Mittwoch, 3. September 2014

Aus dem Archiv: Trattoria San Marco - Küsschen für die Gäste

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015"
Das Restaurant gibt es nicht mehr.

Nachmittags gegen fünf, wenn die Büros in der Bochumer Innenstadt Feierabend machen und sich alles noch einmal zum Shoppen trifft, geht es auch in der Trattoria San Marco rund. Zahlreiche Stammgäste kommen auf eine Pizza, einen Teller Pasta oder auch ein bistecca herein, trinken einen Prosecco oder Espresso und werden vor allen Dingen mit einem bacino begrüßt. Der vertraute Umgang mit den Gästen kommt nicht von ungefähr. Die Familie Mansutti gründete die Trattoria San Marco immerhin schon 1998, als ihre gleichnamige Eisdiele schräg gegenüber bereits seit 26 Jahren existierte. Auch wenn die Besitzverhältnisse ab und an wechselten, der familiäre Geist ist nach wie vor überall zu spüren.

So komme ich mir durchaus ein bisschen fremd vor, als ich beim Testbesuch noch ein Plätzchen ergattere, von dem ich zwar durchs Schaufenster einen schönen Blick auf das muntere Treiben auf der Huestraße habe, aber mit dem Rücken zum Gastraum sitze, wo anscheinend der Teufel los ist. Luisa, die resolute Oberkellnerin, legt mir die Karte hin, und ich finde eine große Auswahl an Pizze, deren Spezial-Exemplare mit Namen berühmter italienischer Persönlichkeiten versehen sind: „Leonardo da Vinci (13,50 Euro) ist mit Paprika, Parmaschinken, Gorgonzola, Tomatenscheiben, Mozzarella, Rucola und frisch gehobeltem Parmesan belegt, „Galileo Galilei“ (12 Euro) mit Paprika, Parmaschinken, Gorgonzola, Tomatenscheiben, Mozzarella, Rucola und ebenfalls frisch gehobeltem Parmesan.

Die Fleischgerichte sind nicht übel. Im Augenwinkel sehe ich, wie einer schlanken Shopping-Queen, die von allerlei eleganten Einkaufstüten umgeben ist, das Rinderfilet mit feinen Kräutern (23,50 Euro) gebracht wird. Mindestens vier Finger dick, außen knusprig-braun, innen von idealem rosa, läuft beim Anschneiden der Bratensaft nur so heraus. Super.

Leider finde ich in der Speisekarte nicht die Tagesempfehlungen, die beim Eintreten mit einem halben Auge auf einer Tafel überflogen hatte. Pflichtgemäß memoriert Luisa die Gerichte, und ich hake bei „Burrata auf Linsengemüse“ (8,50 Euro) ein. Das ist die Vorspeise, die ich mir wünsche. Burrata ist ein Säckchen mit aus Mozzarella, das mit einer Vorstufe dieses Frischkäses gefüllt, und ein herrlich buttriges Vergnügen. Vielleicht hätte sie hier ein wenig frischer sein können. Das Linsengemüse ist gut gesalzen und, ich vermute, mit Aceto balsamico kräftig süßsauer abgeschmeckt.

Als Hauptgang wähle ich einen Klassiker, „Fegato alla Veneziana“ (16,50 Euro). Die Kalbsleber ist mit Zwiebeln und Salbei schön zart geschmort, als Beilage gibt es Gnocchi, die sich bestens dazu eignen, die Sauce aufzutunken. Doch auch hier verdeckt etwas zu viel Salz das schöne Aroma des Salbeis. Wenn so etwas passiert, heißt es, sei der Koch verliebt. Also das gönne ich ihm das von Herzen und esse problemlos meinen Teller leer. Ein Glas Chianti Classico (0,2 l 5,70 Euro) und eine Zitronen-Panna-Cotta zum Nachtisch (4 Euro) stimmen mich schließlich milde.

Mittlerweile hat auch die figurbewusste Dame am Nebentisch die Hälfte ihres Rinderfilets geschafft. Kurzerhand bittet sie, den Rest zum Mitnehmen einzupacken und geht erst einmal vor die Tür, um an den Outdoor-Tischen einen Espresso zu trinken und eine zu rauchen.
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Huestr. 5, 44787 Bochum

Dienstag, 2. September 2014

Aus dem Archiv: Tante Anna - Experiment Menü „Surprise“

Unter der neuen Leitung wurde das Restaurant am 23.6.2026 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Das Restaurant ist geschlossen, wird ab April 2025 jedoch unter einem neuen Inhaber mit einer veränderten Küche weitergeführt.


Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt – was als autoritäre Erziehungsmaxime früher so manchem Kind den Spaß am Essen verdarb, ist in heutigen Restaurants ein Versprechen von ungeahntem Genuss. Jedenfalls in guten. Denn da braucht man eigentlich gar nicht zu wissen, was es gibt, denn ein guter Koch sollte schließlich alles so zubereiten, dass es gut schmeckt.

Bei „Tante Anna“ jedenfalls flößte mir alles so viel Vertrauen ein, dass ich ohne Zögern des Menü „Surprise“ bestellte, das dienstags bis donnerstags im Angebot ist. Schon die weißen Fensterrahmen des schieferverkleideten Hauses an der Niedersprockhöveler Hauptstraße waren einladend, und als ich den etwas engen Eingangsbereich hinter mich gebracht hatte, kam ich in die romantisch verwinkelten, in elegant-lässigem Landhaus-Stil eingerichteten Gasträume. Bei den sommerlichen Temperaturen waren die Wintergartenwände aufgeklappt und gaben Weg und Blick frei auf einen nicht weniger eleganten Garten, in dem ein japanisch anmutender Springbrunnen mit den Gästen, die an den Tischen auf dem gepflegten Rasen saßen, um die Wette murmelte.

Und auch der Blick auf die Speisekarte belehrte mich, dass der langjährige Chefkoch Detlef Bündert, der auch nach der Übernahme des Hauses durch Jutta Vollmann am Herd steht, mit seiner durchaus raffinierten, aber grundsolide und ohne modischen Schnickschnack zubereiteten Frischeküche den Geschmack der Gäste trifft. Hausgebeizter Lachs mit Honig-Senf-Dillsauce, knusprigen Reibekuchen und Salat (12,50 Euro), Seeteufel in der Kartoffelkruste mit Rieslingsauce und feinem Gemüse (26,50 Euro) oder Irisches Ochsenfilet mit Whiskey-Pfeffersauce, Röstkartoffeln und Gemüsebouquet (29,50 Euro) versprachen Genuss ohne Reue, zumal die Teller, die an andere Tische getragen, auch sehr elegant angerichtet waren. Richtig luxuriös wurden die Gerichte etwa bei Filets vom Atlantik-Steinbutt mit Trüffelscheiben auf Nudeln und Gemüse (31,50 Euro). Zudem machte Spaß, den Kellner zu beobachten, wie er mit cooler Routine die Weinflaschen aus dem reichhaltigen Angebot am Tisch öffnete.

So ersparte ich mir die Qual der Wahl, bestellte das Überraschungsmenü und wurde nur gefragt, ob ich Fisch oder Fleisch zum Hauptgang wollte. Ich entschied mich für Fleisch, Fisch dürfte jedoch durchaus in der Vorspeise Verwendung finden.

Nach ein paar Scheiben Baguette mit einer leckeren Pesto-Zubereitung als Aufstrich kam die Überraschung Nummer 1: zarter Matjes mit hausgemachter Mayonnaisen-Joghurt-Sauce, die wunderbar mild war, nicht zu sauer und nicht zu zwiebellastig. Zum Hauptgang folgte Überraschung Nummer 2: Ein butterzart geschmortes Kalbsragout mit Morcheln, Pfifferlingen und Sommergemüsen. Dazu gab es hausgemachte Nudeln. Auch dieses unprätentiöse Gericht schmeckte ausgezeichnet und zeigte, wie man mit einfachen Mitteln den Gast glücklich machen kann. Dazu gab es einen französischen Merlot (0,2 l 6 Euro). Den Abschluss bildete schließlich eine Kugel Eis mit Früchten.

Das Experiment zu essen, was auf den Tisch kommt, war voll gelungen, vor allem auch, weil das Überraschungsmenü mit 29,50 Euro recht preisgünstig war. Und den Abend im angenehmen Ambiente von Tante Anna zu verbringen, hatte etwas von einem Urlaubstag direkt vor der Haustür.
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45549 Sprockhövel-Niedersprockhövel, Hauptstraße 58
https://www.tante-anna.info/

Aus dem Archiv: Altes Brauhaus Rietkötter - Bochumer Tradition, frisch renoviert

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Das Restaurant steht seit 2016 unter neuer Leitung.

Nachdem im Frühjahr 2014 bereits das Gerüst vor dem freigelegten Fachwerk wenig einladend wirkte, war das Alte Brauhaus Rietkötter in den Sommerferien wegen einer tiefgreifenden Fassadensanierung einige Zeit sogar ganz geschlossen. Doch jetzt können Udo Rogge und seine Frau Sabine aufatmen, ihr denkmalgeschütztes Juwel aus dem 18. Jahrhundert ist schöner denn je.

