Sonntag, 29. September 2013

Aus dem Archiv: Restaurant Harmonie - Der neue Herr B.

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Das Restaurant steht unter neuer Leitung.


Bevor im Sommer die Schließung der „Orangerie im Stadtpark“ den Bochumer Feinschmeckern den begrenzten kulinarischen Horizont der Stadt offenbarte, war es kurz zuvor der Abschied von Daniel Birkner, der die Gourmets wie ein Schlag in die Magengrube traf. Als es Ende 2012 hieß, die Gesellschaft Harmonie wolle ihre Villa am Stadtpark aufgeben, hatte sich der Bochumer Spitzenkoch in Richtung Hong Kong umorientiert, und nach einer rauschenden Küchenparty endete im Sommer 2013 auch die Ära des Restaurants „Herr B. in der Gesellschaft Harmonie“. Damit waren die beiden höchstdekorierten Restaurants der Stadt von heute auf morgen verschwunden.

Mittlerweile hatte sich die Gesellschaft Harmonie jedoch entschlossen, die Villa weiter zu führen, und präsentierte im September einen Nachfolger. Der neue Herr B. heißt Andreas Birk und betreibt mit seiner Frau nun das neu benannte „Restaurant Harmonie“. Rein äußerlich hat sich nur wenig verändert. Noch immer knarren die Dielen heimelig, wenn man die Villa mit der großbürgerlichen Atmosphäre betritt, und noch immer hat man das Gefühl, gleich kämen Churchill, Stalin und Truman mit qualmenden Zigarren die Treppe herunter, um einen Marshallplan für das darbende Bochum zu verkünden. Neu ist der Bartresen in der Eingangshalle, oder besser gesagt, im Vestibül, und auch die beiden Restauranträume erstrahlen frisch gestrichen. Und die schöne Loredana, die jetzt den Service erledigt, verbreitet mit Charme und Schlagfertigkeit nur gute Laune.

Allerdings: die Küche hat sich verändert. Während sich der alte Herr B. mit juvenilem Temperament, unbekümmerter Sorglosigkeit und forschem Mut zum Fehlgriff auch preislich in den Regionen der Gourmetküche tummelte, geht es bei Andreas Birk bodenständiger zu. Der gebürtige Thüringer entdeckte in Salzburg seine Liebe zur österreichischen Küche, übernahm dann die Gastronomie des Bochumer Golfclubs im Mailand, um jetzt in die Gesellschaft Harmonie zu wechseln. Bei ihm findet man keine ambitionierten Kunstwerke auf dem Teller, sondern Gerichte, die aussehen, wie Essen nun einmal aussehen muss, und auch preislich bleibt er auf dem Boden der Tatsachen. Die knappe Weinkarte gibt sich entsprechend solide und weist Klassiker wie Dr. Loosen und Von Winning bei dem Weißen oder den Super-Toskaner Tignanello bei den Roten auf.

Das September-Menü, das wir kurz vor Redaktionsschluss noch testen konnten, war vielversprechend (4 Gänge 39,90 Euro). Kräftige, eindeutige Aromen schmeichelten dem Gaumen ohne große Irritation. Überraschend war der „Erdapfelkas“ zum Brot vorweg, ein österreichischer Dip aus Kartoffeln und Quark. Österreichisch weiter ging es mit dem Rahmsüppchen vom Muskatkürbis mit steirischem Kernöl (einzeln 5,90 Euro), eine herzhaft süßsaure Sache. Es folgten gebratene Jakobsmuscheln mit Blumenkohl-Kokospüree und Kapernvinaigrette (einzeln 10,80 Euro), die dem Menü eine leicht asiatische Note gaben. Handwerkliche Spitze war der Hauptgang, ein Filetsteak mit sautierten Steinpilzen und Kräuterseitlingen, das so nicht als Einzelgericht auf der Karte stand. Das Fleisch war butterzart, die Pilze waren auf dem Punkt. Zum Nachtisch gab es einen geeisten Capuccino mit Apfelragout und Mandelsahne (einzeln 6,90 Euro), eine Kombination aus Kaffee- und Fruchtaromen, die durchaus überraschte. Als Wein hatte Loredana den offenen Tempranillo (0,2l-Glas 5 Euro) empfohlen, der sich als schöne, angenehme Begleitung zum Rinderfilet entpuppte.

Eigentlich sollte man über ein Restaurant eine Woche nach der Übernahme noch nicht endgültig urteilen, aber es war ein schönes, solides Menü, das Andreas Birk da kreiert hatte. „Wir wollen hier kein Düsseldorf machen“, hatte er einmal im Vorfeld der Übernahme gesagt, und kalkulatorisch ist das sicherlich ein richtiger Ansatz. Aber dennoch: Wir würden uns für die Zukunft etwas mehr Mut wünschen, etwas mehr Exklusivität, etwas mehr Gourmetlastigkeit. Die Villa der Gesellschaft Harmonie wäre dafür ein passender Rahmen. Und die Stadt Bochum braucht so etwas mehr denn je.

-kopf

44781 Bochum-Grumme, Gudrunstr. 9
http://gesellschaftharmonie.de/

Aus dem Archiv: La Bottega del Vino - Italienisch alla Ruhrgebiet

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Seit 2016 heißt das Restaurant "Pane e Vino" und wird von Giuseppe Tomasello betrieben.


