Montag, 7. September 2015

Aus dem Archiv: Gut Kump - Kommt gut

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016"

Vor einiger Zeit, als Gut Kump am Westfalen Gourmetfestival teilnahm, hatte ich schon Lust bekommen, das Hotel-Restaurant im gleichnamigen Stadtteil von Hamm zu besuchen. Jetzt ist es endlich soweit. Das Herrenhaus des stattlichen Anwesens, das heute Gästezimmer beherbergt, strahlt auf den westfälischen Rasenflächen wie eine der Villen der weißen Stadt Heiligendamm an der Ostsee und ist umgeben von zahlreichen historischen Wirtschaftsgebäuden im Fachwerkstil, die heute den verschiedensten gastronomischen Zwecken dienen. Ein gediegenes Heiratsparadies. Das macht auch Lust aufs Essen.

Denn die Küche der Eventlocation setzt nicht unbedingt auf Massenkompabilität, sondern auf ein gehobenes Gourmet-Feeling. Sicher, auf der Karte finden sich auch ein Riesen-Burger mit hausgemachter BBQ-Sauce (15 Euro), der besonders von den Hotelgästen gern gegessen wird, oder ein Original Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat (21 Euro), doch die meisten Gerichte sind modern ausgerichtet mit asiatischem und mediterranem Einschlag.



Gruß aus der Küche
Roastbeef auf Melone

Tonkatsu vom Hirsch

Nach dem Grundsatz, dass in einem guten Restaurant alles schmeckt, was auf den Tisch kommt, bestelle ich nur Sachen, von denen ich noch nicht gehört habe. Schon der Gruß aus der Küche, der die spannende Wartezeit aufs Essen verkürzt, macht Spaß: ein dünne Scheibe Roastbeef auf Melonenstückchen, erfrischend und pikant zugleich. Und dann kommt die Vorspeise, Tonkatsu vom Hirsch, mit Algensalat, eingelegtem Kohl und Teriyakisauce (10,90 Euro). Japanischer Ingwer auch noch dabei. Bei dem eingelegten Kohl handelte es sich wohl um Kim-Chi, die koreanische Nationalspeise, aber was ist Tonkatsu? Ganz einfach, die japanische Variante des Schnitzels. Hier ist eine Tranche Hirschfleisch in Panko, dem japanischen Paniermehl, schön dunkel und knusprig gebraten und schmeckt mit den exotischen Beilagen einfach fantastisch.

Coba auf Graupenrisotto

Als Hauptgericht bestelle ich Cobia Lion, und die Bedienung klärt mich auf, dass es sich dabei nicht um eine exotische Löwenart, sondern um einen Fisch handelt. Als das Gericht serviert wird, entdecke ich, dass es sich schlichtweg um einen Druckfehler handelt. Es muss Loin heißen, wie man die Filets bei edlen Fischen auch nennt. Cobia ist eine Barschart aus dem indischen Ozean, die sich durch ein festes, wohlschmeckendes Fleisch auszeichnet. Die Zubereitung auf Gut Kump ist großartig. Auf den Punkt gebraten, thront das Fischfilet auf einem Graupenrisotto, ist mit Pfifferlingen und Parmesanstreifen sowie einem luxuriösen Champagnerschäumchen garniert. Ein schöner, wohlkomponierter Hauptgang, zu dem das Viertel Grauburgunder (4,40 Euro) super schmeckt.

Semifreddo von der Blutorange

Beim Dessert stolpere ich über das Wort Curd, mit dem garantiert nicht der deutsche Schauspieler mit Nachnamen Jürgens gemeint ist, der von Brigitte Bardot als normannischer Kleiderschrank bezeichnet wurde. Nein, ein Curd ist eine Fruchtcrème, die in diesem Fall auf Blutorangen basiert und zu einer großen Kugel Blutorangen-Semifreddo mit Cassis und Zartbitter-Schokoladen–Gelee (9,50 Euro) gereicht wird. Ein würdiger Abschluss meines kleinen Menüs.