Innen hat sich dabei nichts geändert, wozu auch. Das historisch-biedermeierliche Ambiente des ältesten Hauses in der Bochumer Innenstadt ist von eleganter Leichtigkeit, die humoristischen Wandbemalungen sind zum Teil mit Plexiglasscheiben geschützt wie die antiken Fresken in mittelalterlichen Kirchen. Diese gediegene Gemütlichkeit wird von den unterschiedlichsten Gästen geschätzt, wie ich bei einem Besuch am späten Sonntagnachmittag bemerken konnte. Neben mir tafelte eine Familie mit Kindern und Großeltern, den Hinterraum bevölkerte schon bald ein Trüppchen junger japanischer Studenten, die mit ihren Manga-Blicken die deutsche Atmosphäre genossen.

Bei der lokalen Tradition des Hauses ist es klar, dass das Angebot sich gutbürgerlich und regional gibt. Auf dem Tresen lockt der Bierbrand von Moritz Fiege oder der Kräuterlikör „Bochumer Grubenfeuer“ von Meyerhof, auf der Speisekarte werden regionale Erzeuger wie Sondermann beim Ziegenkäse, Bauer Kammesheidt beim Lammfleisch oder Bauer Schönewald bei den Kartoffeln ausdrücklich hervorgehoben. Letzteren ist sogar eine eigene kleine „Erdäpfel“-Karte gewidmet. Die gelben Knollen werden z.B. mit Matjes (13,90 Euro), Schweinefiletspitzen (18,90 Euro) oder Roastbeefscheiben (21,90 Euro) serviert.

Gutbürgerlich sind denn auch die Gerichte, die Udo Rogge auf den Tisch bringt, und dabei wird auch vor deftigen Schmorbraten nicht Halt gemacht. Leider war der Westfälischer Sauerbraten mit Altbier-Rübenkrautsauce, hausgemachtem Apfelrotkohl und Kartoffelklößen (21,90 Euro) alle, und so wich ich fürs Testessen auf die geschmorten Bäckchen vom Iberico-Schwein mit Petersilien-Püree und Marktgemüse (23,90 Euro) aus. Das Gemüse war schön knackig und das Fleisch löffelweich wie es sich gehört. Allerdings fand ich es etwas sehr salzig, was daran gelegen haben mag, dass die Bäckchen ursprünglich gepökelt und geräuchert waren. Als Weinbegleitung hatte man mir einen kräftigen Rioja empfohlen, doch ich entschied mich für einen leichteren badischen Rotwein, den Zwulcher vom Öko-Weingut Gretzmeier (0,2-l-Glas 6,95 Euro), mit dem ich das Salz prima wegspülen konnte.

Als Vorspeise gab es einen Ausflug ins Mediterrane, der heutzutage bei der deutschen Küche unbedingt dazu gehört, eine andalusische Tomatensuppe (7,90 Euro). Sie war deftig-sämig, so dass man die Tomatenbestandteile noch erkennen konnte. Als Beilage gab es dazu kross angebratene Gambas und scharfe Chorizo-Scheiben – klasse.

Zum Nachtisch gönnte ich mir schließlich einen Rietkötter-Klassiker, den hausgemachten Apfelstrudel mit Bourbon-Vanilleeis und –sauce (7,95 Euro – dass auf der Annoncentafel vorm Haus und im Internet „Bonbon-Vanille“ steht, vergessen wir mal). Mit einem Tässchen entkoffeinierten Kaffee (2,20 Euro) war die warme Blätterteigspezialität ein würdiger Abschluss für das bodenständige Menü.

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44787 Bochum-City, Große Beckstraße 7
Fon 02 34. 54 60 50 51
tägl. 12-23 Uhr
https://www.brauhaus-rietkoetter.de/

Montag, 1. September 2014

Aus dem Archiv: Oekey - Kulinarische Mission: Ente

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Das Restaurant gibt es nicht mehr. Das Haus ist abgerissen.


Wer in den letzten Jahren die alljährliche Eröffnung von „Bochum kulinarisch“ miterlebt hat, kennt Helmut Wicherek, jenen jovialen älteren Herrn, der als echter Bochumer Honoratior so gern gemeinsam mit OB Dr. Ottilie Scholz die Gourmetmeile eröffnete. Noch imposanter als Wichereks buschiger Schnauzbart sind die breiten Revers seiner dunklen Kochjacke, auf denen unzählige Anstecker in Entenform blinken wie die Orden auf der Brust eines Schützenkönigs. Die Ente ist schließlich die kulinarische Mission im Hotel-Restaurant Oekey, das Wicherek und seine Frau Else seit nunmehr 27 Jahren führen. Nach Art des Hauses mit Honig-Limettensauce, halbiert und gegrillt, ist sie ein Klassiker auf „Bochum kulinarisch“. Mit Tagesgemüse und Kroketten kostet die Portion im Restaurant 16,20 Euro oder mittwochs, beim Entenmenü, 15,50 Euro.

