Sonntag, 14. August 2005

Aus dem Archiv: Lo Spuntino - Big Apple Kupferdreh

Update: Das Restaurant hat am 1.11.2025 unter neuer Leitung wieder eröffnet.
Update: Das Restaurant schließt am 13. Juli 2025.

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006"
.

Mein Gott, ist das ein Trubel. Fast alle Tische sind vollbesetzt, auf den wenigen freien stehen Reserviert-Schildchen mit präziser Uhrzeit im Halbstundentakt. Ein Trüppchen Arbeitskolleginnen auf Betriebsausflug tut sich an seinen Nudeln gütlich, ganze Familien stehen an, um auf ihre Mitnahmepizzen zu warten. Dauernd drängelt sich der Pizzabote mit seinen grünen Warmhaltekisten aus Styropor zur Tür, neue Gäste werden abgewimmelt weil alles voll ist, und nur ein fein gemachtes Liebespärchen wirkt mit seinen romantischen Blicken wie eine entrückte Insel der Ruhe. Sieht man bei Dämmerung in die festlich illuminierten Schaufenster, kommt einem Dario Botteris Kupferdreher Osteria Lo Spuntino wie ein New Yorker In-Lokal zu Weihnachten vor.

Zum Jahresbeginn 2005 hat Dario den Betrieb in dem kleinen engen Häuschen an der Kupferdreher Straße eingestellt, wo er seit eh und je die Bevölkerung des Stadtteils mit vorzüglicher italienischer Kost versorgt hatte, und zog komplett in die Räumlichkeiten seiner Mitnahme-Pizzeria Lo Spuntino gegenüber. Leider ging damit die hübsche Terrasse verloren, doch das neue Domizil hat dafür zwei Hinterräume, in denen kleinere Gesellschaften bedient werden können.

Darios große Beliebtheit liegt sicherlich an den knapp dreißig fantastischen Pizzen, die er anbietet. In wagenradgroßen 28 (EUR 3,50-8) oder diskuskleinen 20 Zentimetern (EUR 2-5,50) kann man sie vor Ort essen, mitnehmen oder sich nach Hause bringen lassen. Der dünn ausgerollte, knusprig sanft gebräunte Teig ist farbenfroh und reichhaltig belegt. Die Pizza Spuntino mit Parmaschinken, Krabben und frischem Blattspinat glich einem köstlichen kulinarischen Sonnenrad (groß EUR 6,50). Aber auch die Nudelgerichte mit obligatorischen Klassikern wie Spaghetti Bolognese (EUR 4), Lasagne (EUR 5,50) oder Gnocchi in Gorgonzolasauce (EUR 6)) sind nicht zu verachten.

Höhepunkt des Angebots ist jedoch die Tageskarte, die handgeschrieben und fotokopiert der Standardkarte beiliegt. Drei Vorspeisen, zwei Nudelgerichte und fünf preiswerte Fisch- und Geflügelgerichte standen diesmal darauf. Das Carpaccio mit Rucola und Parmesan (EUR 7,50) sah so aus, wie ich es mir wünschte. Das rohe Rindfleisch hatte jene tiefe Röte, nach der das Gericht benannt ist, und war dezent vom gelben Parmesan gesprenkelt. In der Mitte thronte eine angemessene Portion Rucola. Dass das hübsche Gericht kaum angemacht war, schob ich auf die Hektik im Laden zurück, zumal ich dieses minimale Manko mit ein paar Tropfen Aceto balsamico und Olivenöl aus den Karaffen auf dem Tisch mühelos beheben konnte. Doch auch die Beilagengemüse zum Seeteufel „Primavera“ vom Grill mit Kräutern (EUR 10,50) kamen mir nicht zu Ende gebracht vor und waren nicht angewärmt. Aber vielleicht war das aber Absicht, denn sie schmeckten auch bei Zimmertemperatur vorzüglich. Der Fisch jedenfalls war tadellos gegrillt und mit einer pikanten Sauce hauptsächlich aus Frühlingszwiebeln überzogen. Die Zabaione (EUR 4) zum Nachtisch bewies dann, dass man in der Küche trotz aller Hektik im Laden genügend Muße zur Zubereitung dieses klassischen Desserts aufbrachte. Das Ei war mit der nötigen Geduld im Wasserbad schön schaumig geschlagen und bildete mit dem untergehobenen Marsala eine Bescherung, die ich nur allzu gern auslöffelte.
-kopf

Essen-Kupferdreh, Kupferdreher Str. 184,
Fon 48 69 91
Mi-Fr und So 12-15 Uhr und 17.30-22.30 Uhr, Sa  16.30-22.30 Uhr. Mo, Di geschlossen

Freitag, 12. August 2005

Aus dem Archiv: Zur Wolfsbachquelle - Verwunschen und zeitgemäß

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".
Das Restaurant gibt es leider nicht mehr.