Nach dem Essen mache ich noch einen kleinen Verdauungsspaziergang durch die weitläufige Anlage von Gut Kump und freue mich über den gelungenen Ausflug.

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59069 Hamm-Kump, Kumper Landstraße 5
0 23 85. 92 12 60
Di-Sa 17.30-21.30 Uhr. So, Mo geschlossen.
https://www.gut-kump.de/restaurant.html

Montag, 3. August 2015

Aus dem Archiv: Pasta e Gamberoni - Mein Stuhl gehört mir

Der Text erschien erstmalig in „Essen geht aus 2016“.

Es sind Läden wie das Pasta e Gamberoni, die Rüttenscheids Ruf als Big Easy unter den Essener Stadtteilen mit seinem unnachahmlichen Dolce Vita begründeten. Ob das heute noch so stimmt, sei einmal dahin gestellt. Gäbe es auf der Rü einen Walk of Fame, Gastronomen wie Michele Fiscella hätten eine Verewigung darauf verdient. Da dem leider nicht so ist, hat er kurzerhand in seinem Restaurant selbst eine Fußbodenplatte mit den Worten „Michele Superstar“ versenken lassen. Recht hat der Mann!

Dabei scheint die Bezeichnung Restaurant auf den ersten Blick etwas übertrieben, denn das Pasta e Gamberoni ist kaum größer als ein Imbiss. Als ich kurz vor drei zum Test auftauche, weil ich dachte, dass ich nach der Mittagszeit problemlos ein Plätzchen ergattern könnte, muss ich feststellen, dass dem nicht so ist. Der winzige Laden ist proppevoll, auf den Barhockern der Bistrotische und auf der Biertisch-Garnitur auf dem schmalen Bürgersteig tummeln sich die Genießer in Trauben und feiern ihre After-Mittagessen-Party. Doch zum Glück geht ein Gast, ich klettere schleunigst auf den Stuhl und bleibe für den Rest der Zeit daran kleben wie ein Politiker an seinem Parlamentssitz.

Was das Essen angeht, so kann es das Pasta e Gemberoni jedoch mit jedem italienischen Restaurant aufnehmen. Eine Speisekarte gibt es nicht, das Speisennangebot wird auf Tafeln zwischen den Weinregalen an den Wänden präsentiert. Nudel-, Fisch- und Fleischgerichte sind in Angebot, die schnell in der Pfanne gemacht sind. Was ich dann serviert bekomme, ist unprätentiöse cucina italiana at it’s best. Als Gruß aus der Küche kommen ein paar gegrillte Gemüse, Paprika Zucchini und getrocknete Tomaten, und dazu gibt’s eine große Flasche San Pellegrino (5 Euro), dieses Jahr in der Vogue-Edition „Fine Food & Style“, dazu ein Glas Lugana (0,2 l 5,50 Euro). Als sich dann sowohl ein Nudel- als auch ein Fischgericht bestelle, schaut mich die Bedienung erst etwas skeptisch an. Normalerweise isst man hier anscheinend nur ein Gericht und so hält mich wohl für einen Vielfraß.

Tatsächlich esse alles auf. Bei den Nudeln handelt es sich um wirklich hausgemachte Tortelloni mit köstlicher Schafskäsefüllung (10,50 Euro), übergossen mit wenig, dafür aber umso aromatischer Tomatensauce – einfach herrlich. Der Fischgang besteht laut Anzeigetafel aus zwei Stücken Doradenfilet und zwei Gamberoni samt Beilage (14,90 Euro). Als ich ihn auf dem Tisch habe, frage ich mich, was ich mehr bewundern soll: Die Kunst des Kochs, Fisch und Meeresfrüchte so schön zu braten, dass sie knackig und saftig bleiben, oder seine Fähigkeit, aus zwei Gamberoni fünf Hälften zu zaubern. Mir soll es nur recht sein.

