Sonntag, 18. Juli 2010

Weinprobe an komischen Orten: Ruhrpottweine auf der A 40

Weindeuter und Genießer trinken sich die Große Straße schön

Wenn heute mit dem „Still-Leben Ruhrschnellweg“ der größte Event der Kulturhauptstadt RUHR.2010 über die die Bühne geht, ist der Genießer nicht als Teilnehmer, sondern nur als Zuschauer dabei. Obwohl die Lange Tafel elementarer Bestandteil der Slow-Food-Idee ist, konnte er sich mit dem Gedanken, sich auf einer Autobahn kulinarisch zu betätigen, von Anfang an nicht richtig anfreunden. Der Abrieb von Millionen Autoreifen kann nicht das Salz in der Suppe sein. Und die Organisation des Events lässt kein zivilisiertes Essen, wie man es sich wünscht, auf der gesperrten Autobahn zu. Einen ambulanten Kocher zum Zubereiten von frischen Speisen darf man nicht aufbauen, nicht einmal einen Grill. Wein dürfte man nur aus Plastikgläsern und aus Plastikflaschen trinken – einem guten Tropfen ist das nicht zuzumuten. Verwunderlich ist das nicht. Um ein propagandistisches Bild aus dem Helikopter von der der gesperrten Autobahn mit feiernden Ruhris in die Tagessschau zu bekommen, ist Masse statt Klasse gefragt. Qualität, besonders die kulinarische, kann dabei ruhig auf der Strecke bleiben.

Der Genießer und sein Arbeitspensum

So kamen der Weindeuter und der Genießer auf die Idee, das „Still-Leben“ ganz anders zu begehen und sich die Große Straße auf ihre Weise schön zu trinken. Sie besorgten sich jene Weine, die sich über ihr Etikett als Ruhrpottweine definieren, ließen sich damit vom Mahlzeitvogel auf der Fußgangerbrücke über die A 40 am Bochumer Ruhrpark-Einkaufszentrum fotografieren und testeten sie in aller Ruhe im Garten des Weindeuters.

Der Mahlzeitvogel freut sich auf die Belohnung für seine Fotos

Das Etiketten-Trinken fiel ihnen leichter als gedacht. Nicht wenige Weinhändler im Ruhrgebiet haben Ruhrpottweine im Programm. Die Weinagentur Bierwirth in Essen verkauft zwei Weine mit offiziellem Segen von RUHR.2010. Vino Grande in Essen vertreibt eine Kulturhauptstadt-Sonderedition des portugiesischen „Fabbelhaft, und sogar die Supermarkt-Kette REWE hat zwei Kulturhauptstadtweine in den Regalen. Ebenfalls von der Kulturhauptstadt inspiriert sind die Selektionen, die Julius Meimberg aus Herne für die Menüs der Köchegruppe „ReVier“ abfüllen lässt. Pionier des Ruhrpottweins ist zweifellos die Weinhandlung Molitor in Recklinghausen. Ihre Editionen „Kunst“ und „Kohle“ sind von den Ruhrfestspielen inspiriert, ein Wein ist dem westfälischen Ruhrgebiet gewidmet, ein „Secco“ der kleinen Stiefschwester der A 40, der legendären Nord-Süd-Achse A 43.

Hier die Ruhrpottweine, wie sie der Genießer empfand:

