Mittwoch, 4. November 2026

Herbstvergnügen: Tarte Tatin vom Lauch (vegetarisch)


Da muss man seit 17 Jahren einen Kochblog machen, um endlich zu entdecken, dass man eine Tarte Tatin auch ganz ohne Kuchenform backen kann. So lernte ich im Frühjahr beim Backen von Tarte Tatins mit grünem Spargel nach einem Rezept auf Instagram, dass der Teig völlig ausreicht, um dem fertigen Gebäck die Form zu geben (klick hier). Und jetzt entdeckte ich ebenfalls auf Insta die Herbstversion: eine Tarte Tatin vom Lauch.

In dem Video wird Fertig-Blätterteig für die Tarte benutzt. Ich aber wollte stilecht eine paté brisée, einen Mürbeteig verwenden. Den gibt es auch fertig, aber ich habe unten der Vollständigkeit halber auch ein Rezept dafür angegeben.


Das Karamell, auf dem die Lauchröllchen gebacken werden, ist eine köstliche Mischung aus Honig, Balsamico, Olivenöl und Butter – und so ist die Tarte eine wunderbare Begleitumg zum Wein. Ich trank dazu einen Grauburgunder von Markus Molitor.


Rezept: Tarte Tatin vom Lauch


Für den Teig:
100 g weiche Butter
200 g Mehl
1 Prise Salz
2 EL kaltes Wasser

Mehl, Butter, Salz und etwas Wasser zu einem Mürbeteig verkneten. In Folie einschlagen und eine halbe Stunde ruhen lassen.

Für den Belag:
3 große Stangen Lauch
2 EL Honig
1 El Olivenöl
1 TL Balsamico
50 g Butter in dünnen Scheibchen
Thymian
Salz und Pfeffer

Zum Garnieren:
getrocknete Tomaten
Walnüsse
Ziegenfrischkäse

Von den Lauchstangen die grünen Teile abschneiden. Von den weißen Teilen das Ende mit dem Wurzelstroh dünn abschneiden und die äußere Lage entfernen. Waschen, abtrocknen und in gleichmäßige, dicke Rollen schneiden.
Honig, Olivenöl und Balsamico zu einer Sauce verrühren.
Ein Blatt Backpapier auf ein Backblech legen und mit Hilfe eines Tellers einen Kreis von 24 cm Durchmesser zeichnen. Diesen Kreis mit der Sauce ausstreichen, salzen, pfeffern und mit mit Thymian bestreuen. Dann die dünnen Butterscheiben darauf verteilen und dicht an dicht die Lauchröllchen setzten.
Den Teig auf einen Kreis von 27 cm Durchmesser ausrollen und auf die Röllchen legen. Überstehenden Rand fest andrücken. Den Teig in der Mitte mit einem kleinen Loch versehen und mit einer Gabel mehrmals einstechen, damit der beim Backen entstehende Dampf entweichen kann.
Backblech in den auf 190 Grad vorgeheizten Ofen schieben und die Tarte Tatin 30 bis 35 Minuten backen.
Fertig gebackene Tarte mitsamt dem Backpapier aus dem Ofen nehmen und auf einen Teller legen. Einen zweiten Teller auf den gebackenen Teig legen und alles umdrehen, sodass das Backpapier jetzt oben ist. Das Backpapier vorsichtig von der Tarte abziehen.
Tarte Tatin vom Lauch mit gehackten getrockneten Tomaten, grob gehackten Walnüssen und kleinen Ziegenfrischkäsenocken garnieren.
Möglichst warm servieren.






Montag, 26. Oktober 2026

Regionales Herbstvergnügen: Gebackener Camembert aus dem Windrather Tal mit geschmorten Pilzen und gerösteten Haselnüssen (vegetarisch)


In letzter Zeit gefallen mir auf Instagram besonders die Rezepte, die die Kochzeitschrift „ELLE à table“, ein Ableger des großen französischen Frauen- und Modemagazins ELLE, dort regelmäßig bringt. Die französischen Rezept-Texte sind in die Bilder integriert, so dass man sie mit der Übersetzungsautomatik nicht ins Deutsche übersetzen kann. Und so bleibt bei meinen Schulfranzösisch-Kenntnissen meiner Fantasie genügend Spielraum, eigene Interpretationen der Gerichte zu kreieren. Dabei versuche ich vor allem, die verwendeten Zutaten durch gleichwertige regionale Produkte zu ersetzen.