Kann man von einem Geheimtipp reden, wenn es den Laden ursprünglich schon ewig und in dieser Form seit fünf Jahren gibt und an einem Mittwochabend gut zwei Drittel der Plätze reserviert sind? Schon vor Jahren hatte mich ein Kollege auf die Bottega del Vino aufmerksam gemacht, eine Weinstube in Weitmar, in der so schöne italienische Weine ausgeschenkt werden. Jetzt endlich fand ich den Weg dorthin und musste feststellen, dass der Laden weit mehr ist irgendein „Italiener“. Die Bottega del Vino ist vielmehr ein Stück gastronomisches Ruhrgebiet, in dem die Wandlungen der Region sichtbar werden wie das Alter eines Baumes an den Jahresringen. Einst war hier, an der Karl-Friedrich-Straße, ein großer Verladebahnhof für Hausbrandkohle samt einer Waage, auf der die Wagen der Kohlehändler gewogen wurden. Daneben war eine Kneipe, in der die Händler warteten, bis sie an die Reihe kamen. Der Verladebahnhof fiel dem Strukturwandel zum Opfer, die Kneipe aber blieb. Später heirateten Sizilianer ein, machten aus der Bierkneipe erst eine Weinstube, in der man auch einen Happen essen konnte, und dann, unter der Leitung von Enzo und Sandro Pistorio, ein italienisches Lokal, in dem man auch hervorragend Wein trinken und kaufen kann. Dabei behielt die Bottega den Treffpunkt-Charakter für die Leute im Stadtteil, eine Entwicklung, die die meisten rein deutschen Kneipen der Region kaum auf die Reihe bekamen. Das alles erzählte mir in kürzester Zeit ein Stammkunde an der Theke, der mich natürlich sofort als Ortsfremdling erkannte.

Natürlich wurde ich auch als solcher von der kessen Schar der deutsch-italienischen Haustöchter erkannt, die für die Bedienung zuständig sind, mir Brot und ein Schälchen mit einem köstlichen Schlamm aus geschrotetem Pfeffer, Balsamico und Olivenöl hinstellten und mir erklärten, wie der Laden funktioniert. Auf der Karte gibt es Antipasti und sog. „Piccolini“, Kleinigkeiten zum Wein wie Flusskrebsschwänze in Honigssenf (9,50 bzw. 7,50 Euro) bzw. Pecorino Sardo (3,30 Euro). Dann gibt es ein schöne kleine Anzahl von Pasta-Gerichten und die häufig wechselnde Wochenkarte. Die meisten Gerichte bekommt man als normale und reduzierte Portion, die allerdings schon für den normalen Esser mehr als ausreichend ist, wie sich herausstellte.

Auf der Wochenkarte wurde ich auch fündig. Eine kleine Portion Tagliatelle mit Apfel, Kürbis und gebratenen Kartoffelscheiben (7,90 Euro, groß 10,90 Euro) schien mir originell genug, um als Vorspeise zu überzeugen. Ganz so sizilianisch, wie mir das Gericht empfohlen wurde, schien es mir zwar nicht zu sein, doch es schmeckte großartig, obwohl ich die gebratenen Kartoffelscheiben nicht ausmachen konnte. Als Hauptgang gab es dann ein kleines Duett von Rinderfilet & Riesengarnele mit Rosapfeffer-Sauce und Kartoffelgratin (18,50 Euro), das ich um ein paar frische gebratene Steinpilze erweitern ließ, so dass es dann doch 24,90 Euro wie die große Portion kostete. Die Garnele war knackig, das Fleisch wunderbar zart und sein Geld wert. Dazu wurde mir ein sizilianischer Nero d’Avola „Lamuri“ von Tasca d’Almerita empfohlen (ordentlich eingeschenkte 0,2 l 7,50 Euro), ein schöner vollmundiger Roter mit Kräuter- und Kirschnoten. Zum Dessert gab es dann eine kleine Portion hausgemachtes Tiramisu (3,50 Euro), die für zwei gereicht hätte.
-kopf

44798 Bochum-Weitmar-Mark, Karl-Friedrich-Str. 8
Fon 02 34. 94 12 34 50 68 60
Mo-Sa 165-22 Uhr
https://pane-e-vino-bochum.de/

Freitag, 27. September 2013

Heute startet der Abendmarkt in Bochum


Heute, Freitag den 27. September, geht es in Bochum mit dem Moltke Markt auf dem Springerplatz los. Der Moltke Markt ist als Abendmarkt ein Novum für die Stadt. Er findet freitags und dienstags von 16 bis 20 Uhr statt und bietet neben hochwertigen Lebensmitteln auch allerlei Leckereien, die man vor Ort genießen kann.

Heute wird der WDR zwischen 19.30 und 20 Uhrvon dem neuen Markt senden. Die Veranstalter haben eine große Bitte: "Kommt alle, um zu zeigen, dass der Markt viele Fans hat. Es lohnt sich: einkaufen und nette Leute treffen bei einem kleinem Leckerli und Glas Wein."

Moltke Markt. Freitags und dienstags 16-20 Uhr. Springerplatz, Bochum

Mittwoch, 25. September 2013

Restaurantführer „Essen geht aus 2014“ erschienen

Hoch überm Baldeneysee: Häppchen auf der Überblick-Party

Seit gestern ist „Essen geht aus 2014“ im Handel. Die zwölfte Ausgabe des Restaurantführers aus dem Überblick-Verlag ist mit 268 Seiten eines der dicksten Hefte dieser Art. Über 200 Restaurants, Kneipen und Cafés in Essen und Mülheim wurden getestet.

Die Gourmet-Szene im Ruhrgebiet steckte 2013 schwer in der Krise und musste die Schließung vonvielen Spitzen-Restaurants verkraften. So wurde im Sommer das Sternerestaurant „Nero“ auf Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig geschlossen, und Chefredakteur Michael Köster kommt nicht umhin, im Editorial von „Essen geht aus 2014“ auch auf das Verschwinden der beiden höchstdekorierten Restaurants in Bochum hinzuweisen. Der Blick auf die Rubrik „Die Neuen“ bestätigt ebenfalls diesen Trend. Es gibt in Essen keine Neueröffnung im Gourmetbereich, man tummelt sich "nur"  in den Kategorien Bistro oder Länderküchen.

Dennoch ist Essen nach wie vor der Nabel der Kulinarik im Ruhrgebiet. Mit der„Résidence“ und Nelson Müllers „Schote“ (Platz 1 und 2 im Ranking „Gourmetrestaurants“) kann die Meropole des Reviers immerhin sternemäßig noch mit Dorsten mithalten. Auf Platz 2 und 4 liegen mit „Hannappel“ und „Rotisserie du Sommelier“ zwei Läden, auf die schon lange der Fokus gerichtet gehört und bei denen man sich wundert, dass sie von den überregionalen Testern bislang weitgehend übersehen wurden.

