Sonntag, 11. September 2022

Herbstvergnügen: Süß-pikantes Möhren-Orangen-Süppchen mit Pistazien


Auf dem Wünnerhof hatte ich ein paar Möhren und Kartoffeln der Sorte Laura gekauft. Das ist eine rotschalige Sorte mit intensivem gelbem Fleisch. Gemeinsam mit einem Rest Orangensaft ergab das ein farbenfrohes süß-pikantes Möhren-Orange-Süppchen. Als Garnierung mussten endlich die sizilianischen Pistazien herhalten, die vakuumiert seit Weihnachten ihr Dasein im Vorratskorb fristeten.

Möhren und Kartoffeln der Sorte Laura

Rezept: Süß-pikantes Möhren-Orangen-Süppchen mit Pistazien
2 Portionen

300 g Möhren
300 g Kartoffeln, vorzugsweise Laura
1 Zwiebel
Butter
1 TL Zucker
100 ml Orangensaft
250 ml Gemüsebrühe
Thymian
Ingwer
Muskat
Ziegenfrischkäse
Salz, Pfeffer
Zitronensaft
Pistazien
Paprikapulver

Möhren und Kartoffel schälen und in kleine Scheiben bzw. Würfel schneiden. Zwiebeln fein würfeln.
Butter in einem Topf schmelzen lassen, Zwiebeln mit Zucker darin anschwitzen, Möhren- und Kartoffel-Stücke dazu geben und ebenfalls karamellisieren lassen. Mit Gemüsebrühe und Orangensaft aufgießen. 1 Zweig Thymian dazugeben, ein Stück Ingwer und Muskatnuss hineinreiben und alles in ca. 20 Minuten gar kochen. Vom Herd nehmen, Thymianzweig entfernen und pürieren. Ziegnfrischkäse unterheben. Mit Pfeffer und Salz abschmecken; eventuell einen Spritzer Zitronensaft dazu geben.
Pistazien mit etwas Salz anrösten.
Süppchen in vorgewärmten Tellern anrichten, mit den gerösteten Pistazien und etwas Paprikapulver bestreuen.

Samstag, 10. September 2022

Herbstvergnügen: Ein alter Rioja und Rindsgulasch mit Orangenschalen und Nudeln



Das hatte der Genießer lang nicht mehr im Glas gehabt: einen Remelluri Reserva 2007. Vor 15 Jahren war der die Cuvée aus Tempranillo, Garnacha und Graciano vom Weingut Remelluri in der Rioja Alta so etwas wie ein Standardwein im Weinkeller. Der Jahrgang 2007 war jetzt herrlich samtig mit ganz feiner Tanninkörnigkeit, schokoladig und würzig – letztendlich aber leider nicht so bekömmlich, wie ich es bei seinem Alter erwartet hätte. Oder liegt's an meinem Alter, dass ich Wein immer weniger vertrage?


Dazu gab es ein Rindsgulasch mit Nudeln aus Fleisch vom Marienhof und einen Salat vom Wünnerhof in Hattingen (klick hier). In der Sauce war natürlich der Wein, Paprika und Orangenschale – das Gericht war die vereinfachte improvisierte Variation eines bewährten Rezeptes mit Ochsenschwanz (klick hier).


Rezept: Gulasch mit Rioja und Orangenschale

2 Portionen

300 g Gulasch vom Biorind
2 große Zwiebeln
1 rote Paprika
1 Glas Rioja oder anderer Rotwein
1 EL Mehl
1 Bund mediterrane Kräuter, Thymian, Rosmarin, Salbei etc.
1 Gewürzsäckchen mit Pfefferkörnern, Nelken und Pimentkörnern
1 Lorbeerblatt
1 langer Streifen dünn abgeschnitten Schale von einer Bioorange
1 Glas Rinderfond
Bratfett
Pfeffer und Salz
Rigatoni oder andere dicke kurze Nudeln
Geriebener Parmesan

