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Der Text erschien erstmalig in "Essen geht aus 2015".
Der Text erschien erstmalig in "Essen geht aus 2015".
Das Restaurant gibt es leider nicht mehr.
Es hat etwas vom wohligen Gefühl der Heimkehr aus der großen weiten Welt, wenn man durch den lauschigen Biergarten das kleine Fachwerkhaus der Wolfsbachquelle im Heissiwald betritt. Der Kies knirscht unter den Füßen, kein noch so heftiger Frühjahrssturm kann denn Bäumen etwas anhaben, durch deren grüne Kronen die Sonnenstrahlen tänzeln. Und auch innen ist es wie eh und je, es herrscht eine nostalgisch-rustikale, hölzerne Kneipenatmosphäre wie in den 80-er Jahren. Und der eiserne Holzofen wird sogar an kühlen Sommertagen eingeheizt und verbreitet seinen brenzligen Duft. Seit 1926 führt die Familie Bruckmann das Haus, mittlerweile in der dritten Generation. Für die Bredeneyer ist die Wolfsbachquelle wohl das zweite Wohnzimmer, für die Angestellten aus dem sterilen Büroparks Bredeney ganz in der Nähe eine gemütliche Gegenwelt.
Auch die Lektüre der Speisekarte wirkt wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Deutsche Gerichte, mit z.T. österreichischem Einschlag, vermischen sich mit mediterranen Leckereien, wie man sie aus dem Urlaub kennt. Auf den Tafeln am großen Mittelpfosten gibt es zusätzliche Tagesempfehlungen. Hier findet jeder etwas, das im schmeckt. Die mit Kräuterbröseln überbackenen Pfahlmuscheln 8,75 Euro), an die ich mich noch gut von einem zurückliegenden Testbesuch erinnere, übergehe ich diesmal, aber als das stattdessen gewählte Rote-Bete-Carpaccio (7 Euro) vor mir auf dem Tisch steht, habe ich ebenfalls ein Dèjà-vu: Hatte ich es nicht auch schon einmal gekostet, damals, draußen im Garten, als sich der Zigarettenrauch meines Tischnachbarn sich unter meiner Nase kräuselte? Die hauchdünn geschnittenen, mit geriebenem Käse und gerösteten Pinienkernen bestreuten Rote-Bete-Scheiben sind köstlich. Dazu gehört ein aufgebackenes Ziegenkäse-Crostini als knuspriges Pendant. Das einzig irritierende an dieser Vorspeise ist der Glasteller, durch den die hölzerne Tischplatte schimmert. Ein schwarzer Teller hätte das schöne Farbenspiel des Gerichts besser zu Geltung gebracht.
Der lauwarme Tafelspitz mit Vinaigrette, gebratenen Pilzen und Röstkartoffeln (14,50 Euro) ist genau die richtige Mischung aus Salat und Hauptgang, die einen sättigt, aber nicht abfüllt. Das Fleisch nicht zu trocken, die Vinaigrette nicht zu sauer, die Kartoffeln „resch“ gebraten – dazu ein Glas Riesling (0,2-l-Glas 4,50 Euro) – das gäbe es in Niederösterreich auch nicht besser. Genausowenig wie die Mehlspeise zum Nachtisch, ein Crêpe mit säuerlichen Brombeeren und süßem Vanilleeis (5,50 Euro). Oder sollte es besser Palatschinken heißen?
-kopf
Der Text erschein erstmals in "Essen geht aus 2015".
Mit dem Stadthotel auf der Margarethenhöhe und dem Landhotel in Burgaltendorf betreiben Maria und Harald Mintrop zwei der profiliertesten Tagungshotels in Essen, und auch die Restaurants der beiden Häuser genießen einen ausgezeichneten Ruf. Allerdings kam es mir bei den Kontrollbesuchen, die ich in den letzten Jahren für „Essen geht aus“ in gewissen Abständen machen durfte, so vor, als könne man im Restaurant MUMM in Burgaltendorf einen Tick besser essen als auf der historisch so interessanten Margarethenhöhe. So freute ich mich, dass ich auch dieses Jahr einen Ausflug auf den zum Hotel ausgebauten ehemaligen Bauernhof der Familie Mintrop auf den Ruhrhöhen ins Restaurant MUMM machen konnte.
Die Einrichtung von Hotel und Restaurant in Burgaltendorf ist seit jeher künstlerisch recht avantgardistisch. Seit 2012 prägt den Speisesaal das farbenfrohe und helle Design von Klaus Schulte, das Mobiliar stammt vom Holzkünstler Konrad Horsch, fürs Licht sorgen die Fenster von Glaskünstler Stefan Pietryga. Im Sommer ist der Garten eine nicht minder elegante Umgebung fürs Essen. Mäuerchen, Hecken und Büsche sorgen für ruhige abgeschlossene Nischen und Areale.
Diese extravagante Umgebung scheint ideal zu sein für die fantasievolle, kreative Küche von Sven Heinroth und seinem Küchenteam, und in der Tat kommen die Gerichte mit viel Gespür für Form und Farbe an den Gast. Viele Zutaten stammen zudem aus dem hauseigegen Garten. Ein wenig irritiert war ich jedoch, als ich mitten im Sommer noch ein Menü mit dem Titel „Frühlingserwachen“ auf der Karte vorfand. Doch alles las sich äußerst appetitanregend, und so bestellte ich die die Drei-Gang-Version für 41 Euro. Als Weinbegleitung wurden ein Riesling vom Reichsgraf von Kesselstatt und eine Crianza aus dem spanischen Somontano angeboten. Ich reduzierte sie in Anbetracht der Heimreise mit dem Auto auf ein 0,1-l-Glas des kräftigen, aromatischen Spaniers (3,80 Euro), dessen eindeutige Tempranillo-Cabernet-Noten überzeugten.
Die Zubereitung der Gerichte war leider nicht so perfekt, wie ich sie von meinem letzten Besuch in Erinnerung hatte. Fast schien es, als seien Fantasie und Konzentartion in der Küche etwas durchgegangen. Als Amuse bouche wurde ein kleiner Thunfischsalat mit Maiskörnern und Kirschtomate gereicht, der besser schmeckte als er aussah. Die Rote-Bete-Crémesuppe mit Cocos und gebratenem Zander war hingegen optisch ein Genuss. Der auf der Haut goldbraun gebratene Fisch kontrastierte sinnlich mit der rotvioletten Suppe. Doch sie erinnerte geschmacklich durch ihre spitze Süße und äußerst crèmige Konsistenz eher an flüssige Bonbonmasse als an eine pikante Vorspeise.
Als Hauptgang gab es ein Surf & Turf mit Blattspinat und Rosmarin-Honigpüree. Während die Garnelen des Kombinationsgerichtes schön knackig aufgebraten waren, war das US Flanksteak zu sehr nachgegart und ziemlich durch. Der Spinat und vor allem das Rosmarin-Honigpüree kamen zudem recht bitter daher, als hätte dem Koch beim Abschmecken die Konzentration gefehlt. Versöhnlich geriet dann das Dessert, eine leckere Erdbeervariation mit Holunder und weißer Schokolade.
-kopf
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45289 Essen
Schwarzensteinweg 81
02 01. 57 17 10
tägl. ab 12 Uhr