(Für die Jüngeren unter uns: Fringsen nannte man nach dem Krieg das illegale Handeln auf dem Schwarzmarkt, nachdem der Kölner Kardinal Frings dafür die Absolution erteilt hatte.)
Montag, 4. April 2016
Auf dem Kölner Schwarzmarkt gefringst
(Für die Jüngeren unter uns: Fringsen nannte man nach dem Krieg das illegale Handeln auf dem Schwarzmarkt, nachdem der Kölner Kardinal Frings dafür die Absolution erteilt hatte.)
Freitag, 1. April 2016
Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2016
Gourmetmeile
Kulinarische Symphonie Herne
Herne, Robert-Brauner-Platz
Infos hier
14.5. – 16.5.2016
Spargel Gourmet-Festival
Bottrop-Kirchhellen, Hof Umberg
Infos hier
15.5. - 16.6.2016
Fischmarkt an der Xantener Nordsee
Xanten
Infos hier
25.5. - 29.5.2016
Gourmetmeile
Castrop kocht über
Castrop-Rauxel, Alter Viehmarkt
Die Gourmetmeile muss vorübergehend verlegt werden.
Infos hier
26.5. - 29.5.2016
Matjesfest
Duisburg, Innenstadt
Infos hier
1.6. - 5.6.2016
Gourmetmeile
Dortmund à la carte
Dortmund, Hansaplatz
Infos hier
24.6. - 26.6.2016
Gourmetmeile
Schermbeck genießen
Schermbeck, Am Rathaus
Infos hier
13.7. - 17.7.2016
Gourmetmeile
Essen verwöhnt
Essen, Kettwiger Straße
Infos hier
21.7. – 24.7.2016
Gourmetmeile
Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, Ruhrufer
Infos hier
29.7. - 31.7.2016
Stadtparkfest
Food, Wine &; Music
Essen, Stadtgarten
Infos hier
3.8. -7.8.2016
Gourmet Vestival
Zu Gast in Recklinghausen
Recklinghausen, Rathausplatz
Infos hier
3.8. - 7.8.2016
Gourmetmeile
Rü genuss pur
Essen-Rüttenscheid, Messeparkplatz am Girardethaus
Infos hier
4.8. - 7.8.2016
Gourmetmeile
GourmeDo
Dortmund, Friedensplatz
Infos hier
5.8. - 7.8.2016
Gourmetmeile
Hamm kulinarisch
Hamm, An der Pauluskirche
Infos hier
5.8. – 7.8.2016
Gourmetmeile
Kirchhellener kulinarische Landpartie
Bottrop-Kirchhellen, Johann-Breuker-Platz
Infos hier
5.8. - 7.8.2016
Gourmetmeile
Haltern bittet zu Tisch
Haltern am See, Altstadt
Infos hier
10.8. - 14.8.2016
Gourmetmeile
Bochum kulinarisch
Bochum, Boulevard
Infos hier
11.8. - 14.8.2016
Musikalisch-kulinarische Meile
Essen-Kettwig, Altstadt
Infos hier
19. - 21. 2016
Gourmetmeile
Menden à la carte
Menden, Innenstadt
Infos hier
25.8. - 28.8.2016
Gourmet-Meile Metropole Ruhr
Essen, Zollverein
Infos hier
1.9. - 4.9.2016
Gourmetmeile
Steele à la carte
Essen, Kaiser-Otto-Platz
Infos hier
1.9. - 4.9.2016
Gourmetmeile
Kulinarischer Altstadtmarkt
Hattingen, St.-Georgs-Kirchplatz
Infos hier
28.9. - 2.10.2016
Pfefferpotthastfest
Dortmund, Hansaplatz
30.9. - 3.10.2016
Hattinger Panhas-Fest
Hattingen, Kirchplatz
Donnerstag, 31. März 2016
Oster-Rückschau: Torta Pasqualina oder Ligurische Ostertorte
Zu Ostern hat der Genießer wieder einmal eine Torta Pasqualina gemacht, eine Pastete aus Mangold, Eiern und Ricotta, wie man sie in Ligurien isst - und auf die auch Naschkatzen in aller Welt stehen. Das Rezept habe ich schon einmal dokumentiert, (hier klicken). Aber die neuen Fotos sind so schön geworden, dass ich sie den Genussbereit-Lesern nicht vorenthalten möchte und das Rezept unten noch einmal bringe.