Die Pannacotta zum Dessert (4,40 Euro) macht mich dann noch zufriedener, als ich es eh schon bin. Als ich dann noch einen Espresso getrunken habe, traue ich mich endlich, meinen Stuhl zu verlassen. Jetzt kann sich auch jemand anders hier hin setzen.
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Pasta e Gamberoni. 45131 Essen-Rüttenscheid, Rüttenscheider Str. 172. Tel. 02 01. 2 46 38 88. Mo-Sa 12-22.30 Uhr, So 17-22.30 Uhr. https://pasta-e-gamberoni.de/ (Daten Stand 20.6.2024)

Mittwoch, 22. Juli 2015

Aus dem Archiv: Da Omero - Bilder im Kopf und Nudeln auf dem Teller

Der Text erschien erstmalig in "Essen geht aus 2016"

Manchmal muss man sich als Tester fragen, woran man die Qualität eines Restaurants messen soll: einfach an dem, was auf den Tisch kommt, oder an den Vorstellungen, die man von einem Gericht hat. Auf alle Fälle waren die Tortelloni mit Bottarga und Zitronensauce, die ich mir im Da Omero als Vorspeise bestellt hatte, für 11,90 Euro ein korrektes Pastagericht, an dem es nichts zu meckern gab - ein Teller voller Nudeln und optisch hübsch anzusehen. Und dennoch, mit den Assoziationen, die ich hatte, als ich auf der Speisekarte das Wort Bottarga entdeckte, konnte ich es nicht in Einklang bringen. Bottarga ist der getrocknete Rogen der Meeräsche, und ich hatte sofort romantische Bilder von Fischern vor Sardinien oder Sizilien im Kopf, die ihn ernten. Auf dünne Spaghetti geraspelt, die mit aromatischem Olivenöl und den in Süditalien im Überfluss wachsenden Zitronen gewürzt sind, stellte ich mir das Gericht wie ein Stück flirrender mediterraner Meeres-Poesie vor. Doch leider fand ich hier auf dem Teller gewöhnliche Nudeln aus dickem Teig mit massiver Füllung, die in einer gewöhnlichen Sahnesauce mit Zitronengeschmack schwammen, die man getrost auch über Kalbsschnitzel oder Hähnchenbrust hätte gießen können. Lediglich die orange-gelbe Bottarga, die wie Trüffel üppig über das Gericht geraspelt war, brachte den salzigen Geschmack von Fisch und Meer auf die Zunge.

Die Vorstellung einer einfachen, aber eleganten italienischen Küche fand ich dann eher im Hauptgericht realisiert, ein Triple von Loup de mer, Lachs und Dorade (19,90 Euro). Die Fischfilets waren perfekt gegrillt und mit Knoblauch gewürzt und mit Zitronensaft beträufelt ein saftiger Genuss. Dazu gab es eine typisch italienische Gemüsebeilage aus Kartoffelpüree, Zuckerschoten und Romanesco, der mit den spitzen Röschen pittoresk aussehenden Blumenkohlart.

Solche Gerichte machen das Da Omero zu einem der beliebtesten italienischen Restaurants in Essen-Werden. Will man besonders im Sommer einen Platz auf der lauschigen Terrasse ergattern, sollte man auf alle Fälle vorher anrufen. Denn die Stammgäste spielen mit den zahlreichen Stühlen unter dem schattigen Zeltdach so etwas wie die Reise nach Jerusalem, nicht ohne sich vorher mit Küsschen zu begrüßen. Diesem trubeligen Kommen und Gehen war wohl geschuldet, dass der „leicht barriquierte“ Chardonnay alle war, den ich gern zu den fetthaltigen Fischen getrunken hätte. So musste ich mit einem leichten Roero Arneis (0,2-l-Glas 7,50 Euro) vorlieb nehmen, der aber auch nicht übel war. Richtig Klasse hatte das Dessert aus dem Monatsmenü, das mir die Bedienung als Abschluss empfahl: eine Crème brulée, über die frische Sommertrüffel geraspelt waren, ergänzt durch Erdbeeren mit Mangosauce (7,50 Euro).
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www.da-omero.de
45239 Essen-Werden
Porthofplatz 6
02 01. 4 55 57 02
Di-Fr 18-23 Uhr,
Sa-So 12-14.30 & 18-23 Uhr
Montag: Ruhetag