Im Lauf der Zeit hat sich das Haus an der Universitätsstraße zu einer Art guten Stube für die Anwohner der Wohngebiete zwischen Innenstadt und Ruhr-Uni entwickelt. Als ich für den Testbesuch den 70-er-Jahre-Bau an einem Mittwochabend betrat und von der Chefin an einen Platz neben der Vitrine mit den putzigen Hummelfiguren geführt wurde, fühlte ich mich in eine Welt von familiärer Behaglichkeit versetzt. Zahlreiche ältere Stammgäste wurden vom Chef persönlich begrüßt. An größeren Tafeln fanden gleich zwei Familienfeiern statt, und der Oberkellner bekam einmal mehr eine Digitalkamera in die Hand gedrückt, um ein Gruppenbild der Gesellschaften zu machen.

Gutbürgerliche Gerichte sind es, die bei Oekey ganz traditionell, aber mit guten Zutaten angeboten werden. Es gibt Iberico-Schwein, als Duett von Filet-Medaillons und geschmorten Bäckchen mit mediterranem Gemüse und Fenchel Kartoffel-Krapfen (19,40 Euro), Kotelett vom Duroc-Schwein mit Schmorgemüse, Kräuterkartoffeln und Jus (18,90 Euro) oder Filetsteak vom Angusrind mit Gorgonzolasauce, gebratenen Pilzen, Rösti und buntem Salatteller (23,60 Euro), und immer gibt es eine passende Weinempfehlung dazu.

Doch mir ging es ja um die Ente. Die populäre süß-saure Version „Haus Oekey“ kannte ich ja schon von „Bochum kulinarisch“, Entensülze oder Entenbratwurst waren mir als Gerichte zu klein, also entschied ich mich für „Ente „Provençale“. Bis auf den Keulenknochen war die halbe Ente komplett ausgelöst, so dass das Essen mit Messer und Gabel keine Probleme machte. Die Haut war knusprig, das Fleisch saftig und wies neben dem typischen Entengeschmack auch die Aromen der provenzalischen Kräuter auf, mit denen es gewürzt war. Dazu gab es stilecht eine Ratatouille aus geschmorten Paprika, Tomaten und Zucchini, sowie ein Kartoffelgratin – für 16,20 eine tadellose Mahlzeit. Dazu hatte ich mir einen südfranzösischen Wein gewünscht. Ich bekam ein Glas Merlot, der mehr als passabel war (0,25-l-Karaffe 5 Euro).
Als Vorspeise hatte ich eine kalte Gurkencrèmesuppe mit Nordseekrabben und Creme Fraîche (4,60 Euro) bestellt, die ganz unprätentiös in einer gängigen Suppentasse serviert wurde, schön erfrischend war und ordentlich Einlage enthielt. Zum Nachtisch gab’s Walnusseis mit heißen Brombeeren (5,50 Euro). Kurz und gut: Ich hatte gut und nicht zu teuer gegessen.
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44799 Bochum-Wiemelhausen, Auf dem Alten Kamp 10

Aus dem Archiv: Habbel’s - Mitten ins kulinarische Herz

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Update 2024: Mittlerweile hat der Koch Sigurd Marmetschke das Restaurant gepachtet.


Ein schönes Beispiel dafür, dass der Ennepe-Ruhr-Kreis nicht nur das grüne Herz des Ruhrgebiets ist, sondern auch das kulinarische, ist die traditionsreiche Kornbrennerei Heinrich Habbel in Sprockhövel-Hasslinghausen. Michael Habbel hat das Familienunternehmen zu einem der führenden Betriebe dieser Art im Lande gemacht. Die Brände, Schnäpse und Liköre des bekennenden Anhängers des Slow-Food-Idee sind handwerkliche Spitzenprodukte, und seit klar ist, dass seine Tochter Michaela den Betrieb weiterführt, ist er auch wieder in die Whiskyproduktion eingestiegen. Denn das Herstellen dieser delikaten Spirituose ist eine langwierige, generationenübergreifende Angelegenheit.

