Freitag, 20. August 2010

Neu in Bochum: Das jüdische Restaurant „Matzen“



Jarkoje: Zartes, mit Backpflaumen geschmortes
Rindergulasch mit Auberginen und Kartoffeln

Die Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen ist die zweitgrößte in Westfalen. Besonders durch die Zuwanderung aus der Sowjetunion stieg die Zahl auf über 1000 Mitglieder, so dass man sich entschloss, eine neue Synagoge zu bauen. 2007 konnte der der elegante Bau des nach Plänen des Kölner Architekten Peter Schmitz neben dem Bochumer Planetarium eingeweiht werden und ist seitdem ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt geworden.

Die Synagoge in Bochum (Foto: Presseamt Bochum)

Jetzt konnte auch der Plan verwirklicht werden, im Gebäude der Synagoge ein jüdisches Restaurant zu eröffnen. „Das ging vor allem durch die Unterstützung des Gastronomie-Großhandels Niggemann und der Brauerei Fiege“, meint Aleksander Chraga, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde. Seit knapp zwei Wochen läuft nun der Betrieb, und obwohl die offizielle Eröffnung erst am 29. August stattfindet, hat das nach dem ungesäuerten jüdischen Brot „Matzen“ benannte Lokal seinen Platz in der Bochumer Gastroszene gefunden. Als der Genießer dem kleinen Restaurant einen Besuch abstattete, war es gut besucht, und die Stimmen der Gäste hallten fast zu laut und lebhaft von der großen Glasfensterfront wider, die ihm eine Atmosphäre von Offenheit und Transparenz verleiht.

Die kleine Karte umfasst nur wenige Gerichte aus der ostjüdischen, New Yorker und israelischen Tradition. Auf die Frage, ob die Gerichte koscher seien, ist Aleksander Chraga ein wenig zurückhaltend. „Was wir machen, ist ‚kosher style‘, eine einfachere Form“, erklärt er. Die Zutaten sind koscher, und auch in der Küche besteht durchaus die Möglichkeit, nach den Kaschrut-Regeln zu kochen.

Küchenchef Dimitri Markmann

Koscher bedeutet nicht unbedingt, dass das Essen besonders gut ist. Dazu gehört selbstverständlich das Engagement des Kochs, und mit Dimitri Markmann hat das „Matzen“ einen ganz besonders engagierten. Alles ist hausgemacht, und von den Gerichten war der Genießer ganz begeistert.

Matzen und Brötchen

Zur Einstimmung bekam er selbstgebackene Brötchen und Matzen mit einer feinen Sesam-Kichererbsen-Crème. Borschtsch (3,50 Euro), die die klassische russische und polnische Rote-Bete-Suppe, war optisch wie geschmacklich ein Genuss. Von tiefroter Farbe, mit Weißkohl und Kartoffeln als Einlage, brachte sie den Geschmack des Gemüses zum vielschichtig Ausdruck und bekam durch die Beigabe von Dill eine wunderbare Frische und Leichtigkeit.

Borschtsch mit Dill

Als Hauptgang hatte der Genießer Jarkoje bestellt (13,50 Euro), eine Art Rindergulasch, wie er es bisher im Restaurant nur selten serviert bekommen hat. Das Fleisch war sorgfältig von Fett und allen Sehnen befreit worden und dann endlos lange geschmort worden, bis es die Bezeichnung „löffelweich“ redlich verdient hatte. Der fantastische, leicht süßliche Geschmack rührte von den Backpflaumen her, die mit geschmort wurden, bis sie aufgelöst waren. Als Beilage gab es geschmorte Auberginen und geröstete Kartoffeln. Zum Dessert folgte ein üppiges Stück Lekach, ein jüdischer Honigkuchen, selbstverständlich selbstgebacken.

Die Weine, die das „Matzen“ auf der Karte hat, kommen alle aus Israel und sind koscher. Der rote „Barkan Classic 2008“, eine galiläische Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon, war seinen Preis von 5,80 Euro für 0,2 l mehr als wert. Barkan Wine Cellars ist der zweitgrößte israelische Weinproduzent.

Matzen, Bochum, Erich-Mendel-Platz 1. Öffnungszeiten: tägl. 12-17 Uhr (Mittagstisch, Café), 17-22 Uhr (Restaurant), Freitag Ruhetag.

Lekach (Honigkuchen) zum Dessert

Kommentare:

  1. Super Sache! Da muß ich auch mal hin!

    AntwortenLöschen
  2. Wir haben es auch schon ausprobiert. Allen Bloglesern ist ein Besuch zu empfehlen!

    AntwortenLöschen
  3. Das mit dem Freitag (und nicht etwa Samstag, der ja zu einem wesentlich größeren Teil Schabbat ist) als Ruhetag kommt mir merkwürdig vor - ist das gesichert?

    AntwortenLöschen
  4. Bitte die genauen Öffnungszeiten beim "Matzen" anfragen. Die Telefonnummer findet man auf der Internetseite der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen www.jg-bochum.de in dem Laufband.

    AntwortenLöschen
  5. Der Borschtsch sieht lecker aus.
    Da sehe ich auch mal darüber hinweg, daß im eigentlichen Rezept (oder dem, das ich aus der Kindheit kenne) auch noch mundgerechte Stücke vom Rindfleisch enthalten sind, die auf der Zunge zergehen. 2 Teller davon und man braucht keinen (weiteren ;)) Hauptgang mehr.

    AntwortenLöschen
  6. Es gibt ganz unterschiedliche, regionale Variationen von Borschtsch. Die russische ist durch ihre vielen Einlagen ein Hauptgericht; in polnischen Restaurants habe ich als Vorsuppe reine Rote-Beete-Brühen ohne jegliche Einlage nur mit einem Klacks saurer Sahne bekommen.

    AntwortenLöschen
  7. Für die gebotene Qualität als auch Quantität eine sehr optimistische, etwas überteuerte Preisvorstellung im Restaurantbereich; für Kaffee und Gebäck recht nett.

    AntwortenLöschen
  8. hört sich richtig gut an. werde da mit meiner familie hingehen. weiß jemand ob es dort gute parkmöglichkeiten gibt?

    AntwortenLöschen