Dienstag, 6. Juli 2010

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil V



Heinrich Wächter: „Das Ruhrgebiets-Kochbuch – Essen mit Tradition“. 2010. Helmut Lingen Verlag, Köln. 78 Seiten. 5,95 Euro. ISBN 978-3-941118-42-3

Heinrich Wächter hat sich schon um die Ruhrgebietsküche verdient gemacht, als sie noch nicht „neu“ und „trendy“ war. Vom Verein pro Ruhrgebiet wurde er dafür zum „Bürger des Ruhrgebiets“ ernannt, für sein soziales Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Das Gelsenkirchener Urgestein ist kulinarischer Botschafter nicht nur seiner Stadt, sondern der ganzen Region. Als Berufsschullehrer sorgt er für die Ausbildung des Koch-Nachwuchses, sein eigenes Profil als Koch schärft das FC-Ruhrgebiet- und Eurotoques-Mitglied durch zahlreiche Medienauftritte.

Im Kulturhauptstadtjahr bringt Heinrich Wächter nun ein schönes „Ruhrgebiets-Kochbuch“ heraus. Im Vorwort charakterisiert er die Ruhrgebietsküche treffend. Sie sei „geprägt von den vielen Zuwanderern“, sozusagen ein „Kraut der Kulturen“, schreibt er. Das Ruhrgebiet nennt er „Eintopfland“, die von den Kumpels selbst bearbeiteten Gärten und Äcker eine wichtige Quelle für die Zutaten. Manch interessantes Detail erfährt der Leser, z.B. dass Stielmus mit Napoleon aus Frankreich ins Ruhrgebiet kam.

Über vierzig vereint das Buch, Klassiker wie „Roten Heringssalat“, „Falsches Kotelett“ (d.i. panierter Schweinebauch) oder „Kuschelmusch“ (ein Auflauf aus übrig gebliebenem Fisch). Und natürlich Eintöpfe und anderes Durcheinander: Steckrüben, Schlodderkappes, Stielmus oder Grünkohl. Auch vor der Moderne macht Heinrich Wächter nicht halt. So gibt es natürlich ein Rezept für die obligatorische Currywurst und für Fischstäbchen.

„Essen mit Tradition“ heißt das Buch im Untertitel, und so haben die meisten Gerichte ihre Basis im Westfälischen und im Rheinischen. Auch polnisch-schlesisch-ostpreußische Ursprünge lassen sich ausmachen. Die mediterranen Einflüsse, die mit den italienischen und türkischen Gastarbeitern ins Ruhrgebiet kamen, werden zwar im Vorwort erwähnt, finden bei der Rezeptauswahl aber kaum einen Niederschlag. Stattdessen wird man mit Alltäglichkeiten der Vergangenheit konfrontiert, die heute wie exotische Delikatessen wirken.

So ist Heinrich Wächters „Ruhrgebiets-Kochbuch“ ein Erinnerungsbuch, bei dessen Lektüre einem förmlich das Wasser im Munde zusammenläuft. Wer Appetit auf die kulinarische Basis dieser Industrieregion hat, dem wird hier eine wunderbare Mahlzeit serviert.

1 Kommentar:

  1. Hier nochmal ganz offiziel: Lieber Geniesser, ganz herzliche Glückwünsche zum Bloggeburtstag!

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