Zur Brennerei gehörte schon immer eine Gaststätte, und auch die ist unter Michael Habbels Ägide vom Dorfgasthaus zu einem Spitzenrestaurant verwandelt worden – sichtbar nicht zuletzt an dem gläsernen Bistro, mit dem er vor einigen Jahren den historischen Bau erweitert hat. Mit seinen Küchenchefs versucht er, seine Idee von einer französisch und auch asiatisch inspirierten, regionalen Landhausküche zu verwirklichen. Vor einiger Zeit gewährte er dem österreichischen Spitzenkoch Christian Exenberger für kurze Zeit Asyl, doch der driftete zu sehr in Richtung Sterneküche ab. Jetzt leitet der Düsseldorfer Roland Rohm die Küchencrew und bringt eine elegante Bodenständigkeit auf die Teller, die auch von den Gästen aus der Nachbarschaft gewürdigt wird.

Das viergängige Menü aus einer „Matjestrilogie“, Kohlrabi-Süppchen, Bullentafelspitz und Brownie zum Dessert fand ich für moderate 39 Euro recht bestechend, doch die normale Karte enthielt einige Gerichte, die auch nicht ohne waren. So las sich der rohe Thunfisch mit Wassermelone, Fetakäse, Limette und Reis-Wasabi-Eis (16 Euro) so exotisch, dass ich nicht widerstehen konnte, ihn zu bestellen. Und ich tat recht damit: Die in acht Häppchen angerichtete Vorspeise war erfrischend, knackig und pikant, einfach großartig. Genauso mein Hauptgericht, ein Kotelett vom Duroc-Schwein auf Kartoffel-Erbsen-Stampf, farbenfroh dekoriert mit allerlei essbaren Blüten (18 Euro). Mehr als zwei Finger dick, in einer feinen Panade goldgelb ausgebraten, war es ein handfestes Erlebnis. Wie durch Butter ging das Messer durch das Fleisch, das zart und ungemein saftig auf der Zunge zerging. Dazu ließ ich mir eine fantastische australische Cabernet Sauvignon-Merlot-Cuvée „Wildcard“ von Peter Lehmann (0,2-l-Glas 7 Euro) empfehlen, und auch das war gut so. Denn die Lektüre der mehrere Folianten dicken Weinkarte mit über 1000 Positionen, die auf Michael Habbels privater Bordeaux-Sammlung basiert, hätte mich schlichtweg überfordert. Ähnlich wäre es beim Digestif gewesen, bei dem man ja aus der gesamten Produktion der Brennerei hätte schöpfen können. Auch da war ich froh, zu einem hausgemachten Pflaumenlikör eingeladen zu werden. Welche Qualität die hauseigene Produkte haben, war auch beim Dessert zu entdecken, einer mit Whisky parfümierten Schokoladenmousse mit Armagnacpflaumen, in die ich mich hätte hineinlegen wollen (8 Euro).
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45549 Sprockhövel-Hasslinghausen, Gevelsberger Straße 127
Fon 0 23 39. 91 43 12
Mi-Sa 18-22.30 Uhr, So 12-14.30 und 17-22 Uhr. Mo,Di geschlossen
https://habbel-restaurant.de/

Sonntag, 31. August 2014

Suvad Memovic kocht in der Loemühle in Marl

Das Restaurant hat dauerhaft geschlossen.

Er war Souschef bei Thomas Bühner im Dortmunder La Table, griff in der Engelsburg in Recklinghausen selbst zu den Sternen und modernisierte die Küche im Essener Parkhaus Hügel. Seit Juni kocht Suvad Memovic in der Loemühle in Marl. Hier das Ergebnis einer kleinen Stippvisite.

Vorspeise:
Marinierter Ziegenkäse mit gegrillter Wassermelone,
Wildkräutern und Balsamico-Pinienkern-Vinaigrette

Hauptgang:
Zweierlei vom Jungschwein, Rücken und Bäckchen
mit dicken Bohnen, Ricotta-Ravioli und Thymianjus

Dessert:
Creme Brûlée von weißer Schokolade
mit Weinbergpfirsich und Himbeersorbet

Freitag, 29. August 2014

Herbstvergnügen: Lardo di Colonnata


Es ist schon in paar Wochen her, da erreichte den Genießer ein Päckchen des ehemaligen Slow-Food-Vorstandes Hans-Georg Pestka aus Düsseldorf, der damit auf seinen Feinkostversand genusshandwerker aufmerksam machen wollte. Es enthielt ein Stück eingeschweißten Lardo di Colonnata, das ich jetzt erst öffnen konnte. Und was da zum Vorschein kam, war eine Sünde aus dem kulinarischen Paradies.

Lardo die Colonnato ist ein fetter Speck aus der Toskana, der von der seltenen Schweinerasse Cinta Senese stammt und traditionell in Trögen aus Carrara-Marmor reift. Für die hart arbeitenden Arbeiter in den dortigen Steinbrüchen war er einst auch als Energiespender gedacht. Zudem wird er für die Reife mit edlen Gewürzen eingerieben. Dieser Lardo hatte eine pikante Zimt-Nelken-Note, die mir nicht aus der Nase wollte, und hauchdünn geschnitten auf Roggenbrot machte er süchtig und auf der Stelle alle Erfolge meiner Pfirsich-Trüffelkäse-Diät zunichte.