Zwiebeln fein würfeln, Paprika entkernen und ebenfalls in kleine Würfel schneiden.
In einem Schmortopf Bratfett erhitzen und das Rindsgulasch von allen Seiten scharf anbraten. Flesich aus dem Topf nehmen. Zwiebeln fein würfeln, Paprika entkernen und ebenfalls in kleine Würfel schneiden. Im gleichen Bratfett Zwiebel- und Paprikawürfel ebenfalls scharf anbraten. Einen Schuss Rotwein darüber gießen und verdampfen lassen. Das zwei bis drei Mal wiederholen. Mit 1 EL Mehl bestäuben und umrühren.
Pfefferkörner, Nelken und Pimentkörner in einen Teebeutel geben und zubinden. Gemeinsam mit dem Kräuterbund, dem Lorbeerblatt und der Orangenschale in den Topf geben. Angebratenes Fleisch dazu geben und alles mit Rinderfonds auffüllen. Zweieinhalb Stunden bei niedriger Hitze schmoren lassen, bis das Fleisch weich und zart ist. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.
Nudeln nach Vorschrift kochen.
Wenn das Gulasch zart ist, Gewürzsäckchen, Kräuterbund, Orangenschale und Lorbeerblatt entfernen. Mit den gegarten Nudeln vermischen und auf vorgewärmte Teller verteilen. Mit geriebenem Parmesan bestreuen.
Dazu schmeckt ein gemischter Salat.

Sonntag, 4. September 2022

Herbstvergnügen: La Romantica am Dortmunder Kaiserbrunnen

Update 2025: Seit Februar befindet sich an diesem Standort die Pizzeria "Imperatore"
Update September 2024: Das Restaurant ist geschlossen.

Dortmunder Belle Époque: La Romantica am Kaiserbrunnen

 
Franco und seine Frau Maryem

Die Corona-Pandemie stellte besonders die Gastronomiebranche vor ganz besondere Herausforderungen. Doch was den einen zum Pech wurde, wurde dem anderen zum Glück. Das Dortmunder Ristorante Nuragus (klick hier) überlebte mit seiner sardischen Küche die Lockdowns leider nicht. Doch die Besitzers des prachtvolle Gebäudes am Kaiserbrunnen wollten auch weiterhin einen repräsentatives italienisches Restaurant im Haus haben, und so überzeugten sie Franco Challail, mit seinem La Romantica von der Düsseldorfer Straße am Ostfriedhof (klick hier) mitten ins noble Kaiserviertel zu ziehen. Im November letzten Jahres war es dann soweit. Franco konnte die Pforten des neuen La Romantica eröffnen. Im Sommer realisierte er schließlich auch den Außenbereich auf dem Bürgersteig vor dem Eingang und in dem kleinen Park am Kaiserbrunnen. Auch eine Station für Pizza zum Mitnehmen müsste mittlerweile geöffnet haben.



Robert De Niro und Al Pacino an der Wand
Italien wie aus Hollywood

Noch rechtzeitig, bevor der Herbst die Außensaison beendet, lud Franco zu einem Presseessen in seinem urban-gastronomischen Paradies. Die elegant eingedeckten Tische Im Schatten der alten Bäume und vor den Fassaden der großbürgerlichen Wohnhäuser der Kaiserzeit erzeugen eine Atmosphäre, die man in Paris Belle Époque nennen würde; der Trubel der vorbei cruisenden Autos (und Radfahrer) erinnert an die Szenen auf der römischen Via Veneto aus dem Fellini Film „La dolce vita“. In kurzer Zeit ist an diesem Dienstagabend alles vollbesetzt mit Gästen, die die spätsommerlichen Temperaturen genießen wollen, und der Patron hat in der Küche alle Hände voll zu tun.





Dolce Vita am Kaiserbrunnen

Franco stammt ursprünglich aus der spanischen Exklave Melilla in Nordafrika, und so erinnert seine Präsentation der italienischen Küche am ehesten an die schon orientalische Farbigkeit sizilianischer Gerichte. Die Grandezza, mit der er seine fantasievollen Kreationen auf den Tisch bringt, weist darauf hin, dass er vor seiner Selbstständigkeit bei Dortmunds Edel-Italiener Toni (klick hier) gearbeitet hat. Doch von dem kulinarischen Korsett der regionalen Kochtraditionen, das der italienischen Küche Halt und Substanz verleiht, lässt er sich nicht einengen. Zwar benennt er seine Kreationen gern nach italienischen Provinzen, doch meistens prägen weniger eine traditionelle Zubereitung oder der Eigengeschmack der Produkte seine Gerichte, sondern intensive Saucen. In diesem Sommer sind es fruchtig-süße Kompositionen, die als exotische Gaumenschmeichler herausfordern und in ihren Kombinationen durchaus irritieren können.

