Mittwoch, 30. September 2015
Delinale 2015 im Schauspiel Dortmund
2. Oktober 2015, 19 Uhr, Schauspiel Dortmund.
Infos hier.
Freitag, 25. September 2015
Genießers Kochkurs: Der Pott kocht I
Mittwoch, 9. September 2015
Aus dem Archiv: Ristorante Nuragus - Sardische Melancholie
Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016".
Das Restaurant gibt es nicht mehr.
Ein gehobenes italienisches Restaurant wie aus dem Bilderbuch. Elegant eingedeckte Tische mit gediegen weißen Tischtüchern. Durch die hohen Altbaufenster blickt man auf den Kaiserbrunnen, der von einer noblen bürgerlichen Vergangenheit Dortmunds kündet. Aus den Lautsprechern grunzt sanft Paolo Conte seine Canzoni, die in den populären Fassungen von Adriano Celentano u.a. zu Welthits geworden sind. Es herrscht eine heimelige, würdevolle Melancholie, die nur durch das bunte T-Shirt gebrochen wird, die Padrone Marco Oggiano heute ausnahmsweise anstelle von Schlips und Kragen trägt. Es schmerzt ein wenig, dass ich an diesem Abend der einzige Gast in dieser Stätte der konservativen Esskultur bin. Zumal ich noch den überfüllten Imbiss-Trubel in einem populären Steakhaus in Erinnerung habe, wo das Essen auch nicht preiswerter war.
Nuragus heißt eine autochthone weiße Rebsorte auf Sardinien, die nach den prähistorischen Wachtürmen auf der italienischen Mittelmeerinsel benannt ist. Als Restaurantname soll Nuragus die regionale Küchenausrichtung des Hauses andeuten. Doch wenn man Marco auf sardische Küche anspricht, freut er sich, druckst aber ein wenig herum. Von den Vorspeisen und von den Desserts kann er typische sardische Spezialitäten empfehlen, die ich selbstverständlich nehme. Bei den Hauptgängen, die eher klassische italienische Fleisch- und Fischgerichte sind, sei leider nichts dabei.
Als ich als Pasta-Gang Ciccioneddos (12,50 Euro) und zum Nachtisch die Su gioddu (6,50 Euro) vor mir stehen habe, bemerke ich, dass ich beide Gerichte in gleicher Form schon vor fünf Jahren serviert bekam, als ich das erste Mal im Nuragus war. Aber was soll‘s. Ich bin wieder total begeistert. Ciccioneddos sind sardische Gnocchi, die Marco mit einem Sugo aus Cocktailtomaten, inseltypischem Fenchel, Salsicca, einer ebenfalls mit Fenchel gewürzten Wurst, und gereiftem Pecorino anrichten lässt. Su gioddu ist eine Mousse aus Joghurt, ausdekoriert mit frischen Früchten, und eine wunderbar leichte Alternative zur ewigen Panna cotta.
Beim Hauptgericht folge ich ebenfalls Marcos Empfehlung und bestelle die Corona di agnello (26 Euro), Lammkarree mit Kräutern, in dem seine Vorstellung von Küche besonders deutlich zur Geltung käme. Das zarte Karree ist nur dezent vom Fett, dem wichtigsten Geschmacksträger, befreit und mit Kräutern und Knoblauch aromatisiert. Vielleicht hätte sich das Fleisch ein wenig leichter vom Knochen lösen können. Dazu gibt es die klassischen Beilagen wie Kartoffelgratin und geschmorte Gemüse, einfach, elegant und gut. Den sardischen Touch bringt dann der Wein, ein gereifter roter Cannonau di Sardegna Riserva (0,25-l-Glas 10 Euro), die Variante der südfranzösischen Grenache-Traube. Er stammt von Sella & Mosca, der wichtigsten Kellerei der Insel.
Bestens auf meinen bevorstehenden Italien-Urlaub eigestimmt, verlasse ich nach genussreichem, nur von Marcos charmantem Service unterbrochenem Mahl das schöne Lokal. Ich muss unwillkürlich an einen Satz aus dem Roman „Der Leopard“ denken, der das konservative Weltbild seines Helden umreißt: Manchmal muss man etwas verändern, damit alles so bleibt wie es ist.
Naja, vielleicht aber auch nicht.
-kopf
44135 Dortmund-Kaiserstraßenviertel, Goebenstraße 1
Dienstag, 8. September 2015
Aus dem Archiv: Rodizio - Wie am Spieß
Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016".