Michael Köster und Sven Merten vom Überblick-Verlag präsentieren ide Essener Köche.

Bereits am Montagabend gab es die traditionelle Präsentation von „Essen geht aus 2014“ im Jagdhaus Schellenberg. Wie gewohnt, spendierten dafür zahlreiche Essener Restaurants appetitanregendes Fingerfood. Hier die Auswahl, die der Genießer im Dienste der guten Sache zu sich nahm.

Stör gebeizt und als Mousse mit Chutnes vom grünen Apfel
und Salat von Passe Pierre
Erik Arnecke und Eric Werner, Résidence


Gänsestopfleber, Rauchaal und Confit von grünen Tomaten
Bernd Stollenwerk, Casino Zollverein


Blutwurst und Jakobsmuschel mit Kartoffel-Zwiebelpüree und karamellisiertem Apfel
Nelson Müller, Restaurant Schote


Wachtelschenkel Ras el Hanout Hokkaido mit Kürbis-Kartoffel-Stampf
Helene Gummersbach, Gummersbach


Gnocchi gefüllt mit Mozzarella in einer weißen Trüffelsoße
Hatem Salim Srour, La Grappa


Jungschweinebauch Teriyaki mit Rettich, Soja und schwarzem Knoblauch
Knut Hannappel, Hannappel

Für die Desserts von Suvad Memovic (Parkhaus Hügel) und Andreas Mattern (Jagdhaus Schellenberg) fehlte dem Genißer leider die Kondition.

Essen geht aus 2014. 7,90 Euro. Überblick Verlag. Erhältlich im Zeitschriftenhandel und hier im Internet.

Montag, 23. September 2013

Herbst-Ausgabe 2013 von „Revier für Genießer“ erschienen


Ganz frisch gedruckt ist die Herbst-Ausgabe von „Revier für Genießer“. Das „Magazin für Genussmenschen“ aus dem Klartext-Verlag bringt u.a. eine Reportage von hinter den Kulissen des Zwei-Sterne-Restaurants „Résidence“ in Kettwig, ein Porträt der Mozzarella-Käserei „Saporita“ in Waltrop, einen Bericht der Vorliebe des Ruhrgebietsmenschen fürs Kräutersammeln und ein Special über „Asien im Pott“. Und natürlich auch einen Artikel des Genießers: über Andreas Rips, den Winzer aus Bochum im südfranzösischen Gaillac.

Revier für Genießer – Herbst 2013. 4,95 Euro. Klartext Verlag. Erhältlich im Buch- und Zeitschriftenhandel und hier im Internet.

Mittwoch, 18. September 2013

Aus dem Archiv: Strätlingshof - Ganz schön was zu kauen

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Seit sich Diana Stratling aus dem Tradtionshaus zurückgezogen hat und es zeitweise an die Livingroom-Family übergeben hatte, ist die Zukunft des Hauses Ende 2024 ungewiss.

Nicht weniger in Mode als der Trend zum Vegetarischen ist in letzter Zeit der Trend zum ausgefallenen Fleisch und seiner extravaganten Zubereitung. High-End-Traum eines jeden Grill-Aficionados ist dabei der 800-Grad-Infrarot-Grill, und es gibt im Ruhrgebiet nur wenige Restaurants, die über so ein Gerät verfügen. Eines davon ist der Strätlingshof, und dieser letzte Schrei der Küchentechnik passt gut in das schmucke Anwesen in Altenbochum. Denn wie bei kaum einer anderen Gastronomie der Stadt verbindet Diana Strätling in dem aufwendig renovierten historischen Fachwerkhaus mit seinen verschiedenen Veranstaltungsräumen und der großen Terrasse so etwas wie westfälische Tradition mit dem weltläufigen Metropolen-Chic, auf den die Bochumer Szene so stolz ist.

Neben der kreativen Crossover-Küche von Küchenchef Dennis Schwind, die auch ein vegetarisches und sogar veganes Angebot umfasst, dem Sonntagsbrunch, dem freitäglichen Überraschungsmenü für ca. 25 Euro und dem Schnitzelmontag ist die Steakkarte die Hauptattraktion des Hauses – kein Wunder bei dem Spitzen-Grill, der saftiges Fleisch mit karamellartigen Röstaromen verspricht. Sie umfasst nur wenige häufig wechselnde Posten, dafür aber Spitzenfleisch. Bei meinem Besuch waren sogar Steaks vom Wagyu im Angebot, jenem illegitimen Abkömmling des hochedlen japanischen Kobe-Rindes. Dessen Verbreitung ist allerdings etwas inflationär geworden und es wurde als Hackfleisch auf den diesjährigen Gourmetmeilen der Region sogar als Burger verbraten. 37,50 Euro kostete eine Portion aus zwei insgesamt 200 Gramm schweren Fleischscheiben samt Beilagen aber noch immer. Ganz schön üppig – aber wann sollte ich das teure Fleisch probieren wenn nicht jetzt und hier?

Ich hatte mich auf der Terrasse niedergelassen, auf der an einer langen Tafel noch eine Familienfeier stattfand – ein Umstand, der die Servicecrew so nervös zu machen schien wie mich die spätsommerlich ausschwirrenden Wespen, die mich schließlich dazu veranlassten, im Innern des Hauses weiter zu essen. Wenn ich schon das teuerste Fleischgericht bestellt hatte, hätte ich mich darüber gefreut, auch eine kompetente Weinberatung zu bekommen und nicht nur die kurze Gegenfrage „Trocken?“, als ich mich nach einem Rotwein erkundigte. Schließlich bekam ich dann doch einen passenden chilenischen Cabernet Sauvignon (0,2l-Glas 6,90 Euro), der viel Spaß machte und zum Grillfleisch wunderbar passte.