Bei dem herrlichen Frühherbst-Wetter gestern verwendete ich den Lardo zur Zubereitung von Spaghetti alla carbonara. Dafür ließ ich einige Würfel in etwas Olivenöl glasig werden und briet in dem ausgelassen Fett al dente gekochte Spaghetti an. Die zog ich vom Feuer und ließ sie ein klein bisschen erkalten, um sie dann mit zwei mit geriebenem Parmiggiano reggiano verquirlten Eiern zu übergießen, die ich zusätzlich mit weißem Pfeffer, zerstoßenem Koriandersamen und geriebener Muskatnuss gewürzt hatte. Mit etwas zurückbehaltenem Nudelwasser wurde alles geschmeidig gemacht. Zur Abrundung kamen noch etwas schwarzer Pfeffer aus der Mühle und ein paar Tropfen Trüffelöl darüber. In Streifen geschnittener Chicoree sorgte zusätzlich für eine bittersüße Eleganz.


Dazu trank ich den letzten Rest des „Costers del Gravet“ aus dem Jahr 2001 des spanischen Weingutes Capçanes. Die Flasche war zwar schon seit sechs Tagen geöffnet und die Oxidation des Rotweines schon weit fortgeschritten, doch das tat dem Genuss keinen Abbruch. Die Aromen von Portwein und Armagnac-Pflaumen, die dem Glas entströmten, waren zu den himmlischen Lardo-Nudeln eine erdige Ergänzung.

Donnerstag, 28. August 2014

Aus dem Archiv: Landgasthaus Huxel - Grüße aus der guten alten Zeit

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015"
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Dass das Hattinger Naturparadies Elfringhauser Schweiz vor den Toren Bochums zum Ruhrgebiet gehört, glaubt einem kein Mensch. Jenseits aller pathetischer Industriekultur schlängelt sich durch die idyllisch-schroffe Hügellandschaft mit grünen Wäldern, Feldern und Weiden der glasklare Felderbach, und da, wo er die Teiche einer Forellenzucht speist, liegt das alte, schieferverkleidete Landgasthaus Huxel, das Werner Westphal und seine Frau im Jahr 2015 seit vierzig (!) Jahren betreiben. Betritt man das verwunschene Refugium, fühlt man sich in die gute alte Zeit versetzt, und das im doppelten Sinn. Nicht nur, dass die Westphal’sche Sammlung an mechanischen Musikinstrumenten, Stand– und Wanduhren und sonstigem Nippes aus jenen Tagen stammt, in denen das Wünschen noch geholfen hat, sie wird auch in dem nostalgischen Flohmarktstil präsentiert, der in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts so schwer in Mode war. Und dabei wundert man sich, dass der in zeitgenössischem Braun gehaltene Teppichboden keine Gebrauchsspuren aufweist, kein Stäubchen den Glanz der zahlreichen Exponate trübt und die Uhren alle so funktionstüchtig sind, dass zu jeder Stunde eine wahre Rhapsodie an Klingel- und Glockentönen anschwillt, dass Big Ben in London wie ein Waisenknabe wirkt.

Und in dieses antiquiert-antiquarische Wohnzimmer passt Werner Westphals gediegen gutbürgerliche Küche wie die Faust aufs Auge. Wichtiger Bestandteil sind natürlich die Forellen, die aus den Fischteichen hinter dem Haus stammen. Es gibt sie ganz gebraten nach Müllerin Art oder mit Mandeln oder als Filets mit Krabben und Rieslingsahne oder geräuchert. Zwischen 17 und 19,50 Euro kosten die Gerichte, die mit Petersilienkartoffeln und Salat serviert werden. Die Zusammenstellung der Menü-Angebote wie das dreigängige „Sternzeichen-Menü“ (pro Person 29,50 Euro) oder das „Dinner for two“, (fünf Gänge plus Sorbet für 2 Personen 69 Euro) signalisiert, hier gibt’s alle Tage ein Sonntagsessen.

