Donnerstag, 10. September 2020

Dortmund-Hörde: Katjusha‘s Foodwerk

Update 2025: Das Restaurant ist dauerhaft geschlossen.
Update: Das Restaurant öffnet am 14. Juli 2023 wieder.

Das Restaurant ist seit dem 30.6.2022 geschlossen.

Himmlisch lecker: Katjusha in ihrem Foodwerk

Verlässt man den Dortmunder Stadtteil Hörde westwärts, ist das wie eine Reise durch die Geschichte des legendären Industriestandortes im Ruhrgebiet. Nach ein paar hundert Metern geht die Bahnhofstraße in die Hochofenstraße über, und da, wo diese das tradtionell bewohnte Gebiet verlässt und als Martha-Neumann-Straße in das rekultivierte Werksgelände der ehemaligen Hoesch-Hochofenanlage Phoenix West führt, befindet sich in einem schon immer als Kneipenstandort genutzten Eckhaus Katjusha‘s Foodwerk.

Katjusha heißt eigentlich Ekaterina Guemuesh, ist 36 Jahre alt, In Moskau geboren und dennoch ein Hörder Kind. Als 7-Jährige kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland und erlebte die Gastronomie in deren Betrieben von Kindesbeinen an. Schließlichmachte sie eien Ausbildung beim Düsseldorfer Gastroservice GCS zur Eventmanagerin, doch die Leidenschaft fürs Kochen und die die russische Küche ließ sie nicht los. Seit 2013 betrieb sie in Hörde noch mit ihrem Ex-Mann das Bistro und Event-Catering-Unternehmen „Heaven’s“, erst in einem Kiosk, dann an jetzigen Standort. Schließlich wurde daraus „Katjusha’s Foodwerk“, aber „himmlisch lecker“ ist immer noch das Motto des Ladens. „Endlich fühle ich mich in meinem Unternehmen angekommen“, sagt sie. „Mit dem Ambiente, der Speisekarte, mit allem.“


 

 Familiär, gemütlich und modern

„Crossoverküche mit russischen Einflüssen“ nennt Katjusha das, was sie in ihrem Foodwerk anbietet. Und das heißt, die Speisekarte ist erfrischend unmediterran. So sind die russischen Pelmeni sind größer und schwerer gefüllte als ihre italienischen Schwestern, die Ravioli, und statt duftiger Antipasti gibt es sauer eingelegte Gurken. Allerdings haben es die Tapas auf die Karte geschafft, als Vodka-Shot mit Russen-Tapas.

Garantin für die russische Seele der Gerichte ist Katjushas Mutter. „Sie macht die Teige für Blini, Pelmeni und Silitschen und kann überhaupt alles authentischer kochen, als ich es kann“, sagt Katjusha.

 Nicht ohne meine Mutter

Mutters Hilfe ist besonders jetzt wichtig, denn im Herbst gibt es nach der Corona-Flaute einen Neustart. Bislang war Katjusha’s Foodwerk ein Catering-Unternehmen mit Mittagstisch, doch ab Herbst gibt es auch eine Abendkarte. Die lässt sich aufwändiger gestalten und die handwerklich aus besten Zutaten hergestellten Gerichte dann angemessener kalkulieren.

 Ruhrgebietswein von Nieport

 Tatsächlich: Die kyrillischen Buchstaben
auf der Vodka-Flasche bedeuten Corona.

Der Genießer hatte das Glück, mit einigen Kollegen an der Generalprobe für den Neustart teilnehmen zu dürfen. Um die Abläufe in Küche und Service zu testen, durften wir von der neuen Karte bestellen, worauf wir Lust hatten. Anschließend wurden wir gebeten, unsere Meinung zu sagen. Aber es gab nicht viel zu meckern. Zwar hätte ich mir die Buchweizen-Blini, sprich Pfannkuchen, etwas dünner gewünscht, und die Nudeln etwas weniger sättigend gefüllt, doch das hatte wohl mehr mit einen durch andere Länderküchen geprägten Erwartungen zu tun. Der Abend war eine wunderbare kulinarische Erfahrung. (Übrigens: Jeder Teller wurde unter vier Personen geteilt.)

Das Generalproben-Menü von Katjusha’s Foodwerk
am 9. September 2020

 

Vodka-Shot mit Russen-Tapas: Saure Gurke, Schuba-Rolle,
russische Sülze

Hering im Pelzmantel - Schuba-Röllchen
Schuba ist traditionell ein mit Blini-Teig geschichteter Heringssalat.

