Dienstag, 15. Oktober 2013

Whiskymesse Aquavitae in der Stadthalle Mülheim

Praktisch für Messebesucher:
Whisky-Snifter mit Umhängeband

Erstmalig veranstaltete die Essener Spirituosenhandlung „Rolf Kaspar“ ihre Whiskymesse „Aquavitae“ am letzten Wochenende in der Stadthalle Mülheim. Der Grund: Der Andrang der Whiskyfreunde war in den letzten Jahren so groß geworden, dass er an den damaligen Veranstaltungsorten kaum zu bewältigen war. Noch nicht einmal auf Zeche Zollverein gelang es im letzten Jahr, für die nötige Lüftung zu sorgen. Vor der Stadthalle Mülheim gab es bereits schon vor der Öffnung lange Schlangen an den Türen, aber dann verteilten sich die Besucher über die auf mehreren Etagen verteilten Aussteller und die Atmosphäre blieb angenehm luftig. Ausgestattet wurden sie mit einem Whisky-Snifter samt Halteband, so dass man die Hände frei hatte, wenn man nicht gerade probierte.

Veranstaltet wurde die Aquavitae
von der Spirituosenhandlung "Rolf Kaspar"

Diesmal waren 65 Aussteller dabei, auf zahlreichen kommentierten Tastings, die in extra Seminarräumen stattfanden, konnte man sich von der einzigartigen Qualität der Whiskys überzeugen.

Vorhang auf im "Caruso": der Haggisburger

Der Genießer labte sich erst einmal in der Stadthallen-Gastronomie „Caruso“ an einem Haggisburger, der anstelle mit der üblichen Rindfleisch-Bulette mit einer Scheibe des schottischen Nationalgerichtes aus Schafsinnereien und Hafermehl gefüllt war. Die schottische Variante des pfälzischen Saumagens schmeckte prima. Dann besuchte er hauptsächlich regionale Whyskyfreunde und –brenner. Denn die Whiskyherstellung wird auch im Ruhrgebiet immer beliebter.

Manni Ortmann von der Whisky-Kneipe Charivari

Mit der Kneipe „Charivari“ im Wattenscheider Bahnhof veransaltet „Rolf Kaspar“ regelmäßig das „Whiskyschiff“ auf dem Rhein-Herne-Kanal. Für seine Gäste hat Manni Ortmann ständig bis zu 100 verschiedene schottische Malt-Whiskies im Ausschank, darunter Abfüllungen bekannter Brennereien wie Glenfiddich, Glenmorangie und Glenlivet bis hin zu unbekannteren Brennereien wie Speyburn, Tomintoul, Rosebank, Glen Rothes, Braes of Glenlivet. Für Infos hier klicken.

Junior-Chefin Michaela Habbel von der der Brennerei Heinrich Habbel in Sprockhövel

Die Brennerei Habbel gehört zu den Pionieren in der deutschen Whisky-Szene und produzierte schon in den 1970er Jahren den ersten deutschen Whisky, der heute noch im Verkauf ist. Zur Zeit reifen neue Kreationen in den Fässern. Bis sie fertig sind, hat Habbel den Whisky-Likör Hillock auf den Markt gebracht, der wahlweise mit Kräutern oder mit Honig aromatisert ist. Darüber hinaus ist die traditionsreiche Brennerei in Sprockhövel eine Art Sammelbecken für alte Spirituosen-Rezepte aus der Region. Zu Weihnachten kommt ein bernsteinfarbener Haselnuss-Likör auf den Markt.

Klaus Wurm von der
Märkischen Spezialitätenbrennerei in Hagen

Die Märkische Spezialitätenbrennerei in Hagen lässt ihren Single Malt Whisky in der Dechenhöhle im benachbarten Iserlohn reifen. Aus dem Transport dorthin machen Klaus Wurm und seine Gesellen ein nostalgischees Spektakel. Die Fässer werden auf pferdebespannten Planwagen drei bis vier Stunden durch den Wald ttransportiert, bewacht von einer Eskorte ausgewählter Whiskyfreunde, die diese Reise gebucht haben. Für Infos bitte hier klicken

Joachim Alt und Dietmar Gerner von
der Bauland Brennerei Alt Enderle

Nein, aus dem Ruhrgebiet kommen der Destllateur Joachim Alt und Dietmar Gerner nicht, sondern aus „Badisch Sibirien“. So nennt man den nördlichen Landstrich von Baden-Württemberg an der Grenze zu Franken. Hier hat die Bauland Brennerei Alt Enderle in Rosenberg ihren Sitz. Hier wird auch Whisky gebrannt, aber das Interesse des Genießers regten die edlen Brände aus den Urgetreiden Emmer und Grünkern, die schon im Duft wahrhaft flüssiges Brot sind. Für Infos hier klicken.