“An Heissiwalds schönster Stelle liegt Dornröschens Wolfsbachquelle“ – mehr kann man auf der verwitterten Tafel vor dem idyllischen Fachwerkhäuschen von der Legende dieses magischen Ortes leider nicht mehr lesen. Vielleicht wird sich einmal ein kunsthandwerklich begabter Müßiggänger ein Töpfchen schwarzer Farbe besorgen und die in den Marmorstein gemeißelten Buchstaben des langen Gedichtes nachziehen. Schon zu fränkischen Zeiten war hier eine Kultstätte. Geht man durch den verwunschenen Biergarten, gerät man nach wenigen Schritten durch die Schluchten des Heissiwaldes an den Wolfsbach, der unten in Werden beim Landhaus Am Staadt in die Ruhr mündet.

„Gastlichkeit seit 1923“ verspricht das Firmenschild, und tatsächlich scheint im gemütlichen, verwinkelten Gastraum die Zeit stehen geblieben zu sein. Knarrende Holzdielen, einfache rustikale Tische und Stühle, Häkelgardinchen – nur die alte Standuhr mit ihrem Kasten aus aufgearbeitetem Weichholz tickt anders. Sie schlägt neune, doch es ist erst zwanzig vor acht.

Die Speisekarte ist alles andere als von gestern. „Hoffentlich können Sie das lesen“, meint die charmante Frau Bruckmann, als sie mir den fotokopierten, handgeschriebenen Zettel reicht. Liebevoll sind hier die Gerichte aufgelistet, eine zeitgemäße Mischung aus deutscher Hausmannskost (Schweinekrüstchen mit Champignons à la crème und Pommes frites, EUR 9,50) und mediterraner Aromenvielfalt (Kaninchenrückenfilet mit Oliven-Senfsauce, Gemüse und Risollee, EUR 14,50). Als Vorspeise wähle ich neuseeländische Muscheln mit Kräuterbutter überbacken (EUR 8,50) und als Hauptgericht Tafelspitz mit Bärlauchvinaigrette und Bratkartoffeln (EUR 11,80) von der Tafel mit den Tagesangeboten, die an dem Stützpfeiler mitten im Raum hängt.

Belohnt wurde ich mich einer leckeren handgemachten Mahlzeit. Das gute Dutzend pikanter, großer Pfahlmuscheln hätte der Tapaskarte eines jeden Spaniers alle Ehre gemacht und schmeckte hervorragend. „Vorsicht, der Teller ist heiß!“ hatte mich der der schlaksige junge Kellner gewarnt, und tatsächlich war in dem Geschirr so viel Energie gespeichert, dass selbst die frischen Zitronenschnitze, mit denen ich die Muscheln beträufelte, warm geworden waren. Der kernig-zarte Tafelspitz hingegen war eine kalte Zubereitung. Auch davon wurde ich fürsorglich im Voraus unterrichtet. Hätte ich das gekochte Rindfleisch warm haben wollen, so hätte ich die klassische österreichische Version des Gerichts mit Meerrettichsauce wählen können. Doch die angenehm säuerliche Bärlauchvinaigrette kam mir im Moment erfrischender vor und harmonierte, wie sich herausstellte, wunderbar mit dem milden Pfälzer Riesling, der im Glas funkelte (EUR 3,80). Neutralisiert wurden die ätherischen Öle des Bärlauchs schließlich beim Dessert von einem provençalischen Schokokuchen mit Walnusseis (EUR 4,50).
-kopf

Essen-Bredeney, Zeißbogen 33

Aus dem Archiv: Akropolis - Hellblau im Grünen

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Schon immer hatte mich die imposante Bruchsteinfassade des bestimmt über einhundert Jahre alten Hauses am Beginn der Hammer Straße gegenüber des freundlichen Fachwerkhotels mit dem schönen Namen Gastgeb beeindruckt. Besonders verlockend fand ich den Hinweis auf den terrassenartigen Biergarten am dicht bewachsenen Steilhang hinter dem Haus, in dem man an warmen Sommertagen bestimmt kühl und schattig sitzen kann. Doch als ich jetzt die Gelegenheit beim Schopfe griff, um im Akropolis einzukehren, war das Wetter schlecht. Als ich das Restaurant betrat, konnte der Gegensatz zum düsteren Äußeren kaum größer sein. Der in schönstem Hellblau gehaltene, mit allerlei charmantem Hellaskitsch ausgestattete Gastraum versetzte mich sofort ans warme Mittelmeer.

