Der Artikel erschien erstmalig in "Essen geht aus 2013".
Das Restaurant steht seit 2017 unter neuer Leitung von Sergiy Sirik.
Das große, 600 Jahre alte Fachwerkhaus ist schon ein stattliches Anwesen, so wie es sich zwischen den schmucken Eigenheimen im idyllischen Mülheimer Rumbachtal präsentiert. Die hübsche, wintergartenähnlich überdachte Terrasse und der geräumige Gastraum sind von einer in die Jahre gekommenen Butzenscheiben-Gemütlichkeit, die die Gäste zu schätzen wissen. Seit über dreißig Jahren führt Vito Piepoli das Haus, in dem er zuvor schon 16 Jahre als Oberkellner gearbeitet und seine Frau Anne kennen gelernt hatte. So sind es meist ältere Herrschaften, die beim Testbesuch zahlreich die Tische besetzen, manchmal begleitet von ihren Kindern oder Enkeln, sei es, um ein familiäres Ereignis zu feiern oder einfach als Support für die Wege im ungewohnten Terrain.
Fein gemacht haben sich die Gäste allemal, denn im Walkmühlen-Restaurant wird eine stilvolle Gastronomie gepflegt. Die Tische sind nach allen Regeln der Kunst eingedeckt, beim Dessertbesteck liegt sogar der flache Gourmetlöffel, den man heute fast nur noch in Sternehäusern findet. Drei livrierte Kellner umschwirren diskret die Gäste und fahren einen betagten Servierwagen heran, um den Tageseinkauf an Edelfisch zu präsentieren, der unter Klarsichtfolie frisch gehalten wird.
Wo bekommt man bei solchem Service schon ein monatlich wechselndes, viergängiges Menü zzgl. Amuse Bouche und Champagner-Sorbet für 35 Euro? Doch die kundenfreundliche Kalkulation macht sich durchaus auf den Tellern bemerkbar. Allzu großer Aufwand an Phantasie und Handwerkskunst scheint in der Küche nicht betrieben zu werden, anscheinend möchte man mit den deutsch-italienischen Gerichten die eingefahrenen Essgewohnheiten der Kundschaft nicht zu sehr herausfordern.
So waren beim getesteten Juli-Menü die frittierten Fischkügelchen des Amuse Bouche ganz einfach mit ein paar Tropfen süß-saurer Chilisauce wie im Chinarestaurant verfeinert. Bei der ersten, italienisch inspirierten Vorspeisenplatte waren Salami, die schinkenähnliche Schweinenackenzubereitung Coppa sowie Rindfleisch und Parmesan für ein Carpaccio fein aufgeschnitten, doch das fordert die Kochkunst nur wenig heraus. Richtig klasse war dann die zweite, rheinische Vorspeise: Reibekuchen mit Pfifferlingen. Bei beidem merkte man, dass es tatsächlich frisch aus der Pfanne kam. Mit Grandezza wurde dann ein Erdbeer-Champagner-Sorbet serviert – ein Service wie in der gehobenen Gastronomie, um die von den Vorspeisen aufgewühlten Geschmacksnerven für den Hauptgang zu beruhigen. Leider gab es nicht viel zu beruhigen.
Als Hauptgang hatte ich mir das „Edelfischfilet auf Lachskaviarsauce, Schnittlauchreis und Feldsalat“ ausgesucht, eigentlich eine gute Wahl, doch kam das Gericht auf dem Teller so lieblos herüber wie ein freitägliches Kantinenessen. Dabei hätte die Sauce es durchaus verdient, mit etwas mehr Pep aufgetragen zu werden. Als Dessert gab es noch einmal ein erfrischendes Eis, ein Limoncello-Soufflée auf einem Kirschspiegel.
Nun ja.
-kopf
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