Donnerstag, 5. März 2026

Portugal in Bochum-Stiepel: Casa Nonina


Im Stillen hatte ich ja immer gehofft, dass ich das Casa Nonina für „Bochum geht aus“ hätte besprechen dürfen; aber leider wurde der Restaurantführer Ende 2024 eingestellt und es ist nie dazu gekommen. So dauerte es bis jetzt, dass ich mich endlich aufraffte, das portugiesische Restaurant, das Norberto Teixeira und seine Frau Natascha 2022, mitten in der Coronakrise, in den Räumlichkeiten der ehem. Pizzeria Vesuvio in Bochum-Stiepel eröffnet hatten, zu besuchen. Seit letztem Jahr gehört auch die direkt daneben liegende Eisdiele dazu.

Norberto Teixeira

Der Blick auf die Speisekarte mit den bodenständigen, traditionellen portugiesichen Gerichten wollte mir durchaus imponieren. Allein drei Hauptgerichte werden mit Bacalhau angeboten, dem eingesalzenen und getrockenten Kabeljau, der in Portugal ein kulinarisches Nationalheiligtum ist. Und auf der Fleischkarte fand ich Francesinha, dieses typische Street-Food aus Porto, eine unwiderstehliche mit Käse überbackene Mischung aus Hamburger, Croque Monsieur und Spiegelei. Das bewog mich, zur Untersützung meines Besuchs Silke von „Mein kulinarisches Dortmund“ und ihren Mann Torsten hinzuzuiehen. Mir war klar, das besonders Torsten mir ein Leben lang dankbar sein würde, wenn die Francesinha nur zu einem Bruchteil hielt, was die Zutatenliste versprach.

Als ich das Casa Nonina dann betrat, war ich allerdings erst einmal irritiert. Das Lokal entsprach so gar nicht der Vorstellung von Portugal, die ich hatte. Geprägt von einem Aufenthalt in Nordportugal vor fast 30 Jahren, war ich von der melancholischen Fado-Atmosphäre des Landes beeindruckt, dieser Portwein-Brandy-Schwere hinter verblassten und bröckelnden, manchmal großbürgerlichen und manchmal ärmlichen Fassaden – eine nostalgische Wohligkeit, die ich etwa „Bei Gil“ in Gelsenkirchen (klick hier) wiedergefunden hatte.



Rustikale Atmosphäre

Hier im Casa Nonina herrschte jedoch eine trubelige Urlaubsatmosphäre, wie man sie in den mediterranen Destinationen von der südportugiesichen Algarve, über Mallorca und den giechischen Inseln bis an die türkische Riviera finden kann. Mit den Tischen aus hochwertig-dickem, wurzeligen Olivenholz wirkte alles urgemütlich, eindeutig portugiesisch war vor allem das riesige Wandbild eines mittelalterlichen Segelschiffs, mit dem der auch in postkolonialen Zeiten verehrte Seeheld Vasco da Gama einst die Welt erobert hatte. An diesem Dienstagabend waren so gut wie alle Tische ausverkauft, wie in einem Steakhaus spanisch-südamerikanischer Provinienz taten sich viele Gäste an „Espetadas Casa Nonina“ gütlich, einem mit hohem kulinarischen Unterhaltungswert an einer galgenartigen Konstruktion aufgehängten Spieß mit 250 Gramm argentinischem Hüftsteak.



Gut ausgebucht

Silke, Torsten und ich wollten uns jedoch den traditionellen portugiesischen Gerichten widmen. Torsten wählte „Caldo Verde“, die nordportugiesische Grünkohlsuppe als Vorspeise, Silke und ich wollten uns eine gemischte Vorspeisenplatte teilen, die einen Streifzug durch die zahllosen „Entradas“ der Karte versprach. Für den Hauptgang folgte Torsten als Fastfood-Freund und Fußballfan Silkes und meiner Empfehlung und bestellte die Francesinha, Silke wählte zielbewusst den faszinierenden Eintopf „Carne de Porco à Alentejana“ aus Schweinefilet, Venusmuscheln und Chorizo aus, der natürlich alle war. Also disponierte sie auf „Cataplana“ um, einen Meeresfrüchteeintopf, was sie dann nicht bereute. Ich wollte natürlich unbedingt ein Stockfisch-Gericht probieren und wählte „Bacalhau Assado na Brasa“, gegrillten Stockfisch mit Quetschkartoffeln. Zum Nachtisch gab's dann noch die unvermeidlichen „Pasteis de Nata“.



Effektvoll serviert: Cataplana

In ihrer Gesamtheit fanden wir die Gerichte ausgezeichnet, doch waren wir davon überrascht, mit welch üppigen Portionen wir überhäuft wurden. Die Hauptgerichte hätten mehr als gereicht, die Vorspeisen waren kaum vonnöten, um satt zu werden. (Bei den Resten auf den Tellern wurde uns angeboten, sie im Doggy Bag mit nach Hause zu nehmen, was wir aber ablehnten.)