Irgendwie hatte der gute Kellner heute nicht seinen besten Tag. Als er den obligatorischen Begrüßungs-Ouzo auf den Tisch stellen wollte, stieß er fast die Tischdekoration um, als er am Nebentisch abräumte, kullerte ihm klackend ein Olivenkern aufs Laminat, und als ich zum Nachtisch den griechischen Joghurt mit Honig und Walnüssen (EUR 3) bestellte, wusste er gar nicht, dass dieses Dessert auf der Karte stand. Kein Wunder, denn sie weist allein 99 Positionen zum Essen auf, mit den Getränken sind es über 150. Hier findet der Griechenlandurlauber alles, was sein Herz begehrt: Vorspeisen wie Dolmadakia (gefüllte Weinblätter kalt EUR 3,50, warm EUR 5,50), Zaziki (EUR 3,50) oder Saganki (gegrillter Schafskäse EUR 6), Fleischgerichte vom Grill wie Gyros (EUR 9,80), Bifteki (EUR 10,80), Lamm und Steaks, Moussaka aus dem Backofen (EUR 9,50). Für Kinder und Senioren gibt es extra kleine Gerichte. So wunderte ich mich nicht, dass sich das Lokal bald mit Familien füllte, teils mit erwachsenen, teils mit kleinen Kindern.

Auch ich kapitulierte schnell vor der Riesenauswahl und zog es vor, von der vorgeschalteten Empfehlungskarte zu bestellen. Flusskrebsschwänze in Tomatensauce (EUR 6) schienen mir als Vorspeise verlockend, und schon bald wurde mir ein simpel angerichteter Teller gebracht. Ein schönes Häufchen, wie sich herausstellte recht bissfester Flusskrebsschwänze lag in einem bestimmt einen halben Zentimeter dicken Saucenspiegel, der mit seinem leuchtenden Rot Kräuterwürze und süß-saure Tomatenfruchtigkeit versprach, stattdessen aber nur den Hang des Kochs zum Salztopf hielt. Versöhnlicher stimmte dann der Hauptgang, ein gemischter Lammteller vom Grill (EUR 15). Zwei aus dem Lammkarree geschnittene Koteletts waren schön mit Zitrone beträufelt, das durchgebratene, lecker gewürzte Lammsteak unterschied sich aber kaum von dem gleichgroßen Filet. Dazu gab es knackig gekochtes Gemüse und einen rustikalen Salatteller. Der griechische Joghurt, den ich dann doch noch zum Dessert bekam, war nach orientalischer Art kräftig mit Gelatine eingedickt. Mit Honig überzogen und Walnüssen garniert, bildete er einen nahrhaften Abschluss der deftigen Mahlzeit.

-kopf


Essen-Werden, Hammer Str. 2

Dienstag, 9. August 2005

Aus dem Archiv: Jedermann’s - Landhaus mit Terrasse

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".
Das Resuarnt gibt es nicht meher. Heute (2024) befindet sich hier das Tapasrestaurant Buena Vida.

Bis Anfang 2005 hieß das repräsentative Lokal am Beginn der Laupendahler Landstraße noch La Terrazza, doch die ehemaligen Betreiber sind in die Werdener Innenstadt gezogen, um dort ein neues Restaurant aufzumachen. Jetzt steht der Laden unter neuer Leitung und heißt Jedermann’s.

Die beeindruckende Terrasse mit ihren hohen Kiefern ist immer noch da, doch an diesem verregneten Sommertag verbreitet sie jene Melancholie, die leeren Terrassen an verregneten Sommertagen nun einmal eigen ist. Hurtig springe ich in den geräumigen Wintergarten-artigen Vorbau und frage mich, ob ich als Einzelgast überhaupt etwas zu essen bekomme. Denn da tafelt eine etwa 25-köpfige elegante Hochzeitsgesellschaft mit blonder Braut und smartem Bräutigam, bei deren Anblick ich mich in eine Rosamunde-Pilcher-Verfilmung versetzt fühle. Doch der Kellner weist mich freundlich in den großen, eigentlichen Gastraum, in dem mich eine ganz besondere Atmosphäre umfängt. Die hölzerne Wandvertäfelung, das Fußbodenlaminat, das Meublement, die Tischwäsche und der Blumenschmuck, alles besticht durch einen rustikal-eleganten Landhausstil und changiert bei angenehmem Dämmerlicht in modischen Hellbraun-, Apricot- und Lachs-Tönen. Eine offene Flügeltür lässt den Blick in einen kleineren Gesellschaftsraum zu, in dem ein bemalter Bauernschrank zu erkennen ist. Ein Kinderstuhl beweist, dass auch kleine Gäste willkommen sind.