Und weil wir zu zweit waren, wurde das „Dinner for two“ bestellt. Serviert wurde es stilecht auf einem Sammelsurium aus antikem Geschirr, die Suppe in großen Sammeltassen, mit denen unsere Urgroßmütter die Wohnzimmervitrinen bestückten, der Nachtisch in einem Whiskytumbler mit goldenem amerikanischem Wappen. Nach dem Amuse bouche, einem Stückchen Feige auf Vollkornbrot und einer kleinen Gänseleberpraline, folgte der Vorspeisenteller, bestehend aus einem kleinen gemischten Salat mit italienischer Salami, Kartoffelsalat mit Wachtelei, Lachstartar mit Gurkensalat, Melone mit Schinken, Salat aus frischen und getrockneten Tomaten. Dem folgte ein etwas sehr „light“ geratenes Selleriesüppchen mit Mandelplättchen und Schinkenstreifen und gratinierten Käse-Crostini. Der erste Gang schließlich bestand aus perfekt gebratenen Gambas auf hausgemachten Nudeln.

Das nun folgende Zitronensorbet war eine köstliche Erfrischung. Seinen Zweck, die von der Vielfalt der der Vorspeisen angeregten Geschmacksnerven wieder zu beruhigen, brauchte es jedoch nicht zu erfüllen. Alles war so zurückhaltend gewürzt, dass es zwar schmeckte, aber weder positiv noch negativ irritierte.

Die Hauptgänge waren handwerklich sehr ordentlich, aber ebenfalls ohne Ecken und Kanten. Wir aßen das Schweinefilet mit gemischten Pilzen und gebratenen Spätzle sowie die Kalbsleber und Apfelspalten in Calvadossauce und Püree ohne Probleme auf. Der dazu empfohlene Grauburgunder passte hervorragend und war tadellos temperiert.

Wenn die Menüfolge sich auch recht üppig liest, sie war mitsamt dem Dessert, eine Art Beeren-Smoothie mit Vanilleeis, so bemessen, dass wir uns am Ende zwar satt, aber nicht übersättigt fühlten. Vielleicht lag es jedoch daran, dass wir die Stundenschläge der Uhrensammlung dreimal zu hören bekamen, ehe wir diese Erlebnisgasstätte der besonderen Art wieder verlassen konnten.
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45529 Hattingen-Oberste Kleinbeck, Felderbachstr. 9

Mittwoch, 27. August 2014

Aus dem Archiv: Henrichs - Philadelphiatorte vorm Hochofen

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Update 2014: Seit die Betreibergesellschaft 2024 in die Insolvenz ging, gab es Veränderungen.

Sitzt man im Biergarten des Henrichs in Hattingen, so kann man die ruhrgebietstypische und einzigartige Attraktion „Genießen im Schatten der Industriekultur-Relikte“ hautnah erleben. Bizarr erhebt sich vor den Augen des Gastes der langsam vor sich hin rostende Hochofen der Henrichshütte, die nach ihrer Schließung vor fast dreißig Jahren zu einem Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) umgewandelt wurde. Und auch, wer in den weitläufigen loftartigen Räumlichkeiten des Henrichs isst oder einen der zahlreichen dort stattfindenden Konzert- und Party-Events besucht, kommt aus Staunen nicht heraus. Von den Tischen des Restaurants blickt man durch große Glasscheiben in die ehemalige Gebläsehalle mit zahlreichen gigantischen Maschinenteilen.

So chic das Ambiente, so unkompliziert ist die Küche, die Küchenchef Oliver Stolze seinen Gästen bietet. Auf der Speisekarte locken u.a. mediterrane Köstlichkeiten wie verschiedene gefüllte Mini-Pita (8,50 Euro), Tapas (Teller mit versch. Sorten 9,80 Euro) oder Spaghetti in Trüffelsahne mit gebratener Entenbrust (16,50 Euro), aber auch Original Wiener Schnitzel mit Mangold-Kartöffelchen (24,50 Euro). Die Hauptgänge geben sich raffinierter. So standen beim letztjährigen Menue-Karussell gegrilltes Wildschweinkotelett auf Pfeffer-Vanillesoße mit geschmortem Wirsing und Minikartoffeln und gegrillter Rochenflügel auf Grünkern-Austernpilzrisotto mit frischen Kräutern zur Auswahl.

Das Testessen, von der charmanten Irena mit herzlichem osteuropäischem Akzent serviert, war in Ordnung. Vielleicht hätte das Mais-Chili-Süppchen (7,50 Euro) etwas pikanter sein können, aber die gute Portion knusprig ausgebackener Entenbrustnuggets ergab eine herzhafte Einlage. Überhaupt scheint Oliver Stolze eine Vorliebe für Ente zu haben; sie tauchte bei verschiedenen Gerichten auf.

