Sonntag, 5. August 2012

Aus dem Archiv: L’Opera - Dolce Vita etwas sauer

Der Artikel erschien erstmalig in "Essen geht aus 2013".
Das Restaurant ist geschlossen.

Sanft weht der Wind über dem Hirschlandplatz. An den Tischen des L’Opera, die gemeinsam mit denen des Il Mulino und des Vapiano auf dem von einigen Architektur-Juwelen eingerahmten grünen Refugium hinter dem Grillo-Theater eine der elegantesten Außengastronomie-Landschaften der Essener Innenstadt bilden, haben sich jene Freunde der italienischen Küche niedergelassen, die auch später am Nachmittag die große Oper auf dem Teller genießen wollen. Was für ein wunderbarer Service für Leute, die ohne Zeitdruck essen wollen: L’Opera hat ab 12 Uhr durchgehend geöffnet.

Das ausnahmsweise einmal schöne Sommerwetter hatte auch mich davon abgehalten, im mit allerlei Barockzitaten ausgestatteten Salon von Eugenio Laurias edlem Ristorante Platz nehmen, sondern ich ließ mich draußen nieder. Richtig elegant hätte ich es gefunden, wenn auch hier die Tische mit geplättetem Leinen, blitzenden Gläsern und schwerem Besteck eingedeckt gewesen wären, aber diese Mühe war wohl von der unbeständigen Wetterlage vereitelt worden.

Dafür wurde ich mit dem Schauspiel belohnt, wie der Kellner der Dame am Nebentisch einen komplett an der Gräte gebratenen Fisch filetierte, der so knusprig braun einfach köstlich aussah. Als ich später nachfragte, was das gewesen sei, konnte der Kellner eine gewisse Schadenfreude nicht verhehlen. „Das war unser letzter Steinbutt, den ich Ihnen auch empfohlen hatte und den Sie nicht haben wollten“, schmunzelte er charmant.

In der Tat hatte ich mich anders entschieden, nämlich für eine Vorspeise von der Tageskarte, die eine hübsche Auswahl hausgemachter frischer Pasta- und vor allem Fischgerichte bereit hielt, und einem Fleischgericht von der Standardkarte. Pizza sucht man hier vergebens, dafür ist man nebenan besser aufgehoben. Für den Ruf, den L’Opera als Edelitaliener hat, speist man hier durchaus zu moderaten Preisen.

Das Carpaccio von Lachs & Lotte (12,50 Euro), das ich mir als Vorspeise genehmigte, war von ähnlich sommerlicher Farbenpracht wie der Designer-Teller, auf dem es serviert wird. Hauchdünn geschnittene dunkelrote Lachs- und zartrosa Lotte-Tranchen kontrastierten mit dem tiefblauen Porzellanmuster, dazu kam noch das Grün von großzügig eingesetzten Kräutern – ein Genuss schon fürs Auge. Der Fisch war ganz leicht mit bestem Olivenöl und Zitrone mariniert, etwas Salz und Pfeffer dazu – einfach herrlich.

Auch die Hauptspeise, „Battuta di Manzo“ (17,50 Euro), war dünn geschnitten – und dazu war das argentinische Rumpsteak noch auf die doppelte Größe geklopft. Das hervorragende Fleisch war mit Könnerschaft durch die Pfanne gezogen worden, außen knusprig braun, innen – was das bei drei bis vier Millimeter auch heißen mag – rosa. Es wurde auf traditionelle Art mit Rucola uns Parmesanspänen serviert, zusätzlich gab es noch die übliche italienische Gemüsebeilage aus Karotten, Broccoli und Kartoffelgratin auf einem Extrateller.

Ein wenig problematisch war die Nachspeise, das gemischte Dessert „L‘Opera“ mit Tiramisu, Karamellcreme und Mousse au chocolat (8,90 Euro) und Sahne. Die Mousse au chocolat war sauer, doch als ich darauf hinwies, wurde sie anstandslos zurück genommen. Man bestätigte mein Urteil und spendierte mir selbstverständlich einen Grappa.
-kopf

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