Letztens fiel mir das Rezept „Brie rôti, champignons sauvages et noisette“ ins Auge, also „gebratener Brie mit Wildpilzen und Haselnüssen“. (Wenn ich mich recht erinnere, bezeichnet im Französischen das Wort „champignon“ einen Speisepilz ganz allgemein. Das, was wir im Deutschen Champignon nennen, heißt dort „champignon de paris“.)

Brie ist ja ein dem Camembert nicht unähnlicher Weichkäse, und so fielen mir sofort die hübschen kleinen 225 Gramm schweren Camembert-Laibe ein, die von Hof Vorberg aus der Milch der Biohöfe im Windrather Tal bei Velbert produziert werden und die es auch auf dem Wünnerhof in Hattingen zu kaufen gibt. (Seit einiger Zeit gibt es auch Camembert von Hof Sackern in Wetter, aber da war mir jetzt die Anreise zu weit, um an welchen zu gelangen.) Damit konnte ich gut den Brie, ursprünglich eine Spezialität aus dem Pariser Becken, großartig ersetzen. Im Ofen überbackener Camembert war schließlich meine Leibspeise in den Bochumer Studentenkneipen der 1970er Jahren.


Es wäre sicherlich stilecht gewesen, wenn ich die Wildpilze für meine Version des Gerichtes bei einem Waldspaziergang in der Umgebung selbst gesammelt hätte. Leider bin ich nie dieser ursprünglichen Nahrungsbeschaffung verfallen, und jetzt, wo mir das Bücken bis an den Boden kaum noch gelingen will, wird es bestimmt nicht mehr zu einer Leidenschaft. Also war ich froh, dass ich im Supermarkt meines Vertrauens eine Gemischte Pilzpfanne aus einem Zuchtbetrieb am Niederrhein fand, die aus braunen und weißen Champignons sowie Austernpilzen bestand und die ich noch mit einer Handvoll Shiitake ergänzte. Haselnüsse fand ich dort auch.


Erst während die Zubereitung wurde mir richtig klar, dass alle Komponenten des Gerichts getrennt zubereitet wurden, um ihre wunderbaren Röstaromen zu entfalten. Während der Camembert im Ofen backte, wurden in der einen Pfanne die Pilze mit ein paar Schalotten in Weißwein geschmort und in einer anderen Pfanne die Haselnüsse geröstet. Erst auf dem Teller wurde alles vereint.

Weil durch das Fotografieren auf dem herbstlichen Balkon das Gericht leider ziemlich kalt geworden war, tat ich den Teller vor dem Aufessen noch einmal kurz in den warmen Backofen, so dass sich die Aromen wieder wunderbar verbanden.

Ach ja: Ins Glas hätte bei all der Herbstlichkeit natürlich ein schöner Barolo aus dem Keller gehört; er wurde auf dem Foto allerdings nur von einem Johannisbeernektar markiert. (Der übrigens zum Gericht mehr als fantastisch mundete...)








Rezept: Gebackener Camembert mit geschmorten Pilzen und gerösteten Haselnüssen

1 Portion

1 Camembert (225 g)
350 g gemischte Pilze
30 g Butter
2 Schalotten
3 cl Weißwein
2 TL Thymian
3-4 Zwige Thymian
30 g gehackt Haselnüsse
Pfeffer, Salz

Ofen auf 18 Grad vorheizen.
Haselnüsse ggf. knacken und grob hacken. In einer Pfanne vorsichtig anrösten, bis sie duften.
Schalotten schälen und in dünne Ringe schneiden.
Pilze putzen und in dünne Scheiben schneiden. In eine Pfanne ohne Fett geben, leicht salzen und mit einem Stück Alufolie abdecken. Schmoren lassen, bis das Wasser ausgetreten ist und die Pilze schön braun sind. Dabei hin und wieder umrühren.
Gebräunte Pilze aus der Pfanne nehmen. Butter in der Pfanne schmelzen lassen und die Schalottenringe darin weich schmoren.
Pilze und Thymian hineingeben. Mit Wein ablöschen und komplett verdampfen lassen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Warm halten.
Camembert im vorgeheizten Ofen 7 bis 12 Minuten backen.