Pressemenü La Romantica
30.8.2022

Salmona Tartar Puglia
Lachs-Tatar mit Frischkäse und getrockneter Tomate auf italienischen Cracker 
 

Mit einer Garnele gefülltes Seezungen-Involtino auf Zitrussauce 
 

Im Glas: Maria Costanza Bianco
Sizilianischer Biowein aus Inzolia und Chardonnay von Milazzo


Tonno Tartara Calabria
Thunfischtatar auf gegrilltem Gemüsebett und Avocado 

 

Taglierini mit Hummersauce

 

Papageienfisch mit Maracuja


Im Glas: Lugana 010 von Bruno Bulgarini, Lombardei


Lammcaree in Rotwein mit Honig und Pinienkernen


Im Glas: Le Serre Nuove Dell‘ Ornellaia 2019, Toskana



Dessert



La Romantica Da Franco. Goebenstr. 1, 44145 Dortmund. Tel. 0231/22397770. Di-Fr 11.30-15 Uhr, 17-23 Uhr. Sa, So 12-22 Uhr. www.laromantica-dortmund.com

Der Genießer bedankt sich für die Presse-Einladung.
Dank auch an Michael Alisch für die Organisation.

Donnerstag, 1. September 2022

Aus dem Archiv: Mowwe Restaurant & Café

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2023"



Naherholung pur

Wer vor dem hektischen Großstadtbetrieb in der Dortmunder City fliehen will, der sollte einen Ausflug in den ländlichen Dortmunder Stadtteil Lanstrop wagen. Schönster Anlaufpunkt ist dafür das Restaurant & Café Mowwe. Wie viele andere Gastronomiekollegen auch, haben Alexander Mowwe seine Familie die Lockdown-Zeit dazu genutzt, dem Anwesen neuen Glanz zu verleihen.

Text Peter Krauskopf


Wenn wir in der Toskana wären, würde man die neue rote Farbe des Restaurants wahrscheinlich mit dem schönen Namen „Ochsenblut“ bezeichnen. Wenn wir in der Toskana wären, hätte die Fassade, auch wenn der Anstrich nagelneu ist, von Anfang an den romantischen Touch des Antiken und Rustikalen. Doch das ganz frische renovierte und mit neuen Möbeln hell und freundlich ausgestatte Restaurant wirkt noch jungfräulich wärmegedämmt, präzise und ordentlich. Und dennoch, bei dem strahlenden Sonnenschein, den im Wind flatternden Sonnenschirmen, dem Kaffee und hausgemachten Kuchen, den Limonaden und Bierchen, den kleinen und größeren Gerichten, die an den bis zu 160 Biergartenplätzen serviert werden, steigen in einem wohlige Urlaubsgefühle auf. Erstaunlich viele Spaziergänger und Fahrradfahrer, Hundefreundinnen, Rentner, Rentnerinnen und sogar zwei Gastrojournalisten genießen an diesem Mittwochnachmittag ganz einfach die gemütlich, spätsommerliche Atmosphäre bei Mowwe.

Vor über 10 Jahren gaben Michael und Gerlinde Mowwe die Landwirtschaft auf und wandelten den Kuhstall ihres Bauernhofes in ein Café um, das sich schon bald großer Beliebtheit erfreute. Das Landschaftsschutzgebiet, das rund um den nahe gelegenen, durch bergbauliche Bergsenkungen entstandenen Lanstroper See ausgewiesen wurde, schrieb die Idylle im Nordosten Dortmunds an der A2 auch für die Zukunft fest, und so lag der Wechsel in die Gastronomie auf der Hand. Für Sohn Alexander, für den schon immer klar war, dass er den Familienbetrieb weiter führen wollte, war die Entscheidung, eine Ausbildung als Koch zu machen, da ziemlich einfach. Seit 2016 ist der heute 32-Jährige ebenfalls Teilhaber, und auf seine Initiative ist auch die Wandlung des Hofes vom Café zum Restaurant zurückzuführen.

Die Richtung, die der Betrieb seitdem genommen hat, scheint klar – auch angesichts der Häuser, in denen er gelernt hat. „Ich habe meine Ausbildung bei Overkamp begonnen und auch beendet“, meint er schmunzelnd. Overkamp ist einer der ältesten und traditionsreichsten Landgasthöfe im Dortmunder Süden, und Küchenchef Günter Overkamp-Klein einer der profiliertesten Verfechter der westfälischen Küche in der Region. So wundert es nicht, dass auch Alexanders Küche regional geprägt ist. Auch er pflegt die Zusammenarbeit mit Produzenten aus der Nachbarschaft. Die fast fußläufig zu erreichenden Höfe Merthin und Lüning sowie der Gahmener Hof jenseits der A2 in Lünen liefern Gemüse und Kartoffeln, Bio-Spargel gibt es ebenfalls aus Lünen von Schulze-Wethmar – alles auch gute Einkaufsquellen von ambitionierten Dortmunder Hobbyköchen. Den Käse liefert Wellie in Fröndenberg und den Fisch Baumöller in Wickede.