• „ReVier“ 2008 Grüner Veltliner „Optimum“ vom Weingut Rabl, Kamptal, Österreich. Besticht durch Eigenwilligkeit und Charakter. (Julius Meimberg, Herne)
• „Vinum pro Vestphaliis“ 2005 Brachetto, Piemont, Italien. Urwüchsiger Trofen, der mit seiner Eigensinnigkeit die westfälische Sturheit widerspiegeln soll. (Molitor, Recklinghausen)
• „Kunst“ 2008 Riesling Trocken, Markus Molitor. Einstiegswein des Rieslingmeisters von der Mosel. (Molitor, Recklinghausn)
• „Kohle“ 2008 Barbera d’Asti, Rolf und Ilona Schulz, Piemont, Italien. Die Rebsorte Barbera hat ihren Namen nach der Schutzheiligen der Bergleute der hl. Barbara. (Molitor, Recklinhausen)
• „Kulturhauptsadtbewohner“ 2008 „Fabelhaft“. Niepoort, Douro, Portugal. Sonderabfüllung des eleganten portugiesischen Klassikers. (Vino Grande, Essen)
• „RUHR.2010“ 2009 Weißburgunder trocken, Reichsrat von Buhl. Pfalz, Deutschland. Glänzend gemacht, leicht zu trinken. (Weinagentur Bierwirth, Essen)
• „Ruhr.2010“ 2008 Spätburgunder trocken, Weingut Blankenhorn. Pfalz, Deutschland. Ebenfalls glänzend gemacht, einfach zu trinken.
• „43 Recklinghausen“ Secco. Nach Prosecco—Art auf die Flasche gebrachte Weißwein-Cuvée. Albert Molitor, Mosel, Deutschland. Erfrischend und prickelnd. Ist der A 43 gewidmet. (Molitor, Recklinghausen)
• „Kulturhauptstadt 2010“ 2009 Dornfelder halbstrocken. Nahe, Deutschland. Unspektakulärerer preiswerter Supermarktswein. (REWE)
• „Kulturhauptstadt 2010“ 2009 Riesling Classic. Mosel, Deutschland. Ebenfalls ein unspektakulärerer preiswerter Supermarktswein. (REWE)

Es gab auch noch Sekte von Molitor, die der Weindeuter beschreibt.

Thema mit Variationen: Etiketten der 2010-Weine

Kuriosität am Rande: Inspirationsquelle für die Gestaltung der RUHR.2010-Etiketten war der „Fabelhaft“ von Niepoort. Normalerweise ziert die Flasche ein Etikett mit Zeichnungen von Wilhelm Buschs Unglücksraben Hans Huckebein in Form eines Briefmarkenbogens. Die Sonderedition „Kulturhauptstadtbewohner" ist eine farbige Variation davon. Die „RUHR.2010“-Weine der Weinagentur Bierwirth übernehemen das Niepoort-Design, ersetzen die Huckebein-Zeichnungen aber durch elegante Darstellungen von Ruhrgebiets-Wahrzeichen. Die REWE-Weine wiederum parodieren das auf plumpe Art, indem sie die Briefmarken mit den Wahrzeichen aus dem Rahmen purzeln lassen.

Die Arbeit ist getan

Freitag, 16. Juli 2010

Slow Food: Jekiko – Jedem Kind einen Kochlöffel

Monika Johannes-Vorbrugg (vorn)
und Sabine Jäger kochen mit Kindern

Im Kulturhauptstadtjahr hat sich Bochum mit einer Aktion einen Namen gemacht, die im musikpädagogischen Bereich für Furore sorgt: „Jeki – Jedem Kind ein Instrument“ will den Zugang zum Musizieren in allen sozialen Schichten fördern.

Schulleiterin Waltraud Kretschmer sieht nach dem Rechten

Wesentlich fundamentaler als die Musikförderung ist es jedoch, bei Kindern ein Bewusstsein für richtige und gute Ernährung zu schaffen. In den Haushalten wird heutzutage bekanntlich viel zu wenig gekocht, als dass sich bei Kindern ein gutes Verhältnis zum Essen heran bilden könnte. Fast Food und Fertiggerichte stehen zu oft auf dem Speiseplan. Das Resultat: Eltern haben große Probleme, ihre Kinder zu vernünftigem Essen anzuhalten, viele Kinder wissen gar nicht, wie Lebensmittel erzeugt werden und woher sie herkommen. Um so wichtiger ist es, eine Aktion zu starten, die man „Jekiko – Jedem Kind einen Kochlöffel“ nennen könnte.

Monika Johannes-Vorbrugg:
So funktioniert der Kartoffelhobel

So kam Slow-Food-Mitglied Monika Johannes-Vorbrugg auf die die Idee, Waltraud Kretschmer, die Leiterin der Vels-Heide-Schule in Bochum davon zu überzeugen, die brachliegende Schulküche zu reaktivieren und an den ersten beiden Ferientagen einen Kochkurs für Schüler zu veranstalten. Zusammen mit Sabine Jäger, der Autorin eines Kochbuchs für Kinder, machte sie sich ans Werk, ca. 20 begeisterten Kindern das Schnippeln, Backen, Garen, Schmecken und Riechen beizubringen. Die Mini-Köche stellten am ersten Ferientag Frucht- und Gemüsesäfte her, machten Kartoffelchips und Tomatenketchup. Am zweiten Tag gings an den Nachtisch. Staunend stellten die Kinder fest, wie einfach es ist, Speiseeis selbst herzustellen und wie toll eine selbst gemachte Crème brulée schmeckt. So konnten sie spielerisch den Umgang mit Lebensmitteln und Kochwerkzeugen lernen – und hatten vor allen Dingen Spaß daran, alles aufzuessen.