Zum Einstieg hatte es selbst gebackenes Brot mit einem pikanten Dip aus exotischen Früchten gegeben, und als Vorspeise hatte ich die kalte Variante der Paprika-Orangensuppe ausgesucht (6,90 Euro). Sie wurde in einem hohen Cocktailglas serviert, war von einem appetitanregenden Orange und gemeinsam mit einem großen Parmesan-Chip ein köstlicher Tribut an den scheidenden Sommer.

Dann kamen die Wagyu-Steaks. Aus der Beilagenliste hatte ich mir Flageolet-Bohnen in Rahm, die auf der Zunge vergingen, Chorizo-Bratkartoffeln, die ein wenig fettig waren, und die Strätlingshofbutter ausgewählt, eine grüne Kräuterbutter mit ganz eigenem Geschmack. Dazu gab es noch Salzflocken, die auf dem Fleisch wie die Butter zerschmolzen. Das war alles tadellos. Doch vom Fleisch war ich leider, ich kann es nicht anders sagen, enttäuscht. Es war beileibe nicht so zart, wie ich es bei dem Preis erwartet hatte, ich hatte ganz schön was zu kauen. Und auch der Karamellgeschmack des 800-Grad-Grills kam mir eher wie angebrannt vor. Als ich meine Enttäuschung kundtat, bekam ich sogar noch eine dritte Scheibe Wagyu, die mich aber auch nicht wirklich aufmunterte. Trost brachte erst der Nachtisch, ebenfalls mit 800 Grad gegrillte Ananas mit Kirsch-Schoko-Eis und Honig (8,90 Euro).

Im Nachhinein dachte ich, es wäre vielleicht besser gewesen, ich hätte das mit Preiselbeeren und Brie de Meaux überbackene Altenbochumer Schnitzel mit Senf und Bratkartoffeln für 15,90 Euro probiert. Ich hätte wahrscheinlich keine falschen Erwartungen gehabt und mich darüber gefreut, was man im Strätlingshof für leckere, preiswerte Gerichte essen kann.

-kopf

44803 Bochum-Altenbochum, Altenbochumer Str. 64

Montag, 16. September 2013

Aus dem Archiv: Da Mario in der Birschel-Mühle - Italienische Raritäten

 
Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".
Mario Cappa verstarb 2014. Das Restaurant wird von Leonora Cappa weiter betrieben und ist is  die Hattinger Innenstadt umgezogen. Die Restauranträumlichkeiten werden nach dem Jahrhunnderthochwasser an der Ruhr von der Birschel.Mühel selbst betrieben.


Verkehrsknotenpunkt, Ausflugsziel, Industriekultur – die Birschel-Mühle an der Hattinger Ruhrschleuse wirkt wie ein Brennpunkt für die historische Entwicklung des Ruhrgebiets. Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Grund eines mittelalterlichen Ritterguts im trutzigen Tudorstil erbaut, beherbergt der Industriebau heute ein Hotel, zu dem eines der schönsten italienischen Restaurants der Gegend gehört. Aus einem der stilvoll renovierten Gasträume hat man durch Panoramafenster einen herrlichen Blick auf die Bucht, die bei der Verlegung der Ruhr Ende der 1950er Jahre entstanden ist. Von der Terrasse am Leinpfad blickt man über die ewig rauschenden Kaskaden der Schleusenanlage übers Wasser hinweg auf die neue B51-Brücke samt Campingplatz von Jutta Stolle, und die Blätter der dekorativen Olivenbäumchen glänzen silbrig mit den Weiden am Ruhrufer um die Wette.

Gerichte aus allen italienischen Regionen verspricht Mario Cappa seinen Gästen, doch ich habe den Eindruck, dass er eine Vorliebe fürs Piemont hat. Beim Blick ins Weinregal stechen die Barolos ins Auge, und auch die Standardkarte, die die die üblichen Pizza, Pasta, Salate , Fleisch- und Fischgerichte aufweist, überrascht bei vielen Gerichten mit Walnüssen als Zutat. Bei der Tageskarte, die als Tafel auf einem Notenständer an den Tisch gebracht wird, gerät jeder Italo-Fan in Entzücken. Nur fünf, sechs Gerichte stehen darauf. Darunter sind hausgemachte Nudelspezialitäten und exklusive Fleisch- und Fischgerichte, die allerdings ihren Preis haben. Die „Feinbandnudeln mit frischen Steinpilzen“ kosten immerhin 17,90 Euro, die 500 Gramm schwere Seezunge in Salbeibutter sogar 33,60 Euro.

Mich begeistert jedoch, dass ich ein Ossobuco Mailänder Art auf der Karte finde, ein Gericht, das mir in letzter Zeit kaum untergekommen ist und mit 20,60 Euro auch gar nicht so teuer ist. Und ich werde nicht enttäuscht. Löffelweich geschmort sind die beiden Kalbsbeinscheiben, die ich auf dem Teller finde, in der Mitte der Röhrenknochen, aus dem ich das fast flüssige Mark gabeln kann wie eine Auster aus der Schale. Dazu gibt es eine gelbe, vielleicht sogar zu kräftig mit Safran gewürzte Sauce, geschmorten Mangold und geröstete Kartoffeln, ein köstliches und unprätentiöses Mahl. Marios Weinberatung ist kompetent. Leider ist kein Barolo offen, aber der toskanische Morellino die Scansano (ordentlich eingeschenkte 0,2 l 7,60 Euro) ist wunderbar weich und würzig.

Als Vorspeise hatte ich mir von der Tageskarte eine Nudelspezialität ausgesucht, die ich in dieser Form auch noch nicht gegessen hatte: Zitronenteignudeln mit Sommertrüffeln, Butter und Parmesan. In der Tat schmeckte der Teig intensiv nach Sommer, Sonne und Zitrone, gefüllt waren die Ravioli mit einer Ricottafüllung, Käse und Trüffel waren üppig darüber gehobelt. Etwas mehr flüssige Butter hätte die Sache saftiger gemacht. Handarbeit und Zutaten hatten ihren Preis. Die Vorspeisenportion kostete 14,80 Euro, als Hauptgang hätte ich 18,80 Euro berappen müssen.