Dabei legt Alexander viel Wert darauf, dass die „guten alten Sachen“, die auf der Speisekarte stehen, „nicht zu stupide rüberkommen“. Und als er das sagt, muss er auch ein wenig lachen. Die nötige Kreativität, um die traditionelle westfälische Küche neu zu interpretieren, konnte er sich in ganz besonderen Betrieben abschauen. So arbeitete er auf Sylt im Golfhotel Budersland und vor allem in der der legendären Résidence von Berthold Bühler in Essen-Kettwig, die mit zwei Michelinsternen bis zu ihrer Schließung das höchstdekorierte Restaurant im Ruhrgebiet war. Während seiner Zeit dort konnte Alexander mit allen drei Küchenchefs, die das Haus je hatte, zusammen arbeiten: Henri Bach, Erik Arnecke und Eric Werner. Wie sich dieser High-End-Einfluss auf seine deftige Landhausküche auswirkt, zeigte der Tafelspitz, den er zu unserem Gespräch servierte. Statt wie gängig in einer fetten Meerrettich-Sahne-Sauce zu ertrinken, wurde das gesottene Rindfleisch fast dekonstruiert angerichtet: in einer klaren Brühe mit Schmorgemüsen wie ein italienisches Bollito Misto, garniert mit getrockneten Apfelschalen und separat gereichten Kartoffeln. Für den bodenständigen Bumms sorgte dann frisch darüber geriebener Meerrettich.

Aber auch Alexander Mowwe weiß, dass für eine Gastronomie wie seiner die gute Küche nur die halbe Miete ist. Deshalb baut die Familie den Bankettbereich immer weiter aus. Der alte Bauernhof ist schließlich eine ideale Kulisse für Familien- und Betriebsfeiern. Besonders für Hochzeiten ist die ländliche Idylle eine Art Geheimtipp geworden. Freie Trauungen können im Obstgarten unter Apfelbäumen sattfinden, und eine alte Scheune wurde zum Bankettsaal umgebaut. Hier findet sich auch die anfangs erwähnte toskanische Rustikalität. Unverputzte Ziegelmauern und fein eingedeckte Tische bieten einen ganz zauberhaften Kontrast. Und wenn dann noch das Brautpaar in der hofeigenen, von zwei Pferden gezogenen Kutsche vorfährt, ist das Romantik pur.

Aber es ist auch klar, dass die Entwicklung von des Betriebs von „Hof Mowwe“ zu „Mowwe Restaurant & Café“ längst noch nicht abgeschlossen ist. Schlägt man einige Ideen vor, die man möglicherweise noch realisieren könnte, wiegelt Alexander nicht ab. Sondern es zeigt sich, dass er schon längst darüber nachgedacht hat, welche Schwierigkeiten dafür zu überwinden seien. Etwa, dass man für einen Garten mit Gemüseanbau für den eigenen Bedarf extra Personal bräuchte. Oder, dass der eher verwegene Gedanke vom Bau eines Hotels, wie es dem Hof gut zu Gesicht stehen würde, im Naturschutzgebiet doch nicht so einfach zu bewerkstelligen wäre. 

44329 Dortmund-Lanstrop, Im Ostfeld 185. Tel. 0231. 35 13 31. Mi-So 11– 23 Uhr, Mo, Di geschlossen. https://www.mowwe.de/

Freitag, 26. August 2022

Gourmetmeilen 2022: „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein eröffnet

Die Essener 1. Bürgermeisterin Julia Jacob und
Meilenmacher Rainer Bierwirth stoßen an

Zollverein-Vorstand Prof. Heinrich Theodor Grütter spendet der Meile seinen Segen. Im Hintergrund Brauereichef Thomas Stauder und Gastronom Yavuz Cagritekin vom La Turka in Düsseldorf