Der Blick auf die Karte legt nahe, den Restaurantnamen Jedermann’s mit dem Begriff Cross over ins neudeutsche Küchenlatein zu übersetzen. Neben einer leichten Frischeküche herrschen mediterrane Gerichte vor, häufig mit einem asiatischen Einschlag. Und als ich die Gerichte auf dem Tisch stehen habe, bemerke ich, dass man in der Küche meisterhaft die Kunst des kulinarischen Ikebana versteht. Hübscher kann man Mahlzeiten wohl kaum anrichten.

Die kleine Sellerierahmsuppe mit Kokosmilch und Bündnerfleisch (EUR 4,50, groß EUR 5,50) kam in einem großen Suppenteller, der durch einen einfachen Trick ins Transzendente erhoben wurde. Eine dünne Grissinistange teilte ihn in eine Yin- und eine Yang-Hälfte. In die weiße Suppe war mit pikantem Pesto ein marmorartiges Muster gemalt. Exotisch-süß schmeckte das ganze, und die Grissinistange war ein willkommenes Hilfsmittel, die dünnen Bündnerfleisch-Streifen auf den Löffel zu bugsieren. Hätte ich es würziger gewollt, hätte ich mich aus der eleganten Pfeffermühle und dem gläsernen Salzstreuer auf dem Tisch bedienen können.

Der Risotto mit Meeresfrüchten und Scampi auf Zitronengras und zweierlei Pesto (EUR 12,50) erweis sich ebenfalls als optisches Kunstwerk. Der weiße Reis und die cremefarbigen Muscheln und Tintenfische kontrastierten wunderbar mit dem grünen Pesto und dem roten, auf einen bambusartigen Zitronengraszweig gespießten aufgebratenen Scampo, der die Sache krönte. Für italienische Vorstellungen war der Risotto vielleicht nicht flüssig genug, doch hätte der Reis bei Tim Mälzer im Fernsehen problemlos eine tadellose Figur gemacht. Und schmecken tat er allemal. Besonders das Pesto sorgte immer wieder für überraschende Akzente. Zum Abschluss gab es dann ein hausgemachtes Mohn-Honigparfait auf kleinem Ananasragout (EUR 6,80), das den frühherbstlichen Spätsommertag trefflich interpretierte.

So verlies ich glücklich und zufrieden das Jedermann’s, und auch die Hochzeitsgesellschaft löste sich auf. Ich bewunderte die schmale Belegschaft, die die große Gruppe unaufgeregt bedient hatte und auch mich darüber nicht vergessen hatte.

-kopf

Essen-Werden, Laupendahler Landstr. 11
 

Montag, 8. August 2005

Aus dem Archiv. Trattoria SalVino - Angenehme Lebensart

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".
Das Restaurant exisiert nicht mehr.

„Welche Nationalität Sie auch haben, leben Sie italienisch!“ Salvatore Puglisi ist ein Freund von solch kulinarischen Lebensweisheiten, die er auf der Speisekarte seiner Trattoria SalVino untergebracht hat. Auch das Motto des extravaganten Weinsammlers Hardy Rodenstock findet man da in abgewandelter Form: „Das Leben ist zu kurz, um etwas Schlechtes zu trinken!“

Es ist eine äußerst angenehme Lebensart, die Puglisi im seit ein paar Jahren verkehrsberuhigten Herzen Holsterhausens realisiert. Vor kurzem erst hat er das ehemalige Il Terrazzo erneut übernommen und geschmackvoll aufgemöbelt. Alles strahlt warm in toskanischen Terracotta-Tönen. Innen sitzt man auf modernen hellbraunen Lederstühlen, draußen auf der Terrasse an der Papestraße auf eleganten Holz-Klappstühlen. So wie der Laden aussieht, könnte er die Rüttenscheider Straße aufwerten. Puglisi lacht. „Die Miete ist fast schon genauso teuer!“

Seine Speisen allerdings nicht. Pizza sucht man auf der knappen Karte vergebens. Stattdessen gibt es eine sorgsam ausgesuchte Auswahl an Antipasti (Vorspeisen), wozu auch die Salate gehören, und Secondi Piatti (Hauptgerichte), wozu neben ein wenig Fleisch und Fisch hauptsächlich die Nudeln gehören. Hübsch sind die kleinen Vor-Vorspeisen um die EUR 3,90, Pecorino oder Parmaschinken, getrocknete Tomaten oder eingelegter Schafskäse.