Auch beim Dessert hebt sich Mario vom Pannacotta-Tiramisu-Einerlei der meisten italienischen Restaurants ab. Er hat auch den etwas aus der Mode gekommenen Klassiker Cassata im Programm und serviert die sizilianische Eistorte mit Amarenakirschen – ein würdiger Abschluss für das wunderbare Menü auf der spätsommerlichen Terrasse.

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45525 Hattingen

Sonntag, 8. September 2013

Gestern bei Mama: Schweineschmortopf mit Salbei und Cidre

Gestern habe ich für Mama mal wieder etwas gekocht, was sich zu bloggen lohnt: Schweinschmortopf mit Salbei und Cidre. Entdeckt hatte ich das Rezept in der „Kräuterbibel“ von Jennie Harding (Parragon Verlag), die es zurzeit im modernen Antiquariat in der Mayerschen Buchhandlung gibt. Die Zutaten überzeugten mich sofort. Eine Flasche des großartigen Cidre brut von Van Nahmen hatte ich noch im Kühlschrank, Salbei wucherte munter auf dem Balkon. Äpfel und Zwiebeln zu bekommen war nicht so das Problem. Für das Schweinefleisch fuhr ich nach Witten zur Fleischerei Emil Kern und besorgte dort 800 Gramm schönstes Gulasch.

Für die Beilagen hielt ich mich an die Vorschläge der „Kräuterbibel“, ein Kartoffelpüree, das ich mit Sahne, Butter und Muskat zubereitete, sowie grüne Bohnen, die ich knackig blanchierte und in ausgelassenem durchwachsenen Speck leicht anschmorte. Das Rezept für den Schmortopf variierte ich ein wenig, indem ich die Sauce zusätzlich mit etwas Senf abschmeckte.

Mama aß alles ohne Murren, obwohl das Fleisch recht fest, aber schön mürbe war. Es war aber auch ein fantastisches frühherbstliches Mittagessen.

Rezept: Schweineschmortopf mit Salbei und Cidre

800 g Schweinegulasch
Rapsöl
3 kleine Kochäpfel
3 kleine Zwiebeln
1 EL frische Salbeiblätter
50 g Mehl
450 ml herber Cidre (brut)
Salz, Pfeffer
1 TL Senf

Zwiebeln fein würfeln. Äpfel schälen, entkernen und ebenfalls fein würfeln. Salbei hacken.
Das Fleisch in Rapsöl von allen Seiten goldbraun anbraten. In eine Auflaufform geben und die Apfelwürfel darüber geben. In der gleichen Pfanne die Zwiebelwürfel weich dünsten, den gehackten Salbei dazugeben, mit Mehl bestäuben und umrühren. Den Cidre dazu gießen und unter Rühren aufkochen, bis die Sauce dick wird. Mit Pfeffer und Salz kräftig würzen, mit Senf vorsichtig abschmecken. Sauce über das Fleisch geben, zudecken und mindestens eine Stunde im Ofen bei 180 Grad schmoren lassen, bis das Fleisch gar ist und alles schön duftet.


Bilder vom 10.1.2021

Mit Schupfnudeln und Rosenkohl. Weil ich diesmal keinen Cidre zur Hand hatte, mixte ich einen Cocktail aus Apfelsaft, Calvados, Wasser und Apfelessig, den ich immer wieder abschmeckte. Ging auch.





Juwel in Witten: Fleischerei Wohlfahrt (früher Emil Kern)

Update 2018: Der Laden heißt jetzt Fleischerei Wohlfahrt

 Handwerkliche Tradition: Emil Kern und sein Nachfolger Mirco Wohlfahrt

Wer es schafft, auf der Straße von Bochum-Stiepel nach Sprockhövel auf der Höhe des Bushaltestelle Rauhe Egge im Witten-Buchholz anzuhalten, stößt auf ein kulinarisches Juwel der besonderen Art: die Fleischerei Emil Kern. Das "Privatschlachthaus" existierte in der vierten Generation und wird nun von Mirco Wohlfahrt weitergeführt. (Update 2016).

Dabei handelt es sich um die letzte Metzgerei mit der Lizenz zum Schlachten im Ennepe-Ruhr-Kreis. In anderen Schlachthäusern wie etwa bei Bauer Schulte-Stade in Hattingen-Winz-Baak dürfen nur Hausschlachtungen vorgenommen werden. Emil Kern verarbeitet nur Tiere aus der näheren Umgebung – regionaler können kulinarische Produkte nicht sein. Geöffnet hat der Laden nur freitags und samstags. „Aber wenn Sie anrufen, bekommen Sie Ihr Fleisch an jedem Tag“, sagt Emil Kern. „Auch sonntags.“

Fleischerei Emil Kern. Im Hammertal 92. 28456 Witten-Durchholz. 02324/32357. Öffnungszeiten: Fr 9-18 Uhr, Sa 9-13 Uhr. Facebook

Donnerstag, 5. September 2013

Aus dem Archiv: Paréa - Griechischer Chic

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".

Was Optik alles ausmacht. Betritt man das Paréa, so ist man von einem eleganten mediterranen Chic umgeben, der begeistert. Schon immer war das Lokal mitten in Stiepel ein beliebter Treffpunkt für die Bewohner des Stadtteils. Paréa bedeutet auf Deutsch so viel wie Freundeskreis, und so findet man hier viel Stammkundschaft aus der Nachbarschaft, aber auch Durchreisende ins schöne Ruhrtal. Früher hatte man durch die großen Panoramascheiben eine beeindruckende Aussicht auf ganz Bochum, doch die wurde im Laufe der Zeit durch Häuser und Bäume verbaut. Aber dafür wird man durch das angenehme Ambiente mehr als entschädigt.