Rezept: Ligurische Ostertorte (Torta pasqualina)
2 Packungen tiefgekühlter Blätterteig
Geriebener Parmesan
1 kg Mangold
getrockneter Majoran
Pfeffer
geriebener Muskat
400 g Ricotta
7 Eier
Blätterteig auftauen lassen und ausrollen.
Mangoldblätter waschen. Tropfnass mit einer Prise Salz weich kochen. Abtropfen lassen, Wasser ausdrücken und fein wiegen. In einer Schüssel mit der Hälfte des Parmesans vermischen, mit Majoran, Muskat und Pfeffer würzen. Ricotta und drei Eier unterheben.
Mit den Teigblättern eine eingefettete Springform auslegen, so dass sieben Lagen entstehen. Jede Lage mit etwas Olivenöl bestreichen. Genügend Teig für den Deckel übrig halten. Die Gemüsefüllung darauf geben und glattstreichen. In regelmäßigen Abständen mit einem Löffel vier Vertiefungen in die Füllung drücken. In jede Vertiefung ein Ei geben. Füllung und Eier großzügig mit Parmesan bestreuen. Die Torte mit sieben Teigblättern bedecken. Mehrfach mit einer Gabel einstechen. Mit Öl oder Ei bestreichen.
Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad eine Stunde auf der untersten Schiene backen, bis alles schön braun ist. Warm oder kalt servieren.
Beim Aufschneiden der Torte ergibt sich ein österlicher Effekt. Man findet die mittlerweile hartgekochten Eier zur Überraschung aller wieder.
Mittwoch, 30. März 2016
Karfreitag im Haus Stemberg
Im Glas: Roter Johannisbeer-Saft
Aus dem Archiv: Haus Stemberg - Drei Küchengrüße und ein Vordessert
Der Text erschien erstmals in "Ruhrgebiet geht aus 2016/2017".
Zu den Fotos des beschriebenen Menüs klick hier.
Mit viel Energie hat Walter Stemberg das traditionsreiche Gasthaus in Velbert-Neviges, das vor zwei Jahren seinen 150-jähriges Jubiläum als Familienbetrieb feiern konnte, in den letzten Jahrzehnten zu einer der bekanntesten kulinarischen Adressen Nordrhein-Westfalens gemacht. Für das Tüpfelchen auf dem I sorgte dann sein Sohn Sascha, der mit dem gleichen Temperament und noch mehr Talent wie sein Vater gesegnet ist, als er vor drei Jahren als Küchenchef den ersten Michelin-Stern für Haus Stemberg erkochte.
„Zwei Küchen von einem Herd“ lautet die Formel, die Walter einst erdachte und die von Sascha perfektioniert wurde. Die eine Küche, das sind Gourmet-Gerichte, die den Ansprüchen der Freunde des Fine-Dining genügen, die andere, das sind kulinarisch durchdachte Regional-Gerichte, die der bodenständigen Tradition des Hauses entsprechen und mit der die Stembergs nicht brechen wollen.
Also lasse ich fürs diesjährige Testessen das 7-gängige Degustationsmenü (85 Euro) links liegen – Sterneküche gibt es schließlich auf der ganzen Welt zu genießen. Vielmehr widme ich mich dem 4-gängigen Regional-Menü, das es in dieser Form nur hier geben kann. Die 49 Euro scheinen mir für ein Sterne-Restaurant geradezu sensationell. Schließlich gibt es zu den eigentlichen Gängen auch noch eine Reihe jener kleinen Sattmacher, mit denen die Sterne-Küche so gern glänzt. In diesem Fall sind es gleich zu Anfang drei hocharomatische Grüße aus der Küche, Tatar von der Fjordforelle, Bulgursalat und ein orientalisches Linsenschäumchen. Ehe mir am Schluss der Nachtisch serviert wird, gibt es erst noch ein Vordessert: ein Mangosorbert mit je einem Stückchen Apfelgelee und Litschi-Mausespeck.