Sabine Jäger: So lecker duftet Thymian

Das wird Tomatenketchup

Kartoffelchips für alle!

Mhm! Lecker!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Jubiläum: „Dortmund à la carte“ zum 25. Mal gestartet

Das 26. "Dortmund à la carte" findet vom 20. bis zum 23. Juli 2011 statt.

Dankbarer Fototermin: Dortmunds OB Sierau 
sticht ein Fass Kronen Pils an

Pünktlich um 12 stach Dortmunds OB Ullrich Sierau gemeinsam mit Thomas Schneider von der Kronen Brauerei und Heinrich Overkamp ein Fass Pils an und gab damit den Startschuss für die Gourmetmeile „Dortmund à la carte“. Meile ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, um den Event zu beschreiben. Vielmehr haben die zehn teilnehmenden Gastronomen den Hansaplatz in der Dortmunder City in eine einzige gigantische Freiluft-Gastronomie verwandelt.

Ruhe vor dem Sturm

Anders als bei „Essen verwöhnt“, wo mit Résidence und Schloss Hugenpoet zwei Sternehäuser und einige weitere Anwärter auf einen Stern das Bild der Gourmetmeile bestimmen, sind es in Dortmund die bodenständigen Gasthäuser, die für Deftiges auf dem Teller sorgen. Allen voran natürlich die traditionsreichen bürgerlichen Gastronomien Overkamp und Eisenbarth, dann der Holzknecht, das Restaurant Jägerheim, das Gasthaus Grube. Haus Suberg, der Lennhof, das Ringhotel Drees und Wolfs Catering ergänzen die Traditionalisten. Stimmungsmäßig abgerundet wird das Angebot vom Thüringer mit seiner Gaudi Alm. Beeindruckend, fand der Genießer, doch warum nutzen eigentlich nicht die großen Drei der Dortmunder Gourmet-Szene Mario Kalweit, Sascha Heitfeld und Dennis Rother die Gelegenheit, ihre Häuser in der Stadt zu verankern?

Eigentlich hatte der Genießer sich vorgenommen, für die „Genussbereit“-Leser alle Stände zu testen. Doch angesichts der tropischen Temperaturen beließ er es bei drei Klassikern von „Dortmund à la carte“. Overkamps Stielmus-Eintopf mit Tafelspitz war große klasse, das Fleisch vielleicht etwas trocken. Die „Schneckensuppe Jägerheim“ war ein leckeres und nahrhaftes Häppchen, und die Sülze mit Remouladensauce und Bratkartoffeln vom Gasthaus Grube ein schönes Stück Hausmannskost.

„Dortmund à la carte“ läuft noch bis zum 17. Juli.

Overkamps Stielmus

Schneckensuppe "Jägerheim"


Sülze mit Remouladensauce und
Bratkartoffeln von Gasthaus Grube

Slow Food: Alles über den Kaffee

Udo Strauch zelebriert die Hohe Kunst des Kaffeekochens an der Karlsbader Kaffeemaschine

Am Sonntag, den 11. Juli 2010, fand erstmals eine Slow-Food-Matinee in den Räumen der G Data Acadamy in Bochum statt. Udo Strauch, Leiter des Conviviums Mittleres Ruhrgebeit, hatte zum vormittäglichen Kaffeetrinken eingeladen, und zehn Slowfoodies ließen sich das trotz tropischer Sommerhitze nicht entgehen. Ein Tisch war mit historischen Kaffeeutensilien dekoriert. Doch die Espressomaschine wurde links liegen gelassen. Udo Strauch zelebrierte die Hohe Kunst des Kaffeekochens an der Karlsbader Kaffeemaschine, einem Gerät mit Porzellanseiher, aber ohne Filterpapier. Der Kaffee muss dafür grob gemahlen sein. Verkostet wurden Kaffees vom Bochumer Kafferöster und Slow-Food-Mitglied „röst.art“: „Kuba Montana Lavado“, und „Indien Monsooned Malabar AA“ und der „Espresso Premium BIO Mexico/Peru/Brazil“, alles reine Arabicas. Dazu gab es selbst gemachte Mokkatorte nach dem Rezept von „Harry’s Bar“ in Venedig.