„Established 1999“ lese ich irgendwo, und das zeigt an, dass das Steakhaus Rodizio im automobilen Gewerbegebiet an der Rosemeyerstraße aus einer Zeit stammt, als die schon fast esoterischen Fleischsorten Wagyu oder US-Beef vom 800-Grad-Grill noch nicht als Gipfel der Steakqualität angesehen wurden, sondern das argentinische Rindfleisch. Sicher, auf einer Sonderkarte werden auch Steaks aus den Luxus-Sorten angeboten und kosten fast das Doppelte von den Gerichten der normalen Karte. Hauptattraktion des Ladens ist jedoch wie eh und je der namensgebende Rodizio, ein Spießbraten nach argentinischer Art, der hier als eine ganz besondere All-you-can-eat-Variante zelebriert wird. Die Serviceleute laufen mit großen Spießen durch den Saal, an denen verschiedene Fleischsorten über offenem Feuer gebraten wurden und schneiden einem davon so viel und so oft auf den Teller, wie man haben will. Auch die Beilagen werden in großen Schüsseln gebracht und direkt am Platz aufgetragen. Der ganze Spaß kostet 26 Euro pro Person, und so kann man sich hier ohne Reue einen ganzen Abend lang der Fleischeslust hingeben. Und das tun eine ganze Menge Leute. Das Rodizio scheint immer gut besucht.
Als rasender Restaurantkritiker will man aber nicht immer so viel Zeit investieren, und so suche ich unter den Steak- und Tellerpositionen auf der umfangreichen Speisekarte nach einem Gericht, an dem ich die Grillkunst der Küche überprüfen kann. Ich werde im Steak Teller fündig, bestehend aus 350 Gramm Rumpsteak, Entrecôte, Filet und Hüftsteak sowie einer Folienkartoffel (28,90 Euro). Als Vitaminbeilage ergänze ich das ganze durch einen Salatteller (5 Euro). Nun, die Folienkartoffel ist super, und der Salat schmeckt mir, weil ich ihn am Büffet selbst zusammengestellt habe und kein Koch dafür verantwortlich ist.
Das Fleisch ist klasse. Zart, saftig und dennoch mit Biss, innen von einem kräftigen medium Rosa. Allerdings gelingt es mir nicht, die verschiedenen Fleischsorten zu unterscheiden. Das Rumpsteak ist genauso zart wie das Filet, oder umgekehrt gesehen, das Filet genauso bissfest wie das Rumpsteak. Doch geschmälert wird der Genuss dadurch kaum. Mit Heinz-Ketchup und einer BBQ-Sauce schmeckt alles so, wie es schmecken muss, zumal der argentinische Merlot, der mir dazu in einem hohen Bordeaux-Glas dazu serviert wird, gar nicht übel ist.
Eigentlich bin ich schon ziemlich satt, doch als Nachtisch muss ein Banana Spezial, eine panierte Banane mit Zimt und Bourbon-Vanilleeis, einfach sein, als Reminiszenz an selige Kindheitstage. „Ein super Konzept, der Laden“, denke ich, als ich gut gesättigt und steifbeinig wie ein Gaucho auf dem großen vollbesetzten Parkplatz vorm Haus nach meinem Wagen suche.
-kopf
44139 Dortmund, Rosemeyerstraße 2-4
Fon 02 31. 1 06 37 35
Mo-So 12-22.30 Uhr
https://www.steakhouse-rodizio.com/
Aus dem Archiv: Eisenbarth Gastronomie - Eiserne Konsequenz
Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016"
Die Gastronomie gibt es nicht mehr. Seit 2018 befindet sich in dem Gebäude die Biergaststätte "Hopfen & Salz".
Es ist schon bewundernswert, wie die Familie Eisenbarth es schafft, eine traditionsreiche Ausflugsgastronomie, die in der Kaiserzeit auf dem Höhepunkt der Industrialisierung des Ruhrgebiets konzipiert wurde, als Eventgastronomie ins 21. Jahrhundert zu führen. Auch nach einem Jahrhundert beeindruckt der tadellos in Schuss gehaltene Bau am Lütgendortmunder Volksgarten. Innen herrscht gutbürgerliche Gemütlichkeit, außen lockt ein großer Außenbereich mit verschiedenen Abteilungen von einer eleganten Terrasse über einen mit klassischen Bänken ausgestatteten Biergarten bis hin zu einem Kinderspielplatz. Dass solch ein Prachtbau nur mit einem konsequenten Konzept zu betreiben ist, liegt auf der Hand. So ist die Eisenbarth Gastronomie fürs allgemeine Publikum nur freitags bis sonntags geöffnet, unter der Woche finden in den verschiedenen Räumlichkeiten Veranstaltungen und Familienfeiern statt.