Doch kommen wir zu den eigentlichen Gängen. Für den ersten ist zerzupfte Räucherforelle aus dem Spessart mit Radieschen, Pflücksalaten, Sauerteigbrot-Krumen und Waldorfvinaigrette zu einem Salat angemacht – optisch eine bunte Blumenwiese, geschmacklich nicht weniger bezaubernd. Auch der zweite Gang verheißt Frühling. Ebenfalls zerzupftes mariniertes Eisbein vom Thüringer Landschwein und allerlei Gemüse wird am Tisch mit einem Süppchen übergossen, das aus den Kräutern der grünen Frankfurter Sauce besteht.
Und dann der Hauptgang. Ob es wirklich klug ist, Sascha Stembergs vorgesehene Interpretation der Königsberger Klopse gegen einen Gang von der Tageskarte zu tauschen, weiß ich nicht. Aber das Kotelett vom Thüringer Landschwein mit geschmorten Zwiebeln, grünem Spargel und Bamberger Hörnchen ist eine Wucht. Es ist saftig, zart und kernig zugleich und hat die Größe der Handfläche von Dirk Nowitzki, und der kann schließlich einen Basketball mit einer Hand vom Boden aufheben.
Der Nachtisch schließlich ist eine Symphonie in sauer. Rhabarber, kombiniert mit Weizengras, Buchweizen und Quark veranstalten ein reines Feuerwerk auf der Zunge.
Übrigens: Bei den Getränken verzichte ich auf Alkoholisches. Stattdessen genehmige ich mir Saftreise (15 Euro), bei der vier verschiedene Säfte der Kelterei Van Nahmen in Hamminkeln die Gänge begleiten. Holunder-Apfel, Riesling, Schwarze Johannisbeere und natürlich Rhabarber können es dabei mit jedem Wein aufnehmen. Und mit Bier allemal.
-kopf
Kuhlendahler Str. 295, 42535 Velbert-Neviges
Fon 0 20 53. 56 49
Mo-Mi 18–23 Uhr, Sa, So 12-15 & 18-23 Uhr. Do, Fr geschlossen
https://haus-stemberg.de/
Dienstag, 22. März 2016
Mittagessen Mythique: Ziemlich provenzalisches Osterlamm
Genaue Mengenangaben kann ich bei diesem Gericht nicht machen. Es kommt drauf an, wieviel Leute satt werden sollen. Eigentlich ist es auch egal, man kann sowieso nichts falsch machen. Lammhaxen ergeben schöne Portionen. Man kann das Gericht auch mit einer Lammkeule machen, die muss dann aber zerteilt werden.
Gewürzt habe ich das Gericht nicht mit Salz, sondern mit Colatura, dem würzigen Saft, der beim Einsalzen von Sardellen entsteht. Man kann aber auch thailändische Fischsauce nehmen, die ähnlich ist. Dabei geht es nicht darum, dass das Gericht nach Fisch schmeckt, sondern die Colatura dient als natürlicher Geschmacksverstärker.
Rezept: Ziemlich provenzalisches Osterlamm
Pro Person mindestens 1 Lammhaxe
Italienische Colatura oder Thailändische Fischsauce
Pfeffer
mehlig kochende Kartoffeln
Kümmel, Fenchelsamen
grüne Bohnen
Bohnenkraut
Salz
Tomaten
rote Zwiebeln
Schwarze Oliven
Knoblauch
Thymian bzw. Kräuter der Provence
trockener Weißwein
Lammhaxen vom überschüssigen Fett befreien. Dabei aufpassen, dass genügend Häutchen zurückbleiben, die das Fleisch am Knochen halten. Lammhaxen gut mit Colatura und Pfeffer einreiben und eine halbe Stunde marinieren lassen.