Im Glas natürlich ein Vinho Verde



Uneinheitlich gesalzen: Pommes Frites

Bei der Würzung der Gerichte hatte man jedoch das Gefühl, die Party-Atmosphäre im Saal hätte sich als nervöse Hektik in der Küche niedergeschlagen. Vor allem das Salzen der Gerichte war etwas unorthodox. Die erste Version der „Caldo Verde“ musste zurück gehen, weil die Suppenbrühe keinerlei Gewürz aufwies – die zweite war dann ausgezeichnet. Die oberste Schicht der Pommes, die als Beilage zur Fancesinha gereicht wurden, waren versalzen, während die unteren überhaupt keines gesehen hatten. Und die Quetschkartoffeln, die den Bacalhau begleiteten, waren ziemlich laff, aber da konnten etwas Allioli und die überschüssige Francesinha-Sauce, die Torsten bereitwillig zu Verfügung stellte, Abhilfe schaffen.

Doch den positiven Gesamteindruck konnte das alles nicht schmälern.

Portugal in Stiepel
Casa Nonina, 3.3.2026



Knabbereien vorweg
Oliven und Dicke Bohnen




Caldo Verde
Grüne Suppe mit Kartoffeln, Stielgemüse und Chorizo 7,40 Euro 
Die Suppe aus eine portugiesischen Grünkohl-Varietät ist eine Spezialität aus Nordportugal und erinnert an den norddeutschen Grünkohl mit Pinkel oder Mettwurst. Hier scheint wohl Stielmus verwendet worden zu sein. Als Einlage dient jedoch Chorizo, oder portugiesisch Chouriço, ein scharfe Paprikawurst. Gut abgeschmeckt, war die Suppe ein gelungener Einstieg.



Entradas
Verschiedene Vorspeisen: Pastéis de Bacalhau (Stockfisch Bällchen), Linguica Caseira (Wurst undSchinken), Chourico Assado (Flambierte Wurst), Rissois de Carne (Fleischtaschen), Paprikasalat 22 Euro




Francesinha
Argentinisches Roastbeef, ca. 150g mit Kochschinken, portugiesischer Wurst und Käse überzogen, Brotscheibe, Kochschinken, dazu hausgemachte Pommes Frites. Auf Wunsch mit Spiegelei. 23,50 Euro
Die Francesinha ist ein typisches Streetfood-Gericht aus Porto. Ein wenig erinnert es an einen Hamburger. Im Original werden Schinken und Hackfleisch im Brot dick mit Käse überbacken. Wer großen Hunge hat, bekommt noch ein Spiegelei obendrauf. Im Casa Nonina wird die ganz Sache verfeinert, indem statt des Hackfleisch ein ganzes Stück Roastbeef verwendet wird. Das war wunderbar zart, an Käse wurde nicht gespart, und dazu kam noch eine süßsaure Weißweinsauce, in die man sich hineinlegen wollte. Soulfood im wahrsten Sinne des Wortes. Dazu gab es noch ein Körbchen Pommes Frites.



Cataplana 
mit verschiedenen Fischsorten, Schalentiere, Gemüse und Kartoffeln 27,50 Euro

Cataplana bezeichnet eigentlich den Kupfertopf, in dem die verschiedenen Meersfrüchte, Gemüse und Kartoffeln gedämpft werden. Das war hier hervoerragend gelungen. Der Tintenfisch war butterzart, die Lachs saftig, die Muscheln aromatisch. Und alles effektvoll serviert – ein gelungenes Stück Erlebnisgastronomie.




Bacalhau Assado na Brasa
Gegrillter Stockfisch mit Quetschkartoffeln 28,50 Euro

Zugegeben, was Bacalhau angeht, so bin ich in meiner Erinnerung ziemlich verwöhnt. Meine Vorliebe für Stockfischzubereitungen stammen nämlich nicht aus Portugal, sondern aus dem portugiesischen Restaurant „Pereira“ in Mülheim, das es leider nicht mehr gibt (klick hier und hier). Dort wässerte José António Pereira nämlich den Stockfisch unendlich lange und bereitete ihn so fein zu, dass die Konsistenz fast wie frischer Fisch war und die Salznote wie ein leichtes Aroma im Hintergrund wirkte. Die Zubereitung im Casa Nonina erinnerte mich eher an meine ersten eigenen Versuche, Bacalhau zu machen. Verstärkt durch's Grillen, wirkten die Festigkeit und Salzigkeit des Fischfleisches umso wuchtiger, weil es sich um eine riesige Portion handelte, die sich unter dem Paprikasalat, der eine schöne authentische Bitternote besaß, verbarg. Die Quetschkartoffeln kamen aromatisch dagegen kaum an.



Pasteis de Nata 5,50 Euro

Diese Törtchen sind ein Klassiker aus Lissabon. Eigentlich mit einer Vanille-Creme gefüllt, überwiegt hier die Bestreung mit Zimt. Auch lecker.

Casa Nonina. Kemnader Straße 322, 44797 Bochum. Tel. 0 23 25. 94 45 20. Mo-Sa 17-22 Uhr. www.casanonina.de
Das Casa Nonina hat auch eine umfangreiche Karte mit Wildgerichten.