Auch das Bewirtungskonzept wird konsequent durchgezogen. Gern hätte ich an einem warmen Freitagabend auf der wenig besetzten Terrasse gegessen, doch da hätte ich nur in Selbstbedienung verschiedene Flammkuchen (zwischen 6 und 7 Euro) oder die unumgängliche Currywurst (mit Eisenbarths Spezialsauce 2,50 Euro) bekommen. Also musste ich mich in den gutbesuchten holzvertäfelten Kneipenraum setzen, um mir von der gutbürgerlichen Speisekarte ein kleines Menü auszuwählen. Die Saisonkarte war der Jahreszeit gemäß vom Pfifferling geprägt. Doch ich suchte etwas Zeitloses und wurde im Klassischen Sauerbraten mit geschmelzten Thüringer Knödeln (11,60 Euro) fündig. Selbst eingelegt sei der Braten, verriet mir die Bedienung, und stamme vom Rindertafelspitz. Tatsächlich war er angenehm süßsauer und einigermaßen zart. Die Pumpernickel-Honig-Sauce hätte etwas sämiger sein können. Der Johannisbeer-Rotkohl war ziemlich grob geraspelt, was mich nicht störte, weil er trotzdem weich war. Bei Mama wäre das aber nicht durchgegangen. Dazu schmeckte ein Alsterwasser (3,30 Euro) richtig prima.
Zuvor gab es der Jahreszeit gemäß eine geeiste getrüffelte Kartoffelsuppe (3,60 Euro). Mit dem Serranoschinken-Chip als Einlage eine leckere Sache. Doch der Chip war recht groß und mit dem Löffel nicht zu zerteilen, so dass man ihn auf einen Schlapp zu sich nehmen musste und so den größten Teil der Suppe ohne diese salzbetonte Geschmackserweiterung auslöffeln musste. Der Nachtisch war dann wieder klassisch, eine große Portion Rote Grütze mit Beerenfrüchten (4,40 Euro).
Als ich das Gasthaus verließ, war es immer sommerlich warm und ich warf sehnsüchtig einen letzten Blick auf die immer noch wenig besetzten Lehnstühle der schönen Terrasse.
-kopf
44388 Dortmund-Lütgendortmund, Volksgartenstraße 61
Montag, 7. September 2015
Aus dem Archiv: Gut Kump - Kommt gut
Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2016"
Vor einiger Zeit, als Gut Kump am Westfalen Gourmetfestival teilnahm, hatte ich schon Lust bekommen, das Hotel-Restaurant im gleichnamigen Stadtteil von Hamm zu besuchen. Jetzt ist es endlich soweit. Das Herrenhaus des stattlichen Anwesens, das heute Gästezimmer beherbergt, strahlt auf den westfälischen Rasenflächen wie eine der Villen der weißen Stadt Heiligendamm an der Ostsee und ist umgeben von zahlreichen historischen Wirtschaftsgebäuden im Fachwerkstil, die heute den verschiedensten gastronomischen Zwecken dienen. Ein gediegenes Heiratsparadies. Das macht auch Lust aufs Essen.
Denn die Küche der Eventlocation setzt nicht unbedingt auf Massenkompabilität, sondern auf ein gehobenes Gourmet-Feeling. Sicher, auf der Karte finden sich auch ein Riesen-Burger mit hausgemachter BBQ-Sauce (15 Euro), der besonders von den Hotelgästen gern gegessen wird, oder ein Original Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat (21 Euro), doch die meisten Gerichte sind modern ausgerichtet mit asiatischem und mediterranem Einschlag.
Nach dem Grundsatz, dass in einem guten Restaurant alles schmeckt, was auf den Tisch kommt, bestelle ich nur Sachen, von denen ich noch nicht gehört habe. Schon der Gruß aus der Küche, der die spannende Wartezeit aufs Essen verkürzt, macht Spaß: ein dünne Scheibe Roastbeef auf Melonenstückchen, erfrischend und pikant zugleich. Und dann kommt die Vorspeise, Tonkatsu vom Hirsch, mit Algensalat, eingelegtem Kohl und Teriyakisauce (10,90 Euro). Japanischer Ingwer auch noch dabei. Bei dem eingelegten Kohl handelte es sich wohl um Kim-Chi, die koreanische Nationalspeise, aber was ist Tonkatsu? Ganz einfach, die japanische Variante des Schnitzels. Hier ist eine Tranche Hirschfleisch in Panko, dem japanischen Paniermehl, schön dunkel und knusprig gebraten und schmeckt mit den exotischen Beilagen einfach fantastisch.