Anrichten:
Camembert vorsichtig auf einen vorgewärmten Teller geben. Mit den Pilzen bedecken und mit den gerösteten Haselnüss bestreuen. Mit den Thymianzweigen garnieren.

Dazu schmeckte geröstetes Französisches Landbrot aus der Bäckerei im Windrather Tal.


Weitere Gerichte mit gebackenem Käse:
Gebackener Ziegenweichkäse mit gerösteten Weintrauben und Pistazien (vegetarisch) klick hier
Toast mit gebratenen Birnen, Blauschimmelkäse und Honig (vegetarisch) klick hier 

Dienstag, 20. Oktober 2026

Regionales Herbstvergnügen: Ofen-Hokkaido und -Kartoffeln von der Bonnekamphöhe mit Rumpsteak vom Auerochsen aus den Ruhrwiesen und improvisierter Pfeffersauce


In diesem Sommer war es fast zu einer wöchentlichen Routine geworden, samstagmittags auf die Bonnekamphöhe in Essen-Katernberg zum Offenen Gartentag zu fahren und mich dort mit den fantastischsten Tomaten einzudecken, die es in Ausflugsweite gibt. Bei meinem letzten Besuch, bevor Anfang Oktober die Permakultur-Gärtnerei wieder in den Winterschlaf fiel, gabs saisonbedingt nur noch wenige Tomaten, und so nahm ich mehr oder weniger notgedrungen einen hübschen, nicht zu großen Hokkaido-Kürbis und ein paar rotschalige Kartoffeln mit, deren Namen ich leider vergessen habe. Beides erwies sich zu Hause als durchaus lagerfähig, doch als ich im Newsletter von Bauer Schulte-Stade aus Hattingen las, dass wieder Rumpsteaks von den Auerochsen in den Ruhrwiesen im Angebot waren, war mir sofort klar, dass ich beide regionalen Spitzenprodukte miteinander verbinden wollte.


Kürbis und Kartoffeln im Ofen


Ich suchte im Netz herum und fand auch ohne Probleme mehrere Rezepte, um aus dem Kürbis und den Kartoffeln ein leckeres Ofengemüse zu zaubern und strickte mir daraus eine einfache Variation. Auch die Zubereitung der Steaks war eine simple Sache. Sie waren mit etwa anderthalb Zentimetern gerade einmal fingerdick – ich briet sie auf einer Seite in einer sehr heißen Eisenpfanne an, bis sie schön braun waren, drehte sie dann um, nahm die Pfanne vom Herd und ließ alles zugedeckt ein paar Minuten ruhen. Das Eisen der Pfanne war heiß genug, um auch die andere Seite zu bräunen. Nach kurzer Zeit waren die wildartigen, äußerst fettarmen Steaks ideal medium und hatten einen wunderbar zarten Biss. Außer mit Fleur de Sel brauchte ich nicht zu würzen. Das Fleisch der ganzjährig weidenenden Auerochsen war auch so aromatisch genug.


Auerochsensteak in der Pfanne

Sowohl zum Ofengemüse als auch zu den Steaks hätte eine Kräuterbutter gepasst, doch ich kam auf die verwegene Idee, eine Pfeffersauce zu improvisieren. Ich machte eine Bechamel, die ich mit meinem geliebten Ziegenfrischkäse anreicherte und ließ einen Rest grüner Pfefferkörner, den ich noch hatte, darin mitziehen. Steak-Aficionados mögen dabei die Haare zu Berge stehen – mir hat's geschmeckt.


Ach ja, ins Glas kam wieder etwas extra Feines aus dem Keller: ein 2005er Cru Bourgeois Superieur vom hier im Blog schon öfter erwähnten Chateau d'Agassac im Haut-Médoc.


