu Pfingsten das Spargel-Gourmet-Festival (klick hier) die Gourmetmeilensaison ein. In diesem Jahr wird diese sommerlich Leistungsschau der Gastronomie in den Ruhrgebietsstädten wohl ausfallen, zum Schutz vor Corona-Ansteckung dürfen mindestens bis zum 30. August keine Großveranstaltungen stattfinden.

Zwei Sorten Spargel

Also gab es schon mal eine kleines Spargel-Gourmet-Festival auf meinem heimischen Balkon. Inspirieren ließ ich mich dazu von zwei bewährten Rezepten, der Spargeltarte nach Genießerart (klick hier) und dem Orangenspargel aus dem Ofen (klick hier), die ich für einen Flammkuchenbelag abwandelte.Zudem hatte ich noch etwas dünnen grünen Spargel aus Italien bekommen, Asparagina.

Der Teig wurde gleich auf dem Blech auf Backpapier
ausgerollt und belegt.

Auch den Teig machte ich schließlich selbst. Ich hatte noch ein paar Eier vom Biohof von Ostern, und die musste schließlich langsam weg. Ich fand ein Rezept mit 1 Eigelb für 2 Flammkuchen ohne Hefe, und der Teig gelang mir ganz gut. Der erste Flammkuchen wurde auch schön knusprig, war aber ziemlich hart, dass es zwischen den Zähnen nur so krachte. Für den zweiten knetete ich einfach eine Messpitze Backpulver in den Teig ein, ließ ihn noch einmal ruhen, und das Ergebnis war genauso knusprig, nur viel lockerer. Allerdings: beide Teige hätte ich noch viel, viel dünner ausrollen sollen.

Und Trotzdem: Das Ergebnis waren zwei herrliche Flammkuchen, deren Belag in wilden, sommerlichen Farben leuchteten wie ein expressionistisches Gemälde und die wunderbar schmeckten.

Und die Packung mit dem Fertigteig? Die liegt immer noch im Kühlschrank. Sie hat schließlich ein Haltbarkeitsdatum bis Ende Mai.

Flammkuchen 1

Flammkuchen 2

Rezept: Flammkuchen mit zweierlei Spargel, Prosciutto crudo. Ziegenfrischkäse, Estragon, Orange und Pesto
Ergibt 2 Flammkuchen

Teig:
220 g Mehl
1 Eigelb
3 EL Olivenöl
½ TL Salz
1 Msp Backpulver

Auflage:
10 Stangen weißer Spargel
10-14 Stangen grüner Spargel
4 dünne Schreiben luftgetrockneter Schinken
100 g Ziegenfrischkäse
100 g Joghurt, ev. auch von der Ziege
1 EL Blätter vom Französischen Estragon
Schalenabrieb von einer Bio-Orange
½ TL Senf
½ TL Zitronensaft
Pfeffer, Salz, Zucker
4 dünne Scheiben von einer Bio-Orange
4-6 TL Pesto (Rezept hier), evtl. mit etwas Wasser verdünnt

Für den Teig alle Zutaten miteinander verkneten und mindestens eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur zugedeckt ruhen lassen.

In der Zwischenzeit Ziegenfrischkäse und –joghurt zu einer dickflüssigen Sauce verrühren. Gehackte Estragonblättchen unterheben. Mit Orangenschalenabrieb, Senf, Zitronensaft, Pfeffer, Salz und Zucker abschmecken.

Weißen Spargel und ggf. auch den grünen schälen und in einer heißen Grillpfanne mit Zucker und Salz anbraten und karamellisieren.

Schinkenscheiben in mundgerechte Stücke zupfen.

Den Teig in zwei Stücke schneiden und je einen Flammkuchen herstellen. Dazu ein passend zugeschnittenes Stück Backpapier auf ein Backblech legen. Ein Stück Teig drauf legen, flach drücken, mit einem großen Stück Frischaltefolie bedecken und ganz dünn ausrollen. Frischhaltefolie abziehen. Die Hälfte der Frischkäsesauce darauf verteilen. Mit der Hälfte der Schinkenstücke belegen. Die Hälfte des weißen und grünen Spargels darauf verteilen und zwei Orangenscheiben darauf geben. Im auf 200 Grad vorgeheizten Backofen auf der zweiten Schiene von unten 20 Minuten backen, bis der Teig schön braun und knusprig ist. Fertig gebackenen Flammkuchen auf ein Servierbrett geben und mit 2 – 3 TL Pesto beträufeln.
Den zweiten Flammkuchen genauso herstellen.
Evtl. kann man beide gleichzeitig herstellen, in dem man zwei Bleche vorbereitet und gleichzeitig mit Umluft backt.