Den hatte ich mir gegen den ersten Hunger bestellt, was sich als unnötig herausstellte, denn es gab vorab ein Körbchen leckeres Sesambaguette mit einem Töpfchen Kräuterrahm, an dem ich mich mit Appetit gütlich tat. Auch der Rucolasalat mit gerösteten Pinienkernen und Parmesansplittern war selbst in der kleinen Version (EUR 4,30, groß EUR 6,30) eine geschmackvoll sättigende Portion, was nicht zuletzt an der pikanten Honig-Senf-Vinaigrette lag. Als Hauptgericht verzichtete ich auf Saltimbocca alla Romana (EUR 13,90) oder Saltimbocca vom Seeteufel (EUR 14,50), sondern wählte ein mit EUR 8,90 recht preiswertes Nudelgericht: Pasta mit gebratenen Lammspitzen und Paprikastreifen in einer feinen Tomatensauce mit Kräutern der Provence. Die simple Zusammenstellung überzeugte durch ihre Herzhaftigkeit. Ich glaube, man könnte das Gericht zu Hause problemlos nachkochen. Allerdings würden bei mir die Nudeln etwas weicher.
-kopf

Essen-Holsterhausen, Gemarkenstr. 50

Sonntag, 7. August 2005

Aus dem Archiv: Casa Michele - Befreiender Salbei

Der Text erschien erstmalig in „Essen geht aus 2005/2006“.

Ob es angemessen ist, mit einer tief in der Brust sitzenden Erkältung ein Restaurant zu testen, sei einmal dahingestellt. Um herauszubekommen, wie pfiffig die Bedienung ist, dafür ist es jedoch eine gute Voraussetzung. „Haben Sie etwas mit Salbei?“, frage ich eingedenk der schleimlösenden Wirkung des Würzkrautes die kleine italienische Kellnerin, die so aussieht, als sei sie von Patron Michele Forgione nur dazu engagiert, seinen männlichen Gästen den Kopf zu verdrehen. Doch dann bin ich perplex. Die italienische Schönheit weiß erstens nicht nur, was Salbei ist, sie weiß zweitens auch, wozu es am besten schmeckt und drittens, was in der kleinen Küche von Küchenchef Stefano Pentagsola vorgeht. „Ich kann Ihnen Kalbsleber mit Salbei zubereiten lassen“, antwortet sie prompt.

Mit Müh’ und Not hatten wir am Samstagabend noch einen Platz im kleinen Casa Michele bekommen, das etwas versteckt in einem kurzen Seitenarm der Bredeneyer Straße liegt. Lässigkeit und Eleganz gehen hier eine Einheit ein. Die kunstvoll verblassten Fresken an der Wand sehen aus, als stammten sie tatsächlich aus einer toskanischen Villa, und davor tummelte sich tout Bredeney mit Kind und Kegel, reiche Ruheständler ebenso wie junge schöne Berufsanfänger. Es gibt halt so’ne und solche Vorstädte in Essen.

Eine Karte gibt es nicht, nur eine Tafel an der Wand mit Gerichten, die anscheinend immer gleiche Zutaten neu variieren. Perlhuhn, Kalbsleber und Lammhüfte hatte Kollege Thielmann bereits im letzten „Essen geht aus“ zitiert – heuer sind die Zutaten und Beilagen ausgetauscht. Das ist durchaus positiv zu sehen, denn diese für die italienische Kochtradition typische Konfektionierung bringt eine Routine in die Küche, die dann als Qualität auf dem Teller landet.

Bestes Beispiel dafür war unser gemischter Vorspeisenteller (EUR 11), der kaum Überraschungen auf den Tisch brachte, dafür aber höchste Befriedigung auf die Zunge. Die pikant eingelegten Gemüse waren eine perfekte Einstimmung auf die Hauptgänge. Zum einem waren das dünn geschnittene, ganz kurz gebratene Rindfleischscheiben auf einem Bett von Rucola (EUR 16,50), gewürzt mit Parmesan. Auch hier zeigte sich die handwerkliche Perfektion der Küche, die das Fleisch so zurückhaltend behandelte, dass seine Qualitäten erhalten blieben. Meine Kalbsleber (EUR 14,50) – perfekt à point gebraten und mit Mangold als Beilage – war eine Variation der „Fegato alla veneziana“ von der Tafel und zerging auf der Zunge. In der Tat war sie mit reichlich Salbei versehen, was eine entsprechend befreiende Wirkung auf meine Atemwege hatte. Und das Schöne daran: Nicht die Schweizer hatten es erfunden, sondern es war ein italienisches Abendessen.
:-kopf

Casa Michele. Essen-Bredeney, Bredeneyer Str. 122. Tel 0201/411327. Täglich 16-23 Uhr.Kein Internet. (Daten Stand 20.6.2024)

Donnerstag, 4. August 2005

Aus dem Archiv: Fischerhaus am See - Wie zu Hause

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".
Das Restaurant heißt heute (2024) "See-Bar".