Zünftiger Empfang im großen Foyer

 Idealer Whisky-Treffpunkt: Stadthalle Mülheim

Freitag, 4. Oktober 2013

Aus dem Archiv: Livingroom - Unprätentiöse Eleganz

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Livingroom eines der beliebtesten Restaurants in der Innenstadt ist, denn nur wenige Läden verbinden den Metropolen-Flair der Szenehauptstadt des Ruhrgebiets mit einer soliden kulinarischen Ausrichtung wie dieses „schönste Wohnzimmer Bochums“ am Schnittpunkt von Bermudadreieck und innerstädtischem Shoppingviertel „Das Quartier“. Auch wenn man es vielleicht nicht als erstes nennen sollte, ein Höhepunkt im Livingroom ist der Besuch der eleganten Toilettenanlage. Nicht nur, dass durch die Dauerbeschallung mit Lesungen des Bochumer Heimatdichters Frank Goosen hier jede Sitzung zum literarischen Ereignis wird, auch die Waschbecken haben es in sich. Es handelt sich dabei um große Kochtöpfe aus Edelstahl, in die ein Abfluss gebohrt wurde.

In Nachfolge des langgedienten Küchendirektors Ralph Curanz ist jetzt der gebürtige Hattinger Boris Geigenmüller Chef in der Küche, und damit ist durchaus so etwas wie Kontinuität gewährleistet, schließlich war Boris schon drei Jahre Curanz‘ Stellvertreter. Wenn man den Erfolg des Livingrooms betrachtet, ist daran auch nichts auszusetzen, denn hatte man nach dem stürmischen Crossover zu Anfang in den letzten Jahren einen handwerklich ausgezeichneten Umgang hochwertigen Zutaten gepflegt und sich gelegentlich auch auf Partys mit illustren Gastköchen in höhere Gourmetgefilde gewagt. Boris Geigenmüller steht nun für einen unprätentiösen Charme auf dem Teller, den ein Fremder, der vor dem chic-pompösen Eingang des Livingrooms steht, hier vielleicht gar nicht vermutet. Auf eine Küchenrichtung festlegen lassen will er sich nicht, aber mediterrane und asiatische Einflüsse sind deutlich spürbar.

Nach wie vor steht Bewährtes auf der Speisekarte wie etwa die Spaghetti Bruno Bruni, eine vegetarisches Nudelgericht mit Kirschtomaten, Peperoncini und Rucola (8,80 Euro) oder „Unser Evergreen“, das panierte Livingroom-Kalb-Schnitzel mit Pommes Frites, Salatbouquet und Preiselbeeren (22,80 Euro). Mit viel Engagement wird die Mittagskarte gestaltet. Im 7-Euro-50-Segment gibt es da raffinierte Pastagerichte, für 9,50 Euro Fleisch- und Fischgerichte, und um die 15 Euro kostet jeweils ein besonderes Gericht, bei dem man sich wie zu Hause bei Muttern fühlen darf, etwa Rinderrouladen auf Wirsing-Kartoffel-Gemüse (14,90 Euro).

Unser dreigängiges Testmenü von der Sommerkarte am Abend zeigte deutlich, wie mit wenig Aufwand an Höchstmaß an kulinarischem Effekt erzielt werden kann. Als Vorspeise gab es die kleine Variante einer Bouillabaisse (13,80 Euro), eine aromatisch nach Anis und Safran schmeckende Fischsuppe, in der sich je eine knackige Garnele und Jakobsmuschel, schöne bissfeste Fischstücke und reichhaltiges Fenchel- und Stangensellerie-Gemüse tummelten. Selbstverständlich gehörte ein Schälchen mit Rouille, der scharfen provençalischen Knoblauchmayonnaise, und etwas geröstetes Brot dazu.

Der Hauptgang war simpel, aber optisch und geschmacklich ein wahrer Genuss. Ein butterzartes, tadellos gegrilltes Kotelett vom Duroc-Schwein thronte auf knackigem, klasse abgeschmecktem, buntem Pfannengemüse wie grünen und gelben Zucchini, das von schön knusprig gratinierten Kartoffeln und einem prächtigen Sößchen sekundiert wurde (21,80 Euro). Dazu empfahl man mir von der Weinkarte den bezaubernden „Siggi“, eine Cuvée aus Spätburgunder, St. Laurent und Merlot vom Pfälzer Weingut Stachel aus dem Jahr 2008 (0,2l-Glas 8,50 Euro), der den sommerlichen Hauptgang perfekt begleitete. Sommerlich war auch der Abschluss des Menüs, ein erfrischendes Zitronensorbet mit einem Schuss Wodka (7,50 Euro).
-kopf