 Expressionistische Impressionen

Samstag, 18. April 2020

#trostkochen: Teil II der Foodblogger-Soli-Rezeptsammlung für Zusammenhalt und Appetit: USA

Peggy Schatz vom Blog "zunehmend wild" (klick hier) hat angesichts der Corona-Krise unter dem Hashtag #trostkochen eine "Foodblogger-Soli-Rezeptsammlung für Zusammenhalt und Appetit" für die am meisten vom Virus gebeutelten Länder angelegt. Jetzt erschein Teil II: USA.

Vom Genießer ist das Chili con carne mit Speigelei sunnyside up, dass er auf eine Reise durch Texas mit Der Karl-May-Gesellschaft kennen gelernt hat. Klick hier.

Hier geht es zu gesamten Liste mit USA-Rezepten. Klick hier.

Dienstag, 14. April 2020

Ostermenü 2020 komplett: Kardamom-Rhabarber mit Ziegenfrischkäse-Crème zum Dessert

Für das diesjährige Ostermenü fehlte nur noch das Dessert. Hier das Rezept.

Rezept: Kardamom-Rhabarber mit Ziegenfrischkäse-Crème zum Dessert

500 g Rhabarber
3 Kapseln Kardamom
1 Stückchen Vanillestange
evtll. wenig Chilipulver
5 EL Zucker
0,1 l Apfelsaft
1 guter Schuss Orangenlikör
1 TL Yuzu- oder Limettensaft
3 EL Ziegenfrischkäse
3 EL Quark
Gehackte Pistazien und Lavendelblüten zur Garnitur

Rhabarber putzen und in1 Zentimeter große Stücke schneiden. Mit dem Zucker bestreuen und eine Stunde Saft ziehen lassen. Kardamom-Kapseln knacken und die Körner heraus holen.
Rhabarber samt Saft mit Kardamom-Körnen, Vanillestange und Yuzu-Saft in Apfelsaft und Orangenlikör aufkochen und dann eine Viertelstunde ziehen lassen, bis der Rhabarber gar ist, aber nicht ganz zerfallen ist. Eventuell nachzuckern. Auskühlen lassen.
Ziegenfrischkäse und Quark mit 1-2 Tl Apfelsaft verrühren. Rhabarber-Zubereitung unterrühren. In Gläser füllen und mit gehackten Pistazien und Lavendelblüten dekorieren.


Das Ostermenü 2020 im Überblick


In Corona-Zeiten zur „freiwilligen Isolation“ verdonnert, war in der Woche zwischen Palmsonntag und Ostermontag Zeit genug, ein Ostermenü zu kochen. Und vor allen Dingen auch zu essen, denn wegen der Kontaktsperre konnte ich ja auch niemanden zum Essen einladen und musste alles allein vertilgen. Die Reihenfolge, in der ich die Gerichte zubereitete, war etwas unorthodox. Deswegen hier noch einmal alles im Überblick.

Vorweg: Karfreitagsessen
Uova in purgatorio – Eier im Fegefeuer
Zum Rezept klick hier

Suppengang
Bretonische Bisque vom ost-atlantischen Hummer mit Riesengarnelen, Jakobsmuscheln und Seeteufel-Medaillon
Zum Rezept klick hier

Vorspeise
Mini-Torta pasqualina mit Wachteleiern und Ziegenkäse-Mangold-Bärlauch-Füllung im Spargel-Löwenzahn-Nest
Zum Rezept klick hier

Hauptgang
Stifado von Kaninchen und Lamm mit zweierlei Bohnen und Speckkartoffeln
Zum Rezept hier klicken

Dessert
Kardamom-Rhabarber mit Ziegenfrischkäse-Crème zum Dessert
Rezept siehe oben