Seit Andrea und Michael Tori das Haus betreiben, hat die mediterrane Küche einen eindeutig griechischen Touch. Und obwohl die Karte viele der Grill- und Ofen-Gerichte des klassischen Griechen-Lokale umfasst, herrscht auf dem Teller eine geradezu italienische Leichtigkeit. Besonders bei den Fischgerichten lohnt es sich, auf die Wochenkarte zu sehen, die einem in Form von kleinen Standtafeln auf den Tisch gestellt wird. Spezialitäten wie gegrilltes Wolfsbarschfilet mit marinierten Tomaten (18,90 Euro) oder eine Fischplatte mit Steinbeißer-, Wolfsbarsch- und Rotbarschfilet findet man da, während auf der Standardkarte die bekannten Kalamaris und Scampi dominieren.

Gyros sucht man beim Fleisch vergeblich, dafür bietet die Karte eine schöne Auswahl an argentinischen Rumpsteaks (z.B. mit Serrano-Schinken und Balsamicosauce 19,90 Euro), Rinderfilet (z.B. mit Blattspinat und Gorgonzolasauce 23,90 Euro) oder Kalbsrücken (z.B. mit Champignons und Gorgonzolasauce 18,90 Euro). Zentraler Punkt sind eindeutig die Lamm-Gerichte aus Backofen (Keule 12,90 Euro), Pfanne und Grill (Krone und Filet mit unterschiedlichen Beilagen 20,20 Euro).

Und so fällt meine Wahl für den BoGA-Test auf die Lammkeule ohne Knochen mit Dicken Bohnen und Schafskäse aus dem Backofen (12,90 Euro). Die erste Überraschung war, dass das Lammfleisch nicht mit fettem, zähem Käse überbacken war, wie man es von anderswo her kennt, sondern mit einigen Brocken Schafskäse bestreut, die von der Oberhitze verführerisch gebräunt waren. Die zweite Überraschung war, dass es sich bei den „Dicken Bohnen“ nicht um jene grünen aus der westfälischen Küche bekannten, im Mittelmeerraum häufig Saubohnen genannt, handelte, sondern um die großen weißen Gigantes, die aber auch gut schmeckten. Alles war mit einer Tomatensauce übergossen, die für ein Backofengericht etwas mehr eingekocht und damit aromatischer hätte sein können. Dazu schmeckte ein Roter (0,2 l-Glas 4 Euro). Als offene Weine gibt es im Paréa nur Italiener, doch es gibt auch eine schöne Flaschenauswahl an griechischen Weinen, und auch deutsche sind im Angebot.

Zuvor gab es eine kalte Vorspeisenplatte, die von jedem etwas bereithielt: Zaziki, Fischrogen mit Kartoffelpüree, Schafskäse, Kalamarisalat, drei Sorten Krabben, pürierten Schafskäse mit Pfefferoni, Oliven, Peperoni und Oktopus (8,90 Euro). Alles war frisch und knackig und angenehm gewürzt. Den Nachtisch bildete ein schön mit Früchten ausdekorierter Joghurt (5,90 Euro).

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44797 Bochum-Stiepel, Kemnader Str. 337
Fon 02 34. 97 33 33 43
Mi-Sa 17.30-21.30 Uhr, So 12-14 & 17.30-21.30 Uhr, Mi, Di geschlossen
http://www.parea-bochum.de/

Mittwoch, 4. September 2013

Aus dem Archiv: STEIN’s im Ratskeller - Mit Geduld und Tapas

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014"
Der Ratskeller im Bochumer Rathaus wird nicht mehr gastronomisch genutzt.


Der Ratskeller hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Obwohl vor einigen Jahren recht chic renoviert, konnte sich das Lokal mit dem als Veranstaltungslocation recht extravaganten Gewölbekeller im Bochumer Rathaus beim Publikum nie richtig durchsetzen. Nach einem Intermezzo als griechisches Restaurant stand es einige Zeit leer. Doch jetzt sind die Hauptpächter, die Marriott Hotels im Ruhrgebiet, froh, in Gregor Steinebach einen Mann vor Ort zu haben, der seit knapp einem Jahr den Laden mit viel Geduld und Know How wieder in die Spur bringt. Seine Erfahrungen sammelte der Gastronom als Restaurantchef im Vincent & Paul in Essen oder in der jetzt leider geschlossenen Orangerie im Bochumer Stadtpark, aber auch bei beruflichen Aufenthalten auf Teneriffa und an der Costa Brava.

So bietet er im STEIN’s im Ratskeller, wie das Restaurant jetzt heißt, eine preiswerte Frischeküche mit regionalem Einschlag an, die aber auch ihre mediterranen und besonders spanischen Wurzeln nicht verleugnet. So ist jeden Montag Tapas-Tag. Da gibt es eine schöne Auswahl der leckeren Häppchen zwischen 3,60 Euro (geröstete bunte Paprika in Olivenöl mariniert) und 12,50 Euro (Hüftsteak, gefüllt mit Serrano Schinken auf Zwiebel-Rotwein-Sauce mit Patatas bravas). Klasse sind die Chorizo en sidra (pikante Paprikawurst mit Apfelwein gebraten, € 4,90) oder die Kartoffel-Garnelen-Tortilla auf Salatbouquet (5,80 Euro).

Mittags gibt es ein Angebot, bei dem man sich wundert, warum die Beamtenschaft des Rathauses den Ratskeller nicht häufiger frequentiert. Preiswerte Gerichte stehen da auf dem Programm wie etwa eine Linsensuppe (4,90 Euro), zu der es als kulinarisches Surplus eine besonders schönen Aceto balsamico zum Abrunden gibt, oder Spaghetti in Salbeibutter (ebenfalls 4,90 Euro), zu denen er ein selbstimportiertes Olivenöl von einem Kumpel in Italien serviert. Zusammen mit dem gebackenen Schafskäse mit Honig auf Rucolasalat und selbstgemachten Balsamico-Dressing (7,50 Euro) ergaben die Nudeln ein schönes Mittagessen.