Rezept: Hokkaido und Kartoffeln aus dem Ofen


500 g Kürbis z. B. Hokkaido oder Butternut
500 g kleine festkochende Kartoffeln
2 Knoblauchzehen
3 EL Olivenöl
1-2 Chilischoten
2 Zweige Rosmarin
2 Zweige Thymian
Olivenöl
abgeriebene Zitronenschale

Den Ofen auf 180 Grad Umluft vorheizen.
Kartoffeln gründlich waschen und ca 9 Minuten in gut gesalzenem Wasser blanchieren. Abgießen, etwas abkühlen und in Achtel schneiden.
Hokkaido-Kürbis halbieren, Kerne und Stroh entfernen und in Schnitze schneiden.
Knoblauchzehen ggf. schälen und in Achtel schneiden.
Chilschoten in Stücke schneiden. Je nach Schärfewunsch die Kerne entfernen.
Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Alle Zutaten darauf verteilen. Großzügig mit Olivenöl beträufeln, kräftig salzen und die Kräuterzweige darauf verteilen. Nochmals kräftig im Olivenöl wenden.
Für 30-40 min in den vorgeheizten Backofen geben, alles schön braun werden lassen und darauf achten, dass der Kürbis nicht zu weich wird. Herausholen und mit abgeriebener Zitronenschale bestreuen.

Rezept: Improvisierte Pfeffersauce

1 EL Mehl
1 El Butter
¼ l Gemüse- oder andere Brühe
1-2 EL Frischkäse
1 EL grüne Pfefferkörner
Salz
geriebene Muskatnuss
Zitronensaft

Butter in einem Topf schmelzen. Mehl hineinrühren, mit Gemüsebrühe auffüllen und unter umrühren mehrere Minuten köcheln lassen, bis die Sauce dick geworden ist und nicht mehr nach Mehl schmeckt. Nach einiger Zeit die Pfefferkörner zugeben und mit ziehen lassen. Frischkäse unterrühren und mit Salz, Muskatnuss und Zitronensaft abschmecken.

Rezept: Rumpsteaks vom Auerochsen

Rumpsteaks, 1,5 cm dick
Bratöl
Fleur de Sel
Evtl. 3 EL Pfefferkörner, geschrotet

Wer will, kann die Steaks in eine Plastiktüte mit geschroteten Pfefferkörnern geben und über Nacht marinieren. Pfefferkörner vor dem Braten entfernen, sie können in die Sauce gegeben werden.
Öl in einer Eisenpfanne stark erhitzen. Steaks hineingeben und 1-2 Minuten kräftig anbraten. Steaks umdrehen, die Pfanne zudecken und vom Herd nehmen. Steaks 3 Minuten ruhen lassen. Die heiße Pfanne röstet die andere Seite ebenfalls an.

Anrichten:
Auf vorgewärmten Tellern einen Spiegel aus Pfeffersauce verteilen. Ofengemüse darauf geben, Steaks darauf legen und mit etwas weiterer Sauce betreufeln. Mit Fleur de Sel bestreuen. Möglichst warm servieren.


Freitag, 16. Oktober 2026

Slow Food Essen & Bochum: Besuch bei Diergardts Kühler Grund in Hattingen


Nicht nur für Bochumer, die im Südwesten ihrer Heimatstadt wohnen, ist Diergardts Kühler Grund in Hattingen-Welper eine der lohnendsten kulinarischen Adressen in der Nachbarschaft. Im Jahr 1904 als Gasthof mit Milchwirtschaft gegründet, entwickelte sich das Haus im Schatten der Hattinger Henrichshütte zu einem florierenden Restaurant, und auch als das Stahlwerk vor über 20 Jahren endgültig schließen musste, profilierte es sich weiter als eines der wichtigsten Gasthäuser des EN-Kreises. Seit 2013 übernahm Philipp Diergardt die Leitung des Hauses von seinem Vater Friedel, der als Seniorchef immer noch munter die Honneurs bei den Gästen macht. „Heimat und Leidenschaft“ heißt das Motto der Küchenausrichtung.