44787 Bochum-City, Luisenstraße 9-13
Fon 02 34. 9 53 56 85
Mo-Do 12-15 Uhr und ab 18 Uhr, Fr und Sa ab 12 Uhr
Ruhetag: Sonn- und Feiertage
https://www.livingroom-bochum.de/


Mittwoch, 2. Oktober 2013

Aus dem Archiv: Boris Geigenmüller - Ein gewisser Wahnsinn gehört dazu

Der Artikel erschein erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Boris Geigenmüller arbeitet seit 2021 nicht mehr für den Livingroom. Anschließend war er bis 2023 Küchenchef in der Bar "Le Bas" am Moltkemarkt (Springerplatz).
Seit Februar 2025 betreibt er mit seinem Partner Florian Lange das Bistro "Allez" an der Bochumer Konigsallee (klick hier).

Seit Frühjahr 2013 ist der 30-jährige Boris Geigenmüller alleiniger Küchenchef im Livingroom. Wenn man ihn fragt, wie er seine Küche in zwei Sätzen umschreiben würde, antwortet er mit einem Wort: „Lecker.“

Von Peter Krauskopf

Für Leute, die sich noch erinnern: Irgendwie hat der junge Koch, der mir im Livingroom gegenüber sitzt, etwas vom ehemaligen Tennisstar Michael Stich. Unter der zwischen Kurt Cobain und Justin Bieber changierenden Pilzkopf-Frisur strahlt ein jungenhaftes Lächeln, und man kann sich gut vorstellen, dass auf den Kochkursen, die er eine Zeitlang als freier Koch in Hamburger und Berliner Küchenstudios gegeben hat, die Damen ihren besonderen Spaß hatten - nicht nur wegen der feinen Herde, an denen er sich da bewegte. Und dann meint Boris Geigenmüller plötzlich: „Ich hätte durchaus gerne zwei Auszubildende. Aber das ist bei der heutigen Jugend gar nicht so einfach. Viele haben eine seltsame Vorstellung vom Kochberuf, manche kommen auch gar nicht.“ Und wir müssen beide über diese altväterliche Bemerkung grinsen.

Seit dem Frühjahr ist der 30-Jährige Küchenchef im Livingroom, dem führenden Restaurant in der Innenstadt mit Metropolen-Faktor, dem „schönsten Wohnzimmer Bochums“. Insgesamt hat er 13 Jahre in der Gastronomie auf dem Buckel. Geboren in Hattingen, stand für Boris schon früh fest, Koch zu werden. Seine Ausbildung machte er „beim Friedel“ Diergardt im Kühlen Grund, dem alteingesessenen Gasthaus in Hattingen. „Dann bin ich herumgetingelt, kam von Hölzken auf Stöcksken“, erinnert er sich. Für den großen Caterer Kofler arbeitete er zuerst in einem Frankfurter Restaurant, wurde dann nach Hamburg ins Curiohaus an der Rothenbaumchaussee versetzt. Anschließend blieb er noch als freier Koch ein halbes Jahr in Hamburg, knüpfte Kontakte und kam so in die Schweiz. Dort arbeitete er eine Sommer- und eine Wintersaison im mondänen Wintersportort St. Moritz. Nach einem Abstecher nach Italien, wo er zusammen mit Bekannten kochte und lebte, folgte wiederum eine Zeit als freier Koch, meist auf Messen in Hamburg, Berlin und Hannover. Viele Leute hat er in seinen Wanderjahren kennen gelernt, darunter so manchen Choleriker. „Aber ein bisschen Wahnsinn gehört zum Koch-Sein dazu“, fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Vor drei Jahren hatte Boris schließlich die Nase voll vom Leben aus dem Koffer und zog zurück ins heimische Ruhrgebiet. Da kam eine Stellenanzeige als stellv. Küchenchef im Livingroom gerade recht, auf die er sich bewarb. „Am selben Abend kam noch der Anruf von Küchendirektor Ralph Curanz: Komm doch mal bitte vorbei, dann können wir uns mal unterhalten“, erzählt Boris. „Ralph kannte dann auch Leute, mit denen ich in der Schweiz zusammen gearbeitet hatte, und wir waren schnell auf einer Wellenlänge.“

Von Anfang an stand fest, dass Boris einmal die Küchenverantwortung im Livingroom komplett übernehmen würde. Im Frühjahr 2013 war es dann soweit, als sich Ralph Curanz aus Bochum verabschiedete. „Jetzt lastet die ganze Verantwortung auf meinen Schultern“, lacht er in komischer Verzweiflung, räumt aber ein: „Aber ich habe mit den beiden Inhabern Lukas Rüger und Seran Bahtijari zwei Leute im Rücken, die mich tatkräftig unterstützen.“