Montag, 13. April 2020

Süppchen zu Ostern: Bretonische Bisque vom ost-atlantischen Hummer mit Riesengarnelen, Jakobsmuscheln und Seeteufel-Medaillon

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Auf dem Balkon: Lichtstimmung wie im Petersdom

Neben den beiden Säcken voller Dosen mit Jahrgangssardinen, von denen ich im letzten Jahr prächtig leben konnte und im nächsten wohl auch noch leben kann, habe ich aus meinem Bretagne-Urlaub vor mehr als einem Jahr (klick hier und  hier) auch eine Flasche mit Hummer-Bisque mitgebracht. Beim diesjährigen Corona-Osterfest beschloss sich, dass sie endlich dran glauben sollte. Stand sie doch recht verloren, vor dem Tageslicht durch eine Phalanx von Tomatendosen geschützt, im Küchenregal und drohte, ihre Farbe zu verlieren.

Hummer-Bisque in der Flasche

Als Einlage kaufte ich an der Fischtheke des Supermarkts meines Vertrauens zwei Riesengarnelen, zwei Jakobsmuscheln und ein kleines Medaillon vom Seeteufel. Alles briet ich vorsichtig in der Pfanne an. Als Aromaten tat ich einige Knoblauchzehen, einen Teelöffel Fenchelsamen und einen Zweig Rosmarin dazu. Am Schluss löschte ich mit einem Schuss Orangenlikör und einem Teelöffel Yuzusaft ab. Die intensive, mit der von Gewürznelken dominierten Curry-Mischung Kari Gosse fabelhaft abgeschmeckte Bisque vom Hummer aus dem Ost-Atlantik tat ich in einen Topf, verdünnte sie ein wenig mit Wasser und erhitzte sie. Die gebratenen Einlagen tat ich dann in tiefe Teller, goss sie mit der heißen Bisque auf und garnierte sie mit Petersilie und Lavendelblüten.




 Die Einlagen wurden sanft gebraten

Dass das Ganze dann auch optisch ein österliches Hochamt wurde, dafür sorgte die Mittagssonne. Mit den Strahlen, die sie durch den frühlingshaft beblätterten Wipfel meiner riesigen Kastanie im Hof sandte, malte sie ein zauberhaftes Licht wie im Petersdom auf die verwitterte Marmorplatte meines Balkontisches. Und das Hummersüppchen samt Einlagen changierte geheimnisvoll in einem Kardinalsrot wie von Leonardo da Vinci persönlich gemalt.

Ich finde die Bilder so schön, dass ich mich gar nicht entscheiden kann, welches ich bringen soll. Also bringe ich alle.






Variation von Karfreitag 2024
Mit Bärlauchbutter-Croûtons und Garnelen





Sonntag, 12. April 2020

Osteressen: Mini-Torta pasqualina mit Wachteleiern und Ziegenkäse-Mangold-Bärlauch-Füllung im Spargel-Löwenzahn-Nest

Vor zwei Jahren war ich bei unserem Slow-Food-Zicklein-Menü (klick hier) auf die Idee gekommen, zum Amuse gueule unter anderem eine Mini-Torta-Pasqualina aus Wachteleiern mit Ziegenkäsefüllung zu servieren. Leider wurde deren Produktion damals in der Hektik der Menü-Vorbereitungen nicht umfassend dokumentiert, und ich wollte sie immer noch einmal machen. Jetzt war eine gute Gelegenheit dazu.

Die Torta pasqualina ist eine Spezialität aus der norditalienischen Provinz Ligurien und basiert auf der magischen Osterzahl 7. 7 Eier werden in eine Mangold-Ricotta-Füllung mit 7 Lagen Teig drumrum verbacken. Ursprünglich wurde kein Blätterteig dazu verwendet, sondern Brotteig, und zusammen mit Hühnereiern ergibt das gewaltige Bomben von 28 cm Durchmesser, mit der man eine Großfamilie satt kriegen kann. (Für Hühnereiversionen klick hier und hier). Die Idee für eine Miniversion von 20 Zentimetern mit Wachteleiern fand ich für meinen Singlehaushalt dann sehr bestechend. Für die Füllung wollte ich wiederum Ziegenfrischkäse verwenden, den ich mit gehackten Mangold- und Bärlauchblättern vermischte.