Donnerstag, 18. Juni 2015

„Essen verwöhnt“ 2015 startete mit langer Tafel


Gestern auf der Kettwiger Straße in Essen: Die lange Tafel zur Eröffnung der Gourmetmeile "Essen verwöhnt" war eine grandiose logistische Leistung. In knapp zwei Stunden wurden 100 Tische aufgebaut, 600 Gäste mit einem Drei-Gänge-Menü verwöhnt und dann die Tische wieder abgebaut. Gratulation an Rainer Bierwirth und seine Gastronomen!


 Viel Spaß am "Genussbereit"-Tisch

Dass alles wie am Schnürchen klappte, lag an der perfekten Arbeitsteilung. Jeder der der 23 Stände von „Essen verwöhnt“ war für vier Tische zuständig, so dass Aufbau und Bewirtung niemanden überforderte. Der Genießer und vier Freunde seines Blogs „Genussbereit“ hatten wie die 594 anderen Gäste der langen Tafel an ihrem Sechsertisch viel Spaß. Ihr Menü kam vom Essener Edeltürken „Tablo“ und bestand aus einer gemischten Vorspeisenplatte mit allerlei Köstlichkeiten, wahlweise gefülltem Lammrücken bzw. Entenbrust mit Aprikosen-Raki-Sauce zum Hauptgang und gebackenem Milchreis mit Vanilleeis zum Nachtisch. Und dazu gab‘s Wein zum Abwinken.

„Essen verwöhnt“ geht noch bis zum 21. Juni 2015. Für alle Infos hier klicken.

Mittwoch, 10. Juni 2015

Zum 17. Mal: Gourmetmeile „Essen verwöhnt 2015“

Rainer Bierwirth (m), Yavuz Cagritekin (re) und sein Koch Agid Hussein präsentieren "Essen verwöhnt"

Zur diesjährigen Pressekonferenz zur Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ hatte Initiator Rainer Bierwirth ins „La Turka“ in Essen-Rüttenscheid eingeladen. Der Grund: das türkische Edelrestaurant von Yavuz Cagritekin ist neu unter den 23 Essener Gastronomiebetrieben, die vom 17. bis zum 21. Juni 2015 die Kettwiger Straße in der Essener City zur „Königin der Gourmetmeilen“ aufrüsten. Erstmalig neu dabei sind auch die Edel-Burgerschmiede „Me(e/a)t“ und die „Eismanufaktur Bruno Gelato“. Leider hat es auch einige Abgänge gegeben, wie z.B. den „Kölner Hof“ und das „Schnitzlers“. Das „Casino Zollverein“ war letztes Jahr schon nicht mehr dabei, doch dem traditionell hochwertigen Angebot von „Essen verwöhnt“ tut das keinen Abbruch. Fünf der 23 Küchenchefs haben sich hochwertige Gourmetgerichte ausgedacht, darunter Eric Werner vom Zwei-Sterne-Tempel „Résidence“ und TV-Koch Nelson Müller.
Erster Höhepunkt wir sicherlich am Eröffnungstag die 200 Meter lange Tafel sein, an der die Essener Gastronomen 600 geladene Gäste mit einem Drei-Gänge-Menü verwöhnt. Der Genießer hat das Glück, mit einigen Freunden seines Blogs auch dabei zu sein. Hier sein Geheimtipp: am 17. Juni um 17.30 Uhr auf der Kettwiger Straße. Da die Veranstaltung aus organisatorischen pünktlich beginnen muss, werden die Plätze derjenigen VIPs, nicht pünktlich gekommen sind, an die normalen Besucher der Gourmetmeile vergeben.
Für alle Infos zu „Essen verwöhnt“ bitte hier klicken.