Mokkatorte wie in "Harry's Bar"

Neben dem Kaffeetrinken kam auch der Kaffeeklatsch nicht zu kurz. In munteren Gesprächen tauschten die Slowfoodies Tipps zum Kaffeerösten, -kochen und –trinken aus und unterhielten sich über Gott und die Welt.

Fröhliches Kaffeetrinken trotz tropischer Hitze

Utensilien zum Kaffeekochen
Zum Vergrößern auf die Bilder klicken!

Und zum Abschluss einen Kanne Brottrunk!

Dienstag, 13. Juli 2010

Slow Food Essen: Erster Schneckentisch

Manfred Weniger begrüßt die Slowfoodies

Gestern trafen sich knapp 30 Slowfoodies in der „Gastronomia Officina“ in Essen-Bredeney zum ersten Schneckentisch des neuen Slow Food Conviviums Essen. Conviviums-Gründer Manfred Weniger bat die Slowfoodies, sich vorzustellen und ihre Erwartungen an das Convivium zu formulieren. Die meisten erwiesen sich als kritische Konsumenten, die sich von Slow Food Tipps erhoffen, wo man in der näheren Umgebung gut handwerkliche und regionale Produkte erhalten kann. Aber auch Aspekte wie Slow-Food-Restaurant-Tipps zu erarbeiten oder Geschmacksschulungen für Kinder können Ziele des Conviviums sein. Die Wahl der Conviviums-Leitung wurde für den nächsten Schneckentisch am 25. August festgelegt.

Die Slow-Food-Mitglieder hoffen auf Tipps für gute Produkte

Dass die Arbeit von Slow Food in Essen notendig ist, zeigten die Gerichte, die in der „Gastronomia Officina“ serviert wurden. Das originelle Lokal mit der für eine Vereinsversammlung nötigen Geräumigkeit ist eine chice Mischung aus italienischem Bauernhaus und Ruhrgebiets-Loft im Hinterhof und verbreitet mit seiner angeblichen „cucina italiana originale“ lässige Urlaubsstimmung. Allein schmecken wollten dem Genießer die Gerichte gestern Abend nicht so richtig, und mit der Slow-Food-Elle „gut, sauber und fair“ waren sie schon gar nicht zu messen. „Sauber“ waren die Gerichte, das ist wahr. „Gut“ weniger, und so waren die Preise im Grunde auch nicht „fair“.

Eher was fürs Auge: Salat Caprese und Pizza Salsisccia

Die Kirschtomaten im Salat „Caprese“ (10,90 Euro) waren zwar schön rot, aber wässrig, unreif und von sperriger Dickschaligkeit, dem Olivenöl fehlte es völlig an Aroma. Dem Büffelmozzarella merkte man nicht an, dass er vom Büffel stammte, und die frischen Basilikumblätter, die „Caprese“ in der Regel zu einer Duftbombe machen, waren als Zutat so gut wie nicht vorhanden. Die Pizza „Salsiccia“ (12,50 Euro), die dem Salat folgte, war zwar authentisch unrund, doch auch hier sorgten die harschen Tomatenscheibchen für unnötige Unverdaulichkeiten.

Karla Knoche-Weniger wünscht sich viel Erfolg für Slow Food in Essen

Montag, 12. Juli 2010

Auf dem Balkon: Sommeressen mit geeister Tomatensuppe, Yemista Orphana, Merguez und Crostini mit Dicke-Bohnen-Pesto

Merguez, das sind die diese frischen Bratwürste aus Nordafrika, die heute mitsamt dem Couscous aus der (süd-)französischen Küche nicht mehr wegzudenken sind. Metzger Gläser hat sie originalgetreu aus niederrheinischem Lamm- und Rindfleisch nachgemacht und mit Kreuzkümmel, Paprika, Knoblauch, Harissa und Pfeffer gewürzt. Da konnte der Genießer nicht widerstehen – genau das Richtige bei Temperaturen über 30 Grad.