Beim Slowfood-Menü hatten wir fertigen Tiefkühl-Blätterteig verwendet. Das Ergebnis war, das er oben fast angebrannt war (was am fremden Ofen liegen konnte), während die Eigelbe in der Füllung noch halbflüssig waren. Letzteres eigentlich ein ganz pikanter Effekt.

Der Blätterteig besteht aus Mehl, Qaurk und Butter...

...und wird mit langen Ruhezeiten immer wieder gefaltet und ausgerollt.

Diesmal wollte ich jedoch den Blätterteig selbst machen, nach dem bewährten Rezept der Pasteis del nata (klick hier). Dank der Corona-Langeweile hatte ich Zeit genug dazu. Also stellte ich den Teig in 7 Touren her, insgesamt ruhte er auf vier Tage verteilt immer wieder im Kühlschrank. Das Backergebnis war dennoch nicht überzeugend. Auch bei einer 45-minütigen Backzeit wollte er nicht richtig aufblättern, stattdessen wurde alles sehr dunkel und die Eigelbe stockten komplett durch. Zum Glück tat das dem Geschmack keinen Abbruch, und auf den Fotos werden das nur sehr kritische Betrachter bemerken.

 Die Füllung besteht aus Ziegenfrischkäse und Quark, Wachteleiern, Mangold...

... und Barlauch

Da werden 7 Wachtleier hineingesetzt.

Ein Wachtelei musste natürlich kaputt gehen. 

Fertig gebacken 

Angeschnitten

Um aus der Mini-Torta pasqualina eine hübsche Vorspeise zu machen, setzte ich die Stücke in Nester aus gebratenem Spargel von Hof Umberg aus Kirchhellen und marinierten Löwenzahnblättern vom Balkon. Dazu gab’s eine Rhabarberschorle vom Niederrhein.


Rezept: Mini-Torta pasqualina mit Wachteleiern und Ziegenkäse-Mangold-Bärlauch-Füllung im Spargel-Löwenzahn-Nest
Ergibt eine Minitorte von 20 cm Durchmesser

Für den Blätterteig:
125 g Mehl
125 g Quark
125 g kalte Butter in Würfeln
½ TL Salz

Alle Zutaten vorsichtig verkneten und zu einer Platte ausrollen, die man in zwei quadratische Hälften teilt. Jede Hälfe sparat in Frischhaltefolie einschlagen, auf einen Teller legen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Herausholen, jede Hälfte zu drei Lagen zusammenfalten, wieder ausrollen und wieder ½ Stunde im Kühlschrank ruhen lassen. Diese Tour sieben Mal wiederholen. Beim letzten Mal die Hälften so groß wie die Form ausrollen, dass sie aber überlappen.

Für die Füllung:
200 g Mangold
7 Blätter Bärlauch
geriebener Muskat
100 g Ziegenfrischkäse
100g abgetropfter Quark
7 Wachteleier
3 Wachteleier für die Masse
1 Wachtelei zum Bestreichen
1 EL geriebener Parmesan
Pfeffer

Mangoldblätter waschen. Tropfnass mit einer Prise Salz weich kochen. Abtropfen lassen, Wasser ausdrücken und fein wiegen. Bärlauchblätter hacken. Beides in einer Schüssel mit dem Parmesans vermischen, Muskat und Pfeffer würzen. Ziegenfrischkäse und Quark und drei Wachteleier unterheben. Mit Pfeffer abschmecken.

Torte backen:
Eine Backform von 20 cm Durchmesser mit Backpapier ausschlagen. Ein Lege ausgerollten Blätterteig hineingeben und die Ränder hochziehen und festdrücken. Die Füllung darauf geben und glattstreichen. In regelmäßigen Abständen mit einem Teelöffel sieben Vertiefungen in die Füllung drücken. In jede Vertiefung ein Ei geben.
Die zweite Teigplatte als Deckel darauf legen und eine Rand formen. Deckel mit einem verklepperten Wachtelei bestreichen.
Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad eine Stunde auf der untersten Schiene backen, bis alles schön braun ist.