2016 auf "Bochum kulinarisch": Philipp Diergardt 
mit dem spanischen Schinken-Cortador Isidro Velasco 

Für den Genießer waren und sind in den letzten Jahren besonders die Stände von Diergardt auf den Gourmetmeilen „Bochum kulinarisch“ (z.B. klick hier) und „Kulinarischer Altstadtmarkt“ in Hattingen (z.B. klick hier) Anlass für einen Pflichtbesuch gewesen. Wegen des Bekenntnisses zu Regionalität und handwerklicher Zubereitung besuchte er bereits 2014 gemeinsam mit den Freunden von Slow Food Bochum das Gasthaus (klick hier), und der Besuch des Panhasfestes, auf dem Diergardt gemeinsam mit anderen Hattinger Restaurants diese westfälische Spezialität präsentiert, ist mittlerweile zu einer kleinen Tradition unserer Gruppe geworden (z.B. klick hier).


Nachdem auch die Freunde von Slow Food Essen die Idee hatten, Diergardt zu besuchen, kam es vor einer Woche endlich zu einer gemeinsamen Aktion. 14 Slowfoodies aus beiden Städten trafen sich an einer großen Gasthaustafel und speisten von einer Sonderkarte, die für unsere Gruppe zusammengestellt worden war. Anschließend gab Philipp Diergardt bereitwillig Auskunft über sein Küchenkonzept und Problematik, so ein großes Haus mit Anspruch zu führen. Sowohl seine Speisen als auch seine Ausführungen fanden wir durchaus überzeugend.


Ein Slow Food Besuch
Diegardts Kühler Grund, 8.10.2026




Kürbis-Ingwer-Suppe 
mit gepickeltem Kürbis & Zwergorangen, 12 Euro  



Bunter Feldsalat mit Picandou Ziegenkäse
 & Mangalitzaspeck in Ciabatta gebraten, 25 Euro




Buchweizen-Risotto mit gebratenen Herbstpilzen Freiland-Ei
vom Kneibelhof & gezupfte Kräuter, 26 Euro





Geschmorte Eifeler Kaninchenkeule mit sautierten Herbstpilzen,
„Estragon-Senf beurre blanc“ & Buchweizenrisotto, 34 Euro




Original Wiener Schnitzel vom Kalbsrücken 
mit Preiselbeeren, Zitrone, Kartoffel- & Feldsalat, 32 | 24 Euro




Mousse von der Valrhona Guanaja-Schokolade 74%

 mit Salzkaramellsauce, Kalamansi & Knusperblättern, 15 Euro




Hausgemachte Sorbets Limette // Aprikose-Verveine // Himbeere, 4 Euro pro Kugel

Diergardts Kühler Grund, Hattingen, Am Büchsenschütz 15. Alle Infos hier.

Genussbereit über Diergardts Kühler Grund:
Porträt Philipp Diergardt, 2013
Bochum geht aus 2014
Slow Food Menü 2014
Bochum geht aus 2016 
"Hauptsache Wein" 2017
Eintopfessen 2017
Stadtporträt "Kulinarisches Hattingen" 2019 

Gänseessen 2019 

Bretonische Woche 2026 

Freitag, 9. Oktober 2026

Lecker Essen für Europa: Bretonische Buchweizen-Crêpes mit einer Füllung aus westfälischer Blutwurst vom Bunten Bentheimer, sächsischen Äpfeln Pinova, rosa Zwiebeln aus der Bretagne und Cidre vom Niederrhein.


Ursprünglich war es ein Resteessen. Ich hatte vor einiger Zeit von einem Nachbarn eine Pfälzische Leberwurst geschenkt bekommen, die er nicht mehr essen konnte, weil er ins Krankenhaus musste. So lag das abgepackte Ding eine Zeitlang bei mir im Kühlschrank, und als es sich bedenklich dem Verfallsdatum näherte, nahm ich mir vor, es aufzuessen. Sie einfach so aufs Brot zu schmieren fand ich dann doch zu profan, und so kam ich auf die Idee, pikante bretonische Crêpes als Unterlage zu machen. Ich hatte den leckeren Crêpe aus dem bretonischen Menü bei Diergardts neulich (klick hier) noch gut in Erinnerung. Also probierte ich meine neue beschichtete Pfanne aus und briet mir ein paar dünne Buchweizenpfannkuchen, die auch tadellos gelangen. Gemeinsam mit der Leberwurst schmeckten sie köstlich, zumal ich sie mit ein getrockneten Cranberries ausdekorierte, die ich ebenfalls schon länger herum liegen hatte.