Mehlig kochende Kartoffeln schälen, in dickere Scheiben schneiden und in Salzwasser mit Kümmel und Fenchelsamen 8 Minuten blanchieren. Sie dürfen nicht zerfallen.
Grüne Bohnen putzen und in Salzwasser mit Bohnenkraut 10 Minuten blanchieren, so dass sie noch guten Biss haben.
Tomaten in dickere, Zwiebeln in dünnere Scheiben schneiden.
Eine Auflaufform mit einer halben Knoblauchzehe ausreiben. Mit einer Lage Kartoffelscheiben auslegen. Diese mit einer Lage Tomaten und einer Lage Zwiebelscheiben belegen. Ein bis zwei (oder mehr) halbierte Knoblauchzehen und die Hälfte der grünen Bohnen darauf verteilen. Mit Pfeffer und Thymian bzw. Kräutern der Provence würzen. Das Ganze noch einmal wiederholen.
Die geschichteten Gemüse mit ein bis zwei Teelöffeln Colatura beträufeln und mit Weißwein zur Hälfte aufgießen. Ein Gitter auf die Auflaufforme legen und die Lammhaxen darauf legen. Im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad etwa eineinhalb Stunden backen, bis das Fleisch innen weich und außen knusprig ist.
Dazu schmeckt natürlich prima ein Chateauneuf du Pape. Oder besser noch The Station, eine Grenache-Syrah-Assemblage, die der Düsseldorfer Winemaker Björn Steinemann zusammen mit der englischen Winzerin Katie Jones im Languedoc aus alten Reben kreiert hat. Ein superbes Stöffchen.
Hier eine Variante des Rezepts mit Artischocken und Schwarzwurzeln. Klick hier.
Montag, 21. März 2016
Aus dem Archiv: Pegasos - „So essen die Griechen“
Da haben Georgios Drakos und seine Verwandtschaft aber kräftig in die Hände gespuckt. Anfang März 2016 starteten sie die Aktion Pegasos 2.0 und renovierten eine Woche lang das gleichnamige griechische Restaurant in der Oberhausener City nach langen Jahren von Grund auf. Mythologen mögen schmunzeln, aber dieser Pegasos entstieg der Baustellen-Hektik wie Phoenix aus der Asche. Schon früher hatte der Laden im Zeichen des geflügelten Pferdes nur wenig mit der Flokati-Folklore griechischer Restaurants zu tun, sondern mit klassischer Ruhrgebiets-Gemütlichkeit. Jetzt aber ist er mit Schiffsplanken-Laminat, dunkler halbhoher Holzvertäfelung, modernen Stühle, Polsterbänken und Weinregalen im Chic des internationalen Bistro-Designs angekommen. Und typische Bilder an der Wand, darunter der traditionelle, etwas modifizierte Pegasos, geben den Hinweis, um welche Länderküche es hier geht. Die blauen Design-Flaschen der Mineralwassermarke Morelli passen da gut ins neue Bild, aber auch das edle Bio-Olivenöl, das auf den Tischen steht.
Die Speisekarte hat sich jedoch kaum verändert, warum auch. Nach wie vor gibt es hier die Klassiker der griechischen Küche: Juwezi Spezial (Lammkoteletts und Kritharaki überbacken, 15,50 Euro) oder Souvlaki (Schweinefleisch-Spieße, 12,50 Euro) und natürlich Gyros, sogar in vier Variationen, u.a als Pfännchen-Gyros „Spezial“ mit Käse überbacken, Metaxasauce, Reis und Pommes und Salat oder mit Sahnesauce und Champignons (je 14,50 Euro). Aber auch dem neueren Trend in der griechischen Gastronomie, die griechischen Vorspeisen nach dem spanischen Tapas-Vorbild in kleinen Portionen zu servieren, die sich der Gast selbst zusammenstellen kann, wird gefolgt.