Nest aus gebratenem Spargel und marinierten Löwenzahn:
Pro Portion vier Löwenzahnblätter, gut gewaschen
Pfeffer, Salz, Zucker, Rapsöl, Himbeeressig
Pro Portion vier dünne Stangen Spargel, geschält und geputzt
Rapsöl, Pfeffer, Salz, Zucker, Zitronensaft

Löwenzahnblätter in den genannten Zutaten marinieren. gut waschen.
Rapsöl in einer Pfanne erhitzen, Spargel darin kurz braten. Dabei mit Pfeffer, Salz, Zucker und ein paar Spritzern Zitronensaft würzen.
Tipp: Einen Schuss Orangenlikör in die Pfanne geben und den Spargel darin karamellisieren.

Anrichten:
Je vier Löwenzahnblätter auf einem Teller verteilen. Gebratene Spargelstangen ggf. halbieren und daraus ein Nest bauen. Stücke von der Mini-Torta pasqualina hineinsetzen.

Freitag, 10. April 2020

Karfreitagsessen: Uova in purgatorio – Eier im Fegefeuer nach Genießerart

Eigentlich wollte ich ja schon immer Shakshuka machen, jenes so in Mode gekommene israelische Nationalgericht, bei dem Eier in einer süßpikanten Tomaten-Paprika-Sauce pochiert werden. Karfreitag schien mir dafür ein idealer Tag zu sein, spielen die dramatischen Ereignisse der Passion Christi schließlich in Jerusalem.

Beim Suchen nach einem Rezept stieß ich auf die katholische Variante des Ganzen. Uova in purgatorio, Eier im Fegefeuer, heißt das nur etwas anders gewürzte Gericht in Neapel und Umgebung – eine Bezeichnung, die in ihrer Dramatik viel besser zu meiner gegenwärtigen Situation in der Corona-Krise passt. Ich muss nämlich nicht nur die allgemeine Kontaktsperre einhalten, sondern bin vom Gesundheitsamt zusätzlich zu einer „Freiwilligen Isolation“ bis kurz nach Ostern verdonnert worden. Bei einem seit Monaten festgelegten Routine-Besuch beim Kardiologen, der mir übrigens beste Gesundheit attestierte, kam ich mit einem Arzt in Kontakt, der später positiv auf Covid-19 getestet wurde. Wie alle seine Patienten muss ich nun zwei Wochen lang in verschärfte Quarantäne, obwohl ich keinerlei Symptome aufweise. Immerhin, einkaufen darf ich noch.


Nun denn. Umso mehr freute ich mich, dass ich mir die „Freiwillge Isolation“ durch die „Eier im Fegefeuer“ versüßen durfte. Die Tomaten-Gemüse-Sauce basiert sinnigerweise auf einem Ansatz „alla puttanesca“, also „nach Hurenart“. Zur Feier des Karfreitags, an dem es traditionellerweise Fisch gibt, kamen zu den üblichen Sardellen natürlich auch meine heißgeliebten Ölsardinen dazu, diesmal in Form von portugiesischen Jahrgangssardinen aus 2016. Um den Jerusalem-Effekt zu bekommen, würzte ich zusätzlich mit Kreuzkümmel, und weil Jesus beim letzten Abendmahl sein letztes Brot geteilt hat, tat ich (wie beim meinem Brotgulasch klick hier) noch ein paar Brocken hart gewordenes Brot dazu. Das machte die Eier im Fegefeuer schließlich zu einer vollwertigen Mahlzeit.

Fürs nötige Feuer sorgte ein Fläschchen
ausgereifter Salice Salentino Riserva aus dem Jahr 2011.


Rezept: Uova in purgatorio – Eier im Fegefeuer nach Genießerart
Reicht für 4 Portionen

2-4 Eier
1 Dose Ölsardinen
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
70 g Aubergine in Würfeln
70 g Paprika in Würfeln
70 g Zucchini in Würfeln
100 g ssüße Cherry- oder gehackte getrocknete Tomaten
10 schwarze Oliven ohne Stein
10 Kapernäpfel
2 Dosen geschälte Tomaten à 400 g
Rotwein
Je 1 Zweig Thymian, Rosmarin, Oregano, Petersilie
1 Lorbeerblatt
½ TL Chiliflocken
1 Msp Kreuzkümmel
1 Msp Curry
1 TL Ananasmarmelade
1 TL Colatura oder Fischsauce
3-4 Scheiben altbackenes Brot in Brocken
Pfeffer, Salz, Zucker, Olivenöl


