Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2013".
Das kommt davon, wenn man am ersten Schultag nach den großen Ferien bei Overkamp Mittagessen geht. Das große Dortmunder Traditionslokal auf dem Höchsten wird samt Biergartenlandschaft und dazugehörigem Spielplatz an diesem strahlenden Sommertag von einer unschuldigen Invasion der I-Männchen heimgesucht, dass auch der größte Zyniker den Glauben an die Jugend von heute wiederfinden mag. Als hätte sich das bürgerliche Familienidyll sein hundert Jahren nicht geändert, zücken stolze Mamis, Papis, Omas und Opas ihre Handys und Videokameras, um für die Ewigkeit zu dokumentieren, wie der frisch eingeschulte Nachwuchs die Schultüten plündert. Im Haus ist ein schienbeinhohes Büffet für Kinder aufgebaut, wo sich die Knirpse Minipizzas, Nudeln, Kuchen und Pudding abholen können. Und neben dem Gewürmel der Schulanfänger sind noch genug normale Gäste in Vereinsstärke anwesend, um die sprichwörtliche Gastlichkeit bei Overkamp zu genießen. Overkamp ist einer der zentralen Gastro-Treffpunkte in Dortmund schlechthin.
In all der Hektik ist es fast ein Akt der Kontemplation, als mir Kellnerin Lina eine „Forelle Müllerin“ (16,95 Euro) am Tisch filetiert. Als Erstes puhlt sie die besonders schmackhaften, kaum erbsengroßen Bäckchen aus dem Kopf, den sie anschließend samt Schwanz vom Körper trennt. Dann schält sie die knusprige, mit Kräutern aromatisierte Haut ab, hebt das zarte Fleisch von der Gräte, die sie entfernt, und baut Haut und Fischfleisch auf dem Teller wieder zusammen, damit dem unkomplizierten Fischgenuss nichts mehr im Wege steht. Eine halbe Zitrone ist elegant in ein gelbes Gaze-Säckchen verpackt, damit der Saft beim Beträufeln der Forelle nicht herumspritzt.
Es ist ein tadelloses Gericht von klassischer Einfachheit. Zur Forelle gibt es kleine, kugelrund tournierte Petersilienkartoffeln, zerlassene Butter und ein Schüsselchen Eisbergsalat, der mit einer schön süßen Joghurt-Sauce wie bei Mama angemacht ist und herrlich zwischen den Zähnen kracht. Der mineralische Pfälzer Sauvignon blanc von Bassermann-Jordan (0,2l 7,20 Euro, 0,75l 26,50 Euro) von der besonders gut mit deutschen Weinen bestückten Weinkarte ist dazu ein herbes Gegenstück.
Der Fisch stammt aus Wickede vom Fischhof Baumöller. Immer wieder tauchen auf der Speisekarte von Overkamp Produkte regionaler Anbieter auf, etwa Geflügel und Käse aus Fröndenberg oder Senf aus Schwerte. Damit drückt Günter Overkamp-Klein seine Verbundenheit mit der Region aus, genauso wie mit der seiner modernisierten westfälischen Küche. Klassiker wie „Stielmus und Tafelspitz“ (9,50 Euro), mit dem er auch alljährlich auf der Gourmetmeile „Dortmund à la carte“ überzeugt, findet man auf der Saisonkarte, genauso wie den „Westfälischen Burger Reibekuchen“ mit gebratener Blutwurst, Apfelscheiben und Rübenkraut (7,50 Euro). Doch bei allen westfälischen Wurzeln ist das meiste verfeinert und runderneuert, und es wird auch über den Tellerrand in die mediterrane und asiatische Küche geschaut. Auf der „Vital-Karte“ steht die Gesundheit im Vordergrund, hier finden auch Vegetarier eine schöne Auswahl an Gerichten. Elegant geht’s in der Abteilung „2 fOr Dine“ zu. Da gibt es ausgesuchte Fisch- und Fleischzubereitungen wie „Doppeltes irisches Zwischenstück“ oder „Lachs im Blätterteig“ für zwei Personen, zu denen man die Beilagen aussuchen kann (44 Euro), aber auch Hummer (88 Euro) in drei Variationen steht auf dem Programm.
Das kommt davon, wenn man am ersten Schultag nach den großen Ferien bei Overkamp Mittagessen geht. Das große Dortmunder Traditionslokal auf dem Höchsten wird samt Biergartenlandschaft und dazugehörigem Spielplatz an diesem strahlenden Sommertag von einer unschuldigen Invasion der I-Männchen heimgesucht, dass auch der größte Zyniker den Glauben an die Jugend von heute wiederfinden mag. Als hätte sich das bürgerliche Familienidyll sein hundert Jahren nicht geändert, zücken stolze Mamis, Papis, Omas und Opas ihre Handys und Videokameras, um für die Ewigkeit zu dokumentieren, wie der frisch eingeschulte Nachwuchs die Schultüten plündert. Im Haus ist ein schienbeinhohes Büffet für Kinder aufgebaut, wo sich die Knirpse Minipizzas, Nudeln, Kuchen und Pudding abholen können. Und neben dem Gewürmel der Schulanfänger sind noch genug normale Gäste in Vereinsstärke anwesend, um die sprichwörtliche Gastlichkeit bei Overkamp zu genießen. Overkamp ist einer der zentralen Gastro-Treffpunkte in Dortmund schlechthin.
