Freitag, 25. Juli 2025

Sizilien auf dem Südbalkon: Parmigiana di melanzane (vegetarisch)

Update: Das Binario 081 im alten Hattiger Bahnhof hat ab 13.8.2025 wieder geöffnet. https://binario081.com/


Parmigiana aus der Küche des Genießers

Ich werde ja immer etwas wehmütig, wenn ich an das „Café Bistro Mara“ denke, jenes hübsche Ristorante, das vor drei Jahren versuchte, in der Hattinger Altstadt authentische sizilianische Küche an den Gast zu bringen (klick hier). Gerade ein dreiviertel Jahr konnten die Betreiber mit ihrem anspruchsvollen Konzept durchhalten.

Umso erfreuter war ich, als mir die Kolleginnen von „Ruhrpott erleben“ das neue italienische Restaurant „Binario 081“ empfahlen, das im Frühjahr im alten Bahnhof Hattingen eröffnet hatte. Seit die „Fabbrica Italiana“ in dem historischen Prachtbau ihre Pforten schloss, war die Location eine Art Wanderpokal. So versuchte Sabri Aslan vom „Las Olas“ vergeblich dort Fuß zu fassen, dann gab es da ein italienisches Restaurant mit dem schönen Namen „Bella Bella Mozzarella“, dessen Betreiber Carmelo Bramanti es aber nach Essen-Rüttenscheid zog. Jetzt aber, so schwärmten Silke und Isabella, würde dort Ciro Guerriero tolle süditalienische Küche anbieten.

Der alte Bahnhof in Hattingen

So kam ich vorletzten Sonntag nach einem meiner sommerlichen Spaziergänge in der Ruhrschleife von Hattingen-Winz-Baak spontan auf die Idee, im „Binario 081“ einzukehren und wurde nicht enttäuscht. Auf dem zur Restaurantterrasse umfunktionierten Bahnsteig wurde mir eine Parmigiana di melanzane serviert, wie ich sie das letzte Mal bei unserem sizilianischen Menü im Dortmunder „Belvedere“ bekommen hatte (klick hier). Der köstliche Auflauf war Soulfood vom feinsten, genauso wie das Tiramisu, das ich mir als Nachtisch gönnte und das aus einer großen irdenen Schüssel mit einem großen Vorlegelöffel am Tisch aufgetragen wurde. Was mich allerdings wunderte war, dass das Lokal an diesem wunderschönen Sonntagnachmittag so gut wie gar nicht besucht war. Sollte das „Binario 081“ etwa das gleiche Schicksal erleiden wie das „Café Bistro Mara“?


Parmigiana im „Binario 081"


Tiramisu auf dem Bahnsteig


Später kam ich auf die Idee, meinen spontanen Besuch anders als zuerst geplant doch noch zu einem Blog-Beitrag zu verarbeiten. Deswegen fuhr ich noch einmal hin, um weitere Fotos zu machen. Da entdeckte ich an Tür einen Zettel mit der Nachricht, dass das Restaurant wegen technischer Probleme vorübergehend geschlossen sei. Aber nach deren Behebung solle es weitergehen, gab man sich optimistisch – nun ja, hoffen wir das Beste.

Der Zettel an der Tür

Die Parmigiana di melanzane ging mir aber nicht aus dem Sinn, und so beschloss ich, sie auf meinem Balkon einfach nachzubauen. Dazu suchte ich nach einem Rezept und wurde in dem italienischen Blog „Il cucchiaio d'argento“ fündig (klick hier). Parmigiana di melanzane ist ein besonders auf Sizilien und um Neapel verbreiteter Vorspeisen-Auflauf mit Auberginen, anderswo in Italien wird er auch mit anderen Gemüsen wie etwa Zucchini zubereitet. Die Zubereitung ist denkbar einfach: gebratene Auberginenscheiben werden mit einer Sauce aus passierten Tomaten mit Mozzarella und Parmesan im Ofen überbacken. Allerdings dauert die ganze Sache etwas, denn die Auberginen müssen vorbereitet werden. Obwohl es bei den modernen Sorten, die man heute im Supermarkt bekommt, nicht mehr notwendig ist, den Früchten die Bitterstoffe zu entziehen, empfiehlt es sich, sie für die Parmigiana einzusalzen und über eine Stunde lang zu entwässern. Denn durch den Wasserentzug lassen sie sich besser braten und haben dann ein konzentrierteres Aroma, was durch das Salz noch verstärkt wird. Während der Entwässerungszeit hat man aber genügend Muße, die Tomatensauce zuzubereiten, die ganz puristisch nur mit Zwiebeln, einem Minimum an Knoblauch und Basilikum gewürzt wird. Das Ergebnis ist unschlagbar.