Inhalt einer Dose Ölsardinen samt Öl in eine Pfanne geben und anbraten. 1 Sardine für die Garnitur zurück behalten, längs halbieren, Gräte entfernen.
Zwiebel in dünne Ringe schneiden und zur Sardine geben. Weich dünsten. Etwas Zucker darüber streuen. Nacheinander Paprika-, Zucchini- und Auberginenwürfel dazugeben und ebenfalls anbraten. Knoblauch in dünne Scheiben schneiden, dazu geben und ebenfalls anbraten. Oliven und Kapernäpfel dazugeben.
Zwei 400-g-Dosen geschälte Tomaten und die zu einem Sträußchen zusammengebundenen Kräuterzweige dazugeben. Mit Chiliflocken, Colatura, 1 TL Ananasmarmelade, Curry, Kreuzkümmel und Salz würzen. Deckel auflegen und einkochen lassen. Nach einigen Minuten die Brocken altbackenes Brot dazu geben und weiter einkochen lassen, bis alles gebunden ist..
In die die Sauce mit einem Löffel Kuhlen drücken. Eiere nacheinander in eine Schöpfkelle aufschlagen und jeweils ein Ei in eine Kuhle geben. Deckel auflegen und alles bei sanfter Hitze köcheln lassen, bis die Eier gestockt sind.

Zum Servieren mit den zurück behaltenen Sardinenfilets garnieren und mit abgezuupften Oreganoblättchen und ein paar Chiliflocken garnieren.



Weitere Karfreitagsessen: 


Goldforelle in Lacryma Christi auf einer Dornenkrone von grünem Spargel. Klick hier
Seeteufelmedaillon mit bretonischer Algensenfkruste | In Weißwein geschmorte Kartoffeln und Artischocken | Oliven | Knoblauch | Majoran. Klick hier
Dorade in der Salzkruste. Klick hier
Bärlauch-Minze-Limetten-Pesto. Klick hier

Donnerstag, 9. April 2020

Virtuelle Corona-Party: Foodblogger-Soli-Rezeptsammlung für Zusammenhalt und Appetit

Peggy Schatz vom Blog "zunehmend wild" (klick hier) hat angesichts der Corona-Krise unter dem Hashtag #trostkochen eine "Foodblogger-Soli-Rezeptsammlung für Zusammenhalt und Appetit" für die am meisten vom Virus gebeutelten Länder angelegt. Erstmal erschienen etwa 60 italieniesche Rezepte. Andere Länder werden folgen.

Vom Genießer sind auch welche dabei. Bei den italienischen sind des die "Pfannenpizza nach Genießerart und Margherita" (klick hier) und die "Ligurische Ostertorte" (klick hier).

Hier geht es zu gesamten Liste. Klick hier.

Sonntag, 5. April 2020

Eintopf für Ostern: Stifado von Kaninchen und Lamm mit zweierlei Bohnen und Speckkartoffeln

Ostern und Corona: Ich hätte ja gern meinen Kochkurs über ein Ostermenü mit Zicklein und Kaninchen abgehalten, aber der musste leider ausfallen. Dann hätte ich auch Zickleinfleisch bei einem Ziegenhof in der Umgebung besorgt, was ja gar nicht so einfach ist, und mir etwas Schulter für mein privates Ostergericht zurückbehalten. Es kam halt anders.

Und so ist dieses Gericht das Ergebnis dessen, was ich auf dem Bochumer Wochenmarkt bekommen konnte. Statt (geschmorter) Zickleinschulter und (kurzgebratenem) Kaninchenfilet kombinierte ich halt (geschmorte) Kaninchenkeule mit (kurzgebratenem) Lammfilet. Die Kaninchenkeule bereitete ich wie für ein griechisches Stifado vor und schmorte sie dann wie ein französisches Cassoulet mit Bohnen. Die zarten Lammfilets wickelte ich in Speckscheiben und briet sie extra in der Pfanne, dazu kamen dann noch Speckkartoffeln mit grünen Bohnen. Alles in allem war das auch symbolisch ein schönes Ostergericht: Osterhase meets Osterlamm, dann noch mit griechischem Touch, denn dort ist Ostern ja der höchste Feiertag. Und das alles sehr herzhaft und mit erstaunlich wenig Fleisch.