Vorstufe: Das Leberwurst-Experiment

Das Ganze sah so hübsch aus, dass ich ein paar Fotos davon auf Facebook postete, für den Blog fand ich sie eigentlich zu banal. Und prompt bekam ich einen Kommentar, dass alles zwar recht lecker aussehe, die Kombination aber wohl doch sehr ungewöhnlich sei.

Darüber war ich dann doch sehr überrascht. Zugegeben, in der Bretagne haben sie wohl keine deutsche Leberwurst, aber sicherlich Leber-Paté, die sie wie alles andere auch in ihr Crêpes bzw. Galettes stecken. Und die fruchtige Süße der dunkelblauen Beeren ist doch eine wunderbare Ergänzung für die pikante Leberwurst.

Dennoch war mein Ehrgeiz angestachelt, eine klassische bretonische Crêpe-Füllung zu finden, die meinem Leberwurst-Experiment in etwa entsprach. So stieß ich auf die Crêpes mit Blutwurst, Zwiebeln und Äpfeln. Die schwarze Blutwurst und dir rosafarbenen Zwiebeln aus Roscoff sind schließlich bretonische Spezialitäten par excellence, und ein Apfelland ist der Nordwsten Frankreichs allemal.

Die Zutaten der Füllung

Beim Kauf der Zutaten verwandelte sich das bretonische Gericht allerdings in ein lecker Essen für Europa – nicht zuletzt, weil es mich irgendwie an das rheinisch „Himmel und Erde“ erinnerte. Tatsächlich aus der Bretagne stammten die rosa Zwiebeln, die allerdings genauso fein waren wie die originalen aus Roscoff (nur nicht so teuer). Die Blutwurst war zwar keine bretonische boudin noir, sondern ein Bio-Produkt vom westfälischen Bunten Bentheimer aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, und die Äpfel waren von der Sorte Pinova, einer Züchtung aus Sachsen, deren animierender süß-saurer Geschmack genau richtig war.


Der Pfannkuchen wird zur Hälfte gefüllt zund zugeklappt.

Die angebratenen Zwiebeln, Äpfeln und die Blutwurst verarbeitete ich mit körnigem Senf und – an Stelle von Crème fraiche – mit Ziegenfrischkäse zur Füllung. Das Rezept sah vor, dass sie mit Apfelessig etwas gesäuert werden sollte, doch es stellte sich heraus, dass das nicht nötig war. Senf und Frischkäse waren sauer genug.


Anders als im Rezept vorgesehen, nahm ich zum Ablöschen Cidre anstelle von Apfelessig, den mein Senf und der Frischkäse waren schon sauer genug. Der Cidre schmeckte natürlich auch als Getränkebegleitung zu den fertigen Crêpes. Er stammte allerdings, wie meistens bei mir, nicht aus der Bretagene oder der Normandie, sondern vom Niederrhein.


Rezept: Buchweizen-Crêpes mit Blutwurst, Äpfeln und rosa Zwiebeln

Ergibt 4-6 Crêpes

Füllung:
1 bis 2 Roscoff-Zwiebeln
100 g Blutwurst
2 Äpfel
Öl
Butter
1 Schuss Cidre
1 Bund Schnittlauch
2 TL körniger Senf
1 El Ziegenfrischkäse
Salz. Pfeffer

Zwiebeln in dünne Ringe schneiden. Blutwurst in dünne Scheiben schneiden. Äpfel schälen, achteln und das Kerngehäuse herausschneiden. Die Äpfel in feine Scheiben schneiden.
Öl und Butter in einer Pfanne erhitzen. Die Zwiebeln und Äpfel darin ungefähr 8 Minuten andünsten, sie sollen keine Farbe annehmen. In den letzten 3 Minuten die Blutwurstscheiben zugeben und mit dem Cidre ablöschen. Abkühlen lassen. Schnittlauch in Röllchen schneiden.
Alles mit Schnittlauchröllchen, Senf und Ziegenfrischkäse verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen.