Die Zutaten für den Nachbau


Der Wein dazu


Zum Überbacken hatte ich mir Fior di Latte besorgt, jene Mozzarella-Spezialität aus Kuhmilch, die ursprünglich aus den Bergen über der Amalfi-Küste stammt; für die Tomatensauce verwendete ich rote Zwiebeln aus dem Biomarkt, von denen ich mir einbildete, sie seien welche aus Tropea in der Basilicata. Und getrunken wurde zur Parmigiana natürlich ein roter Süditaliener, ein Salice Salentino aus dem Stiefelabsatz.

Es gibt übrigens auch eine süße Dessert-Variante der Parmigiana. Da werden die gebratenen Auberginenscheiben mit Schokoladensauce kombiniert und sind eine Traditionsessen für den sommerlichen Feiertag Ferragosto. Das Rezept dafür findet ihr hier.

Gebratene Auberginenscheiben

Tomatensauce

In der Auflaufform

Mit Mozzarella und Parmesan überbacken

Das Vorbild im Binario 081"

Der Nachbau auf dem hemischen Balkon

Rezept: Parmigiana di melanzane (vegetarisch)
2-3 Vorspeisenportionen

2 mittelgroße Auberginen
300 ml Passata (passierte Tomaten)
150 g Mozzarella
2 kleine Zwiebeln
100 g geriebener Parmesan
1 Knoblauchzehe
1 Zweig Basilikum
Öl zum Braten
Natives Olivenöl extra
Salz
Pfeffer
Zucker
Mehl

Auberginen putzen und längs in 50 Millimeter dicke Scheiben schneiden. In eine Seihe schichten und jede Schicht mit Salz bestreuen. Mit einem flachen Teller bedecken und mit einem Gewicht (kleiner Topf) beschweren. Eine Stunde ziehen lassen. Das ausgetretene Wasser wegschütten. Die Auberginen mit Küchenkrepp abtrocknen und dabei noch vorhandenes Salz abwischen.
Zwiebel fein würfeln. Knoblauchzehe schälen. Basilikumblätter vom Zweig zupfen. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und darin Zwiebelwürfel und Knoblauchzehe weich dünsten. Mit Passata auffüllen, Basilikumblätter und den Zweig hinzugeben. Pfeffern und wenig salzen. (Die entwässerten Auberginen bringen genug Salz ans Gericht). Alles zwanzig Minuten köcheln lassen. Dann den Basilikumzweig und evtl. die Knoblauchzehe herausfischen.
Die abgetropften und abgetrockneten Auberginenscheiben in Mehl wälzen. Überschüssiges Mehl abklopfen. In einer zweiten Pfanne eine genügende Menge Öl erhitzen und die mehlierten Auberginenscheiben nach und nach bei mittlerer Hitze goldgelb braten. Zwischendurch ggf. verbranntes Mehl aus der Pfanne wischen und Öl nachgießen. Fertig gebratene Auberginenscheiben auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Eine Auflaufform dünn mit Tomatensauce ausstreichen und eine Lage Auberginenscheiben einschichten. Darauf wieder Tomatensauce geben, dann wieder Auberginenscheiben, bis die Scheiben alle sind. Zum Schluss den Rest Tomatensauce darauf verteilen.
Alles mit geriebenem Parmesan bestreuen und den in Scheiben geschnittenen Mozzarella darauflegen.
Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad 30 Minuten backen. Wenn der Mozarrella geschmolzen und leicht gebräunt ist, die Parmigiana aus dem Ofen holen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.