Nicht nur Ralph Curanz, sondern auch Michael Hau von der Orangerie im Stadtpark und Daniel „Herr B.“ Birkner haben 2013 aufgehört, in Bochum zu kochen, und mit den letzteren verschwanden auch die beiden in überregionalen Restaurantführen höchstdekorierten Restaurants der Stadt. Deren exklusives Küchenvermächtnis im Livingroom zu übernehmen, das sieht Boris Geigenmüller jedoch nicht. „Die beiden hatten sich ja vorgenommen, ein richtiges Programm zu kochen“, meint er. „Doch da wir können im Livingroom mit unseren hohen Durchgangszahlen nicht mithalten. Wir haben nicht die Absicht, in Richtung Sterneküche zu gehen.“

Was jedoch Absicht ist: „Wir wollen immer schön kochen.“ Lecker soll es sein, und den Leuten soll es Spaß machen, in den Livingroom zu kommen. Die Speisekarte entwirft Boris zusammen mit seinen 10 Mitarbeitern, da kann jeder seine Ideen einbringen. „Wenn wir das zusammen kochen wollen, sollten wir es auch zusammen gestalten“, ist das seine Devise. „Ich habe ja nicht immer die Weisheit mit Löffeln gefressen, und die anderen Jungs und Mädels haben auch ihre Erfahrungen.“

Auf einen bestimmten Küchenstil will sich Boris jedoch nicht festlegen lassen. „Ich lass mich von allen Einschlägen inspirieren“ erklärt er. „Ich lese viel, man lernt ja nie aus. Wichtig ist: frische Produkte, Spaß, und Aroma muss stimmen. Wir sind auch ein bisschen experimentell und probieren einige Sachen aus. Von den Grundbausteinen bauen wir aber immer auf die klassische Küche auf, mit ein paar verrückten Anschlägen, die wir mit einbauen.“ An die wilden Zeiten der Crossover-Küche, die in den Anfangsjahren im Livingroom, also lange vor seiner Zeit, herrschten, will er nicht unbedingt anknüpfen. „Das ist mittlerweile ziemlich out“, meint er. An Livingroom-Klassikern wie die Pasta Bruno Bruni, einem vegetarischen Nudelgericht mit Kirschtomaten, Rucola und Peperoncini, hält er jedoch fest. „Die kann man nicht absägen“, lacht er kopfschüttelnd. „Die werden einfach zu gerne nachgefragt.“

So gibt es immer wieder Anklänge an die italienische oder asiatische Küche, rein deutsche Gerichte wie etwa Königsberger Klopse kommen meist auf die Mittagskarte. „Der Mittagstisch bekommt im Livingroom eine immer größere Bedeutung“, weiß Boris. „Wir bieten zu einem sehr fairen Preis tolle Gerichte an.“

A und O der Livingroom-Küche sind die frischen Produkte. Wenn Boris zum Beispiel über Schweinefleisch redet, kommt seine Leidenschaft dafür voll zur Geltung. „So sind wir z.B. vom Iberico- auf das regionalere Duroc-Schwein umgestiegen“, erklärt er. „Das ist zwar eine amerikanische Rasse, wird aber in Thüringen gemästet.“ Für das eigentliche Schwein aus der Region, das Bunte Bentheimer, hat er bislang keinen überzeugenden Händler gefunden. „Wir haben auch das Schwäbisch-Hällische Schwein versucht, aber das Duroc ist gleichwertig. Es kommt immer auf die Produkte an. Beim Filet fand ich das Schwäbisch-Hällische ein bisschen besser, beim Kotelett das Duroc. Beim Bauch merkt man kaum einen Unterschied“, berichtet Boris von seinen Verkostungen. Auch hat er Proben vom Mangalitza aus Ungarn bekommen, aber das war schon wieder zu fettig. „Wenn der Herr Hau von der Orangerie das als kleine Portion in ein 9-Gang-Menü eingebaut hätte, hätte das funktioniert, aber bei uns als komplettes Gericht, das passt nicht“, stellte er fest. „Dieser Fettrand, diese glänzenden Lippen, da braucht man keinen Labello mehr!“

Wenn man mit Boris Geigenmüller spricht, merkt man wie glücklich er mit seiner neuen Position im Livingroom ist. Über seine Zukunft zerbricht er sich nicht groß den Kopf. Doch als sein Blick unter dem dunkeln Pony aus dem Fenster schweift, meint er beiläufig: „Vielleicht machen wir auch noch irgendwo hier gegenüber ein kleines Ding auf, wo zwei Leute ganz unprätentiös für zwanzig aufkochen. Mit zwei langen Tafeln und einem unkomplizierten Service. Da könnte man in zwei, drei Jahren drüber sprechen.“ (Anm. 2025: Aus diesem Plan wurde dann 2014 das Konzeptrestaurant "Five".)