Merguez in der Pfanne

Um die Merguez komponierte er ein mediterranes Balkonessen. Vorweg gab es eine eisgekühlte Tomatensuppe, wie man sie in der Provence serviert bekommt, zu den Würsten dann Yemista Orphana, gefüllte und im Ofen geschmorte Gemüse, wie man sie auf Kreta kennt. Für die Füllung der kleinen, süßen Snack-Paprika und Tomaten kochte der Genießer ein einfaches Risotto mit selbstgemachter Hühnerbrühe, ein paar Gurkenwürfeln, Knoblauch, Butter und Parmesan. Und zum Sattwerden gab es noch Crostini mit dem wunderbaren Pesto aus Dicken Bohnen von der Freundin des guten Geschmacks. Dazu schmeckte natürlich die letzte Flasche Rosé von der Domaine de Mas Bécha.

Rezept: Eisgekühlte Tomatensuppe

1 kg schöne rote Tomaten (der Genießer nahm einfach eines Dose San-Marzano-Tomaten)
3 Sardellenfilets
Saft einer Zitrone
½ Bund Oregano
10 ml Olivenöl

Am Vorabend die Tomaten häuten, entkernen und vierteln. Mit Sardellen, Zitronensaft, Oreganoblättern und Olivenöl über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.
Die Mischung im Mixer pürieren, durch ein Sieb geben, abschmecken und mit ein paar Eiswürfeln herunter kühlen.
Zu Garnitur füllte der Genießer eine kleine Tomate mit Ziegenfrischkäse (besser: Aioli) und verzierte das ganze mit einer Oregano-Blüte.

Mit Risotto gefüllte kleine Paprika und Tomaten

Merguez auf dem Teller

Sonntag, 11. Juli 2010

Gestern bei Mama: Dicke Bohnen in süßsaurer Specksauce

Gestern habe ich für Mama Dicke Bohnen in süßsaurer Specksauce gemacht. Mama meinte, solch deftige Gerichte hätte ihre Mutter immer gekocht. Sie selbst hätte nie Lust dazu gehabt, das Palen der Bohnen wäre zu viel Arbeit gewesen. Ich kann mich erinnern, dass es das Gericht früher öfter mal gab – es waren dann wohl Bohnen aus dem Glas gewesen.

Dicke Bohnen in süßsaurer Specksauce seien ein typisch rheinisches Gericht, habe ich irgendwo gelesen – mein Rezept stammte jedoch aus dem Kochbuch „Großmutters westfälische Landküche“. Egal, ob rheinisch oder westfälisch – Ruhrgebietsküche ist es allemal. Übrigens: Auch bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad schmeckte es herrlich. Muss es auch, denn Dicke Bohnen sind nun mal ein Sommergemüse.

Rezept: Dicke Bohnen in süßsaurer Specksauce

500 g Dicke Bohnen ohne Hülsen und Lederhaut
Bohnenkraut
100 g geräucherter durchwachsener Speck
1 Zwiebel
1-2 EL Mehl
Salz und Pfeffer
1 – 2 EL Essig
1 Prise Zucker

Dicke Bohnen palen, in Salzwasser blanchieren und aus der Lederhaut befreien. Bohnenkerne in mit etwas Bohnenkraut in kochendes Salzwasser geben und fertig garen, dann abgießen. Die Bohnenbrühe aufbewahren. Speck und Zwiebeln würfeln und glasig dünsten. Das Mehl zugeben und anschwitzen, mit der Bohnenbrühe ablöschen kurz aufkochen. Mit Salz, Pfeffer, Essig und etwas Zucker würzen. Die Bohnen in die Sauce geben.
Dazu reichte ich gekochten Schweinebauch und Salzkartoffeln.

Freitag, 9. Juli 2010

Dortmund: Mövenpick Weinkeller in neuem Glanz

Großzügige Weinpräsentation im neuen Mövenpick Weinkeller

Nach einer Umbauphase eröffnete der Mövenpick Weinkeller im Dortmunder Indupark gestern neu. Aus der imposanten Weinlagerhalle von einst ist eine geschmacksicher eingerichtete Fachhandelsfiliale geworden, die jeder Innenstadt zur Zierde gereichen würde.