 Nachgesalzen: Das Bild muss ja scharf werden

Heiß: Das offizielle Pressefoto von "Essen verwöhnt"

...und hier das Making Of

Freitag, 22. Mai 2015

Aus dem Archiv: Renzis - Bayern oder Texas, das hier die Frage

Der Text erschien erstmals in "Duisburg geht aus 2015/2016"
Das Restaurant gibt esin dieser Form  seit 2022 nicht mehr. Seitdem betreibt Sven Nöthel auf dem Anwesen das Sterne-Restaurant "MOD".


Wenn man das Renzis in Duisburg-Baerl besucht, kommt man nicht umhin sich zu fragen, sind die Niederrheiner jetzt die Bayern oder die Texaner des Ruhrgebiets. Denn es gibt nur wenige gastronomische Locations wie den ehemalige Bauernhof an der Grafschafter Straße, die das sozio-kulturelle Ideal des bayerischen Biergartens in die Tat umsetzen, die volkstümliche amerikanische Burger- und Steak-Küche mit so viel individuellem Charme zelebrieren und dabei den Ruhrgebiets-Mythos Currywurst nicht vergessen.

Doch der Reihe nach. Ihre professionellen Meriten errangen die Betreiber Astrid und Tobias Bähner mit dem Restaurant Bähner’s am See, doch seit 2013 Jahren konzentrieren sie sich aufs Renzis, das sie mit dem bajuwarischen Kosenamen ihres Sohnemanns Laurenz benannt haben. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Besonders der große Biergarten mit Kinderspielplatz ist bei Familien beliebt, die mit Kind, Kegel und Hund essen gehen wollen. Aber auch bei Leuten, die die nur unkompliziert und preisgünstig essen wollen, ist der Laden angesagt. Zahlreiche Veranstaltungen von kulinarischen Aktionstagen bis hin zu Rockkonzerten finden in dem stattlichen Anwesen statt.

Maßgeblich für den Erfolg ist jedoch das Speisenangebot, das keinerlei Schwellenangst aufbaut und der Leidenschaft der Kundschaft fürs Grillen entgegenkommt. Die Burger (180 g Beef 6,45 Euro, 250 g Beef 8,45 Euro) sind hausgemacht, die Brötchen dazu werden extra in einer befreundeten Bäckerei gebacken. Spareribs gibt es natürlich auch, Steaks und Schnitzel in verschiedenen Varianten, Salate und natürlich die B“aer“liner Currywurst, unterarmlange, goldig gegrillte Bratwürste, die Pelle appetitlich eingeritzt, je nach Größe 4,50 oder 7,90 Euro.

Mein Testbesuch ist dann auch ein Ausflug ins satte Leben. Die Innenplätze sind alle reserviert, nicht zuletzt, weil in einem der Räume zeitgleich auch eine geschlossene Hochzeitsfeier stattfindet. Doch unter freiem Himmel ist es sowieso schöner, und so verzehre ich en Special-Burger Smokie BBQ (7,45 Euro) aus 180 g feinstem Rinderhack mit Salat, Tomaten, karamellisierten Schmorzwiebeln, Bacon, Käse und BBQ Sauce, eine geschmacklich ausgewogene Angelegenheit, wie sie mir kein Imbiss bieten kann. Auch das Rinderhacksteak ist schön saftig. Auf Pommes verzichte ich wohlweislich, denn das Ding ist so groß, wie man es aus den Burger-Referenzmodellen der einschlägigen Ketten nicht kennt. Vitaminlich abgerundet wird die Mahlzeit von einem knackigen Krautsalat (2,50 Euro) und einer großen Apfelschorle (4,50 Euro). Aber immerhin passt noch ein Schokoladen-Brownie mit Straciatella- und Schokoladeneis (4,50 Euro) zum Nachtisch rein.