Und auch der Test der normalen Karte machte viel Spaß. Die große Rindfleischscheibe, die beim Paillarde (12 Euro) unter einem üppigen Berg aus Rucola und Parmesan zum Vorschein kam, war zart und saftig gebraten. Die Fischplatte, ein Potpourri vom Fisch mit Kartoffelgratin und feinem Gemüse (18 Euro) war abwechslungsreich und überaus üppig. Zum Nachtisch gab es als Empfehlung des Hauses einen echten Coppa Malaga (4,50 Euro): Vanilleeis mit selbst marinierten Rosinen und einem Schuss bestem Malaga-Wein.
-kopf

447874 Bochum, Willy-Brandt-Platz 2-6

Dienstag, 3. September 2013

Westfalen Gourmetfestival 2013: Start am 5. September im Brauersaal der Dortmunder Brauereien

Der Brauersaal der Dortmunder Brauereien

Traditionsgemäß findet am 5. September die große Eröffnungsgala des Westfalen Gourmetfestivals im Brauersaal der Dortmunder Brauereien bei Radeberger in der Steigerstraße statt. Bestritten wird das Bankett von Sternekoch Björn Freitag (Goldener Anker, Dorsten), Sternekoch Elmar Simon (Restaurant Balthasar, Paderborn) , Manfred Kobinger (Sternekoch von 1989 – 2002, Rohrmeisterei Schwerte), Stefan Manier (Sternekoch von 2001 – 2005, Gasthaus Stromberg, Waltrop), Thomas Hartz (Waldhaus Ohlenbach, Schmallenberg) . Sommelière des Abends ist Bärbel Weinert vom REWE Foodservice. Durch die Veranstaltung führt der WDR-Moderator Peter Großmann, für musikalische Abwechslung sorgt Sängerin Anna Schenk.

2010 initiierte das „Westfalen Institut“ zum ersten Mal diese kulinarische Veranstaltungsreihe, denn Westfalen verfügt seit Jahrzehnten über hervorragende Restaurants, Landgasthäuser und auch derzeit sieben Sternerestaurants. Das Festival ist keine Veranstaltung, die zentral an einem Ort stattfindet, sondern alljährlich mit teils wechselnder Besetzung und an ca. 10 bis 14 Spielorten in der ganzen Region.

Hier die Termine der Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet:

Overkamp, Dortmund: 19.9.2013 Festivalmenu mit Axel Schmidt (Bochum)und Dirk Eggers (Sprockhövel)
Haus Gerbens, Wickede: 26.9. 2013 Festivalmenü mit Björn Freitag (Dorsten)
L’Arrivée Hotel & Spa, Dortmund: 2.10.2013 Kochseminar mit Heiko Antoniewicz. 17.10.2013 Festivalmenü mit Stefan Manier (Waltrop)
Rohrmeisterei Schwerte: 24.10.2013 Janka Thiemann Savoir vivre libre. 25.10.2013 Weinmenü mit Weingut Kühn. 28.10.2013 Festivalmenü mit Jens Bomke. 25., 26.20 und 2.11. 2013 Whisky Tasting. 5.11.2013 Abschlussgala mit Léa Linster und Alfred Biolek.

Informationen zu allen Veranstaltungen aus ganz Westfalen und die Möglichkeiten zu buchen unter www.westfalen-gourmetfestival.de

Montag, 2. September 2013

Aus dem Archiv: Haus Crämer - Fleisch ist mein Gemüse

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014".

Was für eine Farbenpracht! Rhododendren, Petunien, Malven und Hortensien, aber auch Olivenbäumchen und noch exotischere Pflanzen umrahmen die schöne Terrasse von Haus Crämer und verleihen der Lokalität eine geradezu mediterrane Atmosphäre. Innen ist das Restaurant im eleganten Landhausstil gehalten, und Jürgen Crämer beherrscht mit breitem Stirnband unter der blonden Mähne und tailliertem Yogi-Löw-Hemd immer diskret die Szene. Die handgeschriebene Speisekarte, die Jakobsmuschelschalen-Dekoration – man sollte kaum glauben, dass sich dieses Restaurant in Witten-Stockum befindet und nicht etwa auf Mallorca.

Beginnt man jedoch sie Speisekarte zu lesen, so merkt man sofort, dass sie präzise auf die Bedürfnisse der recht noblen Wohngegend im Städtedreieck Witten, Bochum und Dortmund abgestimmt ist. Während draußen im Lande Vegetarismus oder sogar Veganismus der angesagte Essenskult ist, geht es hier ganz ruhrgebietsmäßig bis auf wenige Ausnahmen um Fleisch. Eine eigene Rubrik sind den sog. „Klassikern“ gewidmet, bei denen diese Hauptzutat häufig schön lecker mit Käse kombiniert wird: Hausschnitzel mit frischen Champignonköpfen, Stangenspargel, Sauce Choron und Hollandaise sowie Kartoffel-Kroketten und gemischtem Salat (14,90 Euro), Cordon Bleu mit gekochtem Schinken und Käse gefüllt, dazu Pommes frîtes und gemischter Salat (19,50 Euro) oder Rinderfilet „Romana“ mit Preiselbeeren und Gorgonzola überbacken, dazu Pommes Macaire und gemischter Salat (25,50 Euro). Ergänzt werden sie durch einige Gerichte „aus Neptuns Reich“. Auch die Sonderkarte besteht hauptsächlich aus Fleischgerichten, meist allerdings mit Pfifferlingen als Beilage – schließlich ist jetzt Sommer, und da haben diese schmackhaften Pilze Saison.