Mit der „Gourmetmeile Metropole“ auf Zeche Zollverein hat gestern in Essen die letzte kulinarische Großveranstaltung dieser Art in diesem Sommer eröffnet. Erstmals fand sie im Kulturhauptstadtjahr 2010 statt und sollte eigentlich einen einmalige Sache sein, doch erwies sie sich als gelungenes Aushängeschild für die gastronomische Landschaft im Ruhrgebiet, dass sich der Verein „Essen genießen e.V.“ um Meilenmacher Rainer Bierwirth und die Stiftung Zollverein dazu entschlossen, das städteübergreifende Konzept weiter zu führen. Auch wenn sich einige gastronomische Perlen im Laufe der Zeit zurück zogen, das Publikum schloss die Gourmetmeile ins Herz – nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Kulisse des UNESCO-Welterbes Zollverein, das in der Dunkelheit zauberhaft illuminiert wird und der wohltemperierten Musikauswahl von Musikpromoter und Trüffelspezialist Igor Albanese, die live auf einer Bühne das große Schlemmen entspannt untermalt.


Beindruckende Kulisse des Kulturerebes

Umso mehr freute sich der Genießer, dass er dieses Jahr nach der Corona-Zwangspause wieder einer Einladung zum Eröffnungsmenü erhielt. Wie alle Gourmetmeilen im Ruhrgebiet, die sich dieses Jahr wieder an den Start wagten (klick hier), hat auch Zollverein etwas abgespeckt. Es sind aber immerhin 13 Gastronomien hauptsächlich aus Essen, aber auch aus Mülheim, Gladbeck und Düsseldorf, die sich nicht durch pandemiedingten Personalmangel oder Ukraine-Kriegs-bedingter Teuerung von ihrer Präsenz abbringen ließen. Und so ist auch in diesem Jahr wieder eine prachtvolle Meile zu Stande gekommen, die ein nostalgisches, Gefühl aufkommen lässt, das an die guta alte Zeit der Gourmetmeilen erinnert.

Genießen im Kulturdenkmal

Von 88 Gerichten, so hat Meilenmacher Rainer Bierwirth im Vorwort des Programmheftes gezählt, können sich die Besucher verwöhnen lassen. Was bei der Durchsicht der Speisekarten auffällt ist, dass das grüne Veggie-Zeichen allerdings kaum ins Auge fällt. Einige Restaurants haben gar keine vegetarischen Gerichte.Wie auch bei den anderen Gourmetmeilen im Ruhrgebiet, scheint man auch hier nicht an dem sich immer weiter ausbreitenden Trend zum Fleischlosen zu glauben, der es mittlerweile schon bis in die Werbung der Fast-Food-Ketten geschafft hat. Stattdessen betont Bierwirth in der Pressemitteilung, wenig die Gerichte auf Zollverein kosten, was ein wenig an den alten „Geiz ist geil“-Slogan erinnert. Die preiswertesten Gerichte gibt es übrigens für 5 Euro, das teuerste ist ein „Surf and Turf“ aus Simmentaler Rinderfilet mit Pfeffersauce und einem halben kanadischen Hummer mit Hummersauce für 24,90 Euro beim Ristorante Acquario.


Erfischende Eistee-Cocktails in der Schick Essen Cocktail Bar

Zum von Genius Loci des Veranstaltungsorts inspirierten Konzept gehört es, eine „Bergmannsgericht“ im Angebot zu haben - eine Herausforderung, die die Kreativität der Küchenchefs immer wieder herausfordert. In diesem Jahr spielt dabei die Currywurst eine wichtige Rolle. An drei Ständen wird sie angeboten, Grund genug, um daraus die diesjährige Genussbereit-Challenge zu machen. Wobei ich mir als Hobbyhistoriker gar nicht so klar darüber bin, ob sie wirklich ein Bergmannsgericht ist. Schließlich kam sie erst Ende der 1960-er Jahre so richtig in Mode, als die meisten Zechen im Ruhrgebiet schon geschlossen hatten. Zur Ruhrgebietsmahlzeit wurde sie erst durch die Comediens, die im Zuge des Strukturwandels seit den 1980-er Jahren zur Identifikationsfigur der Region wurden.

Hier also die zweiteilige Fotodokumentation dessen, was beim gestrigen Besuch verzehrt wurde.

1. Die Currywurst-Challenge
25.8.2022

 
Alte Metzgerei
Die „Echte Dönninghaus“ –Currywurst“ mit Baguette (5 Euro)
Seit Herbert Grönemeyers Song von der Currywurst ist die „Echte Dönninghaus“ in Bochum und dem Rest des Ruhrgebiets Kult – auch weil die dazu gehörige Sauce genau die Schärfe hat, um die Biervorräte im Bermudadreieck auszutrinken. Sie auf einer Gourmetmeile zu präsentieren, scheint aber etwas einfallslos, vor allem wenn sie so - wie hier auf dem Teller während des Eröffnungsmenüs – serviert wird.