Ähnliche Rezepte:
Melanzana alla cioccolata bzw. Auberginen in Schokoladensauce (vegetarisch) klick hier
Mit Mozzarella überbackener Fenchel (vegetarisch) klick hier
Lasagne mit Wildbrät-Ragù und Gorgonzola-Béchamel klick hier

Samstag, 19. Juli 2025

Gourmetmeilen 2025: Kulinarischer Treff an der Ruhr in Mülheim



Sehnsucht nach besseren Tagen

Eigentlich versprach der kurze Trip am gestrigen Freitag zum „Kulinarischen Treff an der Ruhr“ in Mülheim so zauberhaft zu werden wie eh und je. Es war herrlichstes Sommerwetter, die hohen Bäume der innenstadtnahen Parkanlage am Flussufer säuselten im Wind und warfen kühlenden Schatten – und hätte es geregnet, hätten die großen weißen Zelte mit ihren Biergartengarnituren genügend Platz im Trockenen geboten. Dazu noch die coole Live-Musik von einer kleinen Bühne, alles Voraussetzungen für ein wunderbares Gourmetmeilen-Feeling. Und trotzdem konnten mein Slow-Food-Kollege Jochen und ich die Sehnsucht nach den besseren Tagen der Mülheimer Gourmetmeile nicht unterdrücken.

Neben dem Getränkestand von Bellenbaum und der „Bar in Motion“ aus Herne mit ihrem Cocktailangebot waren gerade einmal sieben Restaurants vertreten, und davon kamen nur drei – das Walkmühlen-Restaurant, das Spices 1822 und das Café Leonardo - aus Mülheim. Den Hauptteil bestritten bewährte Gourmetmeilenveteranen aus anderen Städten: Gummersbach aus Essen-Borbeck, die Alte Metzgerei und das Bliss aus Essen-Rüttenscheid und La Turka aus Düsseldorf. Das war eigentlich kein Manko, denn bei allen handelt es sich um hervorragende Betriebe, die es schaffen können, unter dem Motto „Klein aber fein“ eine großartige kulinarische Veranstaltung auf die Beine zu stellen.


Heitere Stimmung in den Ruhranlagen


Doch was weit mehr irritierte, war der Blick in die durchaus glücklichen Gesichter der zahlreichen Gäste, die sich aus der langen Warteschlange am Stand der Alten Metzgerei lösten, um die ergatterte Beute zu einem Sitzplatz zu jonglieren. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Currywurst mit Pommes. Auch wenn es sich dabei um das legendäre Kultprodukt von Dönninghaus aus dem Bochumer Bermudadreieck handelte – gehen die Leute heutzutage wirklich auf eine Gourmetmeile, um eine Currywurst zu essen? Ein Gericht, das man letztendlich in jedem Freibad und an jeder Tankstelle bekommt? Wie reizvoll war es war es doch früher, sogar aus dem fernen Bochum zum Kulinarischen Treff anzureisen. Da hobelte z.B. Renato die Trüffel dick über die Spaghetti, man bekam bei der Mausefalle die exklusiven Weinbergschnecken aus Moers, die Schlossküche von Hugenpoet steckte edle Artischocken in Strudel- oder Nudelteig und Möllecken's Altes Zollhaus kredenzte Gänselebermousse – die Spitzenrestaurants der Region gaben ihr bestes. Doch das, was eine Gourmetmeile zur Gourmetmeile macht (und diese Art von Veranstaltung von Streetfood-Märkten unterscheidet), scheinen immer weniger Leute zu schätzen, wie wir auch schon auf den Gourmetmeilen anderswo bemerkten. 



Der Cocktail-Wagen

Doch die beschwingte Atmosphäre des „Kulinarischen Treffs an der Ruhr“ sorgte dafür, dass wir unsere gute Laune nicht verloren und schon gar nicht den Appetit. Ein wenig eingeschränkt wurden wir bei der Auswahl, weil wir als mittlerweile routinierte Gourmetmeilen-Hopper eine ganze Reihe der Gerichte schon aus den Vorjahren kannten, etwa das „Schnitzel von der französischen Entenleber“ bei Gummersbach, das „Wiener Kalbsschnitzel“ bei der Alten Metzgerei oder den „Oktopus vom Grill“ beim Walkmühlen-Restaurant. Dennoch stellten wir uns eine schönes Menü zusammen, nicht allzu umfangreich, aber so, dass wir es ohne Anstrengung schaffen konnten.

Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, 18.7.2025


Gummersbach
In den Gläsern befinden sich der alkoholfreie Saft „PLOPP“ von der Merlot-Traube (rot) und ein Souvignier Gris (weiß), beides vom badischen Weingut Höfflin. Der Souvignier Gris ist ein sog. Piwi-Wein, eine gelungene Neuzüchtung, die mit den Folgen des Klimawandels besonders gut zurecht kommt.



Gummersbach
Kokos-Zitronengras-Suppe, Pak Choi, Mango (vegetarisch, 8 Euro)
Was sich so harmlos auf der Karte las, entpuppte sich als 'chön 'charfer Einstieg in unser Menü.



Gummersbach
Jakobsmuschel, Tomate, Aprikose, Chorizo (14 Euro)
Es ist erstaunlich, wie variantenreich das Restaurant Gummersbach alljährlich ein Jakobsmuschel-Gericht auf die Gourmetmeilen bringt. In diesem Fall brachten die Tomaten und Aprikosen Säure und Fruchtigkeit an das zarte, eher zurückhaltend gewürzte Muschelfleisch.



Spices 1822
Hasselback-Kartoffeln mit Chorizo und Tzatzikisauce, eingelegte Schalotten (8 Euro)
Das hübsche Gericht bestach in erster Linie durch die würzigen Beilagen zu den Kartoffeln, die sehr zurückhhaltend gesalzen waren.



Spices 1822
Linguine mit Ziegenkäse, Rucola-Chips, Pflaumen und einem Hauch von Kaffee (vegetarisch, 14 Euro)
Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Nudelgericht noch überraschen könnte, aber die Trockenpflaumen in Kombination mit dem Kaffearoma gaben dem ganzen einen schönen Schuss Umami-Aroma. Und der frittierte Rucola sorgte für den nötigen Crunch.



La Turka by Seda
Surf & Turf
Carpaccio vom US Black Angus Rinderfilet, Black Tiger Garnele, getrüffelte Parmesan-Nudeln (19 Euro)
Eine Variante des eigenwilligen Surf & Turf vom letzten Jahr. Diesmal gehörten noch getrüffelte Parmesan-Nudeln zum Gericht. Die Linguine waren schön gekocht, garten aber durch ihre Wärme das hauchdünn aufgeschnittene Carpaccio unfreiwillig durch. Die Garnelen waren schön knackig.



Walkmühlen-Restaurant
Cannoli Siciliani
Knusprige Teigröllchen mit Ricottafüllung, Pistazien und Schokoflocken (5 Euro)
Leider fehlte den recht dickwandigen Teigröllchen die dieser sizilianischen Spezialität eigene Leichtigkeit.



Walkmühlen-Restaurant
Zelt „Ukraine“
Die Betreiberfamilie Sirik des Walkmühlen-Restaurants stammt aus der Ukraine. Der Erlös des Zeltes geht als humanitäre Unterstützung dorthin.
Mlynzi
Crepes mit Mohn, Kirschen und Schmand (7 Euro)
Eine kräftige ukarainische Dessert-Spezialität.



Und zum Abschluss ein Espresso bei der „Bar in Motion“

Der kulinarische Treff an der Ruhr geht noch bis Sonntag, 20.7.2025. Mülheim, Ruhranlagen. Alle Infos hier.

Montag, 7. Juli 2025

Slow Food beim Bio-Mobil in Bochum


Patrick Jabs (mit Kollegin) von "lecker werden" kochte mit Bio-Produkten.

Bioland und Slow Food informierten über gutes Essen.

Noch bis zum 15. Juli gastiert das Bio-Mobil des Erzeugerverbandes Bioland in der Bochumer Bongardstraße im Rahmen des EU-Projekts „Grenzenlos Regional – Bio in Europa“. Im Rahmen des großen Programms rund um Bio, Umwelt und Nachhaltigkeit unterstützen regionale Lebensmittelproduzenten und Initiativen die Aktion.