Blinis
Pfannkuchen aus Weizen- und Buchweizenmehl mit Lachs

Olivier
Kartoffelsalat mit Rindfleisch und Flusskrebsen

Russisches Schaschlik mit Bratkartoffeln

Borschtsch in Dekonstruktion
Alle Bestandteile der russichen Rote-Bete-Suppe
werden ohne Brühe serviert.
Geschmorter Rindernacken, gebratne Kartoffelwürfel,
 Rote-Bete-Mayo, Krautsalat

Pelmeni
Nudeln gefüllt mit Hähnchenfarce,
Walnusspesto, Creme fraiche und Orangenabrieb



Silitschen
Gebackene Teigtasche mit dreierlei Käse gefüllt 

 Burger Stroganoff mit Kartoffelchips

Dessert I:
Vodka-Limetten-Sorbet mit Birnen-Ingwer-Ragout

Dessert II:
Blini-Netz mit hausgemachtem Vanilleeis

Dessert III:
Zarenschmarren mit hausgemachtem Eis


Katjusha`s Foodwerk. Hochofenstraße 46, 44263 Dortmund-Hörde. 0231/79933164. Di-Fr 10-15 Uhr, Do-So 17-22 Uhr www.katjushas-foodwerk.de

Der Genießer bedankt sich für die Presse-Einladung.

Dienstag, 8. September 2020

Hagen: Elbers800 Grad Grill & Bar

Update: Seit Juli 2025 befindet sich hier "Maredo". 

 General Manager Thomas Wenger (2. v. l.) mit seiner
Küchencrew Tim, Laurenz, Yannick und Lukas

Seit einigen Jahren sind die Elbershallen in Hagen ein viel besuchtes Gastro- und Kulturzentrum. Neben Einrichtungen wie der Musikschule Hagen haben sich hier fünf Gastronomien angesiedelt, die das ehemalige Fabrikgelände in eine Biergartenlandschaft mit südlichem Flair verwandelt haben.

 Kulinarische Kathedrale im Art Déco

Stilvolle Bar nicht nur für Nighthawks 

 Edel im Sitz

Das erste Haus am Platze war bis Mai 2019 der „Golden Cage“ des Waltroper Bäckers Michael Hohoff. Der hatte in wahrer Pionierarbeit mit seinen Grillrooms in Dortmund und anderswo die amerikanische Kunst des Hochtemperaturgrillens bei 800 Grad ins Ruhrgebiet, wenn nicht nach Deutschland gebracht, und schließlich mit den „Golden Cage“ im historischen Kesselhaus der Elbershallen eine Fleischkathedrale der Sonderklasse eröffnet. Der Dortmunder Innenarchitekt Andreas Hanke stattete den imposanten Raum im dekadenten Art-Déco-Stil aus, so dass er Kulissenvorbild für den Club Moka Efti in Fernsehserie „Babylon Berlin“ hätte sein können. Später kam noch eine Bar dazu, die an die Central Station in New York erinnern sollte (klick hier). Serviert wurde in diesen überwältigenden Räumen hauptsächlich hochpreisiges, dry age-gereiftes Edelfleisch.


Stilvoll auch im Detail

Leider ging Michael Hohoff mit seinen Grillrooms in die Insolvenz, und die Betreiber der Elbershallen mussten zusehen, wie sie mit dem extravaganten Erbe umgehen sollten. Ende 2019 eröffneten sie die Räumlichkeiten als „Elbers800 Grad Grill & Bar“ neu, dann kam Corona, und jetzt versucht General Manager Thomas Wenger mit einer engagierten Küchencrew das Haus in wirtschaftlich funktionierendes Fahrwasser zu bringen. Der gelernte Koch und Betriebswirt hat u.a. mit Harald Wohlfahrt gearbeitet und verschiedenen Häusern in Südwestdeutschland mit zum Michelinstern verholfen.

Das edle Fleisch reift vor Ort

Staunen sollen die Gäste über das grandiose Ambiente immer noch, doch Schwellenangst sollen sie nicht mehr haben, wenn sie den Fahrstuhl im Eingangsbereich betreten, um in den goldenen Käfig im ersten Stock zu fahren. Nach wie vor stehen edle Steaks auf dem Prgramm, davon zeugen auch die Reifeschränke, in denen feinste Fleischteile vor sich hin reifen. Hauptsächlich gibt es US-Beef aus Nebraska und bei Bedarf aus Kanada, die Tomahawk-Steaks kommen aus Neuseeland, die Rib eyes aus Finnland. Alle Rinder sind mit Gras gefüttert und dry age-gereift. Beim Einkauf unterstützt wird Wenige von Fleisch-Sommelier Christoph Grabowski von Niggemann in Bochum und den Spezialisten von Otto Gourmet.