Das Testessen verursacht das gleiche Wohlgefühl wie beim letzten Besuch, allerdings greife ich diesmal auf die Angebote der Tageskarte zurück. Als Vorspeise nehme ich die gebratenen Sardeles (Sardellen) in Tomatensauce (6,50 Euro), die nachgesalzen und mit Zitronensaft beträufelt zum Gratis-Empfangs-Ouzo prächtig munden. Der Hauptgang: lecker. Die geschmorte Lammhaxe (16,50 Euro) würde zart und löffelweich vom Knochen fallen, wenn sie nicht vorher schon entbeint worden wäre. Dazu die großen weißen Bohnen in Tomatensauce, die es mit Käse überbacken auch als Vorspeise gibt (4,50 Euro), ein Schlag Tzaziki und ein Bauernsalat machen gemeinsam mit einem Glas Syrah aus Kreta (4,50 Euro) dem Namen des Gerichts „So essen die Griechen“ alle Ehre. Da bleibt kaum noch Platz für den Nachtisch, eine Kugel Eis mit Karamell-Sauce (4,50 Euro).
46045 Oberhausen, Paul-Reusch-Str. 22
Fon 02 08. 6 20 05 88
Di-Sa 17-23, So 12-14.30 & 17-22 Uhr. Mo geschlossen
https://pegasos-oberhausen.de/
Sonntag, 20. März 2016
Neu in Essen/Mülheim: Bauernstube auf dem Buchholz-Hof
Update 2023: André Becker kocht seit August 2023 im Golfclub Haus Oefte in Essen-Kettwig. Klick hier.
Faktisch liegt die Adresse Am Buchholzhof 12 in Mülheim, gefühlt an der Meisenburgstraße in Essen. Die lange Verbindungsachse zwischen den Essener Stadtteilen Bredeney und Kettwig ist für zweihundert Meter die Grenze zwischen den beiden Ruhrgebietsstädten und führt durch ein agrarisches Zauberland mit Spargel- und Erdbeerfeldern, Straußenfarm und Schafszucht. Von der Straße aus lockt die große Kaufhalle des Buchholz-Hof zum bäuerlichen Einkauf, fährt man ein paar Schritte durch die Einfahrt weiter, so kommt man zum eigentlichen Gehöft mit den Ausmaßen eines kleinen Dorfes. Hier befindet sich u.a. eine große Reithalle, und zu der gehört seit neustem eine schmucke Restauration, die Bauernstube.
Leser dieses Blogs erinnern sich noch an André Becker, den Küchenchef des extravaganten Steakhauses Victor’s auf der Viktoriastraße in Bochum, das nach kurzer Zeit aber dank der ebenso extravaganten Geschäftsführung der Betreiber ein unrühmliches Ende nahm. Das lag allerdings in keinster Weise an der Arbeit von André Becker. Jetzt hat sich der leidenschaftliche Koch, der sein Handwerk in Spitzenadressen wie Brogsitters an der Ahr oder Traube Tonbach in Baiersbronn gelernt und verfeinert und dann im Essener Bistecca das Steak-Braten perfektioniert hat, mit seinem Partner Alexander Röder selbständig gemacht, und zwar in ganz anderen gastronomischen Gefilden.
Die Bauernstube ist volkstümlich im besten Sinne des Wortes. Hier gibt es gutbürgerliche Hausmannskost fast zu Kantinenpreisen, die den Reitern und den Ausflüglern, die auf den Rad- und Wanderwegen vorbeikommen schmeckt und das Portemonnaie nicht belastet. Neben einer knapp gehaltenen Karte, auf der z.B. neben dem Wiener Schnitzel aus Kalbfleisch auch ein preiswertes Schnitzel Wiener Art aus Schweinefleisch stehen, gibt es zwei täglich wechselnde Menüs für 13,50 für zwei Gänge und 17,50 Euro für drei Gänge, jeweils ein Glas Wein inklusive. Und alles ist selbstverständlich hausgemacht und frisch gekocht, mit Gemüse, Kartoffeln, Salaten und Eiern vom Buchholz-Hof. Und das schmeckt man: Die Linsensuppe, die der Genießer probieren durfte, war deftig, der Kartoffelsalat und die Remouladensauce zum Fisch angenehm mild, die Rote Grütze mit Vanillesauce fruchtig. Spezialität des Hauses ist die Blutwurst auf Endivie.