Als Hauptgericht bestelle ich Cobia Lion, und die Bedienung klärt mich auf, dass es sich dabei nicht um eine exotische Löwenart, sondern um einen Fisch handelt. Als das Gericht serviert wird, entdecke ich, dass es sich schlichtweg um einen Druckfehler handelt. Es muss Loin heißen, wie man die Filets bei edlen Fischen auch nennt. Cobia ist eine Barschart aus dem indischen Ozean, die sich durch ein festes, wohlschmeckendes Fleisch auszeichnet. Die Zubereitung auf Gut Kump ist großartig. Auf den Punkt gebraten, thront das Fischfilet auf einem Graupenrisotto, ist mit Pfifferlingen und Parmesanstreifen sowie einem luxuriösen Champagnerschäumchen garniert. Ein schöner, wohlkomponierter Hauptgang, zu dem das Viertel Grauburgunder (4,40 Euro) super schmeckt.
Beim Dessert stolpere ich über das Wort Curd, mit dem garantiert nicht der deutsche Schauspieler mit Nachnamen Jürgens gemeint ist, der von Brigitte Bardot als normannischer Kleiderschrank bezeichnet wurde. Nein, ein Curd ist eine Fruchtcrème, die in diesem Fall auf Blutorangen basiert und zu einer großen Kugel Blutorangen-Semifreddo mit Cassis und Zartbitter-Schokoladen–Gelee (9,50 Euro) gereicht wird. Ein würdiger Abschluss meines kleinen Menüs.
Nach dem Essen mache ich noch einen kleinen Verdauungsspaziergang durch die weitläufige Anlage von Gut Kump und freue mich über den gelungenen Ausflug.
-kopf
59069 Hamm-Kump, Kumper Landstraße 5
0 23 85. 92 12 60
Di-Sa 17.30-21.30 Uhr. So, Mo geschlossen.
https://www.gut-kump.de/restaurant.html
Montag, 3. August 2015
Aus dem Archiv: Pasta e Gamberoni - Mein Stuhl gehört mir
Der Text erschien erstmalig in „Essen geht aus 2016“.
Dabei scheint die Bezeichnung Restaurant auf den ersten Blick etwas übertrieben, denn das Pasta e Gamberoni ist kaum größer als ein Imbiss. Als ich kurz vor drei zum Test auftauche, weil ich dachte, dass ich nach der Mittagszeit problemlos ein Plätzchen ergattern könnte, muss ich feststellen, dass dem nicht so ist. Der winzige Laden ist proppevoll, auf den Barhockern der Bistrotische und auf der Biertisch-Garnitur auf dem schmalen Bürgersteig tummeln sich die Genießer in Trauben und feiern ihre After-Mittagessen-Party. Doch zum Glück geht ein Gast, ich klettere schleunigst auf den Stuhl und bleibe für den Rest der Zeit daran kleben wie ein Politiker an seinem Parlamentssitz.
Was das Essen angeht, so kann es das Pasta e Gemberoni jedoch mit jedem italienischen Restaurant aufnehmen. Eine Speisekarte gibt es nicht, das Speisennangebot wird auf Tafeln zwischen den Weinregalen an den Wänden präsentiert. Nudel-, Fisch- und Fleischgerichte sind in Angebot, die schnell in der Pfanne gemacht sind. Was ich dann serviert bekomme, ist unprätentiöse cucina italiana at it’s best. Als Gruß aus der Küche kommen ein paar gegrillte Gemüse, Paprika Zucchini und getrocknete Tomaten, und dazu gibt’s eine große Flasche San Pellegrino (5 Euro), dieses Jahr in der Vogue-Edition „Fine Food & Style“, dazu ein Glas Lugana (0,2 l 5,50 Euro). Als sich dann sowohl ein Nudel- als auch ein Fischgericht bestelle, schaut mich die Bedienung erst etwas skeptisch an. Normalerweise isst man hier anscheinend nur ein Gericht und so hält mich wohl für einen Vielfraß.
Tatsächlich esse alles auf. Bei den Nudeln handelt es sich um wirklich hausgemachte Tortelloni mit köstlicher Schafskäsefüllung (10,50 Euro), übergossen mit wenig, dafür aber umso aromatischer Tomatensauce – einfach herrlich. Der Fischgang besteht laut Anzeigetafel aus zwei Stücken Doradenfilet und zwei Gamberoni samt Beilage (14,90 Euro). Als ich ihn auf dem Tisch habe, frage ich mich, was ich mehr bewundern soll: Die Kunst des Kochs, Fisch und Meeresfrüchte so schön zu braten, dass sie knackig und saftig bleiben, oder seine Fähigkeit, aus zwei Gamberoni fünf Hälften zu zaubern. Mir soll es nur recht sein.