Zum wahren Erlebnis wird der Besuch jedoch durch die Beobachtungen des satten Biergartenlebens, die ich machen kann. Etwa, wie seelenruhig große Hunde bei all dem Trubel unterm Tisch schlafen können oder welch immense Mengen von Pommes fünfjährige Mädchen verdrücken können, um zwischendurch immer mal wieder aufs Trampolin auf dem Spielplatz springen.
-kopf

7199 Duisburg-Baerl, Grafschafter Straße 197

Donnerstag, 21. Mai 2015

Aus dem Archiv: Angerhof - Deutsche Exotik

 Der Text erschien erstmals in "Duisburg geht aus 2015/2016".

„Was ist denn das Rheinische an der Rheinischen Fischsuppe?“, möchte ich vom Kellner im Angerhof wissen. „Es ist wohl die Zubereitung mit klassischem Suppengrün wie beim Rheinischen Muschelessen“, sinniert nach einigem Nachdenken der stattliche Mann in weißem Hemd und schwarzer Bistroschürze mit sonorer Stimme. Tatsächlich finde ich auch keinerlei mediterrane Bouillabaisse-Einflüsse wie Safran oder Knoblauch in der leckeren Suppe, und bei der Fischeinlage tippe ich mal auf Lachs und Zander, in der guten alten Zeit, als das Wasser des Stromes noch richtig sauber war, klassische Rheinfische. Deutsche Küche kann richtig exotisch sein.



Rheinische Fischsuppe

Die Suppe wird einer nostalgischen Emailleterrine mit Deckel serviert, und mit gleicher unaufdringlicher Gemütlichkeit präsentiert sich das weitläufige Landhaus direkt an einer Ausfahrt der B288 in Duisburg-Huckingen – ideal für Veranstaltungen und Familienfeiern, auch für Gäste aus der nahen Landeshauptstadt. Im Laufe des frühen Abends stellen sich zahlreiche Leute ein, die die frische Küche des Hauses genießen wollen. Schweinefilet mit Senfzwiebelkruste, Gurkenscheiben, Tomaten und Spiegelei (18 Euro) oder Rücken vom irischen Weidelamm mit Tomatenkruste (23,90 Euro) sind Beispiele für die bodenständigen Gerichte, die hier serviert werden. Ergänzt werden sie durch eine Tageskarte mit Fisch und saisonalen Angeboten, von der auch die anfangs erwähnte Rheinische Fischsuppe (6,50 Euro) stammt. Freudig überrascht bin ich, als mir im Angerhof unerwarteter Weise ein Amuse bouche serviert wird, ein deutsch-asiatisch-mediterranes Häppchen aus Rettich, rosa Ingwer und Balsamicocrème.

Beim Hauptgericht will ich mal auf Nummer sicher gehen und bestelle etwas aus der Abteilung „Unsere Klassiker“: Entenbrüstchen mit einer Meerrettich-Honigglasur (19,50 Euro). Nach dem witzigen Suppenentree kommt dieser Teller allerdings etwas lieblos daher. Uninspiriert tummeln sich da die Entenbrust (rosa und lecker) mit den Beilagen Bratkartoffeln (einigermaßen) und gemischtes Gemüse (langweilig und viel zu viel) auf dem Teller. Das Gemüse lasse ich dann auch liegen, werde aber von einem Durbacher Klingelberger (0,25-l-Glas 7,50 Euro) entschädigt, der mir empfohlen wurde. Dieser Riesling stammt aus der großen Auswahl badischer Weine, die eine Spezialität des Hauses sind, und passt mit seiner feinherben Süße prima zur Honigglasur der Ente.