„Komm, wir gehen ins Fischerhaus!“ Diese Losung hört man häufig unter den Spaziergängern, die sich auf dem Leinpfad an der Ruhr in Heisingen ergehen. Das Restaurant im schmucken Haus des Ruhrverbandes ist ein beliebtes Ziel für Radler, Rentner und sonstige Leute, die ganz unprätentiös, aber in anheimelnder Umgebung einkehren wollen. Besonders im Sommer ist die balkonartige Terrasse, von der man einen schönen Ausblick auf den regen Bootsverkehr auf dem sich zur Ruhr verdünnenden Baldeneysee und die Fahrradbrücke nach Kupferdreh hat, eine besondere Attraktion. Die nette freundliche Bedienung verbreitet eine familiäre Wohlfühl-Atmosphäre, nicht nur, weil sie fließend Ruhrdeutsch spricht.

Kaffee, Kuchen, kleine und große Gerichte den ganzen Tag über – das Angebot ist Ruhrgebiet pur. Die Schweineleber (EUR 9,50) heißt „Tante Käthe“, die Rinderroulade (EUR 10,50) ist „bürgerlich“, eine kleine Schnitzel- und Steak-Parade lacht einem entgegen. Keine mediterrane Irritation hat sich auf die Karte verirrt, wenn man einmal von den Calamaris „Don Alfredo“ (EUR 9,10) und den Tomaten mit Mozzarella (EUR 6,50), die es allerdings nur im Sommer gibt, absieht. Höhepunkt an luxuriöser Exotik ist der Bananensplit (EUR 4,50) mit einer ganzen (!) Banane und das mit Fruchtsalat aus der Dose garnierte gemischte Eis (EUR 3,50) zum Dessert.

Natürlich wird man auch dem Namen „Fischerhaus“ gerecht und bietet einige Fischgerichte an. Für die Fischsuppe „Baldeney“ (EUR 9,90) schwimmen einträchtig Seelachs, Rotbarsch und Shrimps in einem Gemüse-Rahmsüppchen, Forelle (EUR 10,90) wird „blau“ oder nach Art der „Müllerin“ zubereitet. Für den Fischteller „Fischerhaus“ (EUR 15,50) werden verschiedene Fischsorten in einem Olivenöl-Butter-Gemisch gebraten oder gedünstet und dann mit Blattspinat und Salzkartoffeln serviert.

Und dennoch: Ich entscheide mich für den Rheinischen Sauerbraten (EUR 10,50) und werde nicht enttäuscht. Alles ist wie bei Muttern. In einem Glasschälchen wird gut gekühltes Apfelkompott mit einem Klecks Preiselbeeren serviert, auf dem Teller liegen in einer richtig kräftig süß-sauren Sauce zwei große leckere Scheiben Rinderbraten und zwei Knödel. Geradezu verschwenderisch wirken die Mandelsplitter, mit denen das Fleisch garniert ist.

Mit halbem Ohr höre ich einer jungen Frau am Nebentisch zu, die ihre Schwiegereltern mit allerlei Katastrophengeschichten unterhält, die ihrer weitläufigen Bekanntschaft auf Flugreisen in die große weite Welt widerfahren sind: wie eine Mutter unglücklicher Weise in einem Luftloch ihrem Baby eine heiße Tasse Kaffee über den Kopf goss oder wie das Flugzeug, das eine Kollegin in die DomRep brachte, auf dem Rückflug abstürzte. Und während mir mein Leibgericht auf der Zunge zergeht, denke ich genüsslich: Wie schön ist es doch, dass du diesen Sommer zu Hause geblieben bist!

-kopf

Essen-Heisingen, Stauseebogen 37,
Fon 4 66 83 03
Mi-Sa 11-22 Uhr So 12-20 Uhr, Mo-Di geschlossen
https://see-bar.com/

Freitag, 15. Juli 2005

Aus dem Archiv: Schmachtenbergshof - Die Ente klingelt erst im Herbst

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".

Dass das Haus aus dem Jahr 1726 stammt, sieht man ihm wahrlich nicht an. Stattdessen macht der Schmachtenbergshof von außen einen imposanten wirtschaftswunderlichen Eindruck. Schließlich wurde der ehemalige Bauernhof in den 50er Jahren in ein Hotel und Restaurant umgewandelt, und auch die ehemals ländliche Umgebung musste einer dichten Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern weichen. Doch wenn man den großen Parkplatz hinter dem Haus und die schwere Alutür erst einmal überwunden hat, befindet man sich in einem geschmackvoll im modernen Landhausstil eingerichteten Restaurant mit drei verschiedenen Gasträumen. An heißen Sommerabenden ist die kleine Gartenterrasse eine Wohltat. Kühl und schattig sitzt man an einer mit Blumen bewachsenen Mauer unter großen Sonnenschirmen.