Und immer wieder gibt es Sonderaktionen. Zu Weihnachten, als die Bauernstube noch gar nicht geöffnet war, gab es ein Gänsemenü für zuhause, dass die Kunden nur noch im Backofen erhitzen mussten. Wenn jetzt die Spargelsaison eröffnet, ist ein Stand am Buchholz-Hofladen geplant, wo das königliche Gemüse à la minute zubereitet wird. Und für den Osterbrunch für 25,90 Euro sind noch Plätze frei.
Frühlingsmenü in der Bauernstube klick hier
Küche Bauernstube, Am Buchholz 12, (Buchholz-Hof), 45470 Mülheim an der Ruhr, https://kuche.website/
Donnerstag, 17. März 2016
Aus dem Archiv: Villa Patrizia - Italienische Grandezza
Dass ich in Duisburg ausgerechnet die Villa Patrizia an einem Dienstagabend ausgebucht vorfinden würde, hätte ich so nicht vermutet, schließlich gehört das Haus bestimmt nicht in Kategorie der eher volkstümlichen Italiener. Soweit ich mich erinnern kann, war die feine Villa unweit des Duisburger Zoos schon immer Treffpunkt der Freunde der gehobenen italienischen Küche. Seit etwa fünf Jahren wird sie nun von Patrizia und Nico Bodean betrieben, und die beiden haben sie geschickt unter die großen Fünf der Duisburger Gastronomie positioniert und u.a. mit den Restaurants Akazienhof, Im Eichwäldchen, Inside und Schumachers das Duisburger Kochquintett gegründet.
So ist das Haus nicht nur abends ein beliebter Treffpunkt für Geschäftsleute und Feinschmecker, auch mittags lockt es mit einem hochwertigen dreigängigen Businesslunch für 39,90 Euro. Mit dandyhafter Eleganz und viel Charme empfiehlt Nico darüber hinaus die tagesfrischen Spezialitäten seines Küchenchefs Mimo Trichi, und der Blick auf die Speisekarte zeigt, dass an luxuriösen Zutaten wie Languste, Hummer, Trüffel oder Chianina-Rind nicht gespart wird.
Ich wähle schließlich das viergängige Monatsmenü für 46,90 Euro, das einen repräsentativen Querschnitt durch alle Abteilungen der Speisekarte bietet. Bei einem Glas sizilianischen Weißwein der Rebsorte Grillo (0,2-l-Glas 7,50 Euro) und dem im Ruhrgebiet eher seltenen Mineralwasser Morelli (0,75-l-Flasche 7,90 Euro) in einer tiefblauen Karaffen-Flasche erlebe ich eine aromenstarke, exklusive italienische Mahlzeit.
Zum Brot zuvor gibt es eine an Vitello Tonnato erinnernde Thunfischcrème, als Gruß aus der Küche gibt es ein Mokka-Gläschen Linsensuppe auf Hummer-Basis mit einer knusprigen Edelfisch-Krokette. Die Linsensuppe gibt es übrigens auch als normale Vorspeisenportion für 13,50 Euro.
Der erste Gang ist der Hammer. Das Carpaccio, hauchdünn aus dem Filet des riesigen toskanischen Chianina-Rindes geschnitten, wird auf einer sanften Pommerysenfsauce serviert, und dass dies lauwarm geschieht, hebt die Aroma des Fleisches um einiges. Man kann sogar die Parmesansplitter, die dezent übers Fleisch gehobelt sind, geradezu einzeln herausschmecken.
Der Pastagang, eine mit Trüffel aromatisierte Lasagne, deren Hackfleischanteile ebenfalls vom Chianinarind stammen, sorgt für eine sanfte Sättigung, die vom Zwischengang, einer Himbeere auf altem Balsamico, schmackhaft konterkariert wird.