Als Hauptgang gab es eine an der Gräte gegarte Finkenwerder Scholle auf Bratkartoffeln mit viel gebratenem Speck und grünem Salat (20,50 Euro). War die Haut des überraschend kleinen Fisches sehr knusprig, so zerfiel sein fast flüssig wirkendes Fleisch beim Berühren mit der Gabel. Doch mit der beigegebenen Zitrone beträufelt und einem Glas Pfälzer Riesling von Bürklin-Wolf (0,2 l 8,50 Euro) mundete alles prächtig.

Hübsch war die Dessertvariation, ein süßes Dreierlei, das aus Himbeersorbet, einem halben Schokoladen-Muffin und einem mit Pistazienbröseln, Johannisbeeren und Zitronenschnitze schön ausdekorierten Stückchen Philadelphiatorte bestand – genau die, mit der früher in der Fernsehwerbung die Moderatorin Ruth Moschner ihre Freundinnen überraschte.
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45527 Hattingen-Welper, Werksstr. 31-33
Fon 0 23 34. 68 59 63
Di-So 12-18 Uhr. Mo geschlossen
https://www.henrichs-restaurant.de/

Dienstag, 26. August 2014

Aus dem Archiv: Loemühle - Na sowatt, der Suvad!

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2015".
Das Hotel steht unter neuer Leitung, das Restaurant ist bis auf Weiteres geschlossen.


Gewissermaßen war es für Suvad Memovic eine Art Heimkehr, als er im Juni 2014 den Posten des Küchenchefs in der Loemühle antrat. Mit Peter Berkelmann, dem Pächter des altehrwürdigen Anwesens in Marl, hatte der ehemalige Souschef von Drei-Sterne-Koch Thomas Bühner schon vor Jahren in der Recklinghäuser Engelsburg zusammen gearbeitet, als er mit dem Restaurant Impression selbst zu den Sternen griff. Doch dann wurde alles anders. Berkelmann pachtete Hotel und Restaurant der Loemühle, deren neuer Besitzer im gleichen Gebäudekomplex eine weitläufige Wellness-Oase betreibt, und Suvad Memovic ging ins Essener Parkhaus Hügel, um drei Jahre lang der dortigen traditionellen Küche modernen Schliff zu geben. Jetzt fanden die beiden wieder zueinander und wollen die Loemühle neu aufstellen. Eine Anzahl der Zimmer in dem auf das Jahr 1230 zurückgehenden Fachwerkkomplexes wurden bereits in modernem Landhausstil extravagant renoviert und das Küchenangebot aufpoliert.

Sieht man sich die Speisekarte an, so scheint sie auf den ersten Blick gar nicht viel anders als früher. Der Loemühlen-Klassiker Brust und Keule von der zitrusgebeizten Ente auf Lauch-Pflaumengemüse und Kartoffelkrapfen (23,50 Euro) und die für eine Hotel-Küche unumgänglichen Steak-Variationen stehen immer noch darauf. Aber das, was sonst noch auf den Teller kommt, trägt eindeutig die kreative Handschrift von Suvad Memovic. Wer viel Zeit und guten Hunger mitbringt, kann das Degustationsmenü bestellen, bei dem fast alle der 17 Gerichte in Probiergröße serviert werden.

Doch auch die drei à la carte ausgesuchten Gänge überzeugten, allesamt ordentliche Portionen zum Sattwerden. Gelungen die Kombination der Vorspeise, bei der eine mit Balsamico-Pinienkern-Vinaigrette marinierte Portion Ziegenfrischkäse samt Wildkräutersalat auf eine gegrillte Scheibe Wassermelone getürmt wurde – einer wunderbare Mischung aus pikanter Crèmigkeit und saftiger Süße (10 Euro).

Der Hauptgang, Rücken und Bäckchen vom Jungschwein auf dicken Bohnen, gab sich als raffinierte Veredelung der regionalen Küche. Der Rücken war endlos lange bei niedriger Temperatur zart gegart, ohne dabei seine herzhafte Kernigkeit zu verlieren, die kleinen Stückchen Bäckchen zergingen auf der Zunge. Anders als in Mutters Küche waren die Dicken Bohnen von der Lederhaut befreit und butterzart, die zuckersüßen Tomätchen der Garnitur zeugten von sorgfältiger Auswahl beim Einkauf. Als weitere Beilage gab es Ravioli mit Ricottafüllung (21 Euro).

Und auch der Nachtisch war ebenbürtig, eine Creme Brûlée von weißer Schokolade mit Weinbergpfirsich-Salsa und Himbeersorbet (9,50 Euro). Nicht unerwähnt sollte das einzigartige Mineralwasser sein (1-l-Flasche 5,90 Euro), das in der Loemühle serviert wird. Es stammt aus dem hauseigenen Brunnen und ist so exklusiv wie die Küche von Suvad Memovic.
-kopf

45770 Marl, Loemühlenweg 221