Eigentlich hatten wir uns ja auf die Kettwiger Bauernente gefreut, auf die im Internet extra hingewiesen wurde. Doch als ich zwei Tage zuvor anrief, um die Regionalspezialität pflichtgemäß vorzubestellen, wurde ich enttäuscht. Die Internetseite war seit 2004 nicht mehr aktualisiert worden, und das nächste Mal gibt es die Ente erst wieder Herbst, wenn der Bauer wieder schlachtet.

Dennoch hatten wir Glück, denn wir kamen an einem Donnerstag zum Essen, denn da (und freitags) ist Fischtag. Alle Fischgerichte kosten dann nur EUR 12,95. (Wären wir dienstags oder mittwochs gekommen, hätten wir mit den Aktionsschnitzeln für EUR 9,80 vorlieb nehmen müssen). Wie heutzutage in der deutschen Küche üblich, waren einige davon mediterran zubereitet - wie auch viele andere der feinen Gerichte von der umfangreichen Karte.

Bestechend war die optische Präsentation unserer Bestellung. Die Medaillons vom Steinbeißerfilet mit Parmesankruste auf Tomatensauce, Bandnudeln und Salat (eigentlich EUR 16,80) waren köstlich anzusehen und schmeckten auch (fast) so; etwas mehr Pikanterie hätte ihnen allerdings genauso wie unserer Vorspeise, einem „Duo von Knoblauchbrot und Bruscetta“ (EUR 4,40), ganz gut getan. Auch die Streifen vom Rind und Schwein „Calvados“ (EUR 14,60) wurden klassisch mit viel Geschirr serviert, das Fleisch mit Rahmsauce, die Spätzle und der Salat jeweils in Extra-Schüsseln. Als besonderer Pfiff war das Ganze mit Calvados flambiert und die Sauce mit Apfelspalten versehen, doch auch hier waren die pikanten Spitzen der Apfelsäure äußerst verhalten.

Doch ich will nicht so viel mäkeln. Spaß hat das Essen im Schmachtenbergshof gemacht. Hübsch waren die verschiedenen Körnerbrötchen mit Kräuterquark zum Einstieg, und wenn wir nicht wegen des heißen Sommerwetters einem durstlöschenden Alsterwasser den Vorzug gegeben hätten, wären wir auf der sorgsamen Weinkarte sicher fündig geworden. Und der nächste Besuch steht sowieso an, im Herbst zur Kettwiger Bauernente.
-kopf

Essen-Kettwig, Schmachtenbergstr. 157,
Fon 0 20 54.1 21 30
Di-Sa 15-24 Uhr (Küche 17.30-22 Uhr), So & feiertags 10.30-24 Uhr (Küche 12-14.30 & 17.30-22.30 Uhr)
https://www.schmachtenbergshof.de/

Donnerstag, 14. Juli 2005

Aus dem Archiv: Sengelmannshof - Paradies für Mittagesser

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".

Ob Bonner Hof, Jägerhof oder Sengelmannshof – Kettwig ist ein Paradies für Mittagesser. Häufig gehört - wie beim Sengelmannshof - ein Hotel zum Restaurant, und so nimmt es kaum Wunder, dass den Hotelgästen auch mittags eine angemessene Verköstigung angeboten wird. Andrerseits verfügt der dörflich-schmucke Essener Stadtteil an der Strecke nach Düsseldorf über die nötige Sozialstruktur, dass sich ein Mittagstisch für die Gastronomen rentiert. Zahlungskräftige Ruheständler haben halt nicht immer Lust, selbst zu kochen.

Hat man das Gebiet mit den gepflegten Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern am Rande von Kettwig erst einmal hinter sich gebracht, freut man sich, das schmucke Fachwerkhaus des Sengelmannshofs zu sehen. Am Parkplatz hinter dem Hotelanwesen beginnt ein grünes Tal mit Schrebergärten, und drinnen in der Gaststube geht es zur Mittagszeit schon so gepflegt zu wie am Abend. Schmackhaft und hübsch anzusehen sind die Mittagsangebote um die EUR 7, Hühnchen, Schweine- oder Rindfleisch mit knackigem Gemüse und Kartoffeln oder Reis. Vorher gibt es schönes Weißbrot mit Kräuterbutter.

Doch auch abends lohnt sich der Besuch des Sengelmannshof. Da locken Spezialitäten wie Schaschlik vom Lamm auf Pilaf-Reis mit Pinienkernen, Rosinen und buntem Salat (EUR 14,80), Barberie-Entenbrust rosa gebraten auf Erdbeer-Pfeffersauce mit Zuckerschoten und Schupfnudeln (EUR 17,80), "Surf & Turf" (Riesengarnele und Rumpsteak vom Grill mit pikanter Chilisauce, Kartoffelecken und Grillgemüse, EUR 18,80) oder ein „Dialog vom Seeteufel und der Rotbarbe“ auf Rucola-Spaghettini mit glacierten Basilikum-Tomaten. Im Sommer gibt es jeden Dienstag ab 18.00 Uhr Barbecue auf der Gartenterrasse (EUR 12,50).