Restaurantführer „Dortmund geht aus 2014“ erschienen


Seit gestern ist der Restaurantführer „Dortmund geht aus 2014“ im Handel. Bereits am Montag fand die Präsentation des Heftes im „VIEW“ hoch über den Dächern der Stadt statt; zur Bildergalerie der Ruhrnachrichten bitte hier klicken.

Geschäftsführer Sven Merten und Chefredakteur
Peter Erik Hillenbach präsentieren das Heft.
Foto: Michael Alisch

Wie gehabt, wurden über 250 Restaurants, Kneipen und Cafés getestet, und so gibt das Heft ein repräsentatives Bild der Gastro-Szene der Stadt ab. Besonders interessant ist die Liste der diesjährigen Neueröffnungen – man scheint in Dortmund eine Vorliebe für den Namen „Emil“ zu haben. Im „Emilio“ in der Kaisertraße gibt es mediterrane Kost, während mit dem „Emil – Grill & Meer“ im „U“ endlich ein Proejekt Wirklichkeit wurde, das lange Zeit unter dem Namen „Auerbachs Keller“ durch die Szene geisterte. Spitzenreiter in der für Dortmund so wichtigen Kategorie „Gutbürgerlich“ ist, wer hätte es gedacht, die Overkamp Gastronomie. Bei den Gourmetrestuarnats überflügelte der Jungspund Michael Dyllong vom „Palmgarden“ in der Spielbank Hohensyburg wieder einmal den Altmeister Mario Kalweit mit seine „Cuisine“, und auch Thomas Rödel mit seinem „Kochlokal“ gewann verdientermaßen Punkte dazu.

Dortmund geht aus 2014. Überblick Verlag. 228 Seiten. 7,90 Euro. Erhältlich im Zeitschriftenhandel oder hier im Internet.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Vorpremiere des Dokumentarfilms "Slow Food Story" im Kino Endstation in Bochum-Langendreer



Am Montag fand die die Vorpremiere des Dokumentarfilms "Slow Food Story" im Kino Endstion im Bahnhof Bochum-Langendreer. Es war die erste Veranstaltung der Reihe "Feinschmeckerkino", die das Kino in Zusammenarbeit mit Slow Food Bochum bringt. Alle zwei Monate wird ein Film zum Thema gezeigt. (klick hier).

Zur Feier des Abends machte Slow-Food-Mitglied Tom Bosbach Popcorn aus seltenen Maissorten und verband so auf lustige Arte Slow-Food- mit Kinokultur.

Regulär wird der Film im Kino Endstation vom 10. bis zum 16. Oktober 2013 gezeigt. Für Slowfoodies ist er ein absolutes Muss. Allerdings führt der Titel ein wenig in die Irre. Es handelt sich weniger um eine Darstellung der Slow-Food-Bewegung als um ein Porträt ihres Gründers Carlo Petrini, was aber großenteils identisch ist. So erfährt man eine Menge über die Anfänge von Slow Food und seiner Verwurzelung in der linken Kultur der 70er Jahre. So sind auch der Komponist Paolo Conte, der Theatermacher Dario Fo und der Komiker Roberto Benigni kurz zu sehen Dass der Film nicht zu einem ehrwürdigen Denkmal für den großen kulinarischen Visionär wird, liegt vor allem daran, das Petrini ein überaus unterhaltsamer Vermittler seiner Ideen ist.

Tom Bosbach macht Popcorn.







Sonntag, 29. September 2013

Aus dem Archiv: Restaurant Harmonie - Der neue Herr B.

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Das Restaurant steht unter neuer Leitung.


Bevor im Sommer die Schließung der „Orangerie im Stadtpark“ den Bochumer Feinschmeckern den begrenzten kulinarischen Horizont der Stadt offenbarte, war es kurz zuvor der Abschied von Daniel Birkner, der die Gourmets wie ein Schlag in die Magengrube traf. Als es Ende 2012 hieß, die Gesellschaft Harmonie wolle ihre Villa am Stadtpark aufgeben, hatte sich der Bochumer Spitzenkoch in Richtung Hong Kong umorientiert, und nach einer rauschenden Küchenparty endete im Sommer 2013 auch die Ära des Restaurants „Herr B. in der Gesellschaft Harmonie“. Damit waren die beiden höchstdekorierten Restaurants der Stadt von heute auf morgen verschwunden.