Gummersbach
Currywurst
Echt Schwäbisch Hällische Bratwurst mit einem Butterbrot mit schwarzem Grubensalz (7 Euro)
Zu meiner Zeit war Currywurst etwas, was man an der Bude aß, um sich von Mutterns Bevormundung zu Hause unabhängig zu machen. Dieses Gourmetstück hingegen schmeckt so, wie Mama sie zubereitet hätte, wenn sie sowas überhaupt gekocht hätte. Die Wurst aus bestem Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Schwein, der Gemüseansatz der Sauce herausschmeckbar, die Currywürze dezent aber eindeutig. Und das dekorative schwarze Salz auf dem Bütterken ist ein Verweis auf die Fine-Dining-Heimat des servierenden Hauses.

La Turka
Orientalische Dattel-Currywurst mit gerösteten Mandeln (7 Euro)
La Turka, einst ein edles türkisches Restaurant in Rüttenscheid, heute in gleicher Funktion in Düsseldorf tätig, sorgt für den kreativen Clash der Kulturen. Die Sauce ist ein süß-würziger Ausflug in einen türkischen Serail und stünde auch gut einem pikanten Dessert zu Gesicht. Die Wurst ist natürlich nicht aus Schweine-, sondern aus Hähnchenfleisch mit ebenfalls exotischer Textur. Ein schönes Experiment.

Fazit
Hier die beste Wurst zu küren, würde mehr über meine Erwartungen verraten als über das Produkt. Deshalb zitiere ich lieber meinen alten Bergmannsgericht-Schlachtruf: „Rettet die Linsensuppe!“




2. Gourmetmeile Metropole Ruhr 2022
Menü zur Eröffnung für geladene Gäste
15.8.2022

(Preisangaben zur Orientierung)

Acquario
Agnolotti al Tartufo
Gefüllte Nudeln Trüffel Sahnesauce (8,50 Euro)
Die Nudeln sind ein Klassiker der italienischen Küche. Die Sauce sollte wohl an die legendäre Trüffelsauce erinnern, mit der, wenn anwesend, „La Grappa“ eine legendären Gourmetmeilen-Gnocchi serviert.

Wasserschloss Wittringen
Gambas Mediterran Mit frischen Kräutern und Knoblauch in Weißwein-Tomaten-Tunke, dazu Knoblauch-Baguette (12 Euro)
Optisch sah das Gericht der folgenden Currywurst von der „Alten Metzgerei“ verblüffend ähnlich. Die Gambas waren knackig, die Sauce erinnerte an bekannte Nudelgerichte aus der Kindheit.

Alte Metzgerei
Die „Echte Dönninghaus-Currywurst“ (5 Euro)
Siehe oben


Der Löwe
Sauerbraten vom deutschen Rind Mit einer kräftigen Rotweinsauce (ohne Rosinen), Kartoffelknödel und Apfelrotkohl (12 Euro)
Zwar gehört der westliche Teil des Ruhrgebietes zum Rheinland, aber bei der Zubereitung von Sauerbraten zeigt sich, das das Ruhrgebiet eben doch nicht das Rheinland ist. Die Sauce wird hier nämlich ohne Rosinen gemacht – so wie bei meiner Mutter. Sauce und Rotkohl zeigten ein angenehmes Süß-Säure-Spiel, der Knödel hatte ein perfekte Konsistenz, das Fleisch bot korrektem Schnitt gegen die Faser einiges zum Kauen.

Gourmetmeile Metrople Ruhr auf Zeche Zollverein. Essen, Gelsenkirchener Str. 180. Geht noch bis zum 28.8.2022. Infos hier.

Donnerstag, 25. August 2022

Gourmetmeilen 2022: „Dortmund à la carte“ eröffnet

Die kulinarische Zeltstadt auf dem Hansaplatz wartet auf die Gäste

Ich weiß nicht, ob es heutzutage noch politisch korrekt ist, so ein Wetterchen wie gestern „Kaiserwetter“ zu nennen. Aber die Sonne knallte vom Himmel herunter, dass es eine Lust war, als zur Mittagszeit erstmals die Zelte für die Gourmetmeile „Dortmund à la carte 2022“ auf dem Hansaplatz öffneten . Und immerhin gibt es am Stand vom Freischütz Kaiserschmarrn.