Seit letztem Jahr neu renoviert ist der „Rübenkeller“, ein gemütliches Gewölbe unter der Erde, in dem man rustkale Kleinigkeiten zu essen bekommt. Dazu ein frischgezapftes Bier, und der Ausflug zum Sengelmannshof hat sich gelohnt.

-kopf


Essen-Kettwig, Sengelmannsweg 35,
Fon 0 20 54.9 59 70
Mi-Sa 17-23 Uhr, So 12-22 Uhr
(Küche 17-21 Uhr, So 12-14.30 & 17.30-21 Uhr)
Mo, Di geschlossen
https://www.sengelmannshof.de/

Aus dem Archiv: Bonner Hof - Gastfreundliches Durchsetzungsvermögen

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2005/2006".

Bonner Hof – irgendwie klingt dieser Name ja staatstragend, nach alter Bundesrepublik. Doch in Wirklichkeit ist das charmante Lokal mitten in Kettwig ein fröhlicher, unkomplizierter Laden, der einerseits durch zahllose Ausstattungskleinigkeiten eine gemütliche Flohmarktatmosphäre aufweist, andrerseits mediterranes Flair ausstrahlt. Das passt gut zu dem alten schieferverkleideten Haus, das auf das 18. Jahrhundert zurück geht und im Lauf der Zeit immer wieder durch neue Räumlichkeiten erweitert wurde. Besonders hübsch ist die Terrasse im Hof des Hauses, auf der im Sommer ein Brünnlein plätschert und die Blümchen blühen.

Blickt man auf die Karte des Bonner Hofes, so entdeckt man etwas, was für viele Restaurants in unserer Kategorie „Bürgerlich“ typisch ist: Die deutsche Küche ist eine mediterrane Küche. Das mag in der Urlaubsfreudigkeit der Deutschen seinen Grund haben; Ursula Stüllgens, die im Bonner Hof mit gastfreundlichem Durchsetzungsvermögen das Regiment führt, hat ihr Herz an die spanische Küche verloren. So bietet sie „Pan con Ajo y Tomate“ (hausgebackenes Knoblauch-Tomatenbrot mit handgeschlagener Sauce Aioli und Oliven, EUR 3,20), andalusische Tomatensuppe von frischen Strauchtomaten und Kräutern mit Mozzarellakugeln (EUR 4,80) oder „Original Gambas al ajillo“ (6 halbe Hummerkrabbenschwänze im heißen Knoblauch-Olivenöl mit piri piri serviert, EUR 11,20 Euro) als Vorspeisen an oder eine Mallorquinische Fischpfanne mit Würfeln von fangfrischen Edelfischen und mediterranem Gemüse und Basmatireis (EUR 14,90) oder ein „Entrecôte Mallorquine con Haricots helda y patatas “ (Rumpsteak vom Grill fettfrei geschnitten, auf breiten frischen Bohnen mit Kartoffeln durcheinander, dazu Riojasauce und gegrillte Kartoffelscheiben, EUR 17,20) als Hauptgerichte.. All das ist äußerst lecker zubereitet und so authentisch spanisch wie ein Aufenthalt in einer Ferienanlage auf Malle oder Fuerte, besonders, wenn man sich eine Flasche Pesquera vom Ribeira-del-Duero-Altmeister Alejandro Fernandez aus dem reichhaltigen Angebot an spanischen Weinen dazu bestellt.

Die Freunde von traditioneller deutscher Küche kommen natürlich auch auf ihre Kosten, doch haben diese Gerichte auch immer einen exotischen, weltläufigen Touch. So ist der Sauerbraten nach altem Rezept mit Kartoffelklößen und frisch gekochtem Apfelkompott (EUR 14,50) natürlich vom argentinischen Entrecôte, und das „Pfeffertürmchen“ ist ein Schweinefilet im Speckwickel auf einem Tournedo vom brasilianischen Rinderfilet mit Madagaskarpfeffer-Rahm übergossen (EUR 18,90).

Mit was für einer einem Spaß am Kochen die Gerichte im Bonner Hof zubereitet wurden, darüber konnte ich mich einem der hübschen kleinen Mittagsgerichte überzeugen. Fleisch, Gemüse und Kartoffeln, lecker wie bei Muttern, und das zu einem Sparkurs von EUR 4,90!
-kopf
Essen-Kettwig, Kringsgat 14,
Fon 02054. 5386
Mi-Do 17-22 Uhr, Fr-Sa 17-23 Uhr, So 12-21 Uhr, Mo-Dii geschlossen