Mittlerweile hatte sich die Gesellschaft Harmonie jedoch entschlossen, die Villa weiter zu führen, und präsentierte im September einen Nachfolger. Der neue Herr B. heißt Andreas Birk und betreibt mit seiner Frau nun das neu benannte „Restaurant Harmonie“. Rein äußerlich hat sich nur wenig verändert. Noch immer knarren die Dielen heimelig, wenn man die Villa mit der großbürgerlichen Atmosphäre betritt, und noch immer hat man das Gefühl, gleich kämen Churchill, Stalin und Truman mit qualmenden Zigarren die Treppe herunter, um einen Marshallplan für das darbende Bochum zu verkünden. Neu ist der Bartresen in der Eingangshalle, oder besser gesagt, im Vestibül, und auch die beiden Restauranträume erstrahlen frisch gestrichen. Und die schöne Loredana, die jetzt den Service erledigt, verbreitet mit Charme und Schlagfertigkeit nur gute Laune.

Allerdings: die Küche hat sich verändert. Während sich der alte Herr B. mit juvenilem Temperament, unbekümmerter Sorglosigkeit und forschem Mut zum Fehlgriff auch preislich in den Regionen der Gourmetküche tummelte, geht es bei Andreas Birk bodenständiger zu. Der gebürtige Thüringer entdeckte in Salzburg seine Liebe zur österreichischen Küche, übernahm dann die Gastronomie des Bochumer Golfclubs im Mailand, um jetzt in die Gesellschaft Harmonie zu wechseln. Bei ihm findet man keine ambitionierten Kunstwerke auf dem Teller, sondern Gerichte, die aussehen, wie Essen nun einmal aussehen muss, und auch preislich bleibt er auf dem Boden der Tatsachen. Die knappe Weinkarte gibt sich entsprechend solide und weist Klassiker wie Dr. Loosen und Von Winning bei dem Weißen oder den Super-Toskaner Tignanello bei den Roten auf.

Das September-Menü, das wir kurz vor Redaktionsschluss noch testen konnten, war vielversprechend (4 Gänge 39,90 Euro). Kräftige, eindeutige Aromen schmeichelten dem Gaumen ohne große Irritation. Überraschend war der „Erdapfelkas“ zum Brot vorweg, ein österreichischer Dip aus Kartoffeln und Quark. Österreichisch weiter ging es mit dem Rahmsüppchen vom Muskatkürbis mit steirischem Kernöl (einzeln 5,90 Euro), eine herzhaft süßsaure Sache. Es folgten gebratene Jakobsmuscheln mit Blumenkohl-Kokospüree und Kapernvinaigrette (einzeln 10,80 Euro), die dem Menü eine leicht asiatische Note gaben. Handwerkliche Spitze war der Hauptgang, ein Filetsteak mit sautierten Steinpilzen und Kräuterseitlingen, das so nicht als Einzelgericht auf der Karte stand. Das Fleisch war butterzart, die Pilze waren auf dem Punkt. Zum Nachtisch gab es einen geeisten Capuccino mit Apfelragout und Mandelsahne (einzeln 6,90 Euro), eine Kombination aus Kaffee- und Fruchtaromen, die durchaus überraschte. Als Wein hatte Loredana den offenen Tempranillo (0,2l-Glas 5 Euro) empfohlen, der sich als schöne, angenehme Begleitung zum Rinderfilet entpuppte.

Eigentlich sollte man über ein Restaurant eine Woche nach der Übernahme noch nicht endgültig urteilen, aber es war ein schönes, solides Menü, das Andreas Birk da kreiert hatte. „Wir wollen hier kein Düsseldorf machen“, hatte er einmal im Vorfeld der Übernahme gesagt, und kalkulatorisch ist das sicherlich ein richtiger Ansatz. Aber dennoch: Wir würden uns für die Zukunft etwas mehr Mut wünschen, etwas mehr Exklusivität, etwas mehr Gourmetlastigkeit. Die Villa der Gesellschaft Harmonie wäre dafür ein passender Rahmen. Und die Stadt Bochum braucht so etwas mehr denn je.

-kopf

44781 Bochum-Grumme, Gudrunstr. 9
http://gesellschaftharmonie.de/

Aus dem Archiv: La Bottega del Vino - Italienisch alla Ruhrgebiet

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Seit 2016 heißt das Restaurant "Pane e Vino" und wird von Giuseppe Tomasello betrieben.