Zwei Jahre lang konnte die „Mutter aller Gourmetmeilen“, die zu den ältesten Veranstaltungen dieser Art im Ruhrgebiet gehört, wegen Corona nicht stattfinden. „GourmeDo“, die andere große Dortmunder Gourmetmeile der letzten Jahre, hat angesichts dieser Turbulenzen die Bestecke komplett abgeben und findet überhaupt nicht mehr statt. Dabei war diese Konkurrenz durchaus segensreich, brachte sie doch „Dortmund à la carte“ vor ein paar Jahren dazu, in ein neues Erscheinungsbild zu investieren. Und so präsentiert sich der Dortmunder Hansaplatz heute als eine der elegantesten kulinarischen Zeltstädte der Region mit elf großzügigen Pop-Up-Restaurants (Ringhotel Drees, Matenaar’s, Markt 13 by Gaudialm, Treppchen 1763, Brauturm, Dieckmann’s, Tante Amanda, EMIL, Vetro, Altes Gasthaus Grube und Freischütz) und weiteren Ständen.

Kaiserwetter in Dortmund

Doch der große Wandel, den die Dortmunder Gastronmieszene in den letzten beiden Jahren erlebte, wird auf „Dortmund à la carte“ nicht abgebildet. Die Sterneküchen-Revolution, die über die Westfalenmetropole herein gebrochen ist, findet hier nicht statt. Ich würde es klasse finden, wenn etwa ein Stand vom „Kochquintett“, der die Dortmunder Sternehäuser vereinigen könnte, auf „Dortmund à la carte“ ein Gastspiel geben würde.

Stattdessen gibt man sich mit dem Angebot gewohnt deftig. Eine kleine Bosheit muss ich loswerden. Kulinarisch ist es wie beim Fußball, man will in Dortmund gerne Bayern sein. Denn die Gerichte klingen für die Westfalenmetropole erstaunlich bajuwarisch-südländisch: „Tiroler Gröstel“, „Jausenplatte“, „Münchner Leberkäs Semmel“, „Tafelspitz (immerhin) auf Stielmus“ oder eben „Kaiserschmarrn“. Und das Wies’n-Ritual, die Veranstaltung mit dem Anstich eines Bierfasses durch den Oberbürgermeister zu eröffnen, passt da auch schön ins Bild.


Rituelle Handlung:
Dortmunds OB Thomas Westphal und Johannes Riepe
vom Ringhotel Drees stechen das Fass an

Freunde der mediterranen Urlaubsküche kommen allerdings auch auf ihre Kosten, was bei den sommerlichen Temperaturen geradezu ideal ist. Was das vegetarische Angebot angeht, liegt man leider nicht besonders im Trend. Nur wenige Hauptgerichte tragen das grüne Veggie-Zeichen. Wer fleischlos essen will, muss sich auf „Dortmund à la carte“ offensichtlich von Desserts ernähren.

Nichts desto weniger waren die Gerichte, die ich gestern probierte, erstaunlich gut. Besonders die Fleischzubereitung beherrscht man bei „Dortmund à la carte“ aus dem Effeff. Das Secreto vom Iberico-Schwein vom Vetro und die Rinderroulade bei Tante Amanda ließen keine Wünsche übrig. Allerdings muss ich gestehen, gegessen wurde bei der Hitze nicht so viel, obwohl mich dabei Kollegin Silke vom der Facebook-Gruppe „Mein (kulinarisches) Dortmund“ unterstützte. Dafür wurde wurde den Getränken umso lebhafter zugesprochen.

 

Ein Nachmittag auf „Dortmund à la carte“
24.8.2022



Ein Stößchen Kronen vom Schlips zum Auftakt

 


Matenaar’s 
3 Austern mit Schampus
Das musste sein

Hauscocktail mit Skiclub Kampen Likör



Dieckmann‘s
SL Falafelbällchen
Mit orientalischem Rot-Beete-Salat mit Limetten-Minz-Joghurt

Erfrischend-knusprige Vorspeise mit deftigem Kreuzkümmel-Touch. Dazu vegetarisch. Hier ist Dieckmann’s vorbildlich. Allein auf der Hauptkarte stehen der Veggie-Gericht, dazu kommen, zwei fleischfreie Desserts. Was heißt eigentlich SL?