Crêpes:
100 g Buchweizenmehl
1 Ei
Mineralwasser mit Kohlensäure
Salz
Pfeffer
Muskat (frisch gerieben)
Butter

Das Ei mit dem Buchweizenmehl verrühren. Mit Sprudelwasser auffüllen und weiter verrühren, bis ein wasserdünner Teig entsteht. Mit Pfeffer, Salz und geriebener Muskatnuss würzen.
Teig eine halbe Stunde ruhen lassen.
In einer Pfanne einen Stich Butter erhitzen und mit einem Pinsel verstreichen. Auf mittlere Hitze einstellen. Wenig Crêpeteig in die Pfanne gießen und durch Schwenken hauchdünn auf dem Pfannenboden verteilen. Crêpe backen, bis die komplette Oberseite trocken ist und nicht mehr glänzt. Mit einem flexiblen Pfannenheber wenden und fertig backen. Aus der Pfanne nehmen und auf die gleich Weiser vier bis sechs weitere Crêpes backen.

Karamellisierte Apfelspalten:
1 Apfel
Butter
Zucker
Anis

Geschälten Apfel om Kerngehäuse befreien und in Achtel schneiden. Butter erhitzen, etwas Zucker und Anis einstreuen und die Äpfel darin karamellisieren.

Anrichten:
Je einen Crêpe zur Hälfte mit etwas Füllung belegen und zu klappen. Mit karamellisierten Apfelspalten belegen und mit der restlichen Anisbutter begießen. Mit Schnittlauchröllchen bestreuen.

Sonntag, 4. Oktober 2026

Gourmetmeilen 2026: Panhasfest in Hattingen

Slow Food Bochum traf sich bei Grauburgunder...



...Aperol Sprizz...


...und Panhas (von Diergardts).


Das Panhasfest ist Anfang Oktober immer ein liebenswerter Nachschlag zur alljährlichen Gourmetmeilensaison, die bekanntlich am Ende der Sommerferien mit der beeindruckenden Veranstaltung auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein ihren Höhepunkt und Abschluss findet. Auch an diesem Wochende wurde in Hattingen auf dem herbstlichen Pendant zum Kulinarische Altstadtmarkt im Sommer wieder dem Panhas gefrönt, jener westfälischen Spezialität aus Buchweizenmehl, Speck und Blut, die richtig zubereitet eine wahre Delikatesse ist. Auf dem Fest haben Diergardts und Eggers Panhas auf dem Programm, an den Ständen von Haus Kemnade, Gasthaus Weiß, An de Krüpe und Las Olas gibt’s darüber hinaus weitere Hausmannskost vom Feinsten, so dass jeder Gast auf seine Kosten kommt.

Der liebe Gott hatte es an diesem Feiertagswochenende mit einem wahrhaft goldenen Oktoberwetter besonders gut gemeint, und so strömten die Besucher auf den St.-Georgs-Kirchplatz, während in den Fachwerkgassen rundum zusätzlich der Hattinger Herbstmarkt tobte.

Auch Slow Food Bochum nahm die Tradition eines Besuches wieder auf, und am Samstag stürzten sich fünf Unentwegte Slofoodiesins Getümmel. Es wurde ein heiterer Spätnachmittag bei Panhas, Aperol Sprizz und Grauburgunder mit zwanglosen Gesprächen über gutes Essen und schöne Urlaubsreisen. 


Königsberger Klopse vom Reh (An de Krüpe)

Schnitzel vom Jungschweinfilet (Eggers)



Blauer Himmel über der Hattingia



Klein-Montmartre hinter den Zelten






Französischer Gourmetmarkt 
im Rahmen des Herbstmarktes


Das Panhasfest Hattingen fand vom 1. bis zum 4. Oktober 2026 statt.