Beim Nachtisch schwanke ich zwischen dem Huckinger Kaffeeschaum auf Grand Manier Parfait (5 Euro) und einem sog. Tiretto (5 Euro). Die Italiensehnsucht setzt sich schließlich gegen die Niederrhein-Versuchung durch, und so schlürfe ich mit Behagen den Eis-Capuccino mit Schuss.

-kopf

47259 Duisburg-Huckingen, Düsseldorfer Landstraße 431
Fon 02 03. 93 57 72 34
https://angerhof-duisburg.de/

Mittwoch, 20. Mai 2015

Aus dem Archiv: Landhaus Freesmann - Gott zum Segen

Der Text erschien erstmals in "Duisburg geht aus 2015/2016"

Dass für manchen Gast der Besuch eines Restaurants noch so etwas wie ein Gottesdienst ist, konnte ich bei meiner Einkehr im Landaus Freesmann in Dinslaken erleben. Da beobachtete ich, wie ein ganz normales Paar mittleren Alters kurz bevor es sich über ein großes Schnitzelgericht hermachte die Hände faltete und gemeinsam ein kurzes Tischgebet sprach. Das hatte ich so noch nie gesehen.

Überhaupt ist das Landhaus Freesmann im dörflichen Dinslakener Ortsteil Eppinghoven durchaus eine gelungene Mischung aus Tradition und Moderne. Der Bau selbst stammt aus dem Jahr 1650. Heute wird das in elegant-mediterranem Landhausstil eingerichtete Restaurant mit angeschlossener Tapas-Kneipe von der Familie Ortmann betrieben. Steffen Ortmann hat das Kochhandwerk unter anderem auf Schloß Lerbach bei Dieter Müller gelernt, Inka Ortmann eine Service-Ausbildung im Nobelhotel Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig absolviert.

Blickt in die regional und mediterran geprägte Speisekarte, so hat man die Qual der Wahl. Wählt man nun aus der Kategorie „Landhausspezialitäten“ üppige Tellergerichte wie Hühnchenbrust in Ananas-Mango-Curry-Sauce (17 Euro) oder Wiener Schnitzel aus dem Kalbsrücken mit Preiselbeeren, Kartoffelpüree und Rahmkarotten (17,50 Euro), oder entscheidet man sich für das Menüangebot, bei dem man aus fünf Gängen auswählen kann (drei Gänge 28,50 Euro, fünf Gänge 39,50)?

Ich wähle ein Vier-Gänge-Menu (35,50 Euro), doch dem abwechslungsreichen Streifzug durch Steffen Ortmanns Frischeküche scheint ein wenig von Gottes Segen zu fehlen. In der eigentlich gelungenen Bärlauchsuppe mit gebackenen Kartoffelstreifen suche ich letztere vergebens, aber sie ist auch so mächtig genug. Nach diesem saisonalen Einstieg folgt ein mediterranes Zwischengericht, Trüffelgnocchi auf Blattspinat, beides leider kaum gewürzt und ohne Aroma. Der Hauptgang, Geschnetzeltes aus der Maibockkeule in Preiselbeeren und Portweinsauce, zeugt zwar von der Vorliebe des Hauses für Wild, ist aber wie ein eigenständiges Tellergericht portioniert und sprengt komplett die Menüfolge. Zwar esse ich das durchaus schmackhafte Fleisch auf, lasse aber die beiden Riesenrösti-Taler und den lieblosen Broccoli und Blumenkohl der Beilagen kaum angebissen zurückgehen.

Versöhnlich stimmt dann der Nachtisch, Erdbeermascarpone mit Püree aus frischen Erdbeeren und Vanilleeis. Und vor allem, dass der Empfangscocktails aus Prosecco, Passionsfruchtsirup und Granatapfelsaft, der mit 6,50 Euro auf der Karte ausgewiesen ist, bereits im Menüpreis inbegriffen ist. Völlig glücklich macht dann der Spaziergang auf dem nahen Rheindeich, der einen gewaltigen Blick auf den breiten Niederrhein und die Emschermündung bietet.

