Freitag, 5. August 2011

Fulminanter Start: Gourmetmeile „Rü Genuss pur“ in Essen-Rüttenscheid




War der Genießer vom Andrang zur Eröffnung der Gourmetmeile in Recklinghausen schon überwältigt, belehrte ihn der Start von „Rü Genuss pur“ eines Besseren. Innerhalb einer halben Stunde stürmten gestern die Rüttenscheider ihre erste lokale Meile. Leider kam der Genießer zu spät, um den offiziellen Eröffnungsakt fotografisch zu dokumentieren. Das mag nicht so tragisch sein, doch sein etwas spätes Eintreffen hatte zur Folge, dass er sich in die langen Stände einreihen und auf sein Essen warten musste.

Nostalgische Klänge bei "Rü Genuss pur"

Mit seinem teilnehmenden Gastronomen erweist sich „Rü Genuss pur“ durchaus als Alternativveranstaltung zu „Essen verwöhnt“ in der City. So ist Werner Rzepucha mit seinem Gebrandenhof dabei, der vor Jahren „Essen verwöhnt“ mitbegründet hatte, dann aber ausschied, oder auch die Brüder Capobianco mit ihrem gleichnamigen Ristorante, die im letzten Jahr versuchten, mit dem „Giro d’Italia“ eine rein italienische Meile in der Essener Innenstadt zu etablieren.

Elegantes Zeltlager auf dem Messeparkplatz

Trotz des Andrangs musste „Rü Genuss pur“ ein wenig gegen den Willen der Rüttenscheider durchgesetzt werden, wie Bezirksbürgermeister Michael Th. Roy dem Genießer gegenüber äußerte. Dabei liegt der Veranstaltungsort durchaus abgelegen von den Anwohnern. Mit den weißen Pagodenzelten haben die Veranstalter den staubigen Messeparkplatz unterhalb des Girardetgebäudes in ein attraktives Event-Gelände verwandelt, doch die ehemalige Großdruckerei bietet nicht attraktive Kulisse fürs große Schlemmen, wie man sie etwa in Hattingen, Recklinghausen oder auch Essen-Kettwig findet. Zudem sind die Besucherströme den Wetter-Elementen ziemlich ausgeliefert. Zur Eröffnung knallte die Sonne heftig auf die Besucherströme nieder, die später von einem kräftigen Regenschauer übergossen wurden – aber da war der Genießer schon wieder weg.

Wie üblich, testete der Genießer ein kleines Viergang-Menü, dass er sich willkürlich aus dem Angebot von verschiedenen Teilnehmern zusammengestellte. (Eine komplette Übersicht finden Sie hier.) Das Nord-Süd-Gefälle in Sachen Portionsgrößen auf Ruhrgebiets-Gourmetmeilen wurde wieder sinnfällig. Die Tellerpräsentationen waren optisch witzig und gekonnt, die Portionsgröße appetitanregend reduziert. So bestand die „Lackierte Entenbrust Tandoori Style“ (8 Euro) im Gegensatz zu „Scherrers Ente“ in Bottrop und Recklinghausen aus drei rosa gebratenen Tranchen, die einen nicht erschlugen, sondern das Wasser im Mund zusammen laufen ließen.

Hier das Menü des Genießers:


Bliss: Bruschetta mit Käse-Kapern-Crème und Chorizo (4 Euro). Einfach köstlich zum Grünen Veltliner – vielleicht hätte das Baguette angeröstet sein können.


Gebrandenhof: Holunder Risotto mit gebratener Meerbarbe und grüner Sauce (6,50 Euro). Der Risotto war ein Gedicht, die dunkle Farbe und das feine Aroma kamen von einem Schuss Holundersaft. Passte hervorragend zur Sauce. Die Meerbarbe war saftig, aber etwas sehr salzig.

La Turka: Lammkarree vom Milchlamm, orientalisch gewürzt mit Pistazienkruste auf Dattel-Balsam-Essenz, Zucchini-Gemüse und Rosmarin-Kartoffel (8 Euro). Eigentlich war alles lecker - nur war das Fleisch zu durchgebraten, zu trocken, zu faserig, zu zäh. Der Genießer vermutete, es wurde zu lange warm gehalten. Das wurde auch vom roten Pamukkale nicht mehr saftig. Und: Haben die kleinen Milchlämmer wirklich schon so lange dekorative Rippenknochen?

Jägerhof: Marillenknödel mit süßen Raspeln auf einem Marillenspiegel (2,50 Euro). Süßes Dessert, das für kleines Geld noch einmal richtig satt machte. Ein Gaumenschmeichler, doch der dicke, leicht zähe Knödelteig erinnerte den Genießer an seinen Onkel im österreichischen Kärnten, der ihm einst weismachen wollte, dass die Ritter von Burg Hochosterwitz mit sowas aus ihren Kanonen schössen.

Atlantic Congress Hotel: Kabeljau in der „Tüte Rü“ mit Rosmarinkartoffeln und Wiesenkräutersalat und feinstem Olivenöl (8 Euro): Nur fotografiert, nicht probiert.

„Rü Genuss pur“ geht noch bis Sonntag, 7.8.2011. Infos hier.


Abseits der Anwohner, aber mittendrin: Standort Rüttenscheid

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