Zwei betörend süße Eistee-Kreationen.
Mit Granatapfel und Limette-Minze.



Vetro
Das geheime Filet
Iberico Secreto mit frischem Wildkräutersalat und Asia Dip

Saftig, knusprig, zart und mit schönen Raucharomen – der seltene Cut vom Iberoc-Schwein war tadellos zubereitet.


Tante Amanda
Zart geschmorte Rouladen vom Weideochsen
Mit Rahmspitzkohl und Kartoffelpüree

Bei Muttern schmeckt es nicht anders.



Hitzefrei Eiskreationen
Eiskaffee
Bei der Hitze einfach himmlisch zum Nachtisch. Wieso waren am Stand von Hitzefrei eigentlich keine Schlangen?



Dortmund à la carte. Hansaplatz, Dortmund. Tägl. ab 11 Uhr. Geht noch bis zum 28. August. Tägl. ab 11 Uhr. www.dortmund-a-la-carte.de

Dienstag, 23. August 2022

Gastroführer „Essen geht aus 2023“ erschienen


War die Präsentation von „Essen geht aus“ im letzten Jahr noch eine recht frostige Angelegenheit im Schatten der Pandemie, knüpfte die gestrige Release Party der neuen Ausgabe für das Jahr 2023 wieder an die Glorie alter Zeiten an. Bei schönstem Sommerwetter traf sich die Essener Gastronomen im Jagdhaus Schellenberg hoch über dem Baldeneysee, um das Erscheinen des neuen Gastroführers zu feiern. Projektleiter Marc Lorenz und Chefredakteur Tom Thelen konnten in ihren Moderationen schließlich einigen Optimismus verbreiten, schließlich gab es trotz Corona und den aufziehenden Schwierigkeiten durch den Ukraine-Krieg zahlreiche Neueröffnungen und Wiederbelebungen. So künden die großen Reportagen über ungebremste Frauenpower in der Essener Gastronomie: Erika Bergheim, langjährige Küchenchefin im Michelin-besternten Schlosshotel Hugenpoet, eröffnete mit der Pierburg in Kettwig ihr eigenes Restaurant, und Julia Mair, die das Gastro-Handwerk in der legendären Résidence lernte, beglückt das schöne Rüttenscheid jetzt mit gleich zwei Restaurants, „Fischerei“ und „Gärtnerei“. Im „Bahnhof Süd“ im Südviertel gibt es dank einer stärkenden Craft Bier-Infusion wieder Gastronomie. Und der Genießer hochstpersönlich wagt einen Blick über die Hügel am Baldeneysee und berichtet über den Neustart im Waldhotel Heiligenhaus mit dem Restaurant „Blattwerk“. „Essen geht aus 2023“ kann so, gemeinsam mit dem umfangreichen Rezensionsteil, über 200 Restaurants und kulinarische Adressen berichten.

Erleuchtet: Chefredakteur Tom Thelen

Die Köche des Abends

Zur Feier des Heftes wurde ein fünfgängiges Menü serviert, dessen Gänge von den Köchen der präsentierten Häuser zubereitet waren.

Das EGA 2023 Menü

Gebratene Riesengarnele
Gurke │ Mango │ Sesam │ Radieschen │ Shiso │ Limetten Salsa

Thorsten Bungard, Blattwerk im Waldhotel Heiligenhaus 

Wan Tan
Shii take │ Spitzkohl │ Papaya Salat │ Wasabi Crunch │ Sesam Aioli │ Teriyaki
Sven Zacharias, Fischerei & Gärtnerei

Kalbsfilet
Paprika in Texturen │ Basilikum │ Pistazien

Marc Wimper, Jagdhaus Schellenberg

Steinbutt
Kürbis vom Feld │ Yuzukosho │ Bonitoflocken
Michael Scheil und Mathhäus Bröl, Chefs & Butchers


Beerentarte

Joghurtparfait │ Zitronenverben │ Pistazienpesto
Peter Meistes, Restaurant am Park im Sheraton Essen Hotel


Im Glas:

Riesling Qualitätswein halbtrocken
Geschwister Köwerich, Mosel

Sagenhaft Rosé Qualitätswein trocken
Weingärtner Cleebronn & Güglingen, Württemberg

Chardonnay trocken
Velis Vineyards, Rheinhessen


Essen geht aus 2023. Überblick Lensing Media. 140 Seiten. 8,90 Euro. Erhältlich im guten Zeitschriftenhandel und hier im Internet