-kopf

46535 Dinslaken-Eppinghoven, Heerstraße 335
Fon 0 20 64. 7 00 06
Mi-So 11.30-14.30 & 17-23 Uhr, Di 17-22 Uh. Mo, Di geschlossen
https://landhaus-freesmann.de/

Dienstag, 19. Mai 2015

Aus dem Archiv: Zur Bockmühle - Auch die Augen essen mit

Der Text erschien erstmals in "Duisburg geht aus 2015/2016".

Es ist eine frohe Überraschung, als ich nach längerer Zeit wieder einmal zum Kontrollbesuch im Restaurant Zur Bockmühle im Best Western Park Hotel in Oberhausen-Sterkrade einkehren kann. Die geschmackvolle Renovierung des Restaurants, die vor zwei Jahren noch in vollem Gange war, ist abgeschlossen und der damalige wuchtige 1970-er-Jahre-Biertresen einem modernen, stilsicheren Thekenbereich gewichen, der lichtdurchflutete Eleganz mit rustikalem Holzdesign verbindet. Sofort fühle ich mich wohl, und da scheine ich nicht der einzige zu sein. Bereits freitags zuvor hatte ich versucht, hier ohne Reservierung zu essen. Doch da waren das Restaurant und auch die ebenfalls zum Haus gehörende „Schottes Kneipe“ komplett durch Gruppen belegt, so dass ich unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Das Best Western Park Hotel ist eben weit mehr als nur eine verkehrsgünstig gelegene Übernachtungsmöglichkeit für durchreisende Gäste, sondern auch oder vor allem ein gastronomischer Treffpunkt für den Oberhausener Norden.

Den erneuten Versuch an einem Dienstag, das Restaurant zu testen, muss ich nicht bereuen. Wie schon vor zwei Jahren überzeugt das Haus durch eine kreative Frischeküche, die das Motto „Auch die Augen essen mit“ geschmacklich und optisch auf den Punkt bringt. Der Curry-Aufstrich zum Brot besticht nicht nur durch seinen pikant-exotischen Geschmack, sondern auch durch die sonnig gelbe Farbe. Lindgrün kommt die Crèmesuppe vom Sauerampfer (6,50 Euro) daher. Das Wiesenkraut mit der säuerlichen Note geht mit einem Schlag süßer Sahne auf der Zunge eine prickelnde Allianz ein und versetzt farblich in Frühlingsstimmung.

Liebevoll ist auch der Hauptgang angerichtet. Die Barbarieentenbrust, innen rosa und außen knusprig, ist auf präzise weich geschmortem Orangenspitzkohl angerichtet und variiert so eine klassische Aromakombination zur Ente. Dazu gibt es eine Honig-Pfeffer-Sauce, Brezenknödeln und einen knusprigen Körnerbrot-Chip (20 Euro). Das Ganze ist eine richtig leckere Angelegenheit, und der offen ausgeschenkte, einfache Cabernet Sauvignon „Le clé du ciel“ aus dem Languedoc (0,2-l-Glas 6,50 Euro)sorgt mit seinen sortentypischen Cassis- und Röstaromen für eine gelungene Abrundung.

Farblich in allerlei Gelb- und Brauntönen gehalten präsentierte sich auch das Dessert. Zum Sorbet aus dunklem, eher süßem Klosterbier (8 Euro) passten die Variationen von der Banane perfekt, wenn auch die karamellisierten Chips ein wenig an den Zähnen klebten.
-kopf

46119 Oberhausen-Sterkrade, Teutoburger Straße 156
Fon 0208. 69 02 00
Mo-Sa 18 bis 22 Uh, So geschlossen
https://parkhotel-oberhausen.de/restaurant-zur-bockmuehle/