Kaninchenkeule in der Marinade

 Lammfilet im Speckmantel

 Zweierlei Bohnen

Im Kochkurs hätten wir dieses herrliche Gericht übrigens nicht zubereiten können. Das Marinieren der Kaninchenkeule, das Wässern der Bohnenkerne und auch das Schmoren des Ganzen hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen. Für diejenigen Leser, die es nachkochen möchten, bleibt bis Ostern aber noch genug Zeit – und die hat man dank Corona ja im Überfluss.

Rezept: Stifado von Kaninchen und Lamm mit zweierlei Bohnen und Speckkartoffeln
2 Portionen

Fleisch:
1 Kaninchenkeule
2 Lammfilets
2 Streifen Bacon
Olivenöl

Marinade:
¼ l Rotwein
3 EL Olivenöl
125 ml trockener Rotwein
1 EL Sherryessig
2 Lorbeerblätter
10 schwarze Pfefferkörner
5 Pimentkörner
2 Nelken
½ Zimtstange
2 Knoblauchzehen
2 Zweige Thymian
2 Zweige Rosmarin

Bohnen und Kartoffeln:
200 g grüne Busch- oder Bobbybohnen
200 g getrocknete weiße oder braune Bohnen
5-6 Zweige Bohnenkraut
2 Zweige Rosmarin
6-8 kleine Perlzwiebeln oder Schalotten
1 Döschen Tomatenmark
¼ l Fleisch- oder Gemüsebrühe
4 Kartoffeln
50 g durchwachsenen Speck in Würfeln

Zum Abschmecken:
1 EL Mehl, Pfeffer, Salz, Kreuzkümmel, gemahlener Zimt, Rosenpaprika

Vorbereitung:
Eine Marinade aus den oben angeführten Zutaten herstellen und die Kaninchenkeule zwei Tage darin einlegen. Gelegentlich wenden.
Getrocknete Bohnen 24 Stunden in kaltem Wasser einweichen. Wasser gelegentlich wechseln. Eingeweichte Bohnen in Wasser aufkochen, Wasser ebenfalls weggießen. Dann die Bohnen in genügend Wasser mit Bohnenkraut in 1 ½ Stunden oder mehr weich kochen.
Grüne Bohnen in Salzwasser mit Bohnenkraut 10 Minuten blanchieren. Abgießen und in eiskaltem Wasser abschrecken, damit sie die Farbe behalten.
Kartoffeln schälen, in 1 Zentimeter große Würfel schneiden und in Salzwasser in 10 bis 15 Minuten gar kochen.

Stifado herstellen:
Kaninchenkeule aus der Marinade nehmen und trockentupfen. Marinade durch ein Sieb gießen, die Gewürze auffangen und in einen Teebeutel geben und gut verschließen.
Olivenöl in eine Pfanne geben und die Zwiebeln darin anbraten. Herausnehmen und beiseite stellen. Kaninchenkeule im gleichen Fett anbraten und anschließend salzen.
In einem schweren Bratentopf Tomatenmark anrösten. Eingeweichte Bohnenkerne und die Kaninchenkeule dazugeben. Die Marinade dazugeben und mit Brühe auffüllen, bis alles bedeckt ist. Bei niedriger Temperatur simmern lassen. Nach einer halben Stunde das Gewürzsäckchen, die Zwiebeln und weiter Zweige Bohnenkraut, Thymian und Rosmarin dazu geben. Mit Mehl bestäuben. 1 ½ Stunden auf kleiner Flamme schmoren lassen, bis das Fleisch weich ist.

Kartoffeln und grüne Bohnen:
In der Pfanne, in der die Kaninchenkeulen angebraten wurden, Speckwürfel auslassen und die Kartoffelwürfel und die grünen Bohnen darin anbraten. Salzen, pfeffern und mit fein gehacktem Knoblauch bestreuen. Herausnehmen und warm stellen.
Lammfilets salzen und pfeffern und in dünn geschnitten Bacon wickeln. Vorsichtig braun braten und drei bis fünf Minuten in den 60 Grad heißen Ofen stellen.