Doch in Ehrfurcht versinken soll kein Gast. So gibt es auch eine Reihe von gerichten und vor allem Menü-Angebote, die mehr in der gehobenen Spaß-Küche angesiedelt sind. Ab Herbst wird dieses Angebot durch eine besondere Attraktion unterstützt. „Le petit Chef“, eine kleine Animationsfigur, wird als Laser-Projektion über die Tische huschen und die Gäste unterhalten.

 Dekorative Probier-Häppchen

Das Thomas Wengers Konzept Früchte trägt, zeigte die tolle Auslastung, des „Elbers800 Grad“ am letzten Samstag, als er zu einem kleine Presse-Menü geladen hatte. Was er da mit seiner Küchenmannschaft um Souschef und Rôtisseur Laurenz Jakobs auftischte, zeigte einen großen Spaß am Kochen. Farbenfroh und verspielt angerichtet, kamen die von unprätentiöser Kreativität geprägten Probiergänge auf den Tisch. Bei den Dessert-Kreationen von Pâtissier Yannick Kastner fühlte man sich glatt wie ins Dortmunder Sternerestaurant Palmgarden versetzt. Zum Tomahawk-Steak des Hauptgangs gab es die üblichen Süßkartoffel- und normalen Pommes mit allerlei Saucen und Grillgemüsen. Das Fleisch hätte vielleicht etwas sorgfältiger tranchiert werden können, dann wäre es zarter gewesen.

 Hausweine vom Weingut Emil Bauer

Witzig: die Cola-Begleitung

Dazu gab es die beiden Hausweine Chardonnay und Cabernet Sauvignon vom Weingut Emil Bauer in der Pfalz, zwei wunderbare Allrounder. Richtig witzig war aber eine nichtalkoholische Getränkeauswahl, mit der man sein Menü begleiten lassen konnte die Cola-Begleitung. Insgesamt stehen zwölf verschiedene Sorten der braunen Limonade auf der Getränkekarte, mit mehr oder weniger Koffein oder Kohlensäure, ergänzt durch Ingwer oder Lakritz, die für jeden Gang die geschmackliche Ergänzung bieten.

Das Presse-Menü vom 5. September 2020 

 

Garnele im Tempurateig
mit Hummersößchen

 Gebeizter Lachs auf Fenchel und Orange
mit Lakritzdeckel

 Mozzarella à la Elbers

Spanisch: Zweierlei Kürbissuppe mit Chorizo

Hinten: Falafel-Variation
Vorne: Beef Tatar mit Wachtelei 

Lammrücken mit Cassoulet und Cola-Begleitung


Tomahawk-Steak mit Pommes und Gemüse

 Dessert I von der Gurke

Dessert II

Pralinen


Elebers800 Grad Grill & Bar. Frankfurter Str. 24, 58095 Hagen. Tel. 02331/3490290. Tägl. 17-0.00 Uhr, Do und Sa bis 1 Uhr. www. elbers800grad.de

Der Genießer bedankt sich für die Presse-Einladung. 

 Blick nach oben

Samstag, 5. September 2020

Topfgucker spezial: WAZ-Beitrag über vegetarisches Angebot in der Bochumer Gastronomie

Am 4. September 2020 in der gedruckten WAZ Bochum: Der Genießer als Gastro-Experte in einem Artikel über das vegetarische Angebot in der Stadt.
Hier geht es zu dem Artikel auf WAZ+: klick hier 

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken.


Donnerstag, 3. September 2020

Herbstvergnügen: Pasta mit Steinpilzen und Feigen als Begleitung zu einem schön gereiften Bordeaux

Es waren verschiedene Regal- und Kellerfunde, die mich zu diesem Nudelteller inspirierten. Von einem längst vergangenen Weihnachtsfest übrig geblieben, harrten einige getrocknete Feigen, die ich in einem Schraubglas untergebracht hatte, schon länger auf Verwendung, genauso wie eine noch verschlossene Packung mit ebenfalls getrockneten Steinpilzen, die zügig auf ihre Verfallsdatum zusteuerte. Als eine meiner heißgeliebten Carbonara-Variationen (klick hier) zubereitet, könnten diese beiden Zutaten doch eine hübsche Begleitung zu einem der mittlerweile schön gereiften Rotwein-Klassiker sein, von denen einige in meinem Keller verstauben.