CV-Leiterin Wiebke wird interviewt.

Am Freitag, den 4., und Samstag, den 5. Juli waren die Slow Food Convivien Bochum (klick hier) und Essen (klick hier) mit einem Stand vertreten. Die Bochumer CV-Leiterin Wiebke Rieck informierte über Ziele und Tätigkeit der der weltweit agierenden Genießerorganisation, während aus Essen das Mitglied der Slow Food Chef Alliance Patrick Jabs von der Kochschule und dem Feinkostladen „lecker werden“ (klick hier) angereist war, um in mehreren Kochshows zu zeigen, wie einfach und schmackhaft man mit regionalen Bioprodukten kochen kann. Die Zutaten für die Gerichte stammten vom Bochumer Bio-Vertrieb Flotte Karotte, die ebenfalls mit einem Stand vertreten war, und dem Klosterberg-Hof in Essen-Steele.



Zur Begrüßung ein Rote-Bete- Smoothie



Urgetreide-Gemüserisotto mit würzigem Bergkäse


Sommerliches Alblinsengemüse mit buntem Mangold und Pilzen


Die Speisekarte


In dieser Woche finden noch weitere Termine mit Betrieben, die Slow Food verbunden sind, statt. Am Donnerstag, den 10. Jul, kommt Hendrik Peek von der „Mausefalle“ in Mülheim (klick hier), ebenfalls ein Mitglieder Slow Food Chef Alliance, und gibt eine Kinder-Kochkurs mit 11 bis 12.30 Uhr. Am Freitag 11.7., gibt es eine Verkostung mit Produkten des Speiseölproduzenten „Pottmühle“ aus Herne und am Samstag, 12.7., sind der Demeter-Betrieb Wünnerhof aus Hattingen (klick hier) und die Solawi Hevener Feld aus Witten zu Gast.

Bio-Mobil, 1.-15. Juli. Bochum, Bongardstraße 24–28, tägl. 11-18 Uhr. geöffnet. Vollständiges Programm unter: https://regionalbio.eu


Die Moderatoren



Spaß beim Melken





Stand der Flotten Karotte




Gemüsekiste


Slow-Food-Stand


Patrick Jabs


Freitag, 4. Juli 2025

Gourmetmeilen 2025: „Essen verwöhnt“ schlägt sich tapfer

Kein Hitzefrei für die Gastronomen und Sponsoren von "Essen verwöhnt". Foto: Sascha Perrone

Ruhiges Plätzchen im Schatten des Doms.

Mit viel Engagement war es dem Gastronomen-Verein „Essen genießen“ und seinem Vorstand Rainer Bierwirth gelungen, mit ihrer Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ im Jahr 2023 aus der Corona-Zwangspause herauszukommen und eine beeindruckende Renaissance hinzulegen (klick hier und hier). Doch in der nächsten Saison ging es dann leider nicht mehr so richtig weiter. 2024 konnte „Essen verwöhnt“ nicht stattfinden, weil überraschend der Verleiher der Pagodenzelte ausgefallen und kurzfristig kein Ersatz zu bekommen war. Doch dieses Malheur hinderte die Gastronomen nicht daran, für dieses Jahr ein zweites Comeback vorzubereiten. Dass die Eröffnung am 2. Juli 2025 dann ausgerechnet auf den bislang heißesten Tag des Jahres mit fast 40 Grad fallen würde, konnte niemand voraussehen. Die vorgesehene „Lange Tafel“, ein gemeinsames Essen an den zusammengschobenen Tischen auf der Kettwiger Straße, dass die Gourmetmeile eindrucksvoll eröffnen sollte, musste ausfallen.