Zum Hauptgang habe ich statt sizilianischem Kaninchen bretonischen Steinbeißer gewählt, der mit einer Kartoffelkruste auf den Punkt gebraten ist. Er liegt auf einem herben Lauch-Mangold-Bett, das von süßen geschmolzenen Tomaten samt Sauce und Kartoffelpüree ergänzt wird. Zum Dessert gibt es dann noch ein Duett aus Amarettini-Parfait und Espresso Panna Cotta.
Das Menü schmeckt ausgezeichnet und ist niemals langweilig, nicht zuletzt wegen des Blicks durch die Fensterscheiben des Wintergarten-Anbaus in den Vorhof der Villa Patrizia. Die Terrasse wird witterungsbedingt noch nicht genutzt, doch die bemoosten Rundungen der Terracotta-Nymphen und die Einparkkünste der Gäste sind von italienischer Grandezza.
Mülheimer Str. 213, 47058 Duisburg
Fon 0203. 33 04 80
Mo-Fr 12-14.30 Uhr, 18-23 Uhr, Sa 18-23 Uhr. So geschlossen.
https://www.villa-patrizia.de/
Aus dem Archiv: Pina und Enzo im Martins - Trubel im Fachwerkhaus
Das Restaurant gibt es nicht mehr. Heute befindet sich wieder das Resuarant "Martins" unter dieser Adresse.
Auf dem schmucken Marktplatz im Herzen der Castroper Altstadt findet im Sommer in der Regel die Gourmetmeile „Castrop kocht über“ statt, doch in diesem Jahr muss die Veranstaltung auf den Viehmarkt ausweichen. Der Grund: umfangreiche und langwierige Baumaßnahmen. Den Gästen von Pina und Enzo bereitet die Baustelle trotz der Adresse „Am Markt“ keine Unannehmlichkeiten, denn um das historische Fachwerkhaus von 1816 zu erreichen, muss man einige Schritte in die Fußgängerzone Richtung Lambertuskirche machen.
2017 können Pina und Enzo hier ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. Richtig schön trubelig geht es auf den beiden Ebenen ihres Ganz-Tages-Restaurants zu. Ganz Castrop trifft sich hier: morgens zum Frühstück, anschließend zum umfangreichen und liebevollen Mittagstisch, der bis 17 Uhr ausgegeben wird, nachmittags zu Kuchen und Torten, die einem aus einer beleuchteten Vitrine entgegen lachen. Und durchgehend bis in den späten Abend hinein zu italienischer Küche, kulinarischen Aktionen wie dem Menue-Karussell oder Familienfeiern im angebauten Wintergarten.
Die umfangreiche Karte bietet alles, was man von einem italienischen Restaurant verlangen kann: Pizza und Pasta, Suppen, Salate, Fleisch- und Fischgerichte, darunter Angebote für Kinder und Vegetarier. Besonders hübsch sind die Spaghetti al cartoccio (12,50 Euro). Bei diesem Gericht werden die Nudeln mit allerlei Fisch, Meeresfrüchten und Tomaten in Alufolie gegart, der - erst am Tisch aufgerissen - ein wunderbarer Duft entströmt.
Überrascht bin ich, wie wohltemperiert der offene sizilianische Weißweincuvée aus Chardonnay und Grillo ist, der die mir beim Testbesuch empfohlen wird. Er passt prima zum Essen. Als Vorspeise bekomme ich eine sizilianische Lasagne aus Auberginen und Zucchini ohne Nudeln (8,90 Euro). Warum auf der Speisekarte die Warnung „leicht pikant“ steht, weiß ich nicht. Die überbackenen Gemüse sind eher unkompliziert süßlich.
Tadellos ist das Saltimbocca alla Romana (17,50 Euro) zum Hauptgang, zwei zarte Kalbsschnitzel, die mit knusprig gebratenem Parmaschinken und ebensolchen Salbeiblättern belegt sind und in einer wirklich pikanten Weißweinsauce schwimmen. Dazu gibt es gemischtes Gemüse und angeröstete Drillinge in der Schale
































