Samstag, 26. März 2011

55 Jahre „Parkhaus Hügel“: Die Quadratur des Königsberger Klopses



Königsberger Klops à la Suvad Memovic

Hans-Hubert Imhoff mit seiner Brigade

Am Donnerstag lud der Essener Gastronom Hans-Hubert Imhoff zu einem Genusstreffen für die Freunde seines Stammhauses. Es gab schließlich zwei Anlässe, die zu feiern waren: Seit 55 Jahren betreibt die Familie Imhoff das „Parkhaus Hügel“ unter diesem Namen am Essener Baldeneysee zu Füßen der Villa Hügel, und Spitzenkoch Suvad Memovic sollte endlich als Küchenchef öffentlich vorgestellt werden, der bereits seit 15 Monaten das kulinarische Erscheinungsbild des Hauses bestimmt.

Küchenchef und Genießer: Suvad Memovic präsentiert seine Gerichte

Der Genießer erinnert sich noch gut daran, als er im letzten Sommer auf der Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ am Stand des „Parkhaus Hügel“ Taubenbrüstchen mit Erbsenpüree und Buchweizenküchlein probierte und überrascht war, wie überzeugend sich Ruhrgebietsküche mit Haute Cuisine vermählen kann. Kein Wunder, denn verantwortlich dafür war Suvad Memovic, einer der führenden Köche im Ruhrgebiet und damals ganz neu als Küchenchef im „Parkhaus Hügel“. Zuvor war der gebürtige Dortmunder u.a. 12 Jahre lang Sous- und Chef de cuisine bei Thomas Bühner im „La table“ (Dortmund) und im „La vie“ (Osnabrück) und brachte im „Impression in der Engelsburg“ die Gourmetküche nach Recklinghausen. „Für uns ist er genau der Richtige für die Weiterentwicklung unseres Hauses“, freut sich Heinz-Hubert Imhoff darüber, dass er Memovic für sein Haus gewinnen konnte.

Ringing Seventies, swinging Fifties: Hans-Hubert Imhoff bedient Helmut Schmidt und Presse-Mann Jens Feddersen, Arndt von Bohlen und Halbach schwärmt für Zarah Leander, Alt-Bundespräsident Heinrich Lübke prägt den Stil.
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken.)

Und das hat eine lange Tradition. 1870 als Restaurationsbetrieb für die Bauverwaltung der Villa Hügel, war es im Laufe de Zeit Bierhalle zur „Erholung der Beamten und Leuten aus der Fabrik“, „Hügelgaststätte“ auch für Betriebsfremde. Ab 1920 belieferte der Konditor Hubert Imhoff das Lokal, das zu einer beliebten Ausflugs- und Kaffeewirtschaft geworden war. Nach dem zweiten Weltkrieg und einem Zwischenspiel als „Black Diamond Club“ für amerikanischen Soldaten, pachtete Imhoff 1955 schließlich das Lokal und nannte es „Parkhaus Hügel“. „Er ahnte nicht, welche Bedeutung das Wort Parkhaus später bekommen sollte“, meint sein Enkel Hans-Hubert, der das Haus 2004 schließlich kaufte. Als Hausgastronomie der Villa Hügel fanden hier immer wieder repräsentative Veranstaltungen von Krupp mit illustren Gästen statt; gleichzeitig entwickelte sich das Haus zur eleganten Stube für das Essener Bürgertum mit wunderbarer Terrasse und Blick auf den Baldeneysee.

Historisch-kritisches Büffet: Die Gäste bestaunen alte Gerichte und ihre neue Aufmachung

Zur Feier des 55-jährigen Bestehens hatte sich Suvad Memovic etwas ganz Besonderes ausgedacht. Er präsentierte einen historisch-kritischen Ausflug in die Küchengeschichte des Hauses und interpretierte Gerichte der Wirtschaftswunderküche aus der Gründerzeit des „Parkhaus Hügel“ auf seine Art der aktuellen Gourmetküche neu. So wurde z.B. aus „Forellenfilet mit Waldorfsalat“ eine moderne Mousse von der geräucherten Forelle mit grünem Apfelgelee“, aus Potthucke mit Seeteufel“ ein „gerösteter Seeteufel mit cremigem Kartoffel-Mettpüree und Beurre blanc“, aus „Zwiebelsenf-Rostbraten mit Röstkartoffeln und gemischtem Salat“ ein „Burger vom Hohenloher Rind mit gebratener Gänsestopfleber, grünem Spargel und geräucherter Hollondaise“. Und die klassischen „Königsberger Klopse mit Kapernsauce“ erlebten ihre moderne Quadratur, bleiben mit Wirsing, Kapern und glasierten Kartoffeln aber trotzdem eine runde Sache. Zu den insgesamt 11 Köstlichkeiten, die als Flying Dinner serviert wurden, kredenzte der Sommelier Marcus del Monego eine Reihe deutscher Weine. (Darüber mehr beim Weindeuter).


Flying Dinner mit 12 Köstlichkeiten und ausgeählten Weinen
(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken. Fotos von Thomas Range)

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