Finish und Anrichten:
Wenn das Stifado fertig ist, die Kaninchenkeule herausholen, vom Knochen lösen und in mundgerechte Stücke zupfen. Gewürzsäckchen und Kräuterstängel herausfischen. Mit Pfeffer, Salz, Kreuzkümmel, Zimt und Rosenpaprika abschmecken. Lammfilets in mundgerechte Stücke schneiden.

Kartoffel-Grüne-Bohnen-Speck-Mischung auf Teller verteilen. Stifado-Bohnen mit den Zwiebeln darauf verteilen, Fleischtücke darauf setzen und mitfrischen Bohnenkrautblättchen und ggf Rosmarinblüten garnieren.



Weitere Oster-Gerichte


Vorspeise:
Torta pasqualina klick hier

Hauptgänge:
Mit Ricotta affumicata überbackene Spargel-Brokkoletti-Schinken-Rollen, Saltimbocca alla romana und hausgemachte Kartoffelchips klick hier
Falscher Hase  klick hier

Dessert:
Pasteis de nata klick hier

Mittwoch, 1. April 2020

Corona-Küche vegetarisch: Grüne Curry-Linsen mit gebratenen Bananen, geschmolzenen Tomaten und Senf-Orangen-Joghurt

Auch dieses vegetarische Gericht basiert auf den grünen Linsen auf persische Art. Klick hier.
Aber eigentlich geht es auf ein simples schnelles Gericht zurück, das meine Mutter in meiner Kindheit gelegentlich machte, gebratene Bananen mit Curryreis und Tomaten. Die gebratenen Banenen mochte ich sehr gern, den Curryreis und die einfach in Achtel geschnittenen rohen Tomaten habe ich allerdings als recht unkomplett in Erinnerungen. Hier eine etwas raffiniertere Variante.


Rezept: Grüne Curry-Linsen mit gebratenen Bananen, geschmolzenen Tomaten und Senf-Orangen-Joghurt
2 Portionen

1 Tasse grüne Linsen
2 Tassen kochendes Wasser
1 Zwiebel
Rapsöl
1 Gläschen Weißwein
½ TL Kukurma
1 Stück Orangenschale
1 Msp Curry
1 Msp Kreuzkümmel
1 Msp Zimt
1 Msp Rosenpaprika
Salz
2 Bananen
10 Cherrytomaten
Zucker
4 EL Yoghurt
Schalenabrieb einer Orange
1 TL mittelscharfer oder süßlicher Senf
Gehackte Korianderblätter

Zwiebel in feine Würfel schneiden. Eine Schuss Rapsöl erhitzen, Zwiebelwürfel darin anschwitzen. ½ TL Kurkuma dazu geben, umrühren. Gewaschene grüne Linsen dazu geben und ebenfalls etwas anschwitzen. Weißwein dazu geben und komplett verdampfen lassen. Mit 2 Tassen kochendem Wasser aufgießen, ein Stück Orangenschale dazu geben. Aufkochen lassen und dann auf kleiner Hitze köcheln lassen, bis die Linsen gar sind, aber noch Biss haben. Zum Schluss mit Curry, Kreuzkümmel, Zimt und Rosenpaprika abschmecken.

Joghurt mit etwas Senf und Orangenschalenabrieb verrühren. Unter die Linsen mischen, dabei etwas Joghurt zum Garnieren zurück behalten. Warm stellen.

Bananen in Scheiben schneiden. In einer Pfanne Butter erhitzen und die Bananenscheiben darin braten, bis sie Farbe annehmen. Herausnehmen. Cherrytomaten in die gleiche Pfanne geben, etwas salzen und zuckern, und mit geschlossenem Deckel anbraten, bis sie beginnen, aufzuplatzen. Vom Herd nehmen.

Bananenscheiben und geschmolzenen Tomaten unter die Linsen mischen. Auf Teller oder in Schalen anrichten. Mit dem zurückbehaltenen Joghurt beträufeln. Mit Curry bestäuben und mit gehackten Korianderblättern bestreuen.