Kann man von einem Geheimtipp reden, wenn es den Laden ursprünglich schon ewig und in dieser Form seit fünf Jahren gibt und an einem Mittwochabend gut zwei Drittel der Plätze reserviert sind? Schon vor Jahren hatte mich ein Kollege auf die Bottega del Vino aufmerksam gemacht, eine Weinstube in Weitmar, in der so schöne italienische Weine ausgeschenkt werden. Jetzt endlich fand ich den Weg dorthin und musste feststellen, dass der Laden weit mehr ist irgendein „Italiener“. Die Bottega del Vino ist vielmehr ein Stück gastronomisches Ruhrgebiet, in dem die Wandlungen der Region sichtbar werden wie das Alter eines Baumes an den Jahresringen. Einst war hier, an der Karl-Friedrich-Straße, ein großer Verladebahnhof für Hausbrandkohle samt einer Waage, auf der die Wagen der Kohlehändler gewogen wurden. Daneben war eine Kneipe, in der die Händler warteten, bis sie an die Reihe kamen. Der Verladebahnhof fiel dem Strukturwandel zum Opfer, die Kneipe aber blieb. Später heirateten Sizilianer ein, machten aus der Bierkneipe erst eine Weinstube, in der man auch einen Happen essen konnte, und dann, unter der Leitung von Enzo und Sandro Pistorio, ein italienisches Lokal, in dem man auch hervorragend Wein trinken und kaufen kann. Dabei behielt die Bottega den Treffpunkt-Charakter für die Leute im Stadtteil, eine Entwicklung, die die meisten rein deutschen Kneipen der Region kaum auf die Reihe bekamen. Das alles erzählte mir in kürzester Zeit ein Stammkunde an der Theke, der mich natürlich sofort als Ortsfremdling erkannte.

Natürlich wurde ich auch als solcher von der kessen Schar der deutsch-italienischen Haustöchter erkannt, die für die Bedienung zuständig sind, mir Brot und ein Schälchen mit einem köstlichen Schlamm aus geschrotetem Pfeffer, Balsamico und Olivenöl hinstellten und mir erklärten, wie der Laden funktioniert. Auf der Karte gibt es Antipasti und sog. „Piccolini“, Kleinigkeiten zum Wein wie Flusskrebsschwänze in Honigssenf (9,50 bzw. 7,50 Euro) bzw. Pecorino Sardo (3,30 Euro). Dann gibt es ein schöne kleine Anzahl von Pasta-Gerichten und die häufig wechselnde Wochenkarte. Die meisten Gerichte bekommt man als normale und reduzierte Portion, die allerdings schon für den normalen Esser mehr als ausreichend ist, wie sich herausstellte.

Auf der Wochenkarte wurde ich auch fündig. Eine kleine Portion Tagliatelle mit Apfel, Kürbis und gebratenen Kartoffelscheiben (7,90 Euro, groß 10,90 Euro) schien mir originell genug, um als Vorspeise zu überzeugen. Ganz so sizilianisch, wie mir das Gericht empfohlen wurde, schien es mir zwar nicht zu sein, doch es schmeckte großartig, obwohl ich die gebratenen Kartoffelscheiben nicht ausmachen konnte. Als Hauptgang gab es dann ein kleines Duett von Rinderfilet & Riesengarnele mit Rosapfeffer-Sauce und Kartoffelgratin (18,50 Euro), das ich um ein paar frische gebratene Steinpilze erweitern ließ, so dass es dann doch 24,90 Euro wie die große Portion kostete. Die Garnele war knackig, das Fleisch wunderbar zart und sein Geld wert. Dazu wurde mir ein sizilianischer Nero d’Avola „Lamuri“ von Tasca d’Almerita empfohlen (ordentlich eingeschenkte 0,2 l 7,50 Euro), ein schöner vollmundiger Roter mit Kräuter- und Kirschnoten. Zum Dessert gab es dann eine kleine Portion hausgemachtes Tiramisu (3,50 Euro), die für zwei gereicht hätte.
-kopf

44798 Bochum-Weitmar-Mark, Karl-Friedrich-Str. 8
Fon 02 34. 94 12 34 50 68 60
Mo-Sa 165-22 Uhr
https://pane-e-vino-bochum.de/

Freitag, 27. September 2013

Heute startet der Abendmarkt in Bochum


Heute, Freitag den 27. September, geht es in Bochum mit dem Moltke Markt auf dem Springerplatz los. Der Moltke Markt ist als Abendmarkt ein Novum für die Stadt. Er findet freitags und dienstags von 16 bis 20 Uhr statt und bietet neben hochwertigen Lebensmitteln auch allerlei Leckereien, die man vor Ort genießen kann.