Geselliger Ersatzttermin für die Lange Tafel am Stand vom Suvai. 
Foto: Michael Alisch



Vino und Sulax vom Suvai

So kam es, dass ich am eigentlichen Eröffnungstag hitzefrei machte und erst am gestrigen Donnerstag zusammen mit Kollegin Silke vom Magazin „Rurpott erleben“ den Ersatztermin für die Lange Tafel wahrnehmen konnte. Am Stand des Restaurants Suvai wurde uns von Vino und Sulaxsanan Puthisigamany ganz individuelle ein viergängiges Menü serviert, das einen Querschnitt durch die südindische Küche bot.  Auf die sozialen Kontakte, die das Essen an einer „Langen Tafel“ so faszinierend machen, brauchten wir nicht zu verzichten, denn wir trafen auf eine weiteres Paar, das den Ersatztermin ebenfalls wahrnahm und mit dem wir angeregt plaudern konnten.



Der Kaiser im Champagnerglas
(Bollinger, Hannappel)



Das Team vom Hannappel

Den Rest des Abends frönten wir dann dem schieren Luxus. Zu Glanzzeiten von „Essen verwöhnt“ waren drei Sternerestaurants auf der Gourmetmeile vertreten (Résidence, Schote und Hugenpoet), die aber aus verschiedenen Gründen nicht mehr dabei sind. Doch dieses Jahr strahlt wieder ein Michelinstern über der Kettwiger Straße: Das Restaurant Hannappel ist unter der neuen Leitung von Tobias Weyers und René Silva Sampaio nach längerer Unterbrechung nach „Essen verwöhnt“ zurückgekehrt. Wir nutzten die Gelegenheit, quasi zu Sozialpreisen absolute Spitzenküche zu genießen. Umso mehr wunderte ich mich, dass ich soviele Gäste sah, die Hamburger zu ihren Sitzplätzen trugen. Etwas wehmütig fühlte ich mich an die Glanzzeiten von „Essen verwöhnt“ erinnert, als die Veranstaltung  sich den Beinamen „Königin der Gourmetmeilen“ verdient hatte.  

Rino Frattesi und die Köche Hatim Srour 
und Alessandro d'Amico vom La Grappa


Eigentlich wollten wir am Stand von Rino Frattesis La Grappa nur einen Absacker nehmen, doch der alte Charmeur fuhr sofort die ganz große Nummer auf: Wilde Riesengarnelen mit Kaviar und Champagner. 

 

Essen verwöhnt
3.7.2025


Das Lange-Tafel-Menü
Suvai


Aromenreise
Thunfisch-Cutlet, Mini Dosai Kartoffel-Masala, Dattel Tamarinden-Dip
Panierte Kartoffelbällchen mit Thunfisch

Onion Pakoda
Knusprig ausgebackene Zwiebeln mit Cashew und Curryblättern


Chicken Biriyani
Exotische Hähnchen Reispfanne, Chicken Chukka, Safran-Raita, Nuss Crunch



Wattalappam
Cremiger Kokosmilch-Pudding Karamell Jaggery, Kardamom
Tee

Der Genießer bedankt sich für die Einladung.

 

Die Luxus-Tour


Hannappel
Pilz Terrine
Pfirsich Estragon (8 Euro)
Vegetarische Neuinterpretation des legendären „Dominosteins“, mit dem das Restaurant Hannappel in früheren Zeiten auf „Essen verwöhnt“ Furore machte. Die damals zubereitete Gänseleber wurde durch Pilze ersetzt.



Hannappel
Hummer
Erdbeeren, Bärlauch
(28 Euro)
Die Kreation von recht salzig mariniertem Hummer und Erdbeersauce war eine pikant-süße Kombination. Bestechend die Qualität des Grundproduktes.





La Grappa
Carabinieros
Wilde Riesengarnelen auf Gorgonzolacrèm mit grünem Pfeffer
30 g Kaviar Imperial
1 Glas Champagner Frerejean Freres

Das Fleisch der Tiefsee-Wildgarnele ist nussig, würzig und von feiner Süße und war perfekt gegrillt. So etwas isst man nicht jeden Tag.

Der Genießer bedankt sich für die Einladung.

 


Schuss und Gegenschuss

Champagner Frerejean Freres


„Essen verwöhnt“ geht noch bis zum 6.7.2025. Essen, Kettwiger Straße. Alle Infos hier.