So ist es auch kein Wunder, dass die Küche mit Fleisch umgehen kann. Das Kalbsschnitzel (24,50 Euro), das ich von der Sonderkarte bestelle, ist tadellos paniert und gebraten und zergeht auf der Zunge. Die Pfifferlinge, die ebenfalls von überzeugendem Geschmack und Mundgefühl sind, werden – nomen est omen – geradezu pfiffig serviert: als eine Art Omelette surprise in ein Crêpe eingeschlagen. Zusammen mit ein paar Kroketten, dem dazu gehörenden gemischten Salat und einem Gläschen Riesling (02l 6 Euro) ist das eine überzeugende Mahlzeit. Nicht ganz so überzeugend ist die Tomatencrèmesuppe (5,50 Euro), die ich mir als Vorspeise genehmige. Geschmacklich erinnerte sich mich stark an so etwas wie die legendäre Campbell Soup, deren Dose einst Andy Warhol in einem Siebdruck verewigte. Auch die Befolgung des bekannten Tipps, so eine Suppe mit Gin, einer Sahnehaube und einigen frischen Tomatenstücken zu verfeinern, rettet sie nicht wirklich. Dafür ist das Dessert wiederum Klasse – ein malerischer Kelch mit Vanilleeis und Sahne, der passend zur exotischen Blumenpracht auf der Terrasse üppig mit reifen Kiwi-Scheiben uns Mango-Spalten dekoriert ist (7 Euro).
-kopf

58454 Witten-Stockum, Mittelstr. 36
Fon 0 23 02. 4 73 08
Mi-Sa 17.30 -223 Uhr, So 12-14 und 17.30-22 Uhr. Mo, Di geschlossen
https://haus-craemer.de/

Aus dem Archiv: Diergardts Kühler Grund - Betörende Heimat

Der Text erschien erstmals in "Bochum geht aus 2014"

Natürlich lässt es sich Friedel Diergardt nicht nehmen, auf der Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“ oder beim Panhasfest in Hattingen die Gastronomie seiner Heimatstadt auf ganz eigene Art zu vertreten. Mit weißer Kochjacke und Schnauzbart mimt er auf dem Boulevard oder dem Kirchplatz den verschmitzten Patron, den er auch in seinem prächtigen Gasthof am Hattinger Büchsenschütz gibt. 2014 kann Diergardts Kühler Grund seinen 110. Geburtstag feiern, Urgroßvater Julius hatte ihn 1904 als Gasthof mit Milchwirtschaft gegründet. Heute ist das immer wieder renovierte und vergrößerte Anwesen eines der repräsentativsten Lokale im ganzen Ennepe-Ruhr-Kreis. Verschiedene Säle, eine schöne Terrasse und ein Gewölbekeller eignen sich für ideal nicht nur für Familienveranstaltungen. Die großzügige Holzvertäfelung der Räume lässt manchem Tischlermeister das Herz höher schlagen.

Die gutbürgerliche, gleichwohl anspruchsvolle Küche ist ganz auf der Höhe der Zeit und geht bei den verarbeiteten Produkten im Regionalen auf. Eine Liste von „Freunden“ macht transparent, wo eingekauft wird, etwa auf dem Hühnerhof Burggräfe in Sprockhövel, dem Spargelhof Schulte-Scherlebeck oder auch der Obstkelterei Van Nahmen in Hamminkeln. Rindfleisch kommt aus der eigenen Charolais-Zucht von Küchenchef Fritz Berghoff. Auch die Weinkarte ist gut sortiert. Deutsche Spitzenweingüter wie Klumpp, Nelles und Meyer-Näkel u.a. finden sich da, und es gibt eine extra Bordeaux-Karte mit exklusiven Grand Crus. Bei einem solch attraktiven Angebot ist es kaum verwunderlich, dass sogar an einem Dienstagabend in den Sommerfreien alle Tische im geräumigen Haus besetzt sind. Wie die Bedienung verrät, steht heute der Junior-Chef Philipp am Herd.

Regionalität bestimmt sogar die mediterranen Vorspeisen, die wir uns gönnen. Das hausgemachte, als „vegetarisch“ ausgezeichnete Tomatensüppchen besteht aus echten San-Marzano-Tomaten, ist klassisch mit Basilikum-Pesto gewürzt und wird mit einem extra Schlag Sahne und einer knusprigen Bruschetta serviert, die hier Mozzarella-Crouton genannt wird (6 Euro). Mozzarella ist auch der Hauptbestandteil der anderen Vorspeise, einer Caprese-Variante. Verwendet wird dafür Burrata, ein Mozzarella-Säckchen, das mit einer mit Sahne verfeinerten Mozzarellacrème gefüllt ist. Diergardts Burrata (11 Euro) stammt aus der Waltroper Käserei Saporita, ist mit bunten Kirschtomaten, Basilikum und gehacktem Eis garniert und von einer Frische, die ein importiertes Produkt aus Italien nicht haben kann.

Großartig ist der Rostbraten mit Pfifferlingen (22 Euro) aus der Zucht des Küchenchefs. Die große Scheibe Fleisch ist außen knusprig und innen rosa und saftig, was überrascht, weil sie recht dünn ist. Belegt ist sie mit den frischen Pfifferlingen und einer schönen Portion Salat, dazu gibt es mit Kräuterbutter überkrustetes Stangenweißbrot statt Kartoffeln – eine schöne Idee. Diesem Gericht steht das sog. „Stammsteak“ in nichts nach, ein tadellos rosa gebratenes Stück Roastbeef, das mit einer Kruste aus Schwerter Senf überbacken ist. Dazu gibt es einen Ballen Kräuterbutter, Bratkartoffeln und einen gemischten Salat (22 Euro). Zu den Fleischgerichten schmeckt der offene halbtrockene Spätburgunder (0,2l-Glas 6,50 Euro) vortrefflich.

Die Desserts sind schließlich ein krönender Abschluss. Zum marinierten Pfirsich (8 Euro) wird passend eine Kugel Mandeleis serviert, und die nach dem Tennisclub nebenan benannten „Vier süße Sünden aus dem Ludwigstal“ halten das, was sie versprechen. Crème brulée, Beeren mit Vanillesauce, Mousse au chocolat und Vanilleeis mit Nusslikör sind einfach betörend.
-kopf

45527 Hattinger-Welperm Am Büchsenschütz 15
Fon 0 23 24. 9 60 30
Mi--Fr 18-23 Uhr, Sa 12-23 Ur, So 12-22Uhr. Mo, Di geschlossen
https://www.diergardt-hattingen.de/