Mövenpick-Privatkundenbetreuer Christof Schikora, der Weindeuter und der Genießer plaudern in neuer Umgebung über ihr Lieblingsthema Wein

Ein wenig wehmütig wurde dem Genießer schon ums Herz, als er gestern Nachmittag den neuen Mövenpick Weinkeller betrat. Fast zwanzig Jahre ist es her, als er hier seine Leidenschaft für den Wein entdeckte. Staunend stand er im damaligen Weinland Keiler zusammen mit dem Weindeuter vor den meterhohen Regalen, in denen sich die Kisten mit den edelsten Tropfen stapelten. Die Weinproben im Degustationsraum mit dem Fachwerkimitat im ersten Stock waren legendär. Hier wurden einmal im Monat die teuersten Weine glasweise ausgeschenkt, und die Leute drängten sich, um einen Schluck Mouton Rothschild oder Vega Sicilia für erschwingliche 20 oder 30 Mark zu ergattern.

Die neue Degustationstheke

Doch die Zeiten ändern sich. Weinland Keiler gehört mittlerweile einem Schweizer Gastronomie-Konzern, heißt jetzt Mövenpick Weinkeller und ist mit seinen Filialen in fast allen größeren Städten Deutschlands einer der führenden Weinfachhändler der Republik. Die Läden wurden in letzter Zeit alle von ihrem verstaubten Lagerhallen-Charme befreit und mit einem modernen Lounge-Design in die Life-Style-Gegenwart katapultiert. Als einer der letzten kam das Dortmunder Stammhaus dran. Hell und lichtdurchflutet ist die Halle jetzt, in chicen Regalen und auf einer langen Degustationstheke wird das umfangreiche Weinprogramm großzügig präsentiert.

Auf dem Dach des Weinhauses befindet sich ein Bereich für besonderer Events

Bordeaux-Experte Tjark Heyenga präsentierte den legendären Jahrgang 2009

In der Mitte der Halle befindet sich das sogenannten „Weinhaus“. Im Erdgeschoss präsentieren sich hier die teuren Bordeaux und Burgunder wie in einem Keller. Eine Treppe führt aufs Dach, von dem man eine Rundumsicht in die ganze Halle hat. Hier steht eine lange Tafel für besondere Events.

Claudia Kaschinski von der Käserei Frank Rest präsentierte charmant Kase-Spezialitäten

Der Mövenpick Weinkeller feiert seine Wiedereröffnung mit einem dreitägigen Weinfestival. Gestern konnte der Genießer an einer Wein-und-Käse-Verkostung der Käserei Frank Rest teilnehmen und dann einer Degustation von äußerst raren Fassproben des jetzt schon legendären Bordeaux-Jahrgangs 2009. Am heutigen Freitag gibt es ab 16 Uhr drei Themen-Degustationen mit dem Mastersommelier Hendrik Thoma: Riesling vs. Chardonnay, Bordeaux und Sushi und Weltweinreise. Am Samstag gibt es ab 14 Uhr noch einmal die Verkostung Käse und Wein und eine Degustation von Edelbränden der Fichtenhofbrennerei Marder.

Moderner Stil auf der Brücke: Filialleiter Matthias Kaebel


Donnerstag, 8. Juli 2010

Aus dem Archiv: Oase Due - Italienische Klassik

Der Text erschien erstmalig in „Essen geht aus 2011“.

Zum ersten Mal besuchte ich die Oase Due als Restauranttester im Jahr 1996, und schon damals betrieben Franco Cadamuro und Küchenchef Tiziano Girardi das kleine Ristorante seit drei Jahren. Mit ihrer zurückhaltenden Art haben die beiden nicht unwesentlich Anteil daran, dass heute die Rüttenscheider Straße den Ruf einer kulinarischen Meile für ausgezeichnete Nobelitaliener genießt. Dabei will der bunte Neon-Schriftzug mit der karibisch anmutenden Palme, der mittlerweile zum Markenzeichen geworden ist, gar nicht so recht zur Atmosphäre des Hauses passen. Denn hier ist kein Dolce Vita am Strand angesagt, sondern die tiptop mit schwerer weißer Wäsche eingedeckten Tische verbreiten eine gepflegte, seriöse Bürgerlichkeit alla finanziera. Mittags und auch abends kommen meist Stammgäste vorbei, die von Franco vertraulich mit Handschlag begrüßt werden. Beim diesjährigen Testbesuch konnte ich sogar beobachten, wie zwei Ruheständler, die mit ihren behaglichen Altherrenstimmen beim Fachsimplen über den guten Wein und die böse politische Weltlage den kleinen Gastraum vollends in ein Wohnzimmer verwandelt hatten, sich nach dem Essen mit einem „Bis morgen“ verabschiedeten. Auch ein weiteres Ritual, das ich selbst vor einigen Jahren erleben durfte, wurde wie eh und je gepflegt: Einer Kleinfamilie annoncierte Franco mit sonorer Stimme die Tagesangebote mit allen kulinarischen Details, und die etwa neunjährige Tochter ließ mit gesenktem Blick und innerem Grinsen die lange Litanei über sich ergehen wie eine Standpauke ihres Violinlehrers. Immerhin, es waren solche Spezialitäten wie Taglierini mit Entenragout oder geräucherter Forelle und Lauch dabei, die wie die Nudelgerichte der Standardkarte um die 10 Euro kosteten.