 Optisch fast wie Trüffel: getrocknete Feigen und Steinpilze

Als erstes fielen mir da Barolo oder Nebbiolo ein, würden diese piemonteser Preziosen doch bestens zu dem wunderbaren Frühherbst-Wetter passen, das meinen Balkon in ein goldenes Sonnenlicht tauchte. Doch dann fiel mir beim Stöbern im Keller ein Bordeaux aus dem Jahr 2006 in die Hände, eine Château Belgrave aus dem Haut-Médoc. Ich erinnerte mich, dass ich ihn einmal auf einer Presseveranstaltung von Karstadt Dortmund als Give-Away geschenkt bekommen hatte, allerdings vor meine Bloggerzeit. (Wen’s interessiert, wie großzügig Karstadt war: Heute würde die gereifte Flasche 35 bis-40 Euro kosten.)

Château Belgrave aus dem Haut-Médoc

Ich fand im Netz einige Verkostungsnotizen, in denen was von deutlichen Tanninen, Cassis-, Milchkaffee- und Dörrobstnoten stand, und fand das für meine Steinpilz-Feigen-Kombi recht passend. Als ich den Wein dann öffnete, fand ich ihn mit 14 Jahren und seinem bräunlich-violett changierenden Rot ziemlich präsent. In der sanften Nase konnte ich die genannten Duftnoten wiederfinden. Dazu kam eine deutliche Säure, die das Nudelgericht pfiffig ergänzte.

Also stand einem wunderbaren Herbstvergnügen auf dem Balkon nichts im Wege – wären da nicht meine Freunde gewesen, die genussgeilen Wespen von nebenan...



Rezept: Pasta mit Steinpilzen und Feigen, Pancetta, gerösteten Pistazien und Pinienkernen
2 Portionen

15 g getrocknete Steinpilze
4-6 getrocknete Feigen
200 g g dickere kurze Nudeln, z.B. Casarecce
100 g Pancetta
1 EL Schweineschmalz
1-2 Knoblauchzehe
1 EL Sojasauce
1 großes Ei
4 EL geriebenen Parmesan
Pfeffer aus der Mühle, geriebene Muskatnuss
Salz zum Abschmecken
je 1 EL Pinienkerne und geschälte Pistazien

Getrocknete Steinpilze gründlich waschen und in heißem Wasser eine Stunde einweichen. Getrocknete Feigen ebenfalls waschen. Wenn sie sehr hart sind, mit einweichen. Fertige Pilze und Feigen herausnehmen und auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Einweichwasser durch eine Filtertüte abseihen. Feigen in jeweils drei Scheiben schneiden, Pilze in mundgerechte Stücke.
Pinienkerne und Pistazien in einer Pfanne vorsichtig anrösten.
Pancetta in Würfel schneiden und im Schweinschmalz glasig auslassen. Knoblauchzehen halbiert dazu geben und kurz mitbraten. Eingeweichte Steinpilze dazu geben und ebenfalls kurz braten. Mit ½ Tasse abgeseihtem Einweichwasser aufgießen. Sojasauce dazu geben. Bei geschossener Pfanne 20 Minuten durchschmoren lassen. Feigen dazu geben und bei geöffneter Pfanne mitschmoren, damit die Flüssigkeit etwas einkocht.
In der Zwischenzeit die Pasta nach Packungsvorschrift al dente kochen. Abgießen und eine Tasse Kochwasser zurück behalten.
Ei mit geriebenem Parmesan verrühren. Pfeffer und Muskat dazu geben.
Die fertigen Nudeln in die Pfanne mit den Pilzen und Feigen geben und kurz mitschmoren lassen. Pfanne vom Feuer nehmen und etwas abkühlen lassen. Ei-Parmesan-Mischung darüber gießen und verrühren. Aufpassen, dass das Ei nicht stockt. Eventuell mit Pilzeinweichwasser oder Nudelkochwasser geschmeidig machen. Eventuell mit Salz abschmecken.
Nudelgericht auf vorgewärmten Tellern anrichten und mit gerösteten Pinienkernen und Pistazien, etwas gehackter Petersilie und Pfeffer aus der Mühle bestreuen.