Heute wird der WDR zwischen 19.30 und 20 Uhrvon dem neuen Markt senden. Die Veranstalter haben eine große Bitte: "Kommt alle, um zu zeigen, dass der Markt viele Fans hat. Es lohnt sich: einkaufen und nette Leute treffen bei einem kleinem Leckerli und Glas Wein."

Moltke Markt. Freitags und dienstags 16-20 Uhr. Springerplatz, Bochum

Mittwoch, 25. September 2013

Restaurantführer „Essen geht aus 2014“ erschienen

Hoch überm Baldeneysee: Häppchen auf der Überblick-Party

Seit gestern ist „Essen geht aus 2014“ im Handel. Die zwölfte Ausgabe des Restaurantführers aus dem Überblick-Verlag ist mit 268 Seiten eines der dicksten Hefte dieser Art. Über 200 Restaurants, Kneipen und Cafés in Essen und Mülheim wurden getestet.

Die Gourmet-Szene im Ruhrgebiet steckte 2013 schwer in der Krise und musste die Schließung vonvielen Spitzen-Restaurants verkraften. So wurde im Sommer das Sternerestaurant „Nero“ auf Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig geschlossen, und Chefredakteur Michael Köster kommt nicht umhin, im Editorial von „Essen geht aus 2014“ auch auf das Verschwinden der beiden höchstdekorierten Restaurants in Bochum hinzuweisen. Der Blick auf die Rubrik „Die Neuen“ bestätigt ebenfalls diesen Trend. Es gibt in Essen keine Neueröffnung im Gourmetbereich, man tummelt sich "nur"  in den Kategorien Bistro oder Länderküchen.

Dennoch ist Essen nach wie vor der Nabel der Kulinarik im Ruhrgebiet. Mit der„Résidence“ und Nelson Müllers „Schote“ (Platz 1 und 2 im Ranking „Gourmetrestaurants“) kann die Meropole des Reviers immerhin sternemäßig noch mit Dorsten mithalten. Auf Platz 2 und 4 liegen mit „Hannappel“ und „Rotisserie du Sommelier“ zwei Läden, auf die schon lange der Fokus gerichtet gehört und bei denen man sich wundert, dass sie von den überregionalen Testern bislang weitgehend übersehen wurden.

Michael Köster und Sven Merten vom Überblick-Verlag präsentieren ide Essener Köche.

Bereits am Montagabend gab es die traditionelle Präsentation von „Essen geht aus 2014“ im Jagdhaus Schellenberg. Wie gewohnt, spendierten dafür zahlreiche Essener Restaurants appetitanregendes Fingerfood. Hier die Auswahl, die der Genießer im Dienste der guten Sache zu sich nahm.

Stör gebeizt und als Mousse mit Chutnes vom grünen Apfel
und Salat von Passe Pierre
Erik Arnecke und Eric Werner, Résidence


Gänsestopfleber, Rauchaal und Confit von grünen Tomaten
Bernd Stollenwerk, Casino Zollverein


Blutwurst und Jakobsmuschel mit Kartoffel-Zwiebelpüree und karamellisiertem Apfel
Nelson Müller, Restaurant Schote


Wachtelschenkel Ras el Hanout Hokkaido mit Kürbis-Kartoffel-Stampf
Helene Gummersbach, Gummersbach


Gnocchi gefüllt mit Mozzarella in einer weißen Trüffelsoße
Hatem Salim Srour, La Grappa


Jungschweinebauch Teriyaki mit Rettich, Soja und schwarzem Knoblauch
Knut Hannappel, Hannappel

Für die Desserts von Suvad Memovic (Parkhaus Hügel) und Andreas Mattern (Jagdhaus Schellenberg) fehlte dem Genißer leider die Kondition.

Essen geht aus 2014. 7,90 Euro. Überblick Verlag. Erhältlich im Zeitschriftenhandel und hier im Internet.

Montag, 23. September 2013

Herbst-Ausgabe 2013 von „Revier für Genießer“ erschienen


Ganz frisch gedruckt ist die Herbst-Ausgabe von „Revier für Genießer“. Das „Magazin für Genussmenschen“ aus dem Klartext-Verlag bringt u.a. eine Reportage von hinter den Kulissen des Zwei-Sterne-Restaurants „Résidence“ in Kettwig, ein Porträt der Mozzarella-Käserei „Saporita“ in Waltrop, einen Bericht der Vorliebe des Ruhrgebietsmenschen fürs Kräutersammeln und ein Special über „Asien im Pott“. Und natürlich auch einen Artikel des Genießers: über Andreas Rips, den Winzer aus Bochum im südfranzösischen Gaillac.

Revier für Genießer – Herbst 2013. 4,95 Euro. Klartext Verlag. Erhältlich im Buch- und Zeitschriftenhandel und hier im Internet.