In all der Hektik ist es fast ein Akt der Kontemplation, als mir Kellnerin Lina eine „Forelle Müllerin“ (16,95 Euro) am Tisch filetiert. Als Erstes puhlt sie die besonders schmackhaften, kaum erbsengroßen Bäckchen aus dem Kopf, den sie anschließend samt Schwanz vom Körper trennt. Dann schält sie die knusprige, mit Kräutern aromatisierte Haut ab, hebt das zarte Fleisch von der Gräte, die sie entfernt, und baut Haut und Fischfleisch auf dem Teller wieder zusammen, damit dem unkomplizierten Fischgenuss nichts mehr im Wege steht. Eine halbe Zitrone ist elegant in ein gelbes Gaze-Säckchen verpackt, damit der Saft beim Beträufeln der Forelle nicht herumspritzt.
Es ist ein tadelloses Gericht von klassischer Einfachheit. Zur Forelle gibt es kleine, kugelrund tournierte Petersilienkartoffeln, zerlassene Butter und ein Schüsselchen Eisbergsalat, der mit einer schön süßen Joghurt-Sauce wie bei Mama angemacht ist und herrlich zwischen den Zähnen kracht. Der mineralische Pfälzer Sauvignon blanc von Bassermann-Jordan (0,2l 7,20 Euro, 0,75l 26,50 Euro) von der besonders gut mit deutschen Weinen bestückten Weinkarte ist dazu ein herbes Gegenstück.
Der Fisch stammt aus Wickede vom Fischhof Baumöller. Immer wieder tauchen auf der Speisekarte von Overkamp Produkte regionaler Anbieter auf, etwa Geflügel und Käse aus Fröndenberg oder Senf aus Schwerte. Damit drückt Günter Overkamp-Klein seine Verbundenheit mit der Region aus, genauso wie mit der seiner modernisierten westfälischen Küche. Klassiker wie „Stielmus und Tafelspitz“ (9,50 Euro), mit dem er auch alljährlich auf der Gourmetmeile „Dortmund à la carte“ überzeugt, findet man auf der Saisonkarte, genauso wie den „Westfälischen Burger Reibekuchen“ mit gebratener Blutwurst, Apfelscheiben und Rübenkraut (7,50 Euro). Doch bei allen westfälischen Wurzeln ist das meiste verfeinert und runderneuert, und es wird auch über den Tellerrand in die mediterrane und asiatische Küche geschaut. Auf der „Vital-Karte“ steht die Gesundheit im Vordergrund, hier finden auch Vegetarier eine schöne Auswahl an Gerichten. Elegant geht’s in der Abteilung „2 fOr Dine“ zu. Da gibt es ausgesuchte Fisch- und Fleischzubereitungen wie „Doppeltes irisches Zwischenstück“ oder „Lachs im Blätterteig“ für zwei Personen, zu denen man die Beilagen aussuchen kann (44 Euro), aber auch Hummer (88 Euro) in drei Variationen steht auf dem Programm.
Doch kommen wir zurück zu meinem Mittagessen. Eingeleitet wurde es durch einen Salat, der mit vielen bunten essbaren Blüten die Farben des Sommers appetitlich widerspiegelte und mit recht knusprig gebratenen Wachtelbrüstchen belegt war (9,95 Euro). Beim Dessert hatte ich zuerst die Befürchtung, dass es vielleicht zu üppig sein könnte. Und als es mir dann in einem schüsselartigen, rautenförmigen tiefen Teller, in dem man fast eines der herumtobenden I-Männchen hätte baden können, gebracht wurde, bekam ich sogar richtigen Bammel. Doch das Stück Pumpernickel-Eis-Torte (6,50 Euro) war leicht und luftig, dass ich mir am Ende nur mit Mühe ein zweites verkneifen konnte.
-kopf
Dortmund-Höchsten, Am Ellberg 1 (Wittbräucker Str. 633)
Fon 0231. 46 27 63
Mi-So 9-23 Uhr, Mo, Di Ruhetag
https://www.overkamp-dortmund.de/restaurant/
Fon 0231. 46 27 63
Mi-So 9-23 Uhr, Mo, Di Ruhetag
https://www.overkamp-dortmund.de/restaurant/
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