Dass ich diesmal dieses Rituals nicht teilhaftig wurde, mochte daran liegen, dass ich Franco, bevor er mit seiner Rede anheben konnte, fragte, ob ich eines der beiden viergängigen Menüs, die ab zwei Personen angeboten wurden (pro Person 47 Euro), auch allein bekommen könnte. Franco nahm mir die Speisekarte aus der Hand, rückte die Brille zurecht und prüfte das Menü eingehend wie ein Mailänder Finanzbeamter eine berlusconische Steuererklärung, um dann den erlösenden Bescheid zu erteilen: „Ja, das geht.“ Auch den angebotenen Flaschenwein, die weiße Rarität Ribolla Gialla aus dem friulanisch-slowenischen Grenzgebiet, gab es als Viertel (7,80 Euro)

Was ich dann serviert bekam, war italienische Klassik vom Feinsten, unprätentiös und ohne Schnickschnack, handwerklich perfekt und geschmacklich auf dem Punkt. Als Vorspeise gab es eine schöne herbstliche Salatmischung aus Rucola, Radicchio rosso und Feldsalat mit blanchierten warmen Zwiebeln und Champignons, dezent sauer angemacht, dass die leicht bittere Würze der Blattsalate schön zur Geltung kam. Im ersten Moment hätte ich mich auch noch über etwas angebratenen Speck gefreut, doch wäre dann der Salat im Menüablauf zu mächtig geworden.

Als Pastagang gab es ganz in ligurischer Tradition schmale Taglierini mit Pesto Genovese, dessen Duft und Aromatik durch zusätzliche Pinienkerne und Basilikumblätter sowie leicht angebratene Gamberetti unterstützt wurde.

Den Hauptgang bildeten dann einige ganz wunderbar zarte, hauchdünne Kalbsschnitzel, über die recht großzügig schwarze Trüffelscheiben gehobelt waren, deren allerdings eher zurückhaltendes Aroma sich auch unaufdringlich in der hellen Sauce wiederfand. Interessant war die Gemüsebeilage, die, wie für Italien typisch, auf einem Extra-Teller gereicht wurde. Neben ganz frisch angebratenen und vor allem weichen Kartöffelchen in der Schale bestand sie aus Spinat, Karotten, grünen Bohnen und einem weiteren Gemüse, dass ich erst für Mangold hielt. Doch Franco klärte mich unaufgefordert auf, dass es sich dabei um Lattuga handelte, eine italienische Spezialität, die mit Lauch angeschmort war.

Zum Dessert gab es das obligatorische, hausgemachte Tiramisú, das sich wohltuend von solcherart Produkten in anderen Restaurants durch Leichtigkeit und den Mangel an einer aufdringlich-süßen Alkoholnote unterschied.

Bemerkenswert war übrigens das Wasser, das auf den Tisch kam. Anders als in Rüttenscheid in diesem Jahr anscheinend üblich, handelte es sich dabei nicht um das bewährte San Pellegrino in der Bulgari-Edition, sondern um die Marke Surgiva aus dem Trentino (0,75l 5,50 Euro), die aber genauso wohlschmeckend war.
-kopf

Oase Due. 45131 Essen-Rüttenscheid. Rüttenscheider Straße 189. Tel 0201/790640. Mi--Sa 12-14.30 und 17.30-23.30 Uhr. So, Mo, Di Ruhetag. www.oase-due.de (Daten Stand (20.6.2024)