Die Pannacotta zum Dessert (4,40 Euro) macht mich dann noch zufriedener, als ich es eh schon bin. Als ich dann noch einen Espresso getrunken habe, traue ich mich endlich, meinen Stuhl zu verlassen. Jetzt kann sich auch jemand anders hier hin setzen.
Pasta e Gamberoni. 45131 Essen-Rüttenscheid, Rüttenscheider Str. 172. Tel. 02 01. 2 46 38 88. Mo-Sa 12-22.30 Uhr, So 17-22.30 Uhr. https://pasta-e-gamberoni.de/ (Daten Stand 20.6.2024)
Mittwoch, 22. Juli 2015
Aus dem Archiv: Da Omero - Bilder im Kopf und Nudeln auf dem Teller
Der Text erschien erstmalig in "Essen geht aus 2016"
Manchmal muss man sich als Tester fragen, woran man die Qualität eines Restaurants messen soll: einfach an dem, was auf den Tisch kommt, oder an den Vorstellungen, die man von einem Gericht hat. Auf alle Fälle waren die Tortelloni mit Bottarga und Zitronensauce, die ich mir im Da Omero als Vorspeise bestellt hatte, für 11,90 Euro ein korrektes Pastagericht, an dem es nichts zu meckern gab - ein Teller voller Nudeln und optisch hübsch anzusehen. Und dennoch, mit den Assoziationen, die ich hatte, als ich auf der Speisekarte das Wort Bottarga entdeckte, konnte ich es nicht in Einklang bringen. Bottarga ist der getrocknete Rogen der Meeräsche, und ich hatte sofort romantische Bilder von Fischern vor Sardinien oder Sizilien im Kopf, die ihn ernten. Auf dünne Spaghetti geraspelt, die mit aromatischem Olivenöl und den in Süditalien im Überfluss wachsenden Zitronen gewürzt sind, stellte ich mir das Gericht wie ein Stück flirrender mediterraner Meeres-Poesie vor. Doch leider fand ich hier auf dem Teller gewöhnliche Nudeln aus dickem Teig mit massiver Füllung, die in einer gewöhnlichen Sahnesauce mit Zitronengeschmack schwammen, die man getrost auch über Kalbsschnitzel oder Hähnchenbrust hätte gießen können. Lediglich die orange-gelbe Bottarga, die wie Trüffel üppig über das Gericht geraspelt war, brachte den salzigen Geschmack von Fisch und Meer auf die Zunge.
Die Vorstellung einer einfachen, aber eleganten italienischen Küche fand ich dann eher im Hauptgericht realisiert, ein Triple von Loup de mer, Lachs und Dorade (19,90 Euro). Die Fischfilets waren perfekt gegrillt und mit Knoblauch gewürzt und mit Zitronensaft beträufelt ein saftiger Genuss. Dazu gab es eine typisch italienische Gemüsebeilage aus Kartoffelpüree, Zuckerschoten und Romanesco, der mit den spitzen Röschen pittoresk aussehenden Blumenkohlart.
Solche Gerichte machen das Da Omero zu einem der beliebtesten italienischen Restaurants in Essen-Werden. Will man besonders im Sommer einen Platz auf der lauschigen Terrasse ergattern, sollte man auf alle Fälle vorher anrufen. Denn die Stammgäste spielen mit den zahlreichen Stühlen unter dem schattigen Zeltdach so etwas wie die Reise nach Jerusalem, nicht ohne sich vorher mit Küsschen zu begrüßen. Diesem trubeligen Kommen und Gehen war wohl geschuldet, dass der „leicht barriquierte“ Chardonnay alle war, den ich gern zu den fetthaltigen Fischen getrunken hätte. So musste ich mit einem leichten Roero Arneis (0,2-l-Glas 7,50 Euro) vorlieb nehmen, der aber auch nicht übel war. Richtig Klasse hatte das Dessert aus dem Monatsmenü, das mir die Bedienung als Abschluss empfahl: eine Crème brulée, über die frische Sommertrüffel geraspelt waren, ergänzt durch Erdbeeren mit Mangosauce (7,50 Euro).
www.da-omero.de
45239 Essen-Werden
Porthofplatz 6
02 01. 4 55 57 02
Di-Fr 18-23 Uhr,
Sa-So 12-14.30 & 18-23 